Ausgabe 
1.8.1903
 
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Ssrnotag den 1. Augrrst.

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1903. Rr. 113.

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(Nachdruck verboten.)

Schloß Osterno.

Roman von S. M e r r i m a n.

(Fortsetzung.)

16. Kapitel.

Die Einladung.

Steinmetz erschien ebenfalls auf diesem Ball, und das erste, was er erkannte, war das hübsche Gesicht Fräulein Nellys, die sich eben von ihrem Tänzer abwandte. Er war ihr erst einmal begegnet und hatte kaum sechs Worte mit rhr gewechselt, sodaß ihr freimütiger, freundlicher Gruß ihn setzt einigermaßen überraschte. Sie trat auf ihn zu und reichte ihm mit jener Liebenswürdigkeit die Hand, die diese junge Dame Personen beiderlei Geschlechts, die ihr zufällig gefielen, unparteiisch angedeihen ließ. Sie wußte Nicht, warum dieser Mann ihr gefiel, und bemühte sich auch Nicht, die Ursache herauszufinden.

Ich fürchtete schon, daß Sie mich nicht erkennen wür­den", sagte sie.

Mein Leben hat nicht s-o- viele Freuden, daß ich mir den Luxus gestatten kann, eine davon zu vergessen", ant­wortete Steinmetz mit seiner etwas altmodischen Höflich- keit. So ein alter Handegen, wie ich, erwartete jedoch nicht, von jungen Damen auf einem Balle besonders bemerkt zu werden."

Vor noch nicht zehn Minuten beteuerte mir Paul, daß Sre der beste Tänzer wären, den Men je hervorgebracht x? skgte das Mädchen, indem es ihn mit seinen hellen, ehrlichen Augen anblickte.

Karl Steinmetz schaute auf sie nieder, und seine ruhigen, blauen Augen hatten einen fast zärtlichen Ausdruck. Zwi­schen diesen beiden war eine plötzliche Sympathie entstanden, und plötzliche Sympathien sind die besten.

Wollen Sie es mit einem alten Manne versuchen?" fragte er.Man wird Sie freilich auslachen."

sagte sie, indem sie ihm ihre Danzkarte und fasst- -gleich darauf begann die Musik zu spielen. fElly hatte zuerist das Gefühl, als ob sie mit ihrem Vater Ä aber das verschwand bald, und ehe sie eine Runde w! gemacht hatten, wußte sie, daß sie einen solchen beleM S MichlL )atte' biefer ^haari^ sagte ^sm to0^ te ü6er ^was mit Ihnen sprechen", in mit unendlicher Geschicklichkeit;

2L oenr gedrängt vollen Saale berührte niemand Nellys oeoeuren hat, lächelte sre rhm zu.

Sol'?ich hchgehÄ""^ °rtent0 eingeladen", sagte sie.

Wer hat Sie eingeladen?"

Paul."

.Dann gehen Sie", sagte Steinmetz und beging damit einen der wenigen Irrtümer seines Lebens.

Glauben Sie? Wäre es Ihnen recht, wenn ich mit- führe?"

Ach, so müssen Sie es nicht auslegen. Wie gut Sie tanzet:, kolossal! Mich berührt Ihr Hin^ommen nicht."

Trotzdem Sie dort sein werden?"

Macht das einen Unterschied, mein liebes Fräulein?^ Selbstverständlich."

Warum denn?"

Das frage ich auch", antwortete Nelly offenherzig.Ich habe es mich gefragt, seit Paul mi-ch einlud; wenn Sre nrcht mrtgingen, würde ich sofortnein" gesagt haben."!

Was bin ich also in Ihren Augen?" fragte Karl Stein­metz mit ruhigem Lächeln.

Die Sicherheit", antwortete sie ohne Zaudern und tanzte lächelnd weiter.

Und Paul?" fragte er nach einer kleinen Weile.

Die Kraft", antwortete Nelly unverzüglich.

Er sah mit entern flüchtigen Blick des Erstaunens auf sre hinab; denn er war darin wie ein Weib, daß er big Menschen mehr nach einem Zucken des Augenlides, einem Blrck, entern Schweigen beurteilte, als nach gesprochenen Worten.

Dürfen wir also hoffen, daß Sie den Gefahren von Osterno trotzen werden, wenn !vir beide auf Sie acht geben? Ach, die Musik hört auf!"

.Ja wenn ich meiner Mutter versprechen kann, daß tente Gefahr dabei ist."

Unter den: grauen Schnurrbart ging etwas vor, ent Lächeln oder ein zweifelndes Verziehen der Lippen.'

So weit kann ich nicht gehen; aber Sie körnten Ihrer Mutter versprechen, daß ich Sie beschützen werde, als wären Sie meine eigene Tochter. Wenn wenn der liebe Gott ttrt Himmel es nicht anders mit mir beschlossen hätte, würde ich heute eine Tochter in Ihrem Alter haben. Ach, die Musik hat aufgehört. Die Musik hört immer auf, das ist das Unangenehme dabei. Ich danke Ihnen, daß Sie mit einem alten Haudegen getanzt haben."

Er führte sie zu ihrer Gardedame zurück, verbeugte sich in seiner altmodischen Weise vor den Damen und ent­fernte sich.

Wenn es von mir abhängt, «teilt liebes Kind, werden Sie nicht nach Osterno gehen", sagte er zu sich selbst, " während er, nach Paul ausblickend, durch den Saal schritt.

Er fand Paul auf der Gallerte, und eine gewisse Un­ruhe, die den Fürsten einen Augenblick zuvor beherrscht hatte, verschwand, als er den Freund erkannte.

Was für Nachrichten bringen Sie?" fragte er, indem er sich niederließ.

Schlechte", antwortete Steinmetz.Wir hatten daA