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sehr starker Hund" sagte das Kind. Worauf der Kummer aufgefordert wurde, sich an dem Schutzbrett niederzuducken.
„Mit dem Erzählen des Abenteuers wollen wir warten, bis dieser junge Mann mit etwas heißer Milch zu Bellt gebracht worden ist", sagte Willys Beschützer.
„Das ist ganz recht", quiekte die Stimme aus dem Rocke.
„Gieb nur auf den Kummer acht, wenn ich fort bin, bitte; Fräulein Gammelin, — deshalb suchte ich Dich doch.,"
„Du brauchst nicht fortzugehen, Willy; Du darfst mit Herrn Tips hier bleiben. Dein Vater hat heute einge- willigt, Dich hier zu lassen", sagte sie.
Das Glück kann wuchtig sein. Willy war zuerst ganz still, dann sagte er: „Manchmal ist mein Vater sehr lieb. Gehst Du mit nach Afrika, Fräulein Gammelin?"
„Ei, natürlich nicht Willy!" Ihr Antlitz zeigte eine entschiedene Zunahme an Farbe, und sie schwenkte die Peitsche, um das Pferd besser laufen zu lassen. „Ich bleibe auch hier."
„Dann muff ja der Vater allein gehen, nicht wahr?"
„Ich glaube wohl. Aber, willst Du denn nicht, daß ich hier bleibe?"
„Ich möchte lieber Dich haben, als sonst irgend jemand auf der Welt, außer dem Kummer; und ihn möchte ich auch gern hier behalten", sagte er, während er aus ihren stillen Nachbar deutete.
„Er ist auch sehr lieb. Er sagt, daß er etwas wünscht, was' er nicht haben kann, fast so sehr, wie ich wünschte, den Kummer mitzunehmen Nicht wahr?" wandte er sich an den jungen Mann.
,La, Willy; ich wünsche es sehr, ich habe nur nicht gewagt, tdiarum zu bitten", sagte der Mann mit Nachdruck. „Ich kann so wenig dagegen bieten, verglichen mit dem, was ein anderer bieten kann, daß ich es nicht für recht hielt, — so kam ich zurück, um diesem Fleckchen Erde Lebewohl zu sagen, Willy, als Du mich mit dem — Kummer fandest, Nun möchte ich wissen, ob ich gehen muß oder um das bitten darf, was ich so gern haben möchte —"
„Ich — ich wußte nicht, daß Sie zurückgekommen waren." Fräulein Gammelin erblaßte, und ihre Stimme zitterte.
„Ich konnte nicht anders; ich konnte nicht fern bleiben, und doch — doch fühlte ich, daß es unrecht von mir sei, mich einzumischen. Sagen Sie mir", mit plötzlichem Ungestüm brach er «$6, „wo sind Sie diesen endlos langen Tag gewesen?"
„Ebenfalls bei dem Kämmer", sagte sie und lachte, aber ihre Augen waren irübe. Ihre Blicke hingen aneinander, und sie sagte entschlossen: „Ich hätte nicht bei ihm zu sein brauchen, wenn Sre um das gebeten hätten, was Sie wünschten."
Hinter Willys Rücken sand seine Hand die ihrige, und einen Augenblick lang ruhten seine Lippen darauf.
„Der Kummer ish doch ein schöner Hund", bemerkte Willy unbewußt, „Du sagtest es doch!"
„Ohne Ausnahme der schönste auf der ganzen Erde!" sagte triumphierend der Mann hinter Willy. „Lieblich", murmelte Fräulein Gammelin zitternd.
Und der Kummer ließ ein Ohr hängen und winselte mit übereinstimmender Traurigkeit. —n.
Vermischtes.
Napoleons Villa auf Elba. Die Königin Alexandra von England soll die Absicht haben, die Villa Napoleons auf der Insel Elba zu erwerben. Als sie vor zwei Jahren noch als Prinzessin von Wales eine Kreuzfahrt auf ihrer Dacht ,/Dsborne" im Mittelländischen Meere machte, hatte sie die Insel Elba besucht und sich lange in der Villa aufgehalten, die Napoleon nach seiner Abdankung bewohnte. Seit 1815 hat dieses historische Gebäude wiederholt den Besitzer gewechselt. Es gehörte lange dem Fürsten Demidoff, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, in seinem prächtigen Palast zu Florenz eine große Zahl von Ntrpolconerinnerungen zu sammeln. Zuletzt gehörte die Villa Ubaldo Tonielli, emem der reichsten Industriellen der Insel. Tiefer hat sie vor dem Verfall gerettet, indem er sie gründlich restaurieren ließ, und ein kleines Napoleon-Museum mit den Möbeln, den Gegen- Mnden, den Gemälden, die Napoleon gesehen und berührt
hatte, eingerichtet. Trotz wiederholter Angebote hat er kein Stück davon veräußert. Tas Zimmer Napoleons ist genau! so geblieben, wie es im Jahre 1815 war. Man sieht Darin noch ein hübsches Porträt in Helldunkel der Prinzessin Pauline Borghese, der Schwester Napoleons.
Er ging wieder aus. Es war spät geworden. Als er seine Wohnung erreichte, schlug die Turmuhr die fünftel Stunde. Müde und übernächtig öffnete er die Hausthür! und stieg mit einiger Mühe, aber ganz leise, die Treppei hinauf. Vorsichtig schlich er ins Schlafzimmer.
Gott sei Tank, sie schlief.
Er sank auf einen Stuhl und ohne Hut oder lieber^ zieher abzulegen, begann er, seine Stiefel auszuzieh em Behutsam setzte er einen Stiefel auf den Boden, aber ach! der zweite entfiel seiner Hand und fiel polternd nieder« Sie erwachte augenblicklich.
Sie sah ihn an, und dann sah sie nach dem Sonnens licht, welches durch die Scheiben strömte.
„Aber Georg, warum stehst Tu denn so früh auf?z<
Rettung aus drohender Gefahr!
„Ach, meine Liebe", erwiderte Georg so deutlich, toiti es ihm möglich war, „ich konnte nicht schlafen, darum stand ich auf, um einen Spaziergang zu machen."
Und hinaus schleppte sich der Aermste, um eine Stunde! läng, zwischen Thränen und Stumpfsinn schwankend, draußen umherzuwanken. (Tit-Bits.)
UebertrilMpft. Erster Zahnarzt: „Ich ziehe meinen Patienten die Zähne so zart aus, daß sie während der Operation einschlafen." Zweiter Zahnarzt: „Tas ist noch gar nichts. Meine Patienten lassen sich während des Zahit- ziehens photographieren, weil sie gar zu freundlich aus- schauen!" ___________
Literarisches.
Katechismus der Versteinerungskunde (Petrefakten- kunde, Paläontologie) von Hippolyt Haas. Zweite, gänzlich umgearbeitete Auflage. Mit 234 Abbildungen und 1 Tafel. In Originalleineuband 3.50 Mk. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. — Tie Versteinerungskunde bildet eine! wesentliche Ergänzung der Zoologie und Botanik; denn! sie gestattet uns, den Stammbaum der heutigen Tier- und Pflanzenwelt einigermaßen festzustellen. Mit Hilfe der Petrefaktenkimde gelingt der Nachweis, duff heute gänzlich voneinander getrennte Familien und Gattungen auf eine Stammform zurückgeführt werden müssen. Außerdem iU die Paläontologie eine wichtige Hilfswissenschaft der Geo-, logie; denn eine jode Aera, em jedes System und jede Abteilung der Systeme oder Formationen hat eine Anzahl! von Versteinerungen, die für sie besonders bezeichnend sind und nur in ihren Schichten vorkommen. Solche, in geologischer Hinsicht sehr wichtige Fossilien werden als Seit» Eien bezeichnet. Tie Abbildungen dieser gänzlich neu- ieiteten Auflage des Katechismus der Versteinerungs-i künde hat durch den Autor Tr. Hippolyt Haas, Professor; der Geologie und Paläontologie an der Universität Kteh, eine bedeutende Vermehrung und Verbesserung erfahreni
Preisrätse I.*) Füllrätsel.
(Nachdruck verboten.)
In die leeren Felder sind passende Buchstaben zu setzen, sodaß bekannte Hauptwörter entstehen. Die hinzugefügten Anfangs« und Endbuchstaben bezeichnen, im Zusammen« hang gelesen, einen bekannten Komponisten und einen berühmtm deutschen Dichter.
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*) Lösungen find mit Aufschrift: „Preisrätsel-Lösung" versehen innerhalb acht Tagen an die Redaktion der „GketzSNS* Aamtliendlätter" einzusenden.
Auflösung deS Zahlenrätsels in vor. Nr.r
All Heil. (All Heil, Lessing, Limburg, Habicht, Elefant, Indianer^ Lago-Maggiore.)
Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UniversitsitS-Buch- Wd Steindruckeret (Pietsch Erben) in Gieße«,


