Ausgabe 
31.10.1902
 
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sicht.

zeugen und die Verurteilung zu der, das Urteil gesprochen, dann sind wir nun r und, wie ich hoffe, auch reich."

Reichs Tu hast also ein Mittel gefunden, in das Palais Dorvukoff zu bringen?" fragte sie lebhaft.

Nein, noch nicht. Tas scheint Dir so einfach, was? Nun, ich kann Dir sagen, es ist teufelsmäßig schwer. Nichts ist schwerer, als sich in das mächtige Palais zu schleichen, das von Bedienten wimmelt. Es zählt mehr als dreißig Angestellte, alle Kutscher, Pferdewächter und Küchengehilfen eingerechnet. Eine wahre Armee! Ehe ich noch meinen Schatz gehoben hätte, hopp genommen zu werden, das hätte weder Sinn noch Verstand; und wenn man mich mit meiner Million unter dem Arm abfaßt, dann sehe ich sie nicht mehr wieder. Ich zittere bloß bei diesem Gedanken, unö deshalb verdoppele ich meine Vor-

«ufwacben sollte, dann ist er von allen Seiten eingesperrt und eingeschlossen. Er wüßte dann höchstens, daß uh aus- geoangen bin; doch kann er weder erraten, woher ich komme, noch den geringsten Verdacht gegen Dich hegen."

Daß er gegen mich keinen Verdacht hegt, tft unbedingt wichtig. Aber gegen Dich könnte er schon mehr Verdacht haben."

Warum?"

Tie, die ihn zahlen", kombinierte Querzewski,könnten allmählich ermüden, ihr Geld für nichts und wieder nichts hin auszuwerfen, ihn der Nachlässigkeit oder Unfähigkeit zeihen unb ihn durch einen anderen ersetzen. Weh uns vor dem Nachfolger!"

Tas ist wahr; Tu deiikst doch an alles."

Was soll ich denn anderes anfangen? Für den Augen­blick ist Nach,sinnen und Grübeln meine ganze Beschäf- tl9im,?trmer Kater!" schmeichelte sie ihm, sich an ihn schmiegend.

Teshalb nimm irgend einen Borwand, auszugehen, riet Querzewsk,flöße ihnen etwas Angst ein. Sie werden hoffen, etwas zu entdecken; das wird sie einige Zeit be­schäftigen, und so werden wir endlich doch bis zum Tage der Verhandlung kommen."

,zJst er schon nahe?"

Ja, er ist für den sechzehnten angesetzt, Ende nächster Woche. Auch Tu wirst ganz sicher Deine «Vorladung dazu erhalten."

Ah! So muß ich mich also vvrbereiten, von neuem krank zu werden?"

Nein. Ich habe viel darüber nachgedacht. Ich halte es für besser, wenn Tu erscheinst."

Was? Vor den Geschworenen? Tu denkst nicht, was Tu redest." , ,

Tir wird gar nichts geschehen. Ich habe Dich nämlich nÄlich im Tiergarten genau angesehen. Tu hast keinen Zug mehr von jenem kleinen Mädel, das sie vor Jahren verurteilt hatten."

Win ich heute weniger hübsch als damals?"

Im Gegenteil viel hübscher sogar. Du hast Dich jetzt völlig zur Frau entwickelt."

Sie dankte ihm dies Urteil, herzhaft seine Hand drückend. Sie konnte sich nur schwer mit dem Gedanken vertrant machen, vor Gericht zu erscheinen, unb begann abermals: < , ,

Glaubst Tn, daß ich mich so sehr verändert habe, Um selbst von den Personen, von .denen wir neulich, ge­sprochen haben, nicht erkannt zu werden? Tu selbst warst der erste, es zu befürchten."

Tu willst vom einstigen Kt imin alw achim eist er, von Müller sprechen?"

"Nun, ich habe heute erfahren, daß Herr X. zurück­gezogen auf dem Lande lebt und an einem Buche arbeitet. Jgdes Müller weißt Tu, wo der sitzt?"

Ich habe keine Ahnung."

In Monte-Carlo, wo er mit der Spielsaalüberwachung betraut ist. Tu siehst also, daß Tu von dieser Seite nichts zu fürchten hast, überhaupt von niemand, besonders wenn Tu in T einer Eigenschaft als Stanfe Deinen Kopf, wie Du es sonst so geschickt machst, fest verhüllst. Deine Gegenwart ist dort unumgänglich notwendig, unser Zeugnis ist zu wichtig, als daß es umgangen werden könnte. Auf unsere Aussage allein wird gerechnet, die Geschworenen zu über» ' ' ' hängen. Ist einmal

whänglg und frei

Doch die Zeit verrinnt", bemerkte sie.Du hast mir doch versprochen, mit mir nach Beendigung des Prozesses ins Ausland zu gehen."

Sei nur ruhig, wir werden auch geben. Wie nur der Zufall bisher immer geholfen hat, wird er mir auch diesmal helfen."

Und immer und immer toieber überlegten sie die Art und Weise, wie sie sich geschickt aus der Schlinge ziehen Zollten, wie am leichtesten ihre Million zu erlangen märe«

Um drei Uhr morgens trennten sie sich, um auf den Zehenspitzen in die Kabine zu gehen, die an die von Hesekiel in der Nachbarwohnung bewohnte stieß. Sie legten das Ohr an die Wand, horchten, vernahmen aber kein Gerau,ch. Noch eine letzte Umarmung, dann erst trennte sich die Viper" von ihrem Spießgesellen unb kehrte in ihren Verschlag zurück. Oie überzeugte sich, daß die Thür nach dem Vorzimmer noch immer verschlossen war, daß also Hesekiel keinen Versuch gemacht hatte, sie zu öffnen, und legte sich bann befriebigt zur Ruhe.

Ten nächsten Tag gegen acht Uhr staub sie ruhig auf, Heibete sich au und begab sich in das Zimmer ihres Herrn, der noch in tiefem Schlummer lag. Sie zog die Vorhänge hoch machte Feuer an und bereitete das erste Frühstück.

Hesekiel, der eben aufgewacht war, hatte absolut keine Lust, aufzustehen; es war so schön mollig warm in feinem Bette. Im angeborenen Hang zur Bequemlichkeit fand er sich gegenwärtig vollkommen befriedigt. Er verfolgte mit den Augen das Kommen und Gehen Minnas, die durch das Zimmer hin und herhuschte. Sie mache nicht das leiseste Geräusch sie schwebte eher, als daß sie ging; vmr Zeit zu Zeit näherte sie sich feinem Bett, glättete feine Decke und strich mit der Hand über das Oberbett, dasselbe gleich­mäßig verteilend. ,

Wo gab es für ihn einen besseren, angenehmeren Platz als den feinigen? Er erfüllte gewissenhaft seinen Dienst und seine Aufgabe, er beobachtete genau die Person, die er zu beobachten hatte--unb das alles, ohne sich,

zu stören, von einem guten Bette aus, schön im Warmen, em hübsches Wädchn vor sich, um sein Auge daran zu laben. , . T,

Allerdings verdiente er dabei nur ferne Gebühren: zwanzig Mark pro Tag, die ihm von Sauftleben unb Herrn von Sempach zugesicherte Belohnung entschlüpfte ihm bann allerdings. Um sie zu gewinnen, mußte er etwas ent­decken, aber er entdeckte nichts.

Als hätte sie seine Gedanken erraten, näherte sie sich plötzlich seinem Bette, eine Tasse Thee in den Händen, unb s 9 Gnädiger Herr, ich hätte eine Bitte vorzutragen."

Immer frisch drauf los, mein Kind", entgegnete Hese- kiel, indes Julie die Kopfkissen ausschüttelte, damit er be­quemer läge.

Ich möchte einen Tag Urlaub erbitten."

Wozu denn?" fragte er, über sich selbst Herr genug, seine Geuugthuung zu verbergen. .

Ich möchte in Potsdam eine ehemalige Porter dieses Hauses besuchen gehen", antwortete die raffinierte Person.

Sie war zu mir immer die Güte in Person, solange sie noch hier gewohnt hatte. Tie Portierfrau hat mir erzählt, sie wäre krank, und deshalb möchte ich ihr gern einen mr&e,^S^er^unf^^¥f?'gauä natürlich, und ich habe keinen Grund, Ihnen diese Sitte abzuschlagen", entgegnete He,e- kiel.Wählen Sie einen beliebigen Tag in nächster Woche, sagen wir zum Beispiel Dienstag." .

Der gnädige Herr sind sehr gütig. Um wieviel Uhr könnte ich dann fortgehen?"

sobald Sie fertig sind, um zehn Uhr."

Tas wäre mir gerade die passende Zeit. ®ann komme W noch zum Zuge zurecht, der um halb elf Uhr fahrr. Hat der gnädige Herr die Absicht, heute zeitig auszustehen?

Ja, ich stehe gleich auf. Richten Sie mir meine Kleider im Toilettezimmer her."

Er wollte sofort zu Sauftleben eilen, ihm die Absicht Minnas mitzuteilen und mit ihm die zu vereinbarenden Dispositionen zu treffen. . , , . ,

Sauftleben, der fortwährend von Georg gedrängt wurde unb immer nur zu hören bekam:Tie Sache geht nicht vorwärts. Ihr Mann thut nichts. Wir werden den Tag der Verhandlung erreichen, ohne einen Schritt uur meiter zu sein!" war demnach entzückt von der Nachricht, die

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