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„V.", sagte er, „wenn Du wieder beabsichtigst, mich zu uzen, dann zeige ich Dir etwas anderes!"
. „Wäre begierig zu erfahren was", antwortete V. gelassen, „deshalb werde ich meine Geschichte doch erzählen." „Das wirft Du nicht!" rief P. wütend, „das ist eine Beleidigung, und Du sollst mich nicht mehr beleidigen — Du bist gefordert!"
Es war heraus. Sprachlos saßen die Freunde da. V. fiel, oder that nur so, scheinbar tief erschrocken in seinen Lehnstuhl zurück. Einige bemühten'sich um ihn.
Das war das Zeichen für R., um den Schneider noch mehr zu begeistern. „Siehst Du die Angst, Christian, gieb's ihm noch einmal!" raunte er dem tapferen Manne zu, und wirklich, kühn gemacht durch seinen Erfolg, erhob sich P. zum zweitenmale in die Worte ausbrechend: „Ja- wohl, V., bist gefordert, Du Feigling Du!"
Das brachte V. auf die Füße.
„Meine Herren", sagte er, „das war die größte Beleidigung, die mir jemals jemand ins Gesicht geschleudert hat. Jetzt nehme ich die Forderung an, werde mich auch zu keiner Aussöhnung hergeben. Nur mit Blut kann meine angegriffene Ehre wieder abgewaschen werden. Und da . ich als Geforderter das Recht habe, die Waffen zu be- . stimmen, so mögen Pistolen entscheiden!"
Tiefes Schweigen. — Nur P. schien wie umgewandelt; totenblaß sah er da; dicke Schweißtropfen rannen von seiner Stirne. Aber R. hatte die Situation erfaßt und redete ihm Mut zu.
Endlich erhob sich E.. der Expolizeidiener, und begann: „Freunde! Leider ist hier in unserer Mitte diese un- angenehme Sache passiert. Da wir aber alle nach altem Burschenbrauch für's Burschenwohl den Schläger ziehen wollen, so wird wohl keiner der Kontrahenten durch Feigheit seine Ehre beflecken und zurücktveten wollen. Da die Beleidigungen und Forderungen auf diesem Grund und Boden geschehen, so soll auch hier im Garten unter den grünen Bäumen der Kampf der Ehre ausgefochten werden — und zwar sofort. Ich ernenne R. und F. zu Sekundanten — 20 Schritt Barriere — auf Kommando 3 wird gefeuert — ich selbst werde als Unparteiischer auftreten und als solcher ote Pistolen besorgen. Verweilt hier eine kurze Zeit und haltet die Kontrahenten auseinander. Tiefe Stille herrscht. Nur aus der Ecke, wo P. und R. sitzen, ertönt öfters ein unheimliches Stöhnen. Nach einer Viertelstunde erscheint E. wieder mit zwei kolossalen alten Reiterpistolen.
„Alles bereit, meine Herren, machen Sie sich fertig zum Duell!" bemerkte 'er kurz.
Die Nichteingeweihten wunderten sich, warum eigentlich jedem der Duellanten eine große Küchenschürze als Serviette umgebunden wurde, doch noch mehr Aufsehen erregte es, als man am Kampfplatz, dem Garten der Brauerei, angelangt, sah, daß hinter jeden der Duellanten eine große Garbe Stroh gelegt wurde. P. bekam seinen Platz nahe der Gartenhecke, während V. neben einer großen Kastanie Aufstellung genommen hatte. Hinter diesem Baum hatte aber schon vorher einer der Beteiligten sich versteckt; er trug einen Topf in der Hand, welcher eine Flüssigkeit enthielt, die mit Roterübenbrühe verzweifelte Aehnlichkeit hatte.
Jetzt wurden den Duellanten die natürlich blind geladenen Pistolen behändigt. Der Unparteiische ermahnte nochmals, erst auf das Kommando drei zu feuern. R. und der dicke Bäckermeister haben große Mühe, den unglückseligen Schneider aufrecht zu erhalten. R. spricht ihm tapfer Mut zu. Langsam fängt E. an zu zählen: Eins — Zwei — und--als das Kommando Drei erschallt,
hebt ,P. zitternd an allen Gliedern die Pistole. Den Anblick vergesse ich mein Lebtag nicht. Mit nach hinten gedrehtem Kopf, bte Lippen krampfhaft zusammengepreßt, die Augen geschlossen, die Schultern fast verrenkt, steht er da ein Bild des 'Jammers und schießt wirklich die Pistole ab.
Ein Blitz und Knall. — Ein einziger Blick nach seinem Gegner überzeugt P. von dem vermeintlichen Unglück, das er angerichtet. V. steht da mit blutgefärbtem Gesicht, scheußlich anzusehen. Das Blut — recte Roterübensaft läuft auf die weiße Küchenschürze nieder und langsam sinkt er auf das Stroh, die Arme weit ausbreitend. Das genügt für P. Es war nicht nötig, daß R. ihm mit
komischen Angst^ebärden zurief: „P., Du hast den V. totgeschossen!" Dre Pistole wegwerfend, ein verzweifelter Sprung über die Hecke und wie von Furien gepeitscht, rast der unglückliche P. die Wallthorstraße hinunter. Drei oder vier hinter ihm drein mit dem Rufe: „Haltet ihn! Haltet ihn!" —
Unterdessen hat sich V. aus seinem Strohbündel aufgerappelt, wischt sich mit der Schürze die rote Brühe aus seinem Gesicht und bricht mit den übrigen in ein schallendes Gelächter aus. — P. hatte seine rasende Flucht fortgesetzt. Von zwei handfesten Stationsdienern gepackt, welche ihn glücklrch abgehalten hatten, auf einen gerade abführenden Personenzug zu springen, so fanden ihn die ihm nachgeeilten Freunde am Bahnhof. Nach kurzer Aufklärung gegenüber dem Stationsvorsteher, überließ ihn dieser seinen Bekannten. Aber welche Mühe hatten diese, ihm die Sachlage zu erklären. Er wollte es immer noch! nicht glauben, daß V. gar nicht tot, sondern munter; und guter Dinge sei. Erst als sie in einer Droschke nach Königs zurückgekehrt, und V. ihm mit lächelnden Antlitz und ausgestreckter Rechte entgegenkam, da stürzte er mit Freudenthränen in den Augen und dem Ausrufe: „V., V., Du lebst?!" in dessen Arme und dann kam es nach einigen langen, tiefen Atemzügen wie eine Erlösung aus seinem Munde: „Herrgott, was hab' ich 'ne Angst ausgestanden!"
An jenem denkwürdigen Sonntage aber, hat gar manche ehrsame Hausfrau vergeblich auf ihr Ehegespons mit dem Mittagessen gewartet.
Gemeinnützrges.
JndasOyr eingedrungeneJnsekten können recht ungemütliche Empfindungen und nicht selten schwer heilbare Erkrankungen des Ohres verursachen, wenn sie nicht gleich entfernt oder durch ungeschickte Handhabung; im Ohr getötet werden. Das Herumbohren im Ohr hat, schreibt der „Praktische Wegweiser", Würzburg, in diesem Falle einen recht zweifelhaften Erfolg, der manchmal recht unglücklich ausfällt. . Die Entfernung des eingedrungenen Insekts geschieht zweckmäßig in der Weise, daß man sich so legt, daß das Ohr, in welchem der Eindringling haust, nach oben kommt und vorsichtig reines Mohn- oder Olivenöl einträufelt. Kampheröl ist noch wirksamer. Tie Insekten werden durch das Oel getötet und sind dann leicht mit einer Pinzette zu entfernen. Kleine Insekten sind durch Ausspülen des Ohres mit lauwarmem Wasser herauszuschwemmen. Das Oel schadet in keinem Falle und wird durch das Wasser wieder herausbefördert. :—r.
Schachaufgabe.
Von K. Laufs in Ahrweiler.
a b
abcdef g h
d e f g h
Weiß. (9+6)
Weiß zieht an und setzt mit dem zweiten Zuge matt. (Auflösung in nächster Nummer.)
8
7
6
5
4
3
2
1
8
7
6
5
4
3
2
1
Auflösung des Zahlenquadrats in vor, Nr.r
18 26 9 22 5
6 14 27 10 18
19 7 15 23 11
12 20 8 16 24
25 8 21 4 17
Redaktion: I. V.: R. Dittmann. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen UniverfltätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


