Ausgabe 
31.1.1902
 
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heute in Versailles, ein Greis dem Alter nach, aber so frisch an Lebenskraft, und freudig in die Welt blickend, als wolle er in dieser noch ein weiteres halbes Jahrtausend seinen Platz behaupten.

Welche Stelle die Apfelsine heute innerhalb unseres Winterobstes einnimmt, das braucht eigentlich kaum des näheren auseinandergesetzt zu werden. Sobald die kalte Jahreszeit ihren Höhepunkt erreicht hat, fluten alltäglich aus südlichen Zonen ganze Wagenladungen dieser Frucht, her zu uns auf dem Schienenwege. Der Apfel ist seltener geworden, und demgemäß auch teurer, Birne und Wein­traube stehen so hoch im Preise, daß sie nur noch als Leckerbissen angesehen werden können, und höchstens auf die Tafel deroberen Zehntausend" gelangen. In diese Lücke hat Allmutter Natur in ihrer Güte und Weisheit nun die Apfelsine gestellt. Denn abgesehen von ihren sonstigen, bereits oben angeführten Vorzügen, ist sie so billig, daß auch der Unbemittelte den Preis dafür sonder Mühe und Entbehren erschwingen kann- Dabei ist sie der Gesundheit überaus zuträglich; von sämtlichen Früchten, die auf den Tisch des Menschen kommen, ist sie bei weitem die saftreichste, und verfügt außerdem über einen Säuregehalt, welcher der Verdauung durch­aus zuträglich ist. Ganz- verkehrt ist es, wenn mau diesen Geschmack durch Zucker verwischen oder gar heben will; Apfelsinen werden am besten roh gegessen, wie sie aus der Schale kommen, ohne alle Zuthat oder künst­liche Zubereitung, sei es indem man die Frucht aus der sie umgebenden Hülle löst und dann, in einzelne Scheibeir -erteilt, genießt oder aber einen Teil der Schale entfernt zmd nun an der somit entstandenen Oeffnung den köst­lichen Saftgehalt heraussaugt. Vielleicht ist sogar die zuletzt erwähnte Methode, wenn auch bei uns die weniger übliche, schon deshalb mehr zu empfehlen, weil dabei nicht so viel Saft verloren geht, wie dies unter Um­ständen beim völligen Loslösen aus der Schale geschehen kann.

Ueberdies ist man dabei mehr oder weniger der Verpflichtung enthoben, das an sich geschmacklose und die Verdauung höchstens hemmende Fleischgefaser, womit der Saft durchwuchert ist, mitzuverzehren. Sehr beliebt rst übrigens auch in manchem Haushalt ein Apfelsinen- falat, bestehend aus recht dünngeschnittenen Scheiben dieser Frucht, durchmischt mit denen des Apfels- Nur wird man, wenn die Apfelsinen nicht in der That reif und demgemäß vollauf süß sind, bei diesem Salat auf eine Vergabe von Zucker nicht verzichten können- Mehren- terls überstäubt man diese Schüssel noch mit Marasquino oder Cura^ao; auch Kirschwasser und recht guter Rum ignen sich dazu. In dieser salatarmen Zeit erweist ,ich solche Schüssel als Rettungsanker für manche Haus­frau, die plötzlich Besuch bekommt und nicht recht weiß, was sie den Gästen vorsetzen soll; ich meinerseits schwärme nicht dafür.

Kauft Apfelsinen; eßt sie fleißig frischweg, so­bald sie erstanden sind, und den zusammenschwindenden Vorrat sofort durch einen neuen ersetzend. Völlig falsch ist cs übrigens, von der Größe der Frucht auf die etwaige Güte einen Schluß ziehen zu wollen. Hauptsache bleibt fast immer nur, daß die Schale recht dünn und möglichst eben sei; dann schlummert auch dahinter gewöhnlich ein hinreichend süßer und lieblich gewürzter Saft- Uebri- gens können Apfelsinen im Haushalte noch auf die mannig­fachste Art und Weise zur Verwendung gelangen- Sehr gut mundet eine Apfelsinentorle, zu der mau zweier- runder Böden aus Mürbeteig bedarf. Ngchdem diese etwa nne halbe Stunde im mäßig geheizten Öfen gewesen, be­streicht man den einen mit Apfelsinenmarmelade, setzt den andern darauf, belegt den letzteren mit Apfelsinen- schewen, und stellt das Ganze noch etwa eine Viertel­stunde in einen ziemlich heißen Ofen. Dabei darf ich ilcht unterlassen, vor allem das Rezept zu der für die Füllung notwendigen Marmelade zu geben. Diese stellt .nmi, her aus fünf Teilen Apfelsine, 1 Teil Zitrone und > Teilen Pomeranze, zu der später mindestens eine gleiche Gewichtmenge von Zucker hinzukommen muß. Die Früchte werden nun zuerst ohne den letzteren mit kaltem Wasser mm Kochen gebracht,abgegossen und kalt gestellt. Nach Onager Zeit nochmals gekocht, bleiben sie auf dem Feuer,

bis fte fach lercht durchstechen lassen. Jetzt schneidet man sw in dünne Scheiben, löst die Kerne daraus und bringt oie ersteren etwa mit der Hälfte des vorher abgewogenen Zuckers und unter Zuhilfenahme von Liter des Koch­wassers auf jedes Pfund Früchte wiederum auf das Feuer. Hier kocht die Masse recht langsam eine halbe Stunde! unter allmählichem Verrühren der übrigen Zuckerhälfte; dann ist sie bestimmt gallertartig, wird in erwärmte Büchsen gefüllt, luftdicht verschlossen und an trockener Stelle für den Gebrauch aufgehoben. Apfelsinencreme, den man gleichfalls als Füllung für Torten benützt, stellt man her aus 2 Eiern und 2 Eidottern, dem Saft von einer Zitrone und 2 Apfelsinen, etwas ganz fein ge­wiegter Apfelsinenschale und 200 Gramm Zucker- Diese Masse wird über Feuer so lange mit einem Schaumbesen geschlagen, bis sie dicklich und somit also Creme ge­worden ist- Die Apfelsinenschalen selber bilden kandiert einen Leckerbissen, der überdies den Vorzug hat, daß er sehr herzhaft schmeckt. Man befreit die Schalen möglichst sorgfältig von der weißen Innenwand, und kocht sie unter iviederholtem Abgießen des Wassers, bis sie recht weich geworden- Nun nimmt man eine ihrem Gewicht ent­sprechende Menge Zucker, kocht ihn gut ein, und legt dann in diesen die Schalen, nachdem man sie hat gut abtropfen lassen. Darin müssen sie eine volle Nacht ver­bleiben; am nächsten Tag wird der Saft abgegossen, langsam auf Feuer von neuem verdickt, und wieder den Schalen beigesellt. Auch ein Aufwellen dieser in der Zuckermasse selber ist anzuraten; Hauptsache bleibt eben, daß die letztere hinreichend in die Poren dringt, und den Wassergehalt daraus vertreibt. Schließlich geben Apfelsinenschalen, in Würfel geschnitten, und mit bestem Weinessig aufgestellt, einen Extrakt, der, mit Zucker ge­mischt, und einer entsprechenden Menge Wassers zuge­tröpfelt, einen ebenso billigen wie wohlschmeckenden Kühl­trank. Bei uns ist dieser leider noch bei weitem nicht hinreichend gewürdigt, weil nicht gekannt, allein in Frankreich spielt er als sogenannte Orangeade in der Krankenpflege, und bei Sommerhitze eine umso wichtigere Nolle; ein Versuch sollte also wohl wenigstens gemacht werden. Neuerdings will man auch noch herausgetüftelt haben, daß Stiefel, mit einer natürlich frischen Apfel­sinenschale eingerieben, und dann geputzt, einen Glanz zeigen, wie ihn selbst die durch alle nur möglichen Patente geschützte Wichse nicht zu erzeugen vermag. Mehr wird doch schließlich k e i n M e n ' ch v o n d e r Apfelsine verlangen können!

Geineinnütziges.

Den Krebs will ein englischer Arzt mit §tife der Röntgenstrahlen heilen können. Die tägliche Behandlung des Kranken soll schon nach einer Woche eine augenscheinliche Besserung zur Folge haben. Wie derPraktische Wegweiser", Würzburg, schreibt, werden schon seit Jahren mittels des Brennglases Krebs, Geschwüre, Gewächse und dergleichen geheilt, und zwar mit Sonnenstrahlen, sodaß selbst erfahrene Aerzte sich dieses Verfahrens bedienen.

DieKochkunst ist kein Luxus, sondern durchaus notwendig, um Wohlbehagen und Gesundheit zu fördern- Von maßgebender Bedeutung für den Wert der Speisen ist ihre Schmackhaftigkeit und Verdaulichkeit; von ihnen hängt zum großen Teil die Ausnutzung und damit die Nährwirkung der Speisen auf den Körper ab- Ein unüber­troffenes Mittel, um diese Zwecke zu erreichen, ist die altbewährte Maggi-Würze; sie sollte in keinem Haushalt fehlen. _____________

Abstrichräts el.

Nachdriut tierboten.

Stall, Enten, Bart, Bern, Liter, Ast, Augen, Knie, Ferse, Echo, Affe, Haft.

Von jedem der vorstehenden Wörter sind zwei Buchstaben und zwar entweder beide hinten oder vorn, oder einer hinten und einer vorn abzu­streichen. Die stehen bleibenden Buchstaben müssen im Zusammenhang einen Sinuspruch ergeben.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Abswichcätsels in vor. Nr.:

Chaos, Otter, Leim, Uhr, Mais, Basel, Udo, Serie.

Columbus.

Gießen.

Nedakrion: E. Burkhardt. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch. und Stemdrnckerei (Pietsch Erben) in