Ausgabe 
30.4.1902
 
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Redaktion: I. R. Dittmann. Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Cteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen,

Berliner Geschäftsleute kaum zwanzig Schritte von unserem Geschäft entfernt, erblickte ich ihn, im Begriff, einen Taxameter zu besteigen. Ich erreichte ihn atemlos in dem Angenblick, als er einen Fuß auf den Tritt des Wagens setzte, und ergriff feilten Arm. Er zuckte kaum merklich zusammen und fragte mich mit scheinbarer Kaltblütigkeit, was ich noch von ihm wünsche.

Nichts weiter als die beiden Ketten, wenn Ihnen daran liegt, Aufsehen zu vermeiden", war meine Antwort. In diesem Augenblick tauchte in dem Menschenstrom eine blaue Schutzmannsuniform auf, die auch die scharfen Augen des Spitzbuben erspäht haben mochten; er zog die Ketten hervor und legte sie mir in die Hand. Daun bestieg er den Wagen, lehnte sich mit sorgloser Nachlässigkeit in den Fond zurück und fuhr davon, ohne mich an.ch, nur noch eines Blickes zu würdigen." Dg.

wird abgefeilt und die Kante dann mit größter Sorgfalt gerändert.

Tarauf werden die Münzen in eine Silberlösung ge­legt, in der sie sich bald auf galvanischem Wege mit einem Silberniederschlag bedecken. Um den Münzen das auffallend neue Aussehen zu nehmen, werden sie mit einer Mischung von Fett u,nd Zigarrenasche oder .Lampenruß eingerieben. Um die Täuschung vollkommen zu machen, wählen die Falschmünzer fast ausnahmslos alte Münzen zur Nach­ahmung; die erzielte Kopie geht dann aus den verschiedenen Stadien des Fabrikationsprozesses schließlich als eine schmutzige, etwas verwischte Münze aus zurückliegenden De­zennien hervor.

Ein bevorzugter Trick der Fälscher von Goldmünzen besteht darin, daß sie eine echte Goldmünze soweit wie möglich ausbohren, um die Höhlung dann mit Platin aus- zufüslen, um das erforderliche Gewicht wieder zu erzielen. Durch dieses Verfahren büßt das Goldstück die Hälfte oder gar drei Viertel seines ursprünglichen Wertes ein, ohne von dem Aussehen einer echten Goldmünze das geringste zu verlieren.

Nur ein Sachverständiger kann derartige Betrügereien entdecken. Tie gewöhnlichen Nachahmungen aus Zinn- Blei, Antimon und änderen Metallen können mit ziemlicher Sicherheit durch folgende Versuche herausgefunden werden: Wenn beim Reiben der Münze mit dem angefeuchteten. Finger das glänzende Metall unter der schmutzigen Ober­fläche zum Vorschein kommt, so ist die Münze sicher falsch. Manche Leute pflege» aus die Münze zu beißen, wobei die unechte Münze sich sandig zeigt, zum Unterschied von der glatten Fläche des echten Goldstückes; auch wenn eine Gold­münze ein Zeichen auf einer Schiefertafel hinterläßt, so kann man sicher sein, daß der Argwohn gerechtfertigt war.

In dem altbewährten Familienblatt, das die Vorzüge aktueller Berichterstattung über alle Zeitergebnisse mit einem gediegenen, vielseitigen Inhalt und einer ausgezeich­neten Ausstattung vereinigt, erscheint augenblicklich der neueste Roman von Georg Freiherr von O m p t e d a: Ma riech en", in dem uns der gefeierte Verfasser dies­mal au die heilkräftigen Quellen von Karlsbad führt. Eine Eigenart des Daheims, in der das Blatt noch immer un­erreicht ist, sind seine vielseitigen Beilagen: Aus der Zeit, Frauen daheim, Kinderdaheim, Haus­musik, Spielecke, Sam m ler d ah e im, 5z aus­gar teil. Neuerdings werden fast jeder Nummer außer trefflichen Holzschnitten auch «och besondere Kunstblätter beigegeben. Die uns vorliegenden letzten Nummern ent­halten z. B. eine ausgezeichnete Reproduktion des Gemäldes Sevillanert.n" des Düsseldorfer Künstlers Karl Sohn und eine wundervolle Madonna von Perugiuo.

Was »ruß »rau von der Buchführung wissen?

Unter diesem Titel erschien int Verlage von Hugo Siri- nitz in Berlin SW., von dem bekannten Handelsschriftsteller P. Ch. Martens ein kleines Werk (Preis 1 Mk.), Dem Verfasser ist es vollauf, gelungen, in faßlicher klarer Weise das Nötige darzustellen über das Wesen der Buchführung, die sämtlichen bekannten Buchführungsarten, Inventur, Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung usw., und wir können das Merk allen denen empfehlen, die durch Amt oder Beruf genötigt sind, die Buchführung zu verstehen, besonders Kaufleuten, Gewerbetreibenden, Vormündern, aber auch andere Beamte und viele Private werden es zu ihrem und anderer Nutzen studieren.

Zahlenräts el.

(Nachdruck verboten.)

1 2 8 8 4 5 6 7 4 1 2 8 3 4 8 9 4 Sprichwort.

1 2 3 3 9 Zeichen.

1 9 4 5 6 Haustier.

9 8 9 Vogelart.

3 9 8 7 6 Vorname.

8 9 4 4 6 Nagetier.

1 9 3 3 6 8 Gemach.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Logogriphs in vor, Nr,r Regen Regent.

Die Tricks der Falschmünzer.

(Nachdruck verboten.)

Kein Verbrecher der Welt ist so wenig besserungsfähig, . kvie der berufsmäßige Falschmünzer", sagt ein bekannter ,-Tetektiv. Ein gebesserter Bettler oder Taschendieb ist gar . nichts Ungewöhnliches; aber ein Falschmünzer, der seinem -Gewerbe entsagt, ist seltener als ei» schwarzer Schwan. Keine noch so schwere Strafe kann einen Falschmünzer zurück­halten, sofort nach Verbüßung derselben zu seinen Tiegeln und Batterien zurückzukehren

Ter moderne Falschmünzer steht unter den intelligenten Verbrechern auf einer hohen Stufe und unterscheidet sich von seinem Vorgänger einige Generationen früher ebenso sehr wie ein normaler Mensch von einem Affen. Der Falsch­münzer zur Zeit unserer Vorfahren war nichts als ein plumper Arbeiter, der seine Münzen aus Eisen und Zinn, Wismutb nnd Messing fabrizierte; und die Produkte seiner Geschicklichkeit konnten nur den Unwissendsten und Sorg­losesten täuschen.

Selbst jetzt noch gießt es eineniedrigere" Klasse von Falschmünzern, die bei ihrer Arbeit ebenso primitiv vor­gehen. Ihre Batterien sind aus Kücheugefäßen roh zu- sammeugestellt, und der übrige Apparat besteht aus Gips­mehl und Bleiglanz zur Herstellung der Formen, einem Schmelztiegel, einem Löffel, einer Rolle und etwas Fett. Tie ganze Ausstattung ist kaum zehn Mark wert. Die Opfer dieser Nachahmungen sind natürlich nur unter den unwissendsten Bevölkerungsklassen zu suchen; und selbst hier werden die Verbrecher und ihre Helfershelfer, welche die Münzen unterzubringen versuchen, häufig entlarvt.

Terhöhere" Falschmünzer wird in Tit-Bits treffend charakterisiert. Er ist ein Mann von bedeutender Intelli­genz, der oft ein erschöpfendes Studium der Metalle und des galvanischen Plattierungsprozesses anwendet, um zu seinem Ziele zu gelangen. Er stellt Münzen her, die an­scheinend dieselbe Bollkommenheit aufweisen, wie die echten, und die sogar dasselbe Gewicht und alle sonstigen Kenn­zeichen der echten Münze haben. Manche der Münzen werden . sogar aus wirklichem Golo und Silber gemacht, nur ist das . Gold und Silber von einem niederen Grade und reichlich . mit Kupfer und Silber vermischt, während bekanntlich un- eckte Silbermünzen aus Silber von der erforderlichen Fein­heit hergestellt werden können, wobei trotzdem noch ein , Gewinn von über 100 Prozent erzielt wird. Bei einem . solchen Gewinn ist das Geschäft lukrativ genug, um Ersatz für eine kleine Gefahr zu bieten; Münzen aus Silber von dein erforderlichen Feinheitsgrade und vollem Gewicht sind natürlich auch nicht leicht als falsche zu erkennnen.

Indessen, die meisten Falschmünzer geben sich nicht zufrieden mit einem mittelmäßigen Gewinn. Sie ziehen es vor, ihre Silbermünzen aus Antimon und Blei (Antimon bildet dabei den größten Teil der Münzen) herzustellen und sie nur mit einem Ueberzug aus Silber zu versehen. Falsche Goldmünzen werden, meist aus Platin hergestellt, welches das erforderliche Gewicht gießt.

Das Münzverfahren an sich ist sehr einfach, wenn es auch Vorsicht und Geschicklichkeit erfordert. Zuerst wird von der zu kopierenden Münze ein genauer Wachsabdruck ge­macht und aus gesiebtem Gipsmehl eine Form hergestellt. Daun wird das geschmolzene Metall durch eine winzige Oessnung in die Form gegossen. Tas überflüssige Metall