Ausgabe 
29.9.1902
 
Einzelbild herunterladen

580

ttrit seinen Eisbergen und dem Packeis. . . . Der aufgehaufte Schnee von Jahrhunderten hat die Thäler im Innern ge- ffrtlt, sie den Berggipfeln gleichgemacht, sich dm Jnhi> bunderte hindurch immer mehr ausgeturmt und schlrehlrch die höchsten Gipfel Hunderte und tausende Fuß tref rn Schnee und Eis vergraben. Das Innere Grönlands rst jetzt em ununterbrochenes Schneeplateau von 5000 8000 und 10 000 Fuß Höhe über dem Meeresspiegel, ein großes, weißes, schimmerndes Schild, 1200 Meilen lang und 500 Merlen breit, das auf den stützenden Bergen ruht. Auf dieser gefrorenen Sahara des inneren Grönlands grebt es weder vegetabilisches, noch animalisches Leben, kem Felsstuck, kern Sandkorn. Wer, wie ich, Woche auf Wvche über drese ge­frorene Wüste reist, sieht außer sich und ferner Gesellschaft nur die unendliche Ausdehnung der gefrorenen Ebene, den unendlichen Dom des kalterr, blauen Hrmmels und dre kalte weiße Sonne. Die höchsten Berggipfel lregen 1000-5000 Fuß unter der mächtigen Schneedecke. An der Westküste des Smithsundes fand Peary einen kleinen Eskrmostamm, der nördlicher als alle anderen menschlrchen Geschöpfe, unter dem äußersten Druck der wilden Umgebung wohnte, ohne Regierurrg, Religion, Geld oder einen anderen Wert­maßstab, ohne geschriebene Sprache, ohne Eigentum außer Kleidung und Waffen, deren Nahrung rrur aus Flersch, Blrrt und Thran ohne Salz oder irgend einem vegetabilischen Stoff, und deren Kleidung aus Bogel- und Tierhäuten bestand. Ihr Lebenszweck war nur, etwas zum Essen und zur Kleidung zu bekommen, und ihre einzige Beschäftigung war der Kämpf darum. Diese Leute, deren Sitten und Lebensbedingungen kaum über denen des Tieres stehen, scheinen sich zuerst sehr nahe dem Boden auf der Stufen- leiter der Zivilisation zu befinden, bei näherer Bekannt­schaft zeigen sie sich aber schnell, klug, begabt und durchaus menschlich. ... Sie sind in ihrer Einfachheit, Ehrlichkeit, in dem glücklichen Fehlen jeder Sorge, von Lebewesen m ihrer Umgebung, in ihrer Nahrung und ihren Gebräuchen eine Gemeinde von Kindern. Sie find eiserne Menschen m ihrer äußersten Mißachtung der Kälte, des Hungers, der Ermüdung, sie sind Wesen von hoher Intelligenz m der Herstellung und dem Gebrauch der Jagdgeräte." Aus dre Dienste dieser Leute stützte sich Peary während ferner vrer- jährigen Verbannung im Polareis.Die Wirkung meiner Spedition auf die Kinder des Nordens ist gewesen, den ganzen Stamm zum Reichtum zu bringen. Bor sieben Jahren besaß mancher Mann kein Messer und manche Frau kerne Nadel. Wenige Männer besaßen Kajaks oder Kanoes aus Fellen, und wer einen Speer oder eine Harpune aus einem einzigerr Stück Holz hatte, war wohl daran. ... Ein Mann bot mir einen Hund und Schlitten und alle seine Pelze sür ein Brett von seiner Größe an; ein anderer seine Frau und zwei Kirrder für ein Messer und eine Frau alles, was sie hatte, sür eine Nadel. Heute sind Männer und Frauen mit Messern und Nadeln versehen, jeder Mann und Knabe hat sein Boot, die meisten Gewehre, und jeder Jäger das beste Holz sür seine Lanze, seine Harpune, seinen Walroß­speer und Schlitten. Tie Leute sind besser gekleidet und genährt, die Sterblichkeit hat abgenommen und die Ge- burtszahl in den letzten sechs Jahren zugenommen." Tie Heiratöbräuche der Eskimos sind sehr primitiv. Peary gießt in seinem Buche auch Photographien vieler Leute, unter denen sich auch eine Ahtooffungwah befindet, deren Gatte von einem Eisbären getötet worden war. Bon dieser Eskimofchönheit erzählt er eine sehr drollige Geschichte, die das Liebesleben im hohen Norden kennzeichnet:Ahtovk- sungwah war ganz hell (in der Farbe) und hatte eine Gestalt wie ein Walroß. Ihr glänzendes Gesicht war be­deutend breiter als lang, sie war Vier Fuß sechs Zoll groß und wog 300 Pfund, und ihre Figur ähnelte emer Anzahl zusammengebundener Polsterkissen. Nach meiner Ansicht waren ihre Linien etwas schwer, aber sie war augen­scheinlich das Ideal einer Eskimoschönheit und unwider­stehlich, da sie Witwe war. Unter ihren vielen Bewerbern waren Koko, ein mehrmals Geschiedener, und Akpudia, der nach dem Tode seiner Frau nur Augen für seine kleine, apfelwangige Tochter gehabt hatte, am meisten begünstigt. Aber sein Herz schmolz unaufhaltsam bei der Wärme des öligen Lächelns der Witwe wie ein Stück gefrorener Speck in der Flamme eines Jkomar." Ein unblutiges Eskimoduell, bei dem der Besiegte aus den Rücken geworfen wird, folgte, in dem Koko Sieger war. Er schirrte seine Hunde

an und machte mit der Witwe eine Hochzeitsreise. Nach zwei oder drei Tagen kamen sie zurück, aber Jkwah, der chon Frau und Kind hatte, verliebte sich in die Witwe, und nachdem er in einem anderen Duell Koko besiegt hatte/ ührte er die rundliche Sirene mit ihrem ganzen Reichtum und ihren bezaubernden Reizen in seine eigene Schneehütte.^

Vermischtes.

Blühende Resedatöpfe sind im Winter ein hübscher Zimmerschmuck und besonders wegen des angenehmen Dustes beliebt. Man füllt zwecks Aussaat Blumentöpfe von 812 Ctm. Weite mit leichter Erde und streut etwa zehn Samenkörnchen in jeden Topf, drückt die Erde ganz leicht an, worauf die Töpfe überbraust und an einen mäßig warmen Platz an das Fenster gestellt werden. Sobald die Pflänzchen einige Blättchen entwickelt haben, werden diej chwachen bis auf drei oder vier der stärksten heraus-^ gezogen, da sich mehr Pflanzen nicht gut entwickeln können., Anfangs ist nur sparsam zu gießen, weil die Pflänzchen onst leicht an Wurzelfäule eingehen; sobald die Blüten erscheinen, wird reichlicher gegossen. Werden die abgeblühten Blumen stets bald entfernt, daß sich kein Samen bilden kann, dann entwickeln sich, ivie derPraktische Wegweiser", Würzburg, schreibt, fortwährend neue Blüten, die lange Zeit anhalten.

MttsraVesches.

Kaiser reden, Reden und Erlasse, Briefe und Telegrainme Kaiser Wilhelms II. Ein Charakterbild des Deutschen Kaisers. Verlagsbuchhandlung von I. I. Weber in, Leipzig, 1902. Preis 6 Mark, gebunden 7,50 Mark, Kaiser Wilhelm II. gehört zu denjenigen Fürsten der Gegenwart, die wohl am meisten öffentlich sprechen, dabek aber auch den Erfolg haben, daß ihre Reden nicht spurlos vorübergehen, sondern von der Tagespresse des In- und Auslandes aufs eifrigste erörtert werden. Wer dem karser- lichen Redner und seinen Anschauungen, Grundsätzen und Absichten aber wahrhaft gerecht werden will, der wird die Reden des Monarchen im Zusammenhang Nachlesen müssen, vor allem jene, die sich auf bestimmte Ereignisse beziehen oder einen ganz besonderen Zweck verfolgen. Ein über­raschend klares Bild des kaiserlichen Charakters ergießt sich aus diesen Reden. Sie beleuchten die Persönlichkeit Kaiser Wilhelms II. so scharf, daß dadurch für den un­parteiischen Beurteiler eine Charakterskizze entsteht, die durch keine andere Schilderung so genau wiedergegeßen werden könnte. Die Aßsichten und Ideen, die Kaiser Wil­helm II. ßei seiner Thronbesteigung in den Proklamationen' an Volk, Heer und Marine ausgesprochen hat, finden srch, in allen den Reden wieder, die er in den vierzehn Jahren seiner Regierung gehalten hat, und sie sind auch ohne Kommentar aus diesen Reden leicht herauszufinden. Es ist ein dankenswertes Unternehmen der VerlagshandlunA I. I. Weder in Leipzig, in dem soeben von A. Oskar Klauß- mann herausgegeßenen WerkeKaiserreden" die wichtigsten und für seine Person und Politik bezeichnendsten Reden des Deutschen Kaisers zu ßieten, die, sehr übersichtlich gruppiert, und durch einen erklärenden Beglerttext unter­einander verßunden, ohne jede persönliche und politische Neßenaßsicht Helle Streiflichter auf den Charakter und dre Person Kaiser Wilhelms II. werfen. Das Buch rst nur zu empfehlen. ______

Charade.

(Nachdruck verboten.)

Die beiden Ersten locken schimmernd, Ich hab das Dritte draus gemacht, Und hab das Ganze meinem Liebchen Als Schmuck des blonden Haupts gebracht. Sie saß im Stübchen bei der Muhme, Und beide beten fromm und still, Das Ganze haltend in den Händen, Wie Sankt Dominikus cs will.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Magischen Quadrats in vor. Nr.: GOLD ODER L E D A

DRAU ____

Redaktton: Curt Plato. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch-n Universttäts.Buch« und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.