Samstag den 29. März.
1902.
Nr. 48.
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Hl
Ali
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Ium Ksterftste 1902.
Won Alwin Römer.
(Nachdruck verboten.)
Das ist ein segensvolles Walten, Das jetzt durch alle Keime rinnt; Auf jedem Plan will sich's entfalten, Wo Sonnenkunst ihr Werk beginnt; Aus braunen Knospen möcht' es drängen Der Waldeskronen grüne Pracht;
Und alle Kelche möcht' es sprengen Zum Osterschmuck in einer Nacht! . 7
Wohl lauert er noch in den Bergen, Der König, der sein Reich verlor. Und oft bricht er mit seinen Schergen, Dem Frost und Sturmwind, noch! hervor; Doch sucht vergeblich er zu dämpfen Die junge Kraft in Flur und Hain — Und müde von den schweren Kämpfen Schläft er auf hoher Alpe ein! . . .
Sei denn gegrüßt, du holdes Licht, Das uns erlöst aus dumpfen Qualen, Um uns mit Osterzuversicht Die zagen Herzen zu durchstrahlen! Wie Lerchen, die mit Jubelton Im Frührot ihre Schwingen regen. Flog deinem ersten Schimmer schon Der Seele Sehnsucht froh entgegen!
Und ob auch zart der Schleier noch) Den deine gold'nen Boten woben. Die frohen Augen seh'n ihn doch Und wandern zu dem Schöpfer droben, Der um die hehre Osterzeit Im Lenze grüßt die deutsche Erde, Daß uns des Lebens Ewigkeit In solchem Bild zur Klarheit werde! . . .
Willst Du allein seitab noch stehn, Grämling, in Unmut eingesponnen? Das Osterwort vom Auferstehn, Auch Dir rauscht's in den Frühlingsbronnen, Und flammt in Osterfeuern licht Auch Dir, zur Freude Dich zu führen;
Und wenn auf Bergesgipfeln nicht, j - In Deinem Herzen sollst Du's schüren!; z !'
। Ein Gefangener.
Eine Ostergeschichte von Gerhard Walter,
(Nachdruck verboten.)
Sie saß in tiefem Sinnen am Fenster. Draußen lag kalter Sonnenschein auf der waldigen Berglehne, deren Buchen noch kaum jenen zarten rötlichen Schimmer der schwellenden, geschlossenen Knospen zeigten. Aber auf dem Grat des Berges ragte aus dem Walddickicht eine ab-, bröckelnde Turmruine auf. Die Burg, die einst dazu ge- hörte, mochte damals trutzig genug ins Thal hinabgeschaut haben.
Es war ein feines, liebes Gesicht, das da so nachdenklich hinausschaute, und das sich auf die zarte Hand stützte.
„Ach ja!" seufzte sie tief auf. Und nach einer Weile flüsterte sie: „Nun ist er hinaus in die weite Welt; ach mög' ihn der Himmel bewahren."
Es war ganz, ganz still im Hause an der Berglehne.^ Man hörte draußen die Drossel flöten, und ein Buchfink, der die Zeit nicht hatte erwarten können, schmetterte sein frisches Lied vom Zweig des kahlen Nußbaumes vorm Fenster.
Es war Osterheiligabend.
„Gerda!" klang die Stimme der Mutter durch die großes Stille.
„Jawohl, ich komme!" rief das junge Mädchen und! sprang auf, das dicke, dunkle Haar feststeckend.
Sie lächelte. Sie dachte daran, wie Er ihr einstmals den Pfeil aus den dicken Flechten gezogen, daß ihr die lange, dunkle Strähne über Schultern und Rücken in schweren Wogen gerollt war. — Und sie seufzte wieder ein wenig, als wollte sie heimlich sagen: „Ich wollte, er thäte es wieder!"
„Er" war seines Zeichens ein Maler gewesen, der reisend und schweifend und studierend, singend und pfeifend und freiheitsstolz durchs Land gezogen war zur schönen, linden Sommerszeit. Da unten in der Mühle hatte er länger gewohnt. Nicht ganz freiwillig. Er war von den Trümmern des Burgturms oben heruntergestürzt, als sich die Steine unter seinem verwegenen Fuß gelöst hatten, und in ziemlich trauriger Verfassung hatten sie ihn mit Wend unten aufgelesen und in sein Quartier in der Mühle ge-, tragen, in foeiri er nur zum Studium der „zwölf Apostel"/ einer Gruppe berühmter Tannen, eingekehrt war.
Nun mußte er da schon etwas länger aushalten. Und mittlerweile, bis sein verknaxter Fuß ausgeheilt war, studierte er die schönen dunklen Augen von Fräulein Gerda, die öfters nach der Mühle zum Besuch kam. Er war ent frischer, kerngesunder, blühender Gesell; sie ein liebreizendes, , süßes, inniges Geschöpf. Es dauerte gar nicht lange da I machte er ihr in stürmischer Weise den Hof. Die.Müllers-, | leute hatten ihren Spaß daran: „Das wäre ein Mann


