Ausgabe 
28.4.1902
 
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b'urtstag, der damals gleichzeitig Jahresanfang war, ans den kürzesten Tag verlegen wollte und irrtümlicherweise den 24. Dezember für den kürzesten Tag hielt. Die hin­sichtlich des Geburtsdatums des Heilands obwaltenden Un­sicherheiten machen es also unmöglich, die seitdem verstrichenen Minuten zu bestimmen, welche die Nummer 1000 000 000 führt. Für unsere Zeitrechnung dagegen stimmt die obige Berechnung mit mathematischer Ge­nauigkeit.

Es ist vielleicht nicht uninteressant, hier noch hinzu- znfttgen, wann die tausendmillionste Sekunde verflossen war und wann die Uhren der Zukunft zum tausend- rnillionsten Stundenschlage ausholen werden. Wenn wir eine Milliarde durch 86 400, d. i- die Sekundenzahl eines Tages dividieren, so erhalten wir 11574 Tage und bei weiterer Reduktion des Sekundenrestes auf Stunden und Minuten noch weitere 1 Stunde 46 Minuten und 40 Se­kunden und kommen somit zu dem Resultat, daß dieser Moment im September des Jahres 32 nach Christus, also wahrscheinlich noch zu dessen Lebzeiten, oder bald nach seinem Tode eingetreten ist.

Die tausendmillionste Stunde dagegen führt uns in die fernste Zukunft. Wenn wir wieder julianische Jahre Volt 365 Tagen und 6 Stunden, also gleich 8766 Stunden, annehmen, erhalten wir bei Ausführung der entsprechenden Division 114 077 Jahre und noch einen Rest von 1018 Stunden, so daß das Datum in den Februar des Jahres 114078 fällt. Eine genauere Bestimmung des Tages er­übrigt sich hier gänzlich, weil auch die gregorianische Kalenderrechnung mit dem astronomischen Jahre nicht genau übereinstimmt und es schon in etwa 3600 Jahren not» wendig machen wird, wiederum einen Schalttag zu ent­fernen. Vielleicht werden die Menschen jener weit in der Zukunft liegenden Zeiten vernünftiger sein und sich nicht jahrhunderlang, wie es unsere Vorfahren gethan haben, über die dann notwendige Regulierung des Kalenders streiten, die mit wahrhafter Religiösität absolut nichts zu thun hat, und nur ein Postulat des bürgerlichen Lebens ist. Die Ungewißheit über die Art und Weise dieser Re­gulierung ist aber eine Sorge, welche wir ebenso getrost unseren Nachkommen in der 3500. Generation überlassen können, wie die Konstituierung eines Festkomitees zur Feier der tausendmillionsten Stunde.

Denkmäler, welche Tieren errichtet wurden.

(Nachdruck verboten.)

, Nach ihrem Konflikt mit China vor einigen Jahren errichteten die Japaner ein Denkmal zum Andenken an die in der Schlacht getöteten Pferde. Der Herzog von Wellington ließ in Strathfieldsaye, wo sein berühmter Renner Copenhagen starb, ein Denkmal erbauen.

Der Gipfel des Berges Farley, nicht weit von Win- chester, wird durch einen Obelisken gekrönt, welcher die Begräbnisstätte eines Pferdes bezeichnet. Der Name des Tieres warBeware Chalk-Pit" (hüte dich vor der Kalk­grube.) Dieser Beinahme war ihm verliehen worden, weil es einmal auf einer Jagd mit feinem Herrn auf dem Rücken in eine 20 Fuß tiefe Kalkgrube sprang. Der Obelisk ist ein Markstein für viele Meilen im Umkreise.

Die Erwähnung dieses Jagdpferdes erinnert daran, daß sich in Sandiway in Cheshire ein Denkmal für einen Jagdhund befindet. Dieser Fuchshund, namens Bluecap, und seine Heldenthaten bilden das Thema von Liedern, die noch jetzt nicht vergessen sind, obgleich 120 Jahre vergangen sind, seit der Hund starb. Der Obelisk wurde von dem verstorbenen A. H. Smith-Barry errichtet.

In Edinburg befindet sich eine Statue von. Grey Friars Bobby, einem Hunde, der die Sonntage von den Wochentagen zu unterscheiden wußte. Während dreizehn Jahre schlief jener Hund jede Nacht auf dem Grabe seines Herrn auf Grey Friars' Kirchhof. Er wurde täglich, außer Sonntags, von dem Besitzer eines benachbarten Restau­rants mit,Mittagessen versorgt. Das Wunderbare an der Geschichte ist, daß Bobby jede Woche von seinem Freitags- und Samstagmittagessen einen Teil für sein Sonntagsmahl aufbewahrte. Die Baronin Burdett-Coutts errichtete 1872 den marmornen Springbrunnen, über welchem sich die Statue erhebt.

Es i glebt noch wertere Denkmäler berühmter Hunde. Eines der interessantesten befindet sich auf dem Terrain der Newstead-Abtei und i st Lod Byron's Hund, Boatswatn gewidmet. Es trägt folgende Inschrift:In der Nähe dieser Stelle liegt die Hülle eines Wesens begraben, das Schönheit besaß ohne Eitelkeit, Stärke ohne Anmaßung, Mut ohne Wildheit und alle Tugenden des Menschen ohne ferne Laster."

Dieses Lob, welches gewiß schmeichelhaft wäre, wenn es ernem Menschen gegolten hätte, ist eine gerechte An­erkennung Boatswain's, welche sein Andenken aufrecht erhält. E O

GemernrrÄtzrges.

Was grebts an jedem Tag der Woche im Obst- und Ziergarten zu thun? Im Frühjahr drängen sich die Arbeiten. Es ist daher erklärlich, daß alle Gartenfreunde gern in irgend einer Weise auf . jede Arbeit aufmerksam gemacht werden möchten, damit sie bei der Aussaat, Pflanzung, beim Schnitt und beim Ver­edeln usw. nichts versäumen. Wir finden soeben in Nr. 3 desErfurter Führers im Gartenbau" einen solchen Arbeitskalender für jeden Tag in der Woche. Da diese Nummer unseren Abonnenten kostenfrei zugeschickt wird, wenn sie sich mittels Postkarte an das Geschäftsamt des Erfurter Führers" wenden, so gtauüen wir, daß alle Gartenbesitzer unter unseren Lesern davon Gebrauch machen werden.

Bergsteigekur en für Nervenkranke werden neuerdings von Dr. Keller empfohlen als atu besten ge­eignet, die Aufmerksamkeit völlig in Anspruch zu nehmen. Der Weg muß so gewählt werden, daß er den Wandere« stets beschäftigt, z. B. durch Achtelt auf den Weg, schöne Aussichten, gefährlich erscheinende Gänge; ferner soll das Ergebnis der Touren für die geistige Ausbildung in den verschiedenen Wissenschaften verwertet werden. Die günstige Wirkung des Bergsteigens ist besonders daritt zu suchen, daß sich das Lustgefühl steigert und das Ermüdungsgefühl zurückgedrängt wird.

Schnürleber. Bei Frauen, die sich andauernd stark schnüren, tritt eine sogenannte Schnürleber ein. Eine solche Leber iveift eine starke Einschnürung des rechten, vorderen Leberlappens auf. Es zieht sich quer über denselben eine tiefe, wagrechte Furche. Man braucht wohl kein großer Anatom oder Arzt zu fein, um sich sagen zu können, daß eine derartig verschnürte Leber nicht naturgemäß funktio­nieren kann. Derartige Frauen leiden ständig an ' Ver- dauungsbefchwerden, haben ein Druck- und Schmerzgefühl in der Lebergegend, leiden an Kopfschmerzen, Uebelkeit, Schwindel, unregelmäßigem Stuhl usw. Ihr Aussehen ist ein schlechtes. Es ist solchen Frauen dringend zu raten, das Korsett fortzulassen, es durch ein bequemes Leibchen zu ersetzen, auch wenn es auf Rechnung der schönen Figur geht, sich viel Bewegung zu machen, Sport zu treiben und Wasseranwendungen vorzunehmen. Die Patientin foll zunächst eine gute allgemeine Hautpflege treiben, sich leicht kleiden, viel in frischer Luft bewegen, kühle Abwaschungen machen, barfuß gehen, leichte Kost genießen, viel baden, bei offenem Fenster schlafen im Winter geheizt> früh auf steh en nno früh zu Bette gehen, Gartenarbeit ver­richten und des Nachts 1820 gradige 68 fache nasse Leibbinde umlegen und mit Wolle gut bedecken. Des Morgens ist eine kühle Abwaschung zu machen.

(Prakt. Wegweiser, Würzburg.)

Logogriph.

(Nachdruck verboten.)

Aus Wollenhöhen kommt's hernieder, Der Erde ein willkomm'ner Gruß. In Bayern trifft man's doppelt wieder: Als kleine Stadt und muntern Fluß. Und fügt man nur ein Zeichen dran, 9 ftS ein im Staate mächt'ger Mann.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.: Feuerlärm.

Nedaktion: I. V.: R. Dittmann. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniverfltätS-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.