Montag den 28. April.
Nr. 63.
1902.
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iflegte sie eine Weile bei der Lampe chen, oder sie hockte auf einem hölzernen
können!z/
„Das konnte er, weil er im Innersten seines .Herzens ehrlich ist, wie nur wenige."
förmig.
Des Abends st
(Fortsetzung.)
Er war im selben Augenblick aufgesprungen und wollte sie einholen. , ... ~.
„Helene, so dürfen Sie nicht von mrr gehen!", Sie aber wandte sich um und hielt die Hände vor sich, tote zur
„Böje, ich bitte Sie von Herzen, lassen Sie mich gehen."
Er kehrte zurück, sank auf die Bank nieder und barg sein Antlitz in den Händen. ~ ,
„Großer Gott, wie sehen Sie denn aus, Fräulein?' Sie schob die Wirtin zur Seite, lief die Treppen hrnauf und warf sich mit Hut und Umhang auf einen Stuhl, bie Handflächen gegen die Brust pressend
" ' „Gott fei Lob und Däne, daß rch das fertig brachte."
Mer der weiche Klang seiner Worte tönte ihr noch nt den Ohren, und in Gedanken sah sie ihn ganz vernichtet ddraußen auf .der Bank sitzen. Da wußte sie wie hmß sie ihn liebte, und in dem Gefühl, als ruhe all der Schmerz und alles Leid der Welt aus ihr, brach sie in Thranen aus und preßte ihr Taschentuch gegen die Augen.
Lange Zeit hindurch hörte und sah Helene nichts von Böse. Unter dem dämpfenden Einfluß einsamer Betrachtungen kam ihr Sinn allmählich wieder zur Ruhe.
Wieder und wieder sagte sie sich selbst, daß sie an f en em Tage, als die Versuchung ihre Fäden um sie schlang, richtig gehandelt habe, sie hatte einen Sieg, errungen, der im Himmel verzeichnet wurde — vieles wurde ihr dieses Sieges wegen abgerechnet werden. ,
Die Zeit verging wie vorher, abgemessen und em-
VV~3cßer,' wenn et sich nun veranlaßt fühlte, das Verhältnis zu lösen, so geschah dies wohl nicht allein um Ihretwillen, sondern wohl auch, weil er fühlte, daß ihm selber der Grund unter den Füßen fortgeglttten
sich Thomas und seinem Vater zu Füßen zu werfen und ihr Leben unter der alten Zucht zu verbringen.. Es ist schwer, über die endlose Fläche des Wüstenlandes hinuberzublicken, aber man wird ruhig uud stark, wenn man den Weg, geht, den uns Gott durch seine Licht- und Wolkensäule vorzeichnet.
Da kam Böje eines Abends zu ihr heraus.
Die Angst trieb ihr alles Blut aus dem Gesicht, als sie öffnete und ihn gewahrte; aber sie beruhigte sich bald, wieder — sie war sich ihrer Kraft bewußt.
„Das ist nicht recht von Ihnen, Böse."
Er stand in der Thüröffnung, schlank und schön, sie drinnen, die Hand auf das Schloß gelegt. Das Mädchen der Wirtin, das im selben Augenblick heraufkam, einen Teller mit Thee und Butterbrot tragend, ging auf die Thür zu und stellte sich abwartend hinter ihn. Er wandte sich um und war im Begriff, zur Seite zu treten, besann sich aber und trat ein. Das Mädchen setzte das Theebrett hin und entfernte sich wieder
„Böje! — — — Sie dürfen nicht bleiben!"
Ein bitter-wehmütiges Lächeln umzuckte seinen Mund.
„Ist es nicht sonderbar — jeden beliebigen, anderen Menschen würden Sie freundlich empfangen — mich wagen Sie nicht bei sich zu sehen."
„Sie wissen sehr wohl, aus welchem Grunde."
„Nein, ich weiß es nicht, denn es gießt lerne Macht zwischen Himmel und Erde, die unser Herz zu bezwingen vermag, wenn wir ihm seinen freien Willen lassen."
Sie hatte auf den« Puff am Ende des Tisches Platz genommen uud nähte krampfhaft an ihrer Arbeit, hellbeschienen von dem Licht der Lampe.
Er saß in der Nähe der Thür auf einem Stuhl und schlug mit der Krücke seines Stockes Beulen in den weichen
I Kopf seines Hutes. , , ,x . ,
„Sageu Sie mir doch, weshalb Sie mich Uicht sehen I wollen, Helene?" r.
„Ich sagte es Ihnen neulich schon: Ich bin nicht I frei, ich habe einem andern mein Wort gegeben." I „Aber davon sind Sie ja entbunden worden."
„Ich bin nicht von seinem Herzen gelöst. Ich toet& daß er mich nie vergißt. Falls ich wüßte, daß ich ihm gleichgiltig wäre, so läge unser Verhältnis sonnenklar —. so aber thut es das nicht." , _ . ,
I „Das verstehe ich nicht, wie er Sie hat fmgcßcn,
^'„Jch weiß so sicher, wie ich hier sitze, daß er mich zehnmal so lieb hat, seit wir geschieden sind. Und es.
zu sitzeu und zu nähen, ober sie hockte auf einem hölzernen Schemel, lehnte sich mit den Ellbogen über einen kleinen Puff und ließ ihren Gedanken freien Lauf.
Sie hatte Zutrauen zu ihrer Seelenstärke gewonnen Und fand oft eine eigene, qualvolle Befriedigung in dein Gedanken, daß sie jetzt Kraft genug besäße, den Schritt zu thun, den sie so oft erwogen, den sie aber bisher nie auszuführen vermocht hatte: nach Holmstrust zurückzukehren,
idjt jeder kann sich dnrch außerordentliche Handlungen ans' zeichnen; aber gemeinnützig wirken kann und soll jeder.
Wolfg. Menzel.
(Nachdruck verboten.)
Die Möve.
Romall in zwei Bänden von Zacharias Nielsen.
Autorisierte Uebersetzung aus dem Dänischen von Mathilde Mann. ,li


