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Delphischer Spruch.
(Nachdruck verboten.)
Lieblich umspinnt es den Sinn, es führt in die Hallen der Vorzeit. Aber mit anderem Fuß setzt es die Köchin dir vor.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.r Akademie der Künste.
Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schcn UniversttätS-Buch- und Steindrnckerei (Pietsch Erben) in Gießen.
„Ich bin sehr für geliehene Bücher. Besitzt man das Buch als Eigentum, so glaubt man: em andermal ! Man sieht es im Schranke und denkt: wenn ich gelegene Zert haben ^erde'" (Hippel, „Lebenslaufe" 1.)
längeren, beinahe rüsselartig aussehenden Schnauze kam daraus zum Vorschein, und plötzlich rollte ein klumpiger Ballen in die Küche hinein.
,Da geh' ich nich mehr rrn", erklärte Anna bestrmmt; „so 'n Vieh, das mich immer pikt, kann ich nicht verknusen."
„Wer Anna", beruhigte ich sie, „Sie haben sich doch selbst einen Igel gewünscht, damit die Mäuseplage schleunigst aushört. Lassen Sie doch das Tier einige Tage hier. Wentt es all' die Mäuse gefressen hat, dann kann man 's ja dem Zoologischen Garten wieder zurückgeben. Das ist doch ein Vorschlag zur Güte."
„Wenn ich den annehme, muß aber dre Nacht die Küchenthür zu bleiben", entgegnete Anna.
„Wenn Sie meinen", lenkte ich ein, „dann sperren ©te
— — Am nächsten Morgen wehklagte Anna wieder: wie das Jgelbeest die Nacht über in der Küche gehaust habe. Entsetzlich, ganz entsetzlich. Dazu sei sie nicht da, um das alles sauber zu machen. Und die Maus sei auch noch da. Das Jgelvieh sei nirgends zu finden, auch in seiner Kiste sei es nicht aufzutreiben.
„Vielleicht", schloß Anna ihren Bericht, „ist das Biest ausgerückt, das wäre jedenfalls das Beste, was es thun konnte."
„Wenn dieser Igel keine Mäuse frißt", gab ich zu, „hätte ich auch nichts dagegen. Wer wo kann er denn blos hingekommen sein, durch die Küchenthür kann er doch nicht kriechen."
„Die Küchenthür, — du lieber Himmel", wehklagte
Anna, „ich habe ja gestern abend vergessen, die zuzumachen."
„Das ist 'ne schöne Bescherung", tadelte ich, „aus Ihrer Vergeßlichkeit können die größten Unannehmlichkeiten entstehen. Wir müssen jetzt nach dem Igel auf die Suche gehen."
Die Wohnung wurde von unten nach oben gekehrt, —. es ward keinerlei Igel gefunden.
Ich ging meinen Mann um Rat an.
„So", meinte der, „das Jgelein ist verschwunden? 's wird in irgend einen Schrank gekrochen sein. Oder viel-, leicht hat 's schon seinen Winterschlaf angetreten. Setz' ihm doch einen Napf mit Milch neben seine Kiste, etwas Brot
und Aepfel, — wenn er noch in der Wohnung haust, wird
alles ab" i er Witterung davon kriegen, aus seinem Lager rauskriechen
Früh gegen sieben Uhr. Die Kinder mußten aufstehen, und sich daran gütlich thun."
sie muüten um acht in der Schule sein. Sollte ich's denn Milch, — Brot, — Aepfel, — alles blieb unberührt,
aulb chon ? Es war so nebeliges Wetter, noch finster Eine Woche lang, zwei Wochen lang. Ich überlegte: sollte Ts--?' ' ! das Tier wirklich aus der Wohnung verschwunden fern,
' Hnhhh. . ., schallte da ein gellender Ruf aus der oder sollte es sich irgendwo versteckt balten?
Kücke Ich beeilte mich. Huhhhh. . ., kreischte es hinter- 1 Anna hatte dre Krste frohlockend als „Kleinholz' rn her/ Ich hörte es: Huh Nummer eins war das meiner alten den Ofen gesteckt. „Een Glücks hatte sre daber gesagt, Aufwärterin, das Nummer zwei stammte von Anna her. I „daß das Meh verduftet rst. Dre Maus rst noch immer Als ich mich notdürftig angekleidet hatte, eilte ich hinaus, hrer, aber dre futtere ich letzt selbst, sre rst schon ganz zahm
Die Aufwärterin stand kreidebleich an das Küchen- geworden, 's sind lrebe Geschöpfe, drese Mause. Und s fenster aelehnt. Kaum hatte sie mich erblickt, als sie mir ist wirklich nur eine da. Und wenn die nur ganz allern rurref- 1 ist und ohne Anhang, dann kann sie doch nicht. . .
Fch kündige: zu Ihnen komme ich nicht mehr". I „Kaum, Anna", unterbrach ich sie, „selbst Mäuse ver- "Fa we-malb denn?" fragte ich stauneüd. I mehren sich unter diesen Umständen nicht!"
Die alte ehrwürdige Dame zeigte auf den Fußboden. I Drei Wochen später: große Wäsche. Waschfrau, Auf-, Da stand die Kiste, in der alles durcheinander gequirlt | Wärterin, Anna und ich als Führerin des Waschzuges. Dre war Diese Kiste war in normalen Zeiten der Aufenthalt I schmutzige Wäsche war aus drei hohen Körben in eine Ecke für sämtliche Schuh-- und Stiefelbürsten, für Wichsschachteln, der Waschküche geschüttet worden.
kurz und gut für alles, was dazu dient, das Schuhwerk j „Weiß nrch", meinte die Waschfrau, „'s krabbelt was sauber und in gutem Zustand zu erhalten. Natürlich lag I in der Wäsche."
in der Kiste der Igel, und die Aufwärterin hatte ihn wahr- I „Ja", nickte die Auswärterrn, „'s hat was drm ge- scheinlich streicheln wollen. | krabbelt."
Da rst sie wieder", kreischte Anna auf, und ich sah „Unsinn", erklärte Anna, „trinken wrr doch unsren aanz/deutlich, wie die Maus wieder über den Boden huschte I Kaffee, dann werde tdj 's euch beweisen, daß alles rn Ord- und hinter dem Kohlenkasten verschwand. Sie war also I nung ist." Sie nahm ihre Tasse rn dre rechte, das Brötchen vom Jaeltter noch nicht verspeist worden. I in die linke Hand und meinte: „In der Wasche sitztes
„Eine ganze Stunde schon habe ich die Küche scheuern I sich weicher wie auf dem Küchenstuhl", damit ließ sie sich müssen von wegen dem Swinegel", jammerte Anna. I anmutig auf den Haufen Wäsche nieder sinken.
„Ich wollte das Biest schon totschlagen", meinte die I Im nächsten Augenblick flog die Tasse links, das Brot- Aufwärterin, „aber da hat 's seine Stacheln hochgedreht, chen rechts, ein erschütterndes Schmerzensgeheul ertönte, und da habe ich mir nur die Finger zerstochen". I das arme Mädchen machte verzweifelte, zappelnde Beweg-
„Mit dem Feuerhaken bin ich ihm schon zu Leibe ge- ungen, sodaß es mir tote ein Blitz durch das Gehirn schoß; gangen", erklärte Anna, „aber da pfaucht und schnauft I Der Igel! — Sie hat ihn besessen.
es, daß man 's mit der Angst kriegt. Des Tages über läßt I -----------
es sich nicht sehen, aber sobald es zu dustern beginnt, dann I LesefrNchte.
ist man vor dem Vieh seines Lebens nicht sicher. Ueberall ~ Buch, darum
taucht es auf, wo matt es am allerwenigsten vermutet. I r mit Kmicbmürtern ab als mit
Wenn ich mal über die borstige Karrnallje zu Falle komme, grebt das Volk sich lieber mit Sprichwörtern ab aw mir kann ich mir ja etwelche Rippen brechen." Buchern/' 2 1 - -
„NuU, es ist gut", entschied ich, „ich gebe zu, daß das! | .. P so brauchen
Tier viel Unangenehmes an sich hat, aber so lange muß es V ^ivre nfir nämlich sie rutragen,
doch hier bleiben, bis es seine Pflicht und Schuldigkeit ste ettoajo toie tlre ^^nctflen,
gethan und die Maus gefressen hat." | damit WfäW 1 - her Sonne gestellt ist"
„Der Igel scheint sich um keinerlei Maus zu kümmern", gemeiniglich still steht oder nicht nach der ^nne gebeut m. erzählte Anna, „eine ist ihm schon wiederholt vor der Nase „ Anthropotogte
herum gelaufen, aber der hat sich gar nicht gerührt. I j -. -, <■.. olanbt matt vor den auf-
Das Tier blieb also noch. I , . ;


