Ausgabe 
28.2.1902
 
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suchten dann beide gemeinschaftlich, doch wie gesagt, ver-

0 , Aber, Du sagtest niemand davon?"

Nein, ich verbot es auch Mthe, darüber zu sprechen."

"Du hast ganz recht daran gethan. Es wäre erne Kränkung für alle Anwesenden gewesen, und der Ring Ware wahrscheinlich auch trotzdem nicht wieder zum Vorschein gekommen, d^te .$ auc^ Und das alles an meinem ß5e6U$nne§ Kind!" sagte Holthaus,so um Deine Freude betrogen zu werden. Doch beruhige Dich, und lege Dich schlafen, wir werden morgen noch einmal eine gründliche Suche anstellen. Ist jemand von den Dienstleuten tn dem Zimmer gewesen?" c .,

Nein, während des Festes war das ja kaum möglich, sie hätten sich durch die Gäste drängen müssen, und das wäre doch aufgefallen, und nachher habe ich das Zimmer verschlossen und den Schlüssel dann zu mir gesteckt."

Kind, das war klug. So wissen wir wenigstens mit Gewißheit, daß niemand von der Dienerschaft das Zimmer betreten hat; wir brauchen also nach dieser Seite hin kernen Verdacht zu haben."

Aber nach der andern, Papa? Mrr graut davor;"

Nicht eher wollen wir einen Verdacht auf jemanden werfen, bis wir noch einmal alles gründliche untersucht haben. Und Lis dahin fei guten Mutes, Hella, vielleicht entdecken wir dann, was Mr in der Aufregung des Aiugen- blicks entgangen ist."

Hoffen wir es, Papa." ,

Er Nißte ihr die Stirn.Schlafe wohl, mein Kind! Und fort, mit allen trübseligen Gedanken, der neue Tag wird uns Licht bringen."--

(Fortsetzung folgt.)

Der Igel.

Von Josefa Vogt.

(Nachdruck verboten.)

Huhhhh.... eben hatte ich das gräßliche Tier mit eigenen Augen gesehen. Quer durch die Mche war es gelaufen und hinter dem Kohlenkasten verschwunden. Also hatte Anna doch Recht behalten: unsere so sauber gehaltene Küche war die Brutstätte für allerhand entsetzliches Un­geziefer geworden. Das konnte so nicht weiter gehen, die Bestien gehen ja schließlich die Menschen an, und wäre mir das geschehen, ich wäre vor Schreck alsbald eine Leiche gewesen.

Ich eilte zu meinem Mann.Du", hieß ich dem,nimm sofort Deinen Revolver und komm mit nach der Mche."

Was ist denn da los?" fragte er in aller Seelew­ruhe.Der Kneitzl kann doch nicht draußen sein, und der Schinderhannes ist auch nicht mehr."

Viel Schlimmeres ist's", behauptete ich,eine Maus sitzt hinter dem Kohlenkasten, und die mußt Du sofort tot schießen."

Ich werde mich hüten", lachte mein Mann,ich ver­spüre gar keine Lust, Löcher in den Kohlenkasten zu schießen."

So willst Du uns also in dieser Ungezieferplage um­kommen lassen", jammerte ich^

Ach, mach' doch wegen einer Maus nicht so 'n Geschrei", wehrte mein Mann ab und zündete sich seelenruhig eine Cigarre an,kauf' ne Mausefalle oder schaff' ne Katze an oder einen Igel. Mich laß aber mit solchen Dummheiten in Ruhe, mich wird die Maus nicht auffressen".

Wie immer, so auch diesmal: sobald ich von meinem Manns einen guten Rat erwartete, stieß ich auf kühle W- weisung. Das heißt eigentlich, hatte er ja soeben Ratschläge erteilt: Falle, Katze, Igel. Auf diesem Gebiet !var ich aller­dings noch durchaus unerfahren; denn noch in keiner unserer früheren Wohnungen hatten Mäuse die Mche als Tempelhofer Feld betrachtet, Parademarsch drauf auszu- sühren. Vielleicht wußte Anna besser Bescheid, die war doch schon bei sehr viel Herrschaften gewesen.

Hör' mal Anna", meinte ich zu chr,wir haben eine Maus in der Mche."

Das können Sie gär nicht wissen, Madaine, es können auch hundert Mäuse sein", erwiderte Anna ungehalten.

,tzaben Sie die, Tiere etwa gezählt?" fragte ich.

Brauch' ich nicht", meinte Anna,die erste steht aus wie die fünfzigste, und, hie wie die hundertste."

Gegen diese Beweisführung war allerdings wenig ein­zuwenden. Also hundert von diesen gräßlichen Tieren in der Küche!

Die müssen fort", erklärte Anna mit Bestimmtheit, erst gestern haben sie an der Wurst herumgeknabbert, und als abends mein blauer Adolf vom König-Eduard-Regiment kam, sagte er, solche Wurst könne er in der Belle-Allianoe- Straße auch haben, dazu brauche er nicht erst bis nach dem vornehmen Westen rauszulaufen."

Also derBräutigam" hatte sich auch schon über die Mäuseplage beklagt. Was man sich im Hause selbst und in der Nachbarschaft erzählte, konnte ich mir schon denken: wahrscheinlich, wir hielten eine Mäusezucht und deshalb kauften wir bei den Schlächtern so wenig, weil wir immer billiges Fleisch im Hause hätten. Wenn ich mir jetzt Anna auch noch zur Feindin machte, indem ich gegen die Lebens­mittelversorgung ihres Wolf Einspruch erhob, dann wurde man uns sicher baÜ> nachsagen, Gulasch aus Hottehüh sei unser Leib- und Magengericht. Somit mußte ich klein Bet« geben.

Gut", meinte ich,ich stimme in dem Punkte mit Ihnen überein, daß die Mche wieder küchenrein werden muß. Mein Mann sagte mir: entweder eine Mausefalle . .."

Haha", lachte Anna,glauben Madame denn wirk­lich, daß Berliner Mäuse noch in eine Falle gehen? Da können Sie fürne Mark gerösten Speck reinhängen, daß es duftet wie in den Küchensälen von Aschinger, abern« Berliner Maus macht danen großen Bogen rum."

Nun, dannne Katze", ich schlug das Mittel Nummer zwei vor. ±

Auf keinen Fall", Anna erhob ungewöhnlich lauten Protest.So 'n Beest kommt nicht in die Wirtschaft. Tie frißt schließlich noch den Kanarienvogel auf, und dessen schmelzender Sang hilft mir noch immer weg über das langweilige Los eines Mädchens für alles."

Bleibt nur noch ein Igel", entschied ich; denn ich war der dummen Reden dieses Mädchens müde.Morgen wird einer hier sein. Stellen Sie eine kleine Kiste in die Ecke und legen Sie einen alten Läufer hinein. Das wird seine Wohnung. . ." ,, ,,

Als ich eben die Thür schließen wollte, horte ich noch wie Anna murmelte:Mäuse, Mnarienvogel, Igel, ich habe mich doch nicht in den Zoologischen Garten vermietet."

Ich zog mich in das Arbeitszimmer meines Mannes zurück.Igel", hm, in der Naturkunde war ich schon in der Schule keinLicht" gewesen. Daß so 'n Vieh Stacheln hatte, wußte ich wohl, aber sonst . . . Nun, wozu hatte sich denn mein Mann den Meyer gekauft.

- Iffezheim, Jffland, Jsagurin, - das Herumsuchen in diesen dicken Bänden ist eine wahre Qual. . ., Jchthys und da, endlich, Igel. Säugetiergattung, Insektenfresser, Schnauzenteil nebst Rüssel, auf dem Rücken kurze Stacheln. Am Tage schläft er, in der Dämmerung geht er auf die Jagd, er erbeutet Regenwürmer, Kreuzottern, Mäuse aller ^ten, na also, Mäuse aller Art, so was wollte ich ja haben. Das nützliche Tier sollte überall geschont werden. Jeder Zoologische Garten giebt Igel ab.

Welch' herrliches Buch, dieser Meyer! Ich fuhr nach dem Zoologischen. Dort zahlte ich 3 Mark, und.es wurde mir zugesichert, daß man mir noch, gegen Abend ein Pracht­exemplar zuschicken würde. Das könne in einer Schummer­stunde mehr Mäuse vertilgen als das ganze Haus beherberge.

Am Wend hatte ich unfern stachlichen Hausfreund fast vergessen. Ms es klingelte, öffnete Anna. Etn Paket wurde abgegeben, in Zeitungspapier gewickelt. Anna nahm den Packen ahnungslos an, aber kaum war sie einige Schritte im Flur entlang gegangen, als sie auch, schon etn heftiges Klagegeschrei anstimmte. Erstaunt ging ich hinaus.

Madame", schrie das Mädchen,da drin lebt es, es hat mich gepikt, ich kriege die Hand nicht mehr los." ,

Da besann ich mich. Aha, da war das, pgelcin drin.Es ist schön, mein liebes Tierchen", meinte ich, du dich eingesunden hast, wenn du die Mäuse wirst ver­tilgt haben, dann wirst du bei uns zum Oberküchen;äger ernannt. . . Au", ich hatte eben das Papier angefaßt, da sträubten sich unter ihm spitze Stacheln hoch. Eine oer- selben war mir in den Zeigefinger geraten.

Jetzt sticht er mich auch wieder', kreischte Anna, und lieh den Papierballen in den Flur gleiten. Der ^g zu st regungslos still, dann aber wurde an der einen Seite dc^ Papier durchbrochen; ein langer Kopf mit einer cty