Ausgabe 
28.2.1902
 
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Freitag den 28. Februar.

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1902.> Nr. 32

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mmnt dir ein Schmerz, so holte still, Und frage, waS er von dir will; Die ew'ge Liebe schickt dir keinen Bloß darum, daß du mögest weinen.

Geibel.

Nachdruck verboten.

Ein verhängnisvoller Ring.

Novelle von E. H a i n b e r g.

In den glänzend erleuchteten Räumen des Fabrik­besitzers Holthaus bewegte sich eine heitere, auserlesene Gesellschaft. Sowohl die Uniform des Offiziers, tote der Frack der Geldmänner war hier vertreten, und ein reicher Damenflor belebte das Ganze in anmutiger Weise. Man feierte heute das Geburtsfest der einzigen Tochter des Dauses, der ebenso liebenswürdigen wie schönen Hella, eine kosende Abkürzung ihres Taufnamens Helene.

Ter zärtliche Vater hatte für die geliebte Tochter, die ihm als Vermächtnis seiner früh verstorbenen Gattin doppelt teuer war, alles aufgeboten, diesen Tag zu einem wirklichen Freudentag seines Lieblings zu gestalten.

Tas kleine, geschmackvoll eingerichtete Damenzimmer, in welchem der Geburtstagstisch mit seinen reichen Ge- schenken hergerichtet war, schien in einen Blumenhain ver­wandelt. Tie Fülle der Blumen und Blattpflanzen, die hier in kunstvoller Anordnung aufgestellt waren, ließen in ihrere duftenden und blühenden Pracht den kalten Wintertag draußen vergessen. Und inmitten dieser blühen­den Welt, der schönsten Blume vergleichbar, die junge achtzehnjährige Menschenknospe. Am Morgen war Hella bei diesem entzückenden Anblick in währen Jubel ausgebrochen.

Wie schön, wie schön!" rief sie ein- um das anderemal. Wie danke ich Tir, Du lieber, lieber Papa! Und diese reichen Geschenke, das soll alles für mich fein? Aber das ist ja zu viel, viel zu viel!"

O, der Ring, der herrliche Ring!" rief sie. aberinals aufjubelnd,nein, so schön!" Sie warf.sich dem bereits weißhaarigen Vater an die Brust.

Liebes Herzensväterchen, das ist das schönste, und wie will ich ihn wert halten! Tausend Dank!"

Sie betrachtete den mit einem prachtvollen Rubin ge­schmückten Ring von allen Seiten und las schließlich die in seinem Innern befindlichen Initialen M. N. 1601.

So alt ist der Ring schon?" fragte sie erstaunt;wie bist Du zu dem Schmuckstück gekommen, Papa?"

Ein Erbstück Deiner Mutter, Hella, doch wollte ich Tir den Ring nicht früher übergeben. Du solltest erst im­stande sein, seinen Wert zu würdigen", gab er zurück.Der Name seines ersten Besitzers ist urir zwar nrcht bekannt,

doch so viel ist gewiß, daß er sich von Kind zu Kindeskmdj weiter vererbt hat."

Er soll mir um so wertvoller sein, ich werde ihn nurs bei besonders festlichen Gelegenheiten tragen, aber sieh, Papa, der Ring ist mir zu weit, er war wohl ursprünglich, für eine Männerhand bestimmt."

Das könnte sein, jedenfalls aber muß diese Hand auf­fallend schlank und fein gewesen sein. Ich werde den Ring dem Juwelier übergeben, damit dieser eine kleine Platte einlegt, sonst könntest Du ihn einmal verlieren."

Ja, das wird besser sein, Väterchen", pflichtete Hella bei, und stellte das kleine Etni wieder unter die übrigen Gegenstände.

Ter Abend war herangekominen, nnd mit ihm die eigent­liche Feier des Festes zu Ehren des Geburtstagskindes. Tagsüber waren noch zahlreiche Blnmenspenden eingetroffen, und Hella hatte nun den freundlichen Spendern ihren Dank abzustatten. Eben jetzt nahte sich ihr ein junger Offizier.

Tie strahlenden Augen des jungen Mädchens nahmen einen weichen, warmen Ton an, und aus ihren Worten klang aeheimer Jubel, als sie ihm mit unnachahmlicher Grazie" die .Hand entgegenstreckte und mit leiser Stimme sagte:Wie danke ich Ihnen für Ihre warmen Worte und für die Rosen."

Tiefe Glut überzog dann heiß ihr Gesicht, als des jungen Mannes Blick mit einem freudigen Aufleuchten auf den dunkelroten Blüten haftete, die Halsausschnitt und Gürtel der jungen Dame schmückten.

Sie sehen", sagte sie mit einem Anflug von Schelmeret, ich habe alsbald Verwendung dafür gehabt."

Tie jugendlich schlanke Gestalt des Offiziers beugt sich nieder und drückt einen Kuß auf die Hand des reizenden Mädchens. _ ; * , ,

Tank, gnädiges Fräulein, tausendmal Dank!" flüstert er dabei. , , _

Andere Gaste kamen und ließen rhn zurucktreten. Der strahlende Glanz blieb in dem jungen Gesicht haften,, und jeder der neu Herzutretenden glaubte, Hella noch me so schön und lebensfroh gesehen zu haben. Aber es ivar auch eine entzückende Erscheinung, die von weißem Tüllgewoge umflossene Gestalt, mit dem Leuchten des Glücks tn denk reizenden Gesicht, und es war wohl kein Auge unter den Gästen, das nicht immer aufs neue von der Anmut in Hellas Wesen gefesselt wurde.

Mein lieber Herr Holthaus", sagte Frau Oberst Falken­horst zu Hellas Vater,lassen Sie mich Ihnen Glück wünschen zu Ihrer holden Tochter, die so sichtbar alle begeistert. Leider", fügte sie ein wenig schalkhaft hinzu,tst solche Gunst immer ein Danaergeschenk, denn wie bald wird inan kommen und Ihnen Ihr Kind wegholen. Doch das ist j« das Los aller Eltern", sagte sie mit einem klernen Seufzer, auch ich habe mich dem fügen müssen. Und. ergentlrch be­klagen wir Eltern uns ja auch nicht, denn wtr alle wollen