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„Mer selbstverständlich, Herr Doktor, ich' hatte sogar schon im voraus stark aus Ihre Hilfe gerechnet!"
„Tie ich Ihnen mit größtem Vergnügen zur Verfügung ?teilen werde, sobald ich mich durch meine Stunden ge- chlagen habe. Ich wünschte mir nämlich schon lange, einmal einen richtigen Herbst mitzumachen, denn bei uns kennt man sa dergleichen nur vom Hörensagen. Bitte erklären Sie mir nur, was ich zu thnn habe."
„Ach, die Arbeit ist nicht besonders schwer", lachte das junge Mädchen, „da heißt es nur: Trauben schneiden und essen und wieder schneiden und essen — und das geht dann so fort bis zum Wend —"
Das Gespräch wurde im Flur des kleineu Hotels geführt und zwar von der jugendlichen Schwester des Besitzers uni> dem jungen Lehrer, der seit kurzem an dem Progymnasium des Städtchens wirkte und oben im Hause eilte Wohnung inne hatte — und die blonde Ilse war gerade im Begriff, ihrem aufmerksamen Zuhörer die Vorgänge bei einer Weinlese noch näher zu entwickeln, als sie von der heiteren Stimme ihres Bruders unterbrochen wurde.
„Na, na, Schwesterlein, ich glaube gar, Tu beabsichtigst den Herrn Lehrer als Leser zu engagieren — nein, das giebts nicht! Da haben wir doch anders gewettet, gestern abend! Ich habe es nämlich übernommen, den Herrn ein wenig in die Geheimnisse des heiligen Hubertus einzuweihen, und drum macheir wir nachmittags erst einen kleinen Ruud- gang, nm zu sehen, ob uns nicht etwas vor die Büchse kommt, und treffen dann gegen abend auf der Höhe mit Euch zusammen!"
Der junge Lehrer stand unschlüssig zwischen den beiden Und wäre offenbar am liebsten der Einladung der jungen Dame gefolgt, doch! diese machte seiner Verlegenheit ein rasches Ende.
„Nun, wenn mein Bruder ältere Rechte hat, dann trete ich selbstverständlich zurück — also auf Wiedersehen zum Abend, Herr Doktor!"
Tas Tagewerk auf dem Rebenhügel war schon soweit beendet, und die Leser und Leserinnen hatten bereits singend den Heimweg angetreten, als die beiden Herren in dem schmücken Häuschen oben auf der Höhe erschienen, woselbst die hübsche Ilse im Kreise einiger Bekannten emsig ihren Pflichten als Wirtin oblag.
Sie hatten allerdings nur einige Feldhühner erbeutet, aber das tchat der Fröhlichkeit, mit der sie empfangen wurden, weiter keinen Abbruch.
Ter Lehrer trat gleich auf die junge Dame zu. „Nicht wahr, Fräulein Ilse, Sie sind mir doch nicht böse über mein spätes Kommen? Morgen mach' ich's gewiß wieder gut und helfe Ihnen, so viel ich kann!"
Ilse lachte. „Aber wo denken Sie denn hin, Herr Toktor, es war ja gar nicht so ernst gemeint, und das mit der Hilfe eigentlich! nur aus Scherz gewesen —" und dabei bot sie die mundgerechten Brötchen an und in den Gläsern perlte mit goldenem Schimmer das Beste, was die letzten Jahrgänge yervorgebracht, und half jene Stimmung erzeugen, die immer noch! am köstlichsten gedeiht dort, wo die Rebe blüht.
Mer dem jungen Lehrer, der aus einer weinarmen Gegend gekommen, stiegen die Geister des feurigen Trankes zu Kopf, und er, der sonst so ruhig und zurückhaltend ivar, ivard nach und nach immer lauter und ausgelassener. Nun schlug er sogar auf den Tisch und stimmte mit vollem Baß das Lied an: „Ei, wie ist baS Leben schön — Leben schön — man muß es nur verstehn!"
Else sah mit großer Besorgnis sein verändertes Wesen, und ihr war, als schnüre ihr etwas die Kehle zusammen.
Aengstlich nahm sie den Bruder auf die Seite: „Fritz, thu mir doch den einzigen Gefallen und animiere ihn nicht, so sehr zum Trinken — sieh doch nur, was Tu aus ihm gemacht >— und Tu weißt doch, daß ec nicht viel vertragen kann!"
x,Hm", und der Bruder faßte die Schwester bei den Händen und versEe ihr in die Augen zu sehen, „sag' mal, Ilse, it ft Dir der Lehrer was?" '
-m^^Evirrt, aber sehr energisch machte sich das junge Mädchen frei: „Ach, laß mich — wie magst Du nur so <rW? Er dauert mich einfach, weißt Tu, ich bm recht böse auf Dicht"
„Mich dauert er aber gär nicht, und es macht mir das größte Vergnügen, ihm heut' einmal die Feuertaufe zu geben. Wenn Du mir zwar gesagt hättest: ,La, ich bin ihm gut", oder so was Aehnliches, — dann hätte ich ihm Vielleicht Pardon gewährt, so aber muß er einmal dran glauben, denn weißt Du, Ilse, er war mir immer M solid — viel zu solid!"
Zürnend wandte sich ba§> junge Mädchen üb und trat bald darauf verstimmr mit einem Teil der Anwesenden den Heimweg an.
Ms die Nachzügler gegen Mitternacht endlich auch zu 'Hanse eintrafen, war der Lehrer, wie Ilse es im voraus gefürchtet, total berauscht.
„Ach, Ilse — es war ja wirklich — gott—gottvoll", versuchte er zu sagen, und schwankte dabei bedenklich, aber der entsetzte Blick, den ihm das Mädchen zuwarf, schien ihn doch ein wenig zu ernüchtern, denn gleich darauf wandte er sich schwerfällig um, tappte die Stiege hinauf und warf die Thür seines Zimmers in das Schloß.
Als er am nächsten Morgen nicht zum Frühstück erschien, suchte Ilse besorgt ihren Bruder aus. „Fritz, ich bitte Dich, sieh Dich doch einmal nach Deinem Kollegen von gestern abend um, er ist noch immer nicht erschienen, und es wäre doch die höchste Zeit für ihn, zur Schule zu gehen!"
„Wird seinen Kapitalrausch noch! nicht ausgeschlafen haben!" lachte der unverbesserliche Spötter, ging aber doch hinauf, um nachzusehen.
Als er nach geraunter Zeit wieder herunter kam, hielt er sich die Seiten vor Lachen.
„Tu, Ilse, das ist ja ein köstlicher Spaß! Schick nur gleich hin und laß ihn krank melden, heut' kann er allerdings nicht fort! Außer einem tüchtigen Brummschädel ist er auch noch so steif im Rücken, als habe er den Ladestock selber verschluckt. Tenn denke nur, Ilse, Ija, ha, ha!" und wieder lachte er aus vollem Halse, „er hat die ganze Nacht aus seinem Gewehr geschlafen!"
„Fritz", sagte das« junge Mädchen entsetzt, „und es war geladen?!"
„Wer natürlich! Wie er's gestern abend umgehängt, so hat er sich mit ihm aufs Bett geworfen!"
„Fritz — und Du kannst noch lachen? Wenn, es los gegangen wäre — wenn es ein Unglück gegeben hätte —"
Thränen erstickten ihre Stimme — sie wandte sich ab und preßte die Hände gegen die Augen.
„Ach, also so steht's?" sagte der Bruder gedehnt, dann zog er die leise Schluchzende zärtlich an sich.
„Beruhige Dich doch, Schwesterlein, es tst ja doch nicht los gegangen und" — und wieder zuckte es verräterisch um seine Mundwinkel — „wie hätte sich's denn auch entladen sollen, es lag ja die ganze Nacht sicher unter ihm — und dann, weißt Du — mit dem Berauschten ist immer das Glück, und wer niemals einen Rausch gehabt, der ist kein braver Mann! Er imponiert mir heute viel mehr. Dein Freund, und darum will ich auch hinaufgehen und sehen, ob ich seinem Anstand durch Massage ein wenig aufhÄfen kann."
Wer den Schaben hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, und so wurde denn auch Wer den jungen Lehrer in dem ganzen Städtchen viel gelacht, doch, dieser war klug und lachte mit. „
Aber als die nächste Weinlese ins Land kam, da fand sie ein neues, junges Brautpaar, und obgleich der glück- liche Bräutigam mit den Geistern des göttlichen Rebensaftes längst auf sehr gutem Fuße stand, so hatten sie doch immer nur soviel Macht über ihn, als er ihnen selbst zugestehen wollte. L ; <.
Magisches Quadrat.
L Metall,
2. Fluß in Deutschland.
8. Gestalt der griechischen Sag».
4. Nebenfluß der Donau.
In die Felder vorstehenden Quadrates find dir Buchstaben AA, DDDD, EE, G, LL, OO, BH, U derart einzntragen, daß die via wagerechten Reihen gleichlautend mit den vier senkrechten find und Wörta von da beigefügten Bedeutung hüben.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Sjedaltion: Curt Plato. —..RvlativiMruck und Werlag ter BrühlMen UnIversitätS'Buch, und Eteindruckerei (Pietsch ErbrchdrEichen.


