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Vermischtes.

Kaiserin Eugenie in Ems. Die vereinsamte Franzosenkaiserin Eugenie empfing unlängst, wie ein eng- lisches Blatt meldet, ans ihrem englischen Landsitz bei Farn- boraugh den Besuch eines alten spanischen Arztes, Nach­dem er die erlauchte Patientin eingehend untersucht hatte, sagte er, sie müsse sofort nacb Ems aufbrecheu, um sich dort einer längeren Brunnenkur zu unterziehen. Die in unbefangenem Done geäußerte Verordnung übte auf die Greisin eine seltsame WirMng aus. Ihr Antlitz, das noch, ruinier, trotz der GramfUrchen, die es durchziehen, die Spuren einstiger Schönheit zeigt, wurde keiGnAUh, und ohne eine Antwort zu geben, verließ Eugenie das Zimmer. Sie soll noch- immer sehr empfindlich! in Bezug aus Deutschf- land sein und nicht einmal vertragen, daß in ihrer Gegen­wart der Name des Volkes genannt wird-, das schon in dem Moment, da es ihr enthusiastische Kundgebungen darbrachte, hie Unterjochung Frankreichs und die Entthronung ihres Gemahls plante. Für Ems hegte die Exkaiserin einst eine große Vorliebe. Zweimal vor Ausbruch! des Krieges hatte sie sich! dort zum Kurgebrauch aufgehalten. Das erste Mal weilte sie mit ihrer Mutter und Schwester als junge Gräfin von Teba im Jahre 1849 zur Kur in Ems und das zweite Mal kam sie 1864 als Kaiserin dorthin. Der sie empfan­gende Herzog von Nassau präsentierte ihr die Badeliste, auf dessen erster Seite sie ihren Mädchennamen von ihrer eigenen Hand geschrieben lesen konnte. Diesmal unter­zeichnete sie sich als Komtesse de Pierrefonds. Da sie sich thatsächlich sehr elend fühlte, wünschte sie das strengste Inkognito zu bewahren. Ungeachtet ihres Wunsches war der König von, Preußen mit seinem Gefolge nach, Ems gekomNren, um den erlauchten Badegast schon am Bahn­hofe zu begrüßen. Trotz der frühen Stunde befanden sich! die Hofdamen in Galatoilette und nach der damaligen Mode mit Blumenkränzen im Haar. Zu ihrem großen Mißver­gnügen sah sich die von Eitelkeit durchaus nicht ganz freie Kaiserin gezwungen, diesen geputzten Herrschaften im be­staubten Reisekostüm, das aus einem schwarzen Rock und einer roten Garibaldi-Blouse bestand, die halb unter einem Sealskin-Zaquet verborgen war, gegenüberzutreten. Nach­dem dieser Empfang überstanden war, glaubte Eugenie wenigstens fürs erste Ruhe zu haben. Doch auch darin sah sie sich, getäuscht. Sie hatte kaum ihr Hotel erreicht, und befand such gerade bei der Toilette, als der König, in ge­wissenhafter Beachtung der strikten Vorschriften deutscher Etikette, im Hamilton-Pavillon erschien, um der Gattin des französischen Herrschers auch in ihrem Domizil formell zu huldigen. Die arme Eugenie wurde vor Aerger ganz rot und mit dem Fuße aufstampfend-, meinte sie zu ihrer Kammerdame halb lachend, halb zornig:Wahrlich ich möchte diesen König lieber zum Feinde als zum Freunde haben!" An diese seltsame Phrase hat sich die Kaiserin später gewiß mit bitterer Wehmut erinnert. Da ihre Koffer noch nicht geöffnet waren, mußte sie wieder in den Reise­anzug schlüpfen, und so, in schlechtester Laune, nahm sie die ihr lästige Huldigung des Monarchen entgegen. Wäh­rend des ganzen Tages! tvurb-e im Ort über die vielge­rühmte Schönheit der Kaiserin diskutiert. Man war näm­lich enttäuscht gewesen, die hohe Frau in so einfachem Kostüm zu erblicken. Denn da sie int Ruf einer extra­vaganten Modedame stand, glaubte man, sie trüge bei jeder Gelegenheit und somit auch auf Reisen, ihre kostbarsten Seidenroben. Zum Abend hatte Eugenie eine Einladung zum Tiner bei der Großherzogin Luise von Baden ange­nommen und da hatte sie dann Gelegenheit, ihrer Schön­heit die richtige Folie zu verleihen. Sie wählte eine Toi­lette aus maisfarbener chinesischer Seide. Den Rock zierten sechzehn Falbeln, von denen jede mit einer schmalen Guir- lande blaßgrauer Hortensien begrenzt war. Ein diadem­artiger Kranz der gleichen Blüten, den mit Brillanten und Saphiren besetzte Nadeln im Haar - festhielten, ruhte auf der goldlockigen Frisur. Als die Großfürstin ihren aus­ländischen Gast erblickte, war sie im ersten Moment sprächlos vor Bewunderung. Dann aber ergriff sie die Hand der Kaiserin, und mit den Worten:Kommen Sie, die Leute müssen Sie s ehen, ehe ein einziges Löckchen Ihrer Coiffure in Unordnung gerät!" drängte sie Eugenie auf den Balkon. Unten hatte sich eine zahlreiche Menge angesammelt, und

beim Anblick der holdseligen Frauengestalk vraMn -die. Massen in laute Rufe des Entzückens aus, das sich noch steigerte, als! die also Gefeie te mit v-ezaub-erndtzm Lächeln für die Ovationen dankte.

Königin Wilhelmina und die Schuljugend. Wie aus dem Haag berichtet wird-, haben zwei holländische Schuljungen folgenden originellen Brief an die Königin Wilhelmina-gerichtet:Liebe Königin! Sage, bitte, daß unsere Lehrerin nicht fortgeschickt wird'. Sie ist so gut zu uns, und wir lieben sie so sehr, und sie hat wirklich nich!ts' getyan. Vater sagt, daß! Du mächtig und gut bist und sogar Mördern verzeihst, weil Du wünschst, baß die schlechten Leute wieder gut werden." Königin Wilhelmina schickte eine Antwort und versprach dÄß der Fall der mit Entlassung bedrohten Lehrerin untersucht werden würde.

Er wird nicht schießen. Eine drollige Geschichte wird von Dr. Lueger, dem antisemitischen Bürgermeister von Wien, erzählt. Drei Soldaten wurden einst als Deputation zu ihm geschickt, und bevor er sie entließ, sagte er zu einem derselben:Was mürben Sie thun, wenn der Kaiser Ihnen befehlen würde, den Bürgermeister von Wien zu erschießen?^ Ich würde den Bürgermeister erschießen", war die prompte Antwort.O", sagte Dr. Lueger,und welcher Religion gehören Sie an?"Ich bin Protestant."f In diesem Falle wundere ich mich! nur wenig über Sre">- sagte der Bürgermeister. Sich- an den nächsten Soldaten wendend, wiederholte er die Frage.Wenn der Kaiser mir befiehlt, den Bürgermeister zu erschießen, so gehorche ich,", versetzte der Mann.Und welches ist Ihre Religion?" Ich bin römisch-katholisch."Dann wundere ich mich außerordentlich üver Sie." Als der dritte Soldat gefragt wurde, antwortete er:Ich würde den Bürgermeister nicht .erschießen."O", sagte der Bürgermeister hocherfreut, Und warum nicht, mein Freund? Welches ist Ihre Reli­gion?" ,/Fch bin Jude."Mas!" schxie Lueger.Wissen Sie, daß ich der größte Antisemit in ganz Oester reich-Ungarn bin, und Sie würden mich nicht erschießen?"Ich- habe keine Flinte", entgegnete der Mann,ich! bin Trommler."

Russische Sprichwörter über die Frauen. Seit Frankreich unter dem Zeichen des russisch-französischen Bündnisses steht, gilt es vielen Franzosen und noch mehr den Französinnen für ausgentacht, daß sie mit den Russen eine Gemeinschaft und Uebereinstimmung der Neigungen und Gefühle verbinde, welche die eigentliche Grundlage dieses Bündnisses bilde. Ein radikales französisches Blattz- die Aurore, widmet nun den Französinnen zur Prüfung dieser Uebereinstimmung einige russische Sprichwörter, die aber, wie sie glaubt, selbst den in das' russische Bündnis Vernarrtesten von ihnen nicht gefallen würden. Sie lauten:

Liebe deine Frau wie deine Seele und schüttle sie wie einen Fruchtbaum.

Wenn du deine Frau am Morgen geprügelt hast, vergiß nicht, am Mittag wieder anzusangen.

Zwei Frauen bilden eine Versammlung, drei eine Hölle.

Der Kopf der Frau ist leer wie der Geldbeutel des Tataren.

Bei der Frau und bei dem Trunkenbold sind die Thränen billig.

Wohin der Teufel selbst nicht gelangen kann, dahin schickt er feine junge Frau.

Klopfe den Pelz, und er wird warm werden; llopfe deine Frau, und sie wird dir treu sein.

Je mehr du deine Frau prügelst, desto besser wird dein Mahl sein.

Merkrätsel.

(Nachdruck verboten.)

Papyrus, Traum, Schmied, Orden.

Von jedem Wort sind zwei nebeneinanderstehende Buchstaben zrt merken, die im Zusammenhang ein Wunder des Altertums nennen.

'Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Tauschrätsels in vor. Nr.: Hain, Welle, Born, Mais, Nagel, Neigen, Kasse, Hel-, Sonne, Mord, Feile Heringsdorf.

Redaktion: Curt Vlato. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn Univcrsitöts«BuU>- und Steindruckcrei (Pietsch Erben) in Gießen.