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rasiert und die Lippen scharlachrot geschminkt. Ern riesiger Mantel, ein schirmartiger Hut - oder zuweilen em roter, undurchsichtiger Schleier — dienen als fernere Ausstattungsstücke für die schlitzäugige Tochter des Himmels, ^n dieser Verfassung wird sie in eine reich vergoldete und versierte Sänfte gehoben und in ein Zimmer getragen, das hinter ihr verschlossen wird. Den Schlüssel erhält ein naher Anverwandter des Bräutigams, der seine Freunde und eme Musikkapelle entsendet, um seine Zukünftige m ferne Behausung abzuholen. Ter Brautzug richtet srch selbstverständlich ganz nach dem Reichtume und der Stellung der Beteiligten. Ein vornehmer Chinese entfaltet da eilten wahrhaft fürstlichen Glanz. Boran schreiten die Banner-, Fackel-, Laternen- und Schirmträger, dann kommen Trager mit Schüsseln voll Süßigkeiten und Blumen und die Musiker. Ein geröstetes Schwein wird oft auch hinter der Braut auf einer riesigen, mit silbernem Papier ausgestatteten Schüssel hergetragen, um anzudeuten, daß sie nie Hunger leiden möge. Am Hause des Gatten empfängt die neue Frau eme Raketensalve, während Priester und ihre Helfershelfer an- qestellt sind, denen es obliegt, böse Geister von dem Heime des Paares zu vertreiben. Sobald die Braut in das Ehezimmer geführt ist, steht es dem Manne frei, die Hülle von seiner jungen Gemahlin zu entfernen, der er dann WM ersten Male ins Antlitz schaut. Tie Festlichkeiten werden am folgenden Tage fortgesetzt, wo die Anbetung der Ahnen die Hauptrolle spielt.
Vermischtes.
„Um deutsche Kronen" könnte man die nachstehende kleine Erzählung aus dem Munde eines ehemaligen Eton Boys, eines Schülers des bei Windsor gelegenen aristokratischen Eton-Gymnasiums nennen, die den Anspruch auf Wahrhaftigkeit erhebt. Der junge Prinz Arthur von Connaught und der Herzog von Albany, der übrigens um zwei Fahr jünger als sein Vetter ist, waren zur Zeit der Koburger Thronvakanz Schüler des gedachten Gymnasiums. Der junge Connaught suchte den Herzog von Albany, der übrigens ein netter anständiger Bursche und viel populärer als sein Vetter war, eines Tages nach zwölf Uhr auf, und apostrophierte ihn folgendermaßen: „Sage Du, Du hast wohl davon gehört, daß sie mich nach Deutschland schicken wollen, wo ich Herzog von Koburg werden soll." „Ja," sagte der Herzog von Albany, „das soll wohl so sein." — „Na", erwiderte der junge Prinz- „das soll wohl so sein, das ist aber nicht. Ich trete in die britische Armee ein, und beabsichtige durchaus nicht, Deutscher zu werden. Hast Du verstanden? Du kannst meinetwegen gehen und Herzog von Koburg werden. Das würde gerade so etwas für Dich sein." — „Höre", bemerkte darauf Albany mit einer gewissen Bestimmtheit, „ich beabsichtige ebenfalls nicht, nach Deutschland zu gehen und wünsche, in Eton zu bleiben." — „So? meinst Du?" fiel der Prinz von Connaught ein. „Na, mein Junge, laß Dir gesagt sein und rede keinen Unsinn: Du mußt Herzog von Koburg werden. Nächsten Sonntag frühstückst Tu mit Großmama in Windsor, und da laß Dir nichts beikommen, ihr etwas anderes zu sagen, als daß alles in Ordnung, und daß Tu vollständig einverstanden bist. Wenn Tu das nicht thust, wirst Du Dir herbe Unannehmlichkeiten zuziehen. Ich gebe Dir mein Wort, ich verhaue Dich, und wenn es um den ganzen Schulhof herumgeht."> Auf diese Eventualität konnte es der Herzog von Albany, der ein sehr zarter Bursche war, nicht ankommen lassen und er zog es vor, lieber eine deutsche Fürstenkrone anzunehmen, als von seinem Vetter verhauen zu werden.. Deutschland mag sich aber gratulieren, den jungen Prinzen von Albany statt des Prinzen von Connaught in der Reihe seiner Fürsten zu sehen, denn Letzterer soll so bodenlos faul und dumm gewesen sein, daß er durch das allerelementarste aller Examen, das der Aufnahme in die Kadetten- schule von Sandhurst, verschiedentlich durchfiel.
Literarisches.
Als siebenter Band des elften Jahrganges der Veröffentlichungen des „Vereins der Bücherfreunde". (Ge- schäftsleitung: Verlagsbuchhandlung Alfred Schält, König!. Preuß. und Herzogl. Bayer. Hosbuchhändler, Berlin W. 30) erschien:
b.
Naturereignis.
den
Pflanzenteil.
Himmelsbewohner. Märchengestalt.
Verwandte, jüdischer König. Möbelstück.
Getränk.
Blumen.
BcsestigungSmittel.
Oeffnung.
Gefäß.
Nahrungsmittel.
Preisrätsel.
(Nachdruck verboten.)
He
1. Eßbarer Fisch
2. Fanggerät
3. Stück Land
4. Teil des Gesichts
5. Nutztier
6. Wassertier
7. Verkehrseinrichtung
8. Kirchenfest
9. Naturereignis
10. Mechanisches Kunstwerk
11. Jagdbares Tier
12. Getränk
13. Waffe — Naturereignis.
Die Wörter unter a und b unterscheiden sich von einander nur durch den Anfangsbuchstaben (z. B. Band — Wand). Sind die richtigen Wörter gefunden, so bezeichnen die Anfangsbuchstaben der Wörter unter b eine militärische Veranstaltung.
Auf dem Wege «ach Erkenntnis. Roman von M v. Eschstruth (M. v. Eschen). Preis geheftet 4 ML, go- bunden 5 Mk. Mr Mitglieder des „Vereins der Bücher- reunde" Preis geheftet 1,90 Mk., gebunden 2,25 Mk.
Mathilde von Eschstruth, bekannt äks eine der besten deutschen Schriftstellerinnen, hat wiederum einen bedeutenden Roman geschaffen.
Mathilde von Eschstruth versteht es meisterhaft, in ihren Romanen ein aktuelles Thema geistvoll und fesselnd zu behandeln.
So kommt dieser neueste Roman in glücklichster Weise; einer Strömung der Zett entgegen, die immer weitere Kreise zieht, dem wieder überall erwachenden, sich immer mehr geltend Machenden Interesse an religiösem Leben und religiösen Fragen.
Ein knapper, flüssiger, anregender Stil, erhöht noch den Reiz des Werkes, das nach seinem Inhalt und Gehalt nicht nur eine hochinteressante, fesselnde Unterhaltung gewährt, sondern den Geist dauernd beschäftigen, ja durch seine Behandlung der höchsten Fragen Aussehen erregen wird. ___________
Die Musikalienhandlung Breitkopf & Härtel in Leipzig tritt nach ihren soeben erschienenen Mitteilungen Nr. 70 wieder mit einigen größeren Unternehmungen an die Oeffentlichkeit. Sie hat ihrer Orchester-Bibliothek eine Gruppe hervorragender
Orchesterwerke in vereinfachter Befetznng yinzugefügt, um auch mittleren und kleineren Orchestern und Konzertvereinigungen Gelegenheit zu bieten, sich mit vollwertigen, reichinstrumentierten Donschöpfungen zu beschäftigen. Bei der Bearbeitung sind die schwieriger zu beschaffenden Instrumente zusammengezogen oder weg- gelassen, jedoch ist der künstlerische Charakter dieser Werkel voll gewahrt worden.
Preisrätsel.
Auf vielfach geäußerten Wunsche wiederholen wir nach.- stehend nochmals den Wortlaut des Preisrätsels: ;
Mr die Lösung des Preisrätsels haben wir zehn wertvolle Preise ausgesetzt, die
am Samstag, dem 4. Oktober
zur Verteilung gelangen werden.
Tie Lösungen müssen bis spätestens
Donnerstag, den 2. Oktober, mittags
unter folgender Adresse:
Preisrätsel.
Redaktion der Gießener Familienblätter Gieße«
bei uns eingeheu. Später eingehende Lösungen können keine Berücksichtigung finden.
Den Lösungen ist die Abonnementsquittung beizufugen, bezw. ist bei dem Abheben des Gewinns die Abonnements- quittung vorzuzeigen. . ,,
Die Redaktion der „Gießener Mnnlienblätter".
Auflösung der Rechenaufgabe m vor. Nr.:
Der Erste erhält 3 volle, 1 halbes und 3 leere Fässer; der Zweite: 2 volle, 3 halbe, 2 leere; der Dritte ebensoviel wie der Zweite. Bekommt der Zweite aber genau dasselbe wie der Erste, so erhält der Dritte 1 volles, 5 halbe und 1 leeres Faß. -
Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Stemdruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


