»ohne sich gerührt die Hand Mi drücken und neuerdings! ewige Freundschaft Anzuschwören Da ergeht man sich, in sentimentalen Redensarten imb1 findet es fast unmöglich!, sich zu trennen; man begleitet den Freund bis zu seinem Kausthore, er dagegen begleitet einen wieder ein Stück Weges rückwärts, man erwidert die Gefälligkeit und geht nochmals bis zu seinem Hausthore mit ihm. Endlich trennt man sich, — aber erst, nachdem hinlänglich erörtert worden, wo inan sich! tags darauf wieder treffen werde. — Wer es kommt eine Zeit, wo die Freunde ebenso wenig mehr, von ihrer Freundschaft reden, wie Verheiratete von thber Liebe; sie gehen so vertraut mit einander um, wie mit ihren eigenen Jchs, und das! ist dann däs Beste —: die Eh e der Freundschaft,--
Ter Maßstab eines gegenwärtigen Glückes ist ewig die Vergangenheit. Nur den Dürstenden labt der Trunk, nur den Hungernden die Speise. Wer die reine Lust fortwährend genießt, atmet sie kaum mit Bewußtsein, geschweige mit Vergnügen; wer aber aus einem dumpfen Keller kommt, trinkt sie mit Wollust. Jeder (angenehme) Genuß setzt eine Entbehrung voraus. Der Becher der Freude labt uns, so lange ein noch; süßerer Tropfen in ihm ist, als der bereits genossene; weh' dem, der den letzten süßesten Tropfen ausi- ,geschlürft; das Schicksal schenkt den geleerten Becher nicht mehr voll, und der Unglückliche vergeht am Durste! Wenn das Schicksal einen Menschen bei Sonnenglanz, Blumen- huft, Hesperidenäpfeln und Nektar, und allen höchsten Gütern der Erde großgezogen, was will es dann in späterer Zeit ihm bieten, wenn das erweiterte Herz eine, jgrößere Sehnsucht beherbergt und mit den Lebenslagen die Wünsche sich häufen? Das Hinansteigen auf der Stufenleiter der Genüsse eröffnet unserer Sehnsucht — wie das Besteigen einer Höhe dem Auge — eine immer weitere Perspektive: was bleibt also dem, den das Schicksal gleich anfangs auf die höchste Stufe der Erdenfreuden stellte, was bleibt ihm als eine unendliche Sehnsucht und ein trostloses Hinauf- blicken zu schöneren Gefilden und höheren Wonnen, an welche keine irdische Leiter hinanreicht? Um ihn nochmal zu erfreuen, müßte ein Gebilde des Himmels niedersteigeu. Glücklich der, den das Schicksal erst nach dunklen und! winterlichen Jahren unter den lichten Frühlingshimmel hinausruft! • Weil unsere Sehnsucht und unser Glück nur! darin besteht, um eine große Stufe höher zu steigen, so bedarf zur Freude dieser nur einer Wiesenblume, wozu! jener eines Himmels bedürfte! Nur ein neuer Gegenstand sacht im Herzen die Glnt der Entzückung an, wie auch! nur eilte neue Lust aus den Tiefen der Seele den Strom des Gesanges lockt, r— ,
Es giebt Menschen, denen tieferes Gemüt gebricht, die aber einen natürlichen Fonds ungestümen Feuers besitzen, das bei den geringsten Reizen in helle Flammen auflodert. Solchen Brauseköpfen giebt dies Veranlassung, sich! poetisches Genie zuzuschreiben. Dem Vernünftigen ist's ein Grund, es ihnen abzufprechen. Dies flüchtige, allzu heftige, meteorische Feuer verprasselt ohne echte poetische Wirkung. Nur in der stillen, aber innigen und nachhaltigen Wärme des Gemütes, nicht in der heißen Flamme der Leidenschaft gedeihen die wahren Hesperidenfrüchte der Poesie. —
Vermischtes.
Die Spitzeuschule von Burano bei Venedig. Wohl kaum giebt es heutzutage einen Trousseau der Fürstinnen der Geburt und des Geldes, zu dem nicht die herrlichen Erzeugnisse der berühmten Spitzenschule von Burano bei Venedig beigesteuert werden. So hat jüngst die Königin Helene von Italien ihrer Schwägerin, dem Fräulein Konstantinowitschi, seit wenigen Tagen Gattin des Prinzen Mirko, einen Spitzenschatz im Werte von 19 000 Lire zum Geschenk gemacht- Es sind große Werte, die alljährlich von dieser, unter dem Patronate der Königin Margherita stehenden Spitzenschule — der einzigen, welche in alter Weise nach antiken Zeichnungen die Spitzen in Nadelarbeit herstellt — umgesetzt werden. 500 Arbeiterinnen, nur Mädchen aus Burano, sind jetzt dort beschäftigt; jedes Jahr laufen für 28 000—35 000 Lire mehr Bestellungen ein, als man liefern kann. Diese Spitzen, die allerdings unverwüstlich sind, kosten in einer Breite von nur 10—18 Centimetern
der Meter 100—150 Lire, und eine ganz breite Spitze, welche einst die Königin Margherita zu einer in ihrem Besitz befindlichen echt antiken Spitze dazu bestellte, und die sie auch! in ganz gleicher Weise erhielt, wurde mit 2500 Lire der Meter bezahlt. — Die meisten Bestellungen für Spitzen, Kragen, Decken, Fächerblätter nfw. kommen jetzt aus Amerika! und England. Tie Spitzenschule, welch!e jetzt so vielen Mädchen und Frauen lohnende Arbeit giebt, wurde im Fahre 1872 von der Gräfin Marcello begründet. Sie begann mit zwölf jungen Mädchen und einer Lehrerin. Diese, Cencia Scarpariola, damals erst 16 Jahre alt, war die Einzige, welche noch den altberühmten venezianischen Spitzenstich betrieb'; sie hatte bis zur Gründung der Schule mit vier Schülerinnen gearbeitet. Der älteste Sohn der im Jahre 1893 verstorbenen Gräfin Marcello, deren schöne Marmore biiste, von der Königin Margherita gewidmet, jetzt die Schulräume schmückt, ist zur Zett Präsident derselben.
Eine Liebesdurstige. Folgender Brief einer drallen Ostpreußin wird uns von einem Freunde unseres Blattes zur Verfügung gestellt: Libster Wilhelm. Hab ich schon lange nicht auf Dich geschriben, so, Wil ich! mal auf Dich schreiben, habe Dichtauf Kirmes gesehen, aber Du hast mich nicht geseht ich aber habe Dich geseht. Du wärest auf die Karuse was geht auf die Himmel. Libster Wilhelm kanst Sodtog komen auf Wend 8 Uhr auf Bahnhofstraße auf Ecke bei Groß. Das hab ich! Spatz auf Dich gekriges das hat mich Mädken gesagen das Du bist hibsche Jungen. Das! wil ich Dich schreiben Wan seht ich aus hab ich lauge schwarze Rock dunkel Jake große Hut schwär mit Blume drauf, und Rotztuch Hand haben noch keine Jungen gehabt das hab! ich! so Spas auch- Dich' gekrigen ich wer Dich liben bis auf Grab aber sei Du mein Schatz Ich will Dich alles geben auch! schnitte auf Schnute auch pokrenschitsch so viel Du wilst sei Du mir nur gut libsten Herz. Mein Vater hat alles hat Kon, Krvwe, Gosche, Pafen Kott und alles rch bin sehr schöne Mädken das Du wirst Spas aus mich! haben. Libste Wilhelm ich wolt Dich schon lange geschriben aber ich hab Dich mit eine Schöne Mädke mit Brille gesehen siht aus wie vom Teater.
Ich will aushören.
Es grüß und Küßt Dich Maria! Benschki.
Libster Wilhelm das werd ich noch! aus Dich schreiben ein Spruch' den kanst Du Dir freien wie ich kan schön Brief an Schatz schreiben Libster Wilhelmschen so höre: o lib so lang Du liben kanst o lib so lang DU liben magst die Stunde komt die Stunde komt wo Du bei Maria stehst und klagst. Diesen Spruch! thu in Dein Herzen und denk an Maria Kom Sontak auf Straße die Bahnhof 8 Uhr aus Groß »an Ecke wenn Du nicht komst gehe ich! Tot. aber Herzlibchen das kom bei Maria. Libsten Wilhelm diesen Brief der Libe wirst Du schlecht lesen können den ich' bin erscht Monat von Ostpreußen hier. .Ich geb Dich Küssen so' . viel Du willst auch hcch ich, .Schuhe gelbe an mit Schleifen.
Der kurzsichtige Studiosus. „Herr! Sie haben mich fixiert — ich werde Sie fordern!" — „Und ich komme eigens hierher, um Sie zu fordernd — „Verflucht, mein Schn eid er!" ! ;
Bilderrätsel.
(Nachbildung verboten).
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Scherzrätsels in vor. Nr.r Diener.
Redaktion; Nl.it tL T RotatipnShruch Md Verlag hex Pxflhl'scheu UniverstlMBuch« Mh MiMMerei tMetlch Erben) in Güßen,


