Ausgabe 
26.7.1902
 
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Der Preßausschüß, gebildet aus den Herren: Ober­lehrer Prof. Kovb, Lehrer Knauß, Stadtvervrdnete« Pirr und Lehrer Straub, wird fortab eine wesentlich regere Thätigkeit zur Erreichung seines Zieles entfalten.

Zur günstigen Beeinflussung weiterer Kreise, insbe­sondere der Kinder, wurden 700 Exemplare bezogen von: Deutsche Jugend, übe Pflanzenschutz!" Bier Preis­arbeiten von G. Jüchfer, W. Winkler, Th. Hellwig und W. Pölert. Ausgabe B. Hiervon wurden dem Gymnasium 60, der Realschule, Höheren Mädchenschule, Mädchenschule und Knabenschule je 160 Stück zur Verteilung überwiesen.

Herr Lehrer Fritzel erstattete den Bericht über die eingelaufenen Tierschutzkalender für das Jahr 1902. Als die weitaus besten bezeichnete er den Kalender des Berliner Tierschutzvereins und den Kalender des Deutschen Ver­bandes. Daraufhin wurden von ersterem 1120, von letz­terem 2470, insgesamt 3590 Exemplare bezogen und in der herkömmlichen Weise verteilt. Es erhielten die Mit­glieder je 1 Exemplar, das Gymnasium 130, die Real­schule 400, die Höhere Mädchenschule 600, die Mädchenschule 1130 und die Knabenschule 980.

Wie in den Vorjahren, so kamen auch diesmal Prämien zur Verteilung an Gendarmen und Schutzleute für Anzeigen über Tierquälereien, die die Bestrafung der Schuldigen herbeiführten. Tie Gendarmerie mit 17 Anzeigen erhielt 30 Mk., die Schutzmannschaft mit 26 Anzeigen 90 Mk. Ihnen für ihre Wachsamkeit, ihren Vorgesetzten für ihr Entgegenkommen unfern besten Tank!

Was den Vogelschutz anbelangt, so haben wir auch im vergangenen Winter in der erprobten Weise weitergeari- beitet. Unsere zahlreichen, wesentlich verbesserten Futter- bretter, sowie zwei Futterhäuschen wurden vom Vereinsi- diener bei eingetretenem Frost und Schuee reichlich mit Futter versehen. Die Kosten dafür belaufen sich auf 59.50 Mk. Dankbar heben wir die Fürsorge vieler Ein­wohner Gießens glegen die hungernde Vogelwelt hervor.

Leider verschwinden die Hecken und hohlen Bäume mehr und mehr von den Fluren, wodurch die sichersten Nift- plätze immer seltener werden. Daher bezogen wir vom Tierschutzverein für das Großherzogtum Hessen und aus der Fabrik von Berlepscher Nistkasten in Büren i. W. 94 Nist­kasten für Meisen, Rotschwänzchen usw. int Betrage von 53.80 Mk. Teils haben wir diese in den städtischen Anlagen und öffentlichen Gärten anbringen lassen, teils an Pri­vate unentgeltlich abgetreten. Nach Aussage mehrerer Vorstandsmitglieder wurden sie alle bezogen.

IM Laufe des Jahres wurden zwei Vorträge gehalten. Herr Oberlehrer Hahn sprach über die Vogelfütterungd Herr Octroierheber Roloff über das Leben und Treiben des Pirols.

Am 6. Mai verlas der Rechner, Herr Prokurist Wolff, den Kassenbericht. Tie Rechnung wurde durch die Herren Lehrer Knauß und Fritzel geprüft und richtig be­funden. In der Generalversammlung wurde dem Rechner Entlastung erteilt!und der Dank für seine mühevolle Arbeit

ausgedrückt.

Endlich sprechen wir allen unfern Tank aus, bte unser Werk unterstützten und förderten. Vor allem sagen wir auch an dieser Stelle der hiesigen Sparkasse warmen Dank für das Geschenk von 100 Mk. Nicht minder danken wir den auswärtigen Vereinen, die uns ihre Jahresberichte, Zeit­schriften und Flugblätter zugestellt haben.

Unsere Hoffnung aber sei gerichtet auf wetteren Erfolg kommenden Jahre.

Ungedrucktes von Robert Hamerling?)

Je geistreicher ein Mensch ist, desto größere Langeweile kann er haben. Ein Tölpel hat fast nie Langeweile; Beim dauerndsten Müßiggänge vegetiert er in einer Art von Halb- schlummer vergnüglich und gedankenlos fort wie ein Stetn- block. Auf je niedrigerer Stufe ein Naturwesen steht, nach desto wenigeren Veränderungen des Bewußtseins strebt es; oder kürzer: desto müßiger kann es ohne das Gefühl der Langewetle gehen. *

Die Freundschaft hat ihre Flitterwochett so gut wie dts Liebe. Da kann man gemeinsam kein Glas Bier tunten,

*) Wir verweisen auf das seinerzeit beendete Erscheinen der Gesamt­ausgabe der Werke Hamerlings im Verlage der Hamburger Berlagsanstalt und Druckerei vorm, I. S. Richter.

Traute schüttelte den Kopf und war überzeugt, daß Nattas aufgeregte Sinne ihr einen Streich spielten, aber diese beharrte bei ihrer Ueberzeugung.

Wenn Dir Alma so widerwärtig wäre, wie nur, würdest Du es auch riechen", sagte sie, und mit scharfem Blick verfolgte sie jede Bewegung Trautens, als diese das Bild an seinen Platz zurücklegte.

Wie schön Du bist!" wandte sie sich dann bewundernd zu Traute, die eben ihre Toilette beendete,wenn Alma wüßte, wie ordinär sie in ihrem raffinierten Putz neben Deiner Einfachheit aussieht, hinge sie sich auf! Sie ist heute ausnehmend schlechter Laune, der Besuch kommt ihr sehr ungelegen, denn er fesselt sie für den ganzen Wend im Salon. Sie kann weder mit Herrn von Löschuitz Schach spielen, noch mir auf Schritt und Tritt nachspüren. O, wie freue ich mich daraus, sie zu peinigen und zu ärgern! Endlich werde ich einmal wieder Gelegenheit haben, Herrn von Löschuitz im Park zu treffen!"

Im Salon fand Traute alte Freunde ihrer Eltern, Herrn und Frau Landrat von Kieselhart, die sie mit großer Herzlichkeit begrüßten und sie so sehr zum Mittelpunkt ihres Interesses machten, daß Almas Stimmung sich nicht dadurch verbesserte.

(Fortsetzung folgt.)

Jahresbericht des Gießener Tierschutzvereins

für das Jahr 1901/02.

Erstattet in der Generalversammlung am 20. Juni 1902 von Georg Straub.

Aufs neue bin. ich von dem Vorsitzenden, Herrn Ober­lehrer Hahn, beauftragt worden, Ihnen Bericht M er­statten über die Thätigkeit unseres Vereins im Jahre 1901/1902.

Ter Vorstand hat au folgenden Tagen im' Hotel Schütz Sitzungen abgehalten: am 25. Juni, 8. Oktober, 3. Dezember, 4. Februar und 6. Mai. In ihnen wurden wichtige Tierschütz­sragen beraten und die lausenden Geschäfte erledigt.

Wie im vorigen Jahre, so haben wir auch diesmal einen kleinen Rückgang in der ZahÜ-der Mitglieder unseresVereins! zu verzeichnen; denn es sind int Laufe des Jahres 1901 13 Mitglieder ausgetreten oder durch den Tod ausgeschieden, sodaß die Zahl von 395 auf 382 gesunken ist. Daher werden wir in diesem Jahre neue Mitglieder werben müssen, und wenden uns jetzt schon an unsere Mitglieder mit der Bttte Um Unterstützung, wobei wir wiederholt bemerken, daß der Mindestbeitrag pro Jahr 1 Mk. beträgt, und daß unser Vorsitzender, Herr Oberlehrer Hahn, sowie die übrigen Vorstandsmitglieder Anmeldungen gerne entgegennehmen.

Auch im Vorstände sind einige Aenderungen einge­treten. Wie schon der Vorsitzende vorhin mitteilte, wurde Uns der Ehrenvorsitzende, Herr Lehrer i. P. Heinrich Curschmann, am 27. Mai durch bett Tod entrissen. Der Nachruf, den unser zweiter Vorsitzender, Herr Fabrikant Emil Schmall, dem Verblichenen an der Gruft widmete, und der seine Verdienste aus dem Gebiete des Tierschutzes kennzeichnet, lautet: -

Im lichten Glanz der Maiensonne haben wir unseren lieben alten, ehrwürdigen Mitbürger zu seiuer letzten Ruhestätte geleitet. Doch auf dem ernsten Gang hier­her, da war's uns wohl beim Sang der Vögel über uns, als wenn sie ihm, ihrem treuen Freund und Beschützer, den letzten Gruß und Dank über und in seine Gruft nachx- xufen wollten. Und als solch' letzten Gruß und Dank lege auch! ich int Namen und Auftrag des Gießener Tierschutz­vereins diesen Kranz nieder am SroBe unseres hochver­dienten Ehrenv ersitzenden, der uns auch aus diesem Ge­biete der Humanität ein leuchtendes Vorbild war und bleiben wird. Darum: Ehre seinem Andenken! Friede Und selige Ruhe sein Teil! Sein Gedächtnis wird bei uns int Segen wirken!"

Herr Oberbürgermeister Gnauth schied durch Er­nennung zum Präsidenten des Finanzministeriums aus dem Vorstand aus. An seine Stelle ist Herr Bürgermeister Meeum gewählt. Ferner ist an Stelle des langjährigen Rechners, des Herrn Oberlehrers Fuhr, der mit Ablauf des Jahres die mühevolle Arbeit nieoerlegte, Herr Pro­kurist Wolfs getreten. Weiter wurden durch Kooptation in den Vorstand aufgenommen die Herren: Juwelier Brück, Lehrer Fritzel, Kaufmann Heil, Oekonom Kitz und Oktroierheber Rolvff.