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persönlicher Teilnahme, Las Lehmtgle für sie Hütte, uitb auch dies war im strengsten Ton gesagt.
Sonst beachtete er sie nicht weiter, und vergeblich hoffte Traute, er würde sie auffordern, ihn zu begleiten. Dies! wäre vielleicht die letzte Gelegenheit einer Aussprache mit ihm, denn in seinem Hause vermied er jetzt jedes Alleinsein mit ihr.
Aber er ging mit einem förmlichen Gruß, selbst ohne ihr die Hand zu reichen, und mit sinkendem Herzen sah sie ihm nach, wie er durch den kleinen Hof nach der Dorfstraße schritt. Vielleicht ging er aufs Feld, da konnte er sie freilich nicht mitnehmen.
Aber nein, er schlug die Richtung nach dem Hause ein.
Traute brach mit einem Thränenstrom zusammen, so assen, so grenzenlos elend fühlte sie sich. Ihr Kopf fing heftig zu schmerzen, todmüde schleppte sie sich nach dem Herrenhause und schloß sich dort ttt ihrem Zimmer ein. Sie warf sich auf ihr Bett und versuchte zu schlafen, aber sie konnte keine Ruhe finden. Ihr ganzes Herz schrie nach ihm, der sie jetzt seine Geringschätzung fühlen ließ, es verlangte gebieterisch Wahrheit. Aber ihr Mädchenstolz und ihr Ehrgefühl lehnten sich gegen den Wunsch auf, ihn auch nur ahnen zu lassen, was sie jetzt von ihm trieb, was sie
auf ewig von ihm trennen mußte.
Wie glücklich, wie namenlos glücklich hätte sie werden können an seiner Seite als sein Weib, als Herrin in dieser lieben alten Heimat, wenn nicht der Unverstand ihrer Erziehung sie in falsche Bahnen gedrängt hätte! Wie strafte sich der Mangel an Urteilskraft und der falsche Hochmut. Mehr als ein Lebensglück war zerstört. Das Elend dieser Ehe hier war ebenfalls daraus entsprungen.
Traute schauderte, wenn sie an Nattas Verdächtigungen dachte, eine beklemmende Angst packte sie. D as Unheil war unabsehbar, das noch kommen mußte. Und ohnmächtig mußte sie zusehen. Was sollte sie thun? Hilflos mußte sie den Mann, der ihr teurer war als 'alles auf der Welt, de« Schmach und dem Unglück entgegengehen lassen. Sie konnte ihn nicht warnen, sie tonnte ihn nicht zurückhalten von dem Abgrund, dem er mit verschlossenen Augen zuschritt.
Eine Gewitterschwüle lastete über diesem Hause, die ihr den Atem nahm, sie war schlimmer, viel schlimmer als der dumpfe Druck der Atmosphäre draußen in der Natur. Und mit dieser Angst auf der Seele sollte sie fort, ihr gemartertes Herz in die weite heimatlose Welt hinausschleppen, und der Lohn für ihre Entsagung war seine Verachtung!
Mußte es sein? Um eines treulosen falschen Weibes willen sollte sie so furchtbar leiden? Ach, sie hatte das Recht auf Glück verscherzt, und ob jene andere schuldig oder nicht schuldig war, sie war sein rechtmäßiges Weib, sie allein hatte ein Recht auf ihn, und jeder Gedanke, der ihr dieses Recht streitig machte, war eine Todsünde.
Endlich, nach stundenlanger Qual, schlief Traute ein und schlief bis gegen Abend. Ein leichtes Geräusch weckte sie. Natta sah auf ihrem Lager, sie mußte wie ein Kätzchen hereingeschlichen sein.
„Onkel Paul schickt mich, ob Du wohl genug seist, in den Salon zu kommen. Es ist Besuch da aus der Nachbarschaft, alte Bekannte von Dir, die Dich zu sehen wünschen. Willst Du kommen?"
Traute erhob! sich, Sie kleidete sich schnell an, Natta war ihr behilflich und bat bei dieser Gelegenheit von neuem um das Bild, das Traute ihr vorenthielt.
Als diese die Herausgabe entschieden verweigerte, bettelte Natta: „So zeige es mir wenigstens einmal, ich will nur den Umschlag sehen, ob irgend etwas daran art EriitiTCtf/7
Arglos nahm es Traute aus einem Schubfach, der Kommode, und Natta prüfte es mit Aufmerksamkeit.
Es war in einem einfachen weißen Umschlag von starkem Papier eingeschlossen, der kein Wzeichen trug, aber Natta sagte triumphierend: -
„Es ist von Alma, ich weiß es jetzt ganz genau."
„Woran willst Du das erkennen?" fragte Traute erstaunt.
„Ich rieche es." ,
„Ich habe nie bemerkt, daß 'es parfümiert sei."
„Nein, kein Parfüm, aber es hängt der eigentümliche Geruch der Rothaarigen daran — etwas von der verhaßten Atmosphäre Almas — das ganze Haus hier ist, erfüllt davon, riechst M es nicht?"
klang das Röcheln des Sterbenden in der unheimlichen Stille der Nacht. Zuweilen stieß der alte blinde Hofhund ein kläglich winselndes Geheul aus und das Käuzchen flatterte bis auf den Hollunderbusch vor dem offenen Kammerfenster, sodaß fern klagender Lockruf: „Komm mit!" in der Sterbekammer selbst zu tönen schien, zuweilen zu Häupten des Krankenlagers, zuweilen aus dem tiefen Schatten einer Ecke des nur schwach erleuchteten Zimmers heraus.
Ciinunddreihigstes Kapitel.
Der alte Graumann war tot und lag im Sarge. Am Morgen nach seinem Hinscheiden war Herr Lehmigke selbst gekommen, um sich der Witwe anzunehmen und ihr einen feiner Beamten zur Besorgung aller geschäftlichen Formalitäten zur Verfügung zu stellen.
Er pflegte sich sonst nicht um Familienangelegenheiten seiner Dorfbewohner zu bekümmern, und seine Handlungsweise wurde natürlich dem Einfluß Trautens zugeschrieben. Im Grunde wünschte er nur diese Last von. Trautens! Schulter zu nehmen, damit deren Rückkehr nach Kienberg nichts im Wege stände, denn ihre Anwesenheit in seinem Hause fing an qualvoll für ihn zu werden.
Gr zürnte ihr heftig und wollte sie verachten, weil sie dem Einfluß eines Stauffen erlegen. Er sagte sich immer wieder, daß er sich auch jetzt noch in ihr getäuscht und auf sein erstes Urteil zurücklommen müsse, das seiner allerersten Erfahrung mit ihr entsprungen, nämlich, daß sie ebenso wenig wert sei wie ihr Vater und daß jeder Versuch, sie aus dem Ruin ihrer Familie zu retten, an ihrer eigene Unzulänglichkeit und Schwäche scheitern müsse.
Wer trotzdem sein Verstand gegen sie demonstrierte, und alle Thatsachen gegen sie sprachen, übte sie den alten qualvollen Zauber aus ihn aus. Ja, derselbe war durch das Zusammensein in Kienberg, durch das lange, öde Entbehren, das ihm voranging, und durch die unbeschreibliche Befriedigung, die Erlösung von seiner innerlichen Einsamkeit, die er in Gemeinschaft mit ihr gesunden, unüberwindlich geworden. Der Gedanke, daß sie einem Unwürdigen wie Graf Stauffen zum Opfer fallen sollte, bereitete ihm solche Pein, daß er ihren Anblick und den Klang ihrer Stimme kaum noch ertragen konnte.
Und in diesem Seelenkamps stand zwischen der Leidenschaft und der Nichtachtung seine Rechtlichkeit. Trautens Bitte sie wieder frei ,zu geben, hatte ihm jäh die Augen über seine wahren Empfindungen geöffnet. Er wußte plötzliche, daß er sie liebte, daß es thöricht war, an eine Freundschaft von seiner Seite zu glauben, und daß seine Ehe mit Alma ein unseliger Irrtum, ein Wahnsinn, eine Versündigung am Heiligsten sei. Die verhaßte Sklaven- kette dieser Ehe mußte er nun als fürchterliche Strafe gx die materielle Gesinnung, mit der er das Höchste und eiligste des Lehens zum Rechenexempel gemacht hatte, weiter schleppen.
Er war mit zu ernsten, streng gewissenhaften Grundsätzen über die Unantastbarkeit des Familienlebens und der Ehe groß geworden, um einen Bruch der letzteren ohne schwere Verschuldung seiner Gattin nicht für ein Verbrechen zu halten. Die ganze Kraft seines Wesens wurzelte in seinem sittlichen Ernst. Er wußte, daß es kein Glück für ihn gab, wo er gegen seine Pflichten sündigte.
Darum, trotzdem er Traute für ihren Wankelmut zürnte, mußte er sich sagen, daß ihr Entschluß die beste Lösung aus diesem unheilvollen Konflikt sei, weil dieser es ihm ersparte, den Bruch mit ihr von seiner Seite herbeizuführen. Um keinen Preis hätte er das Freundschaftsverhältnis mit ihr fortsetzen können, nicht mit seinem Gewissen und nicht mit der wiedererwachenden, wachsenden Leidenschaft seiner starken Impulse.
Darum, als Traute ihn bet der Begegnung am Sterbelager bat, ihren Urlaub bis nach der Beerdigung zu verlängern, da Frau Graumann so ungeheuren Wert darauf legte, daß sie ihrem Manne die letzte Ehre erweise, gab er nur gezwungen und sehr gegen seinen Wunsch die Gn- willigung. Trauten war die Bitte sehr schwer geworden, und die zögernde Genehmigung mackste die Sache im höchsten Grade peinlich für sie, und doch war dieser Aufschub eine Erleichterung, denn der Gedanke, so kalt und fremd von Paul Lehmigke zu schaden, ohne seine gute Meinung wiedergewonnen zu haben, schien unerträglich und war schlimmer üls alles übrige.
„Sie sehen sehr angegriffen aus. Sie würden gut thun, Leute den Tao übe« M schlafen"» war das einzige Wort


