Ausgabe 
26.5.1902
 
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Harmlosigkeit und Gutmütigkeit dazu verleiten Netz, zu Hause von dienstlichen Angelegenheiten zu sprechen.

Bei der Suppe hatte er die neueste Frechdachsigkeit seines Adjutanten zu erzählen angefangen. Beim Fische bereits hatte sein Töchterchen erklärt, keinen Appetit mehr zu haben, und Mar mit zuckenden Mundwinkeln hinaus­gegangen. Beim Braten hatte nur noch seine Frau ge­sprochen und zwar lauter unangenehme Dinge. Er solle froh sein, einen so tüchtigen Offizier zum Adjutanten zu haben er würde es schließlich dazu bringen, daß über­haupt kein Mensch mehr mit ihm aushielte er sei ein unfriedlicher Vorgesetzter und eine mißtrauische Natur er suche alle Menschen hinter dem Busch, hinter welchem er selbst immer gesessen habe außerdem sei er Familien­vater und hätte gewisse Pflichten, für die ihm aber jeder Nerv abzugehen scheine. . .

Unter diesen Umständen hatte der Herr Oberst auf das Apfelkompott verzichtet und sich in sein Zimmer zurück­gezogen ,wo ihm besonders der Hinweis auf seine Familien­pflichten gereiztes Kopfzerbrechen verursachte. Es war ihm vollständig schleierhaft, inwieweit es mit diesen Pflichten kollidierte, wenn er seinem Advjutanten grob wurde. Und grob werden hatte er doch müssen denn wo blieb schließ­lich die Disziplin und die geheiligte Ordnung der mili­tärischen Dinge, wenn ein Subalternoffizier seinem Oberst zumutete, daß dieser ihm den Buckel hinaufsteigen oder mal schreiben solle, wenn möglich frankiert. . .

Allerdings das war nur in Gedanken geschehen selbstverständlich nur in Gedanken! Und man konnte eigent­lich nicht wissen. Die Zeiten haben sich geändert mit ihnen die Menschen und vielleicht auch die Adjutanten. Das war unwahrscheinlich, aber immerhin doch nicht un­möglich. Und es wäre eine verfluchte Geschichte, wenn man dem Reifferscheidt unrecht gethan hätte. Ein grund- gescheiter Kerl. Mit der Besrchtigung hatte er vielleicht auch recht die Rekruten konnten eigentlich noch gar nicht so weit sein.

Oberst von Böhle setzte zum fünfzehnten Male seine Zigarre in Brand und kraute sich mit dem Nagel des kleinen Fingers Hinterm Ohr. Ihm war sehr unbehaglich zu Mut. Er konnte den Gedanken nicht loswerden, daß, seine Frau recht behalten und der Adjutant der tüchtigste und umsichtigste, welchen er je gehabt seine Schärpe auf den Tisch des Hauses deponieren und sagen könnte: Ich spiele nicht mehr mit. Das war gar nicht auszudenken und er steckte vor Schreck die Zigarre verkehrt in den Mund, als ihm der Leutnant von Reifferscheidt in diesem Augenblick gemeldet wurde.

Als der Adjutant in Helm und Schärpe das Zimmer seines Chefs betrat, wartete er zunächst vergeblich auf ein Wort, nach welchem er seine wohleinstudierte Rede vom Stapel lassen konnte. Der Herr Oberst war beschäftigt. Er spuckte und zwar anhaltend und mit großem Eifer. Danach machte der Herr Oberst noch einige heftige Evolu­tionen mit der Zunge, von deren Spitze er störende Fremd­körper zu entfernen trachtete. Erst als das geschehen war, wies der Herr Oberst auf seinen Stuhl.

Setzen Sie sich, Reifferscheidt", bemerkte er dann, indem er mit einer, dem jungen Offizier ganz unmotiviert scheinenden Energie seine Zigarre auf das Ofenblech schleu­derte, sodaß der Stummel die Funkengarbe einer Kalos­pinte aufsprühte.Setzen Sie sich und reden Sie gar nichts, Reifferscheidt. Ich weih alles. Ich weiß jedes Wort, was Sie mir sagen wollen und ich erkläre Ihnen von vorn­herein: Sie haben recht und ich will Ihnen nichts in den Weg legen"

Herr Oberst Sie machen mich' zum glücklichsten der Sterblichen und"

Der Leutnant unterbrach seinen Dithyrambus, da der alte Herr mit allen Zeichen höchsten Befremdens aufsah.

Wissen Sie was, Reifferscheidt, für diese Redensart müßte ich Sie eigentlich einsperren! Verstehen Sie mich? So eine Frechdachsigkeit! Na ich will's Ihnen aber zu gute halten. Wegen der anderen Geschichten, in denen ich Sie möglicherweise zu unrecht angehaucht habe. Ich weih selbst, daß ich ein wenig umgänglicher Mensch bin. Abgesehen aber von dem schuldigen Respekt, ist es nicht hübsch von Ihnen, Reifferscheidt, daß Sie sich zum glück­lichsten aller Sterblichen erklären, weil Sie mich loswerden. Ich muß sagen, daß mir das persönlich nahegeht; denn"

Herr Oberst, ich bitte gehorsamst bemerken zu dürfen--"

Sie haben gar nichts zu bemerken, mein lieber! Reifferscheidt. Ich habe schon gesagt, daß ich alles Weitz, Und mehr will ich gar nicht wissen. Sie wollen mit dem groben Kerl nichts mehr zu thun haben stimmt das?"

Nein, Herr Oberst."

Nanu dann wollten Sie sich wohl gar über mich beschweren?"

Auch nicht, Herr Oberst."

Zum Donnerwetter noch einmal, was wollen Sie denn überhaupt?!"

Ich bin gekommen, um den Herrn Oberst um die Hand von Baroneß Kläre zu bitten."

Eine unendlich lange Minute Ivar alles still. Der Oberst war sprachlos und mit dem kurzatmigen Tonfall der Sprachlosigkeit sagte er:

Mensch, wie kommen Sie denn darauf? Von so was habe ich ja gar nicht die Spur gemerkt."

Da der Herr Oberst alle meine Gedanken zu lesen wußten, so habe ich angenommen, daß der Herr Oberst den, der mich am meisten beschäftigte, auch erkannt habens erwiderte der Offizier mit einem leisen, übermütigen Lächeln. Dann fügte er ernst und herzlich hinzu:Wenn ich trotz­dem meine Empfindungen nicht zu äußern wagte, so lag! das an der Unsicherheit meiner Bermögensverhältnisse. Erst heute, da laut amtlicher Nachricht meine Ansprüche auf das Majorat Welzendorf anerkannt sind, darf ich es toagett, Herr Oberst, vor Sie hinzutreten."

Sagen Sie mal, Reifferscheidt, und das ist schon tätige,; daß Sie die Kläre lieb haben ---?"

Seit ich die Ehre habe, des Herrn Oberst Adjutant zu sein."

'Da bin ich ja ein schöner Cumberland na, und tote denkt das Mädel über die Geschichte?"

Baroneß Kläre liebt mich tote ich sie liebe!"

So und woher wissen Sie das?"

Herr Oberst ich ich bin auch ein wenig; Gedankenleser!"

Als Oberst Freiherr von Böhle eine Viertelstunde später die volle und unwiderlegliche Bestätigung der hellseherischen Anlage seines Adjutanten erhalten hatte, gab er für sein« Person das Gedankenlesen auf. Das Fiasko war zu bla­mabel gewesen. Wenn er schon weder dem Leutnant, noch seiner Tochter, noch seiner Frau etwas angemerkt, sv hätte er doch wissen müssen, daß die Adjutanten fast immer die Töchter ihrer Chefs heiraten. Er war doch auch Adjutant gewesen und hatte es auch so gemacht.

Katechismus der Geologie von Hippolyt Haas. Siebente, vermehrte und ver-, besserte Auflage. Mit 186 Textabbildungen und 1 Tafeü In Originalleinenband 3 Mark 50 Pfennig. Verlag von!

I. I. Weber in Leipzig.

Die Entwicklung unserer Erde von da an, wo sie ein selbständiger Körper im Weltall wurde, bis zu der Zeit/ in welcher der Mensch auftrat, müßte für immer ein uns unlösbares Rätsel bleiben, wenn nicht die Tiefe in derb Lagerungsformen des die Erde aufbauenden Materials! sowie in den von ihnen eingeschlossenen Versteinerungen! die Urkunden der Geschichte unseres Planeten treu bewahrte. Die Wissenschaft der Geologie hat diese Urkunden im Schoß der Erde zu deuten gewußt, Die Ergebnisse aller geologi­schen Forschung bis auf den heutigen Tag legt Dr. Haas, Professor der Universität Kiel, in dem nun sch!on in 7. Auf­lage erschienenen Katechismus vor, der Aufschluß verschafft über die Kräfte, die seit Anbeginn thätig gewesen find, um der Erdkruste ihre gegenwärtige Gestaltung zu geben. Tis Zahl der Abbildungen hat gegen früher eine beträchlichb Vermehrung erfahren. ! <

Buchstabenrätsel.

(Nachdruck verboten.)

Leicht werdet ihr es raten!

Mit e geht's hoch und nieder, Mit i gibt's Kraft zu Thaten, Mit o gibt's Kleid und Mieder. (Auflösung in nächster Nummer.)

Austösung des Bilderrätsels in vor. Nr.r Ernst ist der Anblick der Notwendigkeit.

Redaktion! U. D.: R. Dittmann. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Etcindruckerci (Pietsch Erben) in Gießen.