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einigem Sinnen fort
an einem
tgfte ergaben. Im daß mir und
rätselhafte Geschichte, deren Lösung mir aber schließlich doch zu finden gelang."
Alles rückte näher heran, um besser hören zu können.
„Es ist jetzt etwa zehn Jahre her. Ich, hatte damals! in Hamburg meine gute Praxis. An einem kalten Winter
abend saß ich an meinem Kaminfeuer, rauchte eine Cigarre und Blätterte in einer neuen, naturwissenschaftlichen Zeitschrift, welche man mir zur Ansicht gesandt hatte .
In dieser behaglichen Stimmung wurde ich gestört: es klingelte, und bald darauf wurde ein Herr von etwa dreißig Jahren, dessen Haltung und Gebärden auf einen Aristokraten schließen ließen, in mein Zimmer geführt.
,,Mein Name ist Edgar von Hardenstein", sagte er, indem er etne zierliche Visitenkarte auf den Tisch legte. Ich Bemerkte, daß die Karte mit einer Krone oder einem Wappen geschmückt war. Ich bat ihn, Platz zu nehmen.
„Ich danke", sagte er schlicht. Dann fuhr er nach
,,^ch wurde gern einige Fragen an Sie richten, die im Grrmde mrt der Medrzrn nichts zu thun haben", sagte iA ,/2ßer wurde im Halle ahres Todes das Gut erben?"
doch keineswegs Beunruhigt an.
wurde, versetzte er, „an einen entfernten Verwandten übergehen, der ,etzt in London als Direktor einer großen in^strtellen G°,-lischest ttotig ist Er w « l-ng- Zett als Vertreter der großen Londoner Maschinenbaü- Gesellschaft „Union" in Indien und soll ein Vermöaen von dort zurückgebracht haBen."
„Haben Sie ihn jemals gesehen oder etwas von ibm gehört?" 1
„Nicht viel", erwiderte er, „aber mein ältester Bruder erhielt von ihm einen Brief, als mein Vater starB, — einen gewöhnlichen Beileidsbrief."
Das Gesicht des Grafen verfinsterte sich einen Moment. — Es war ihm offenbar unangenehm, einen feiner Verwandten in irgend einer Weise verdächtigt zu sehen.
, Der Gesundheitszustand des Grafen ließ im übrigen nichts zu wünschen übrig; leider sollte nur gar zu bald em Wechsel eintreten.
Ich hatte sehr viel zu thun, und konnte erst wieder nach Verlauf einiger Wochen nach Horstehude hinausfahren. Gaben doch die brieflichen Nachrichten zu keinerlei Besürchf- tungen Veranlassung.
Als ich nun wieder hinauskam, führte mich Herr von Hardenstein, der ein besonderes Vertrauen zu mir zu gewinnen schien, durch alle Räume des alten Hauses; es war in der That ein prächtiger Bau. Er zeigte mir auch die beiden Zimmer, in denen seine unglücklichen Brüder gestorben waren; doch ich fand auch hier nichts, was auch nur den geringsten Argwohn hätte erregen können. Ich sagte meinem Klienten (den ich doch nicht als Patienten anzw- sehen vermochte), daß seine Brüder, wie die Aerzte sagten, wirklich an einem Herzleiden gesMwen sein müßten. Indessen mußte ich diesmal doch einen Wechsel des Herzschlages Bei ihm Bestätigen — ein häufigeres Auftreten des Herzsklopfens. Doch das kommt auch bei Menschen von normaler Gesundheit vor, und berechtigt noch zu keiner Befürchtung. — Ich teilte Herrn von Hardenstein meine Beobachtung mit.
Diese Thatsache erfüllte niich mit großem Schreck. Sollte auch er wie seine Brüder an einer furchtbaren, rätselhaften Krankheit sterben, von welcher bei ihm vor wenigen Wochen noch keinerlei Symptome vorhanden waren?
„Ich glaube", sagte Edgar zu mir, „daß diese Krankheit das sonderbarste Leiden ist, welches die Aerzte kennen; mir ist, als ob ich langsam gemordet werde."
„Langsam gemordet!" — Die Worte klangen mir den ganzen Tag in den Ohren. War so etwas möglich im 19. Jahrhundert? Ich gab den Gedanken als thöricht auf.
Nun verabredete ich mit meinem Freunde einen ganzen Feldzugsplan gegen den unbekannten Feind. Es sollte die Dienerschaft genau beobachtet, jede Speise, jeher Trank genau untersucht werden. Dazu mußte iÄ mehrere Tage auf dem Schlöffe bleiben.
Wenn Sie mich ansehen, so werden Sie glauben, ich sei stark und gesund, wie ich es selbst glaube. Meine beiden Brüder waren aber noch vor zwei Jahren ebenso gesund wie ich — tüchtige Reiter und JMer; es heißt, sie seien *" "------
Herzleiden gestorben. Als mein Vater vor drei Iah
Der Dienerschaft gegenüber war ich glücklicherweise von vornherein als ein alter Studienfreund des Grafen ein- geführt worden, Hn meinem Zimmer, das im Seitenflügel lag, brachte ich einige Retorten zur Untersuchung der Lebensmittel unter, gebrauchte jedoch, die Vorsicht, nur Bet Nacht zu arbeiten, bei Tage aber alles im Spind verschlossen zu halten.
Ich will nun gleich bemerken, daß die sorgfältigsten chemischen Untersuchungen nicht das Geringste ergaben. Im Gegenteil! Die Kost war so vortrefflich, daß ich! mir und
sagte er schlicht. Dann fuhr er nach t: „Ich muß Ihnen eine etwas seltsame Geschichte, erzählen, Herr Doktor; aber ich glaube, daß Sie alles wissen müssen, wenn Sie mir Ihren ärztlichen Beistand leihen sollen.
„Ich bin der Meinung", sagte ich!, „daß die Angelegenheit noch jetzt untersucht werden müßte. — Zunächst möchte ich feststellen, wie es mit Ihrem körperlichen Befinden thatsächlich steht."
Ich schloß die Thüren, ließ ihn sich entll-eiden, untersuchte ihn nach allen Regeln der Wissenschaft und fand, daß ich einen Mann von tadelloser Gesundheit vor mir hatte, dessen Körper durch allerlei Sportübungen gestählt zu sein schien, fähig genug, die schwersten Strapazen zu ertragen.
„Es ist alles in Ordnung", sagte ich. „Ich! finde nichts, was zu den geringsten, Bedenken Veranlassung geben könnte. Indessen müßte ich Sie häufiger sehen, wenn mir kein verdächtiges Moment entgehen soll."
„Das ist es, worum ich Sie Bitten wollte", antwortete er. „Sie könnten mein Gemüt von einer großen Last befreien. Ich vertraue auf Ihre Hilfe. Morgen gehe ich! nach Horstehude zurück — mein Haus steht Ihnen jederzeit offen."
Damit verabschiedete er sich.
Länger als eine Stunde saß ich und dächte über die Angelegenheit nach. Es war doch höchst merkwürdig, daß zwei Männer in dem kurzen Zeitraum von zwei Jahren einem Herzleiden erlegen sein sollten, nachdem sie, völlig gesund, eben ein reiches Erbe angetreten hatten.
Einige Tage später svrach ich in Horstehude vor. Das schöne mit wildem Mein berankte alte Herrenhaus erschien nnr tote ein idealer Wohnsitz. Ich, fand Herrn von Hardenstein ruhiger und gemessener, als an jenem Abend.
Herzleiden gestorben. Als mein Vater vor drei Jahren starb, übernahm mein ältester Bruder Botho unsere Familienbesitzung in Horstehude. Er toar damals vollständig gesund, doch nach! einem Jahre stavb er. Darauf fiel das Gut natürlich an meinen zweiten Bruder. Auch! er starb nach einigen Monaten. Wieder sprachen die Aerzte von einem Herzübel, ohne daß sie dasselbe näher zu kennzeichnen vermochten., Ich bin der einzige überlebende Sohn und bin im Begriff, in dieser Woche das Gut zu übernehmen. Sie werden begreifen, daß ich mich, einer gewissen Furcht nicht erwehren kann. Vielleicht ist es auch, von Wichtigkeit, ein Zeugnis dafür zu erlangen, daß iä). den Familienbesitz durchaus gesund übernommen habe, und deshalb möchte ich Sie bitten, mich jetzt zu untersuchen."
„Ihre Geschichte ist jedenfalls höchst seltsam", sagte
ich, als er geendigt hatte und in seinen Stuhl zurücksank, | r?r r^fp ,
WMMWW ZWEWM verknüvit?" t,erMc^er 9Zatur Tod Ihrer Brüder I Tage in Horstehude bleiben würde. Am nächsten Tage jedoch
rnA.o r gelang es mir, den Grafen so weit zu beruhigen, daß ich
leiden ton' .^hmptome wiesen auf ein Herz- zu meinen Patienten nach, der Stadt eilen konnte.
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-...... ’ arbeitete das Herz stürmisch; der Herzstoß war sehr ver
stärkt, die Arterien klopften und hämmerten, und die Atmung war sehr beschleunigt. Bald wieder war die Herzthätigkeit sehr herabgesetzt, der Puls Kein und aussetzend.


