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ein Gaul. Ja natürlich! Sehen Sie mich, 'mal an. Wie alt bin ich wohl, he?"

Kann ich nich seggen."

Ich bin vierunddreißig, verstehen Sie! Vierund­dreißig! Ja, was meinen Sie?"

Arme Keerl!" murmelte der Schiffer erschüttert. Er hätte den Menschen für einen, hohen Fünfziger gehalten. Aschfahl das Gesicht, tiefe Löcher in den Backen, in dunklen Höhlen fieberglühende Augen, und die Stimme, die arme, gebrochene, klanglose Stimme, in der der Tod rasselte! Aber während erstickende Hustenanfälle seinen skelettartigen Körper schüttelten, prahlte der Kranke mit lachenden Lebenshoffnungen.

Sie sagen bei uns zu Hause alle, ich hol's noch 'mal durch, weil ich kräftig bin. Denken Sie nur, vier- uuddreißig Jahre! Ueber achtundzwanzig treibt's selten einer bei uns."

Achtuntwintig! Dat is zum Weinen! Was vor 'ne Hantierung hebbt Se denn?"

Ich arbeite auf Silbern-Aal."

Is mich nich bekennt."

's ist eine Hütte bei Klausthal, lieber Herr. Dort schmelzen wir das Erz aus den Gruben ein, verstehen Sie? Silber und Blei. Es wird schönes Geld da verdient. Aber die Dämpfe machen so eine Lunge kaput. Zuletzt konnte ich nicht mehr den Weg von Klausthal her machen."

Se mutt näger bi wohnen."

Wohnen? Wo denken Sie hin? Wohnen kann da niemand. Die Hütte liegt in einem Thal, verstehen Sie? Früher war Wald ringsum, lauter schöne, schiere Buchen. Ist nicht ein Stamm geblieben. Alle Abhänge kahl, nackt, wie meine Hand, nicht ein Grashalm! Kein Unkraut! Nichts! Ja, die Dämpfe."

Un in so 'ne Mordkuhle werken Lüe?"

Es wird schönes Geld dort gemacht", wiederholte der Schwindsüchtige.Mein Aeltester, der nur ein Junge ist, bekommt jetzt schon mehr als hier ein ausgewachsener Tag­löhner. Ich hab' sechs. Sechs Kinder, ja. Was wollen Sie? Unsereins heiratet früh. Das Leben ist zu kurz. Und die Herren sehen's gern. Verstehen Sie? Fremde Arbeiter finden sich nicht leicht, sind's auch nicht gewöhnt. Ja. Aber schönes Geld wird verdient."

Tobias stand aus.Na, geben Tag! Malen Set god."

Tanke schön, ja!" schrie der andere ihm nach.Ich hab' ja nichts anderes zu thun jetzt! Und ich bin von den Zähen. Adjüs! Adjüs! Mögen Sie den finden, den Sie suchen I"

So 'ne Dodesstraf' giftt nu vör en rechtschapen Minsken", dachte Tobias.Un so en Schelm un Moorderer as Jan Jürgens malet fick pläsierlich in use schöne Welt. Kann nich angahn. Is Gottes Wille nich."

An diesem Abend traf er zum ersten Mal seit seiner Abreise aus ein ihm bekanntes Gesicht. In der Schenke am Emsufer, wo er einkehrte, brachte die rote Trina ihm den bestellten Grog. Er wunderte sich.

Siel eens! Min Tochter, wat vörn Wind drivt di hierhen?"

Sie schien verlegen.Unsre Sommergästen zogen ab. Ta war nix mehr zu thun bein Eschenwirt."

Un da gungst du bet na'n Emsland?"

Schall ick Hungerpoten fugen?"

Tie rote Trina sah nicht gut aus. Ihr Gesicht war blasser, schmaler geworden, und ihre Flackeraugen zwinkerten scheu. Tem Alten schoß ein Gedanke durch den Kops.

Trientje, weetst du wat von Jan Jürgens?"

Ick meen man. De Jnschulaners seggen jo, he is di nahlopen un du hast da auch nich immer sauer zu

Zum Narren hat er mich gehalten, der flechte Mensch, und zehn andre dazu! Ich hab' ein Hühnchen mit ihm zu pflücken."

Tenn weetst du 'r nix von?"

Weet Her wat von, Tobias?"

Noch nich. Aber krieg' ickr man en Snippel von io sehn, denn pack' ick em mi!"

Mel Glück! Wo wollen Se ihn denn suchen?"

Er sah sie an.Ich hatt' au Leer dacht."

Da mag er wohl sein. Wenn er mir in den Weg läuft, sag' ich Ihnen Bescheid."

Bust en gode Deem", sagte Tobias, während er dachte r ^Lög', dat du berstest!" 1

Er glaubte der roten Hexe nicht ein Wort. Ihm war zu Mut wie einem Jagdhund, wenn er die warme Fährte wittert. Er ging in jedes Gehöft der Ortschaft, er unter* suchte das Heu auf den Speichern, aber er fand keine Spur des Entflohenen. In der Nacht schlief er nicht. Er horchte. Nur das Wasser rauschte, eine Ziege meckerte. Ab und zu stampfte eines der Pferde im Stall. Nach Mitternacht klang endlich ein leises Klirren an sein Ohr. Er sprang auf; er lief ans Fenster. Der Mond war eben aufgegangen. In seinem Strahl erkannte Tobias auf der dunklen Wasserfläche weit schon einen winzigen Kahn, eine Nußschale, die mehr und mehr im Nebel verschwamm. Keine menschliche Gestalt mehr zu unterscheiden, nur das regelmäßige Aufblitzen des bewegten Wassers, das die kräftig und rasch geführten Ruder peitschten. So rasch geführt! So ganz unermüdlich! War's eine Flucht?

Ter Mann am Fenster ballte die Fäuste. Er wußte! es so gewiß, als hätte er ihm ins Gesicht gesehen: Jan Jürgens saß in dem Nachen! Aber er hatte nun die Fährte.

Am andern Morgen brach er zeitig auf, und kurz hinter der Ortschaft wandte er seinen Schritt. Nicht südwärts nach Leer ging er, nordwärts nach Emden. Dort mietete er sich in einer Herberge nah am Hafen ein, beobachtete die abfahrenden Schiffe wird hielt sich verborgen. Nur abends strich er durch die Straßen, die Mütze tief über den Augen, trat in die Kneipen, trank einen Bitteren, ein! Glas Bier, musterte die Gäste und ging weiter. Seine Barfchast war erschöpft. Er schrieb an den Pastor, und lieh sich Zuschuß aus dem versiegelten Schatz senden.

Vierzehn Tage trieb er's so. Da traf er eines Abends kurz vor der Abfahrt eines Dampfers an der Schleuse die rote Trina. Diesmal war er nicht überrascht.

Süh, süh, Trina! Heft nu hier en Dienst?" 's würd' mir zu still un zu grnslich an der Eins." Jo, inner Stadt is't pläsierlich er."

Se sünd ook nich in Leer, Tobias Breeden." Nee, nee, bün ick nich, Trina."

Ick verarg' Set nich. Wer einen jagen will, muß selbst mitlaufen. Das is beswerlich für einen Menschen in Ihren Jahren. Ich dien' hier beim Ochsenwirt. Weeten S' wat? Kamen Se, nehmen Se 'n lütten Sluck."

Worüm schall ick dat nich dohn, Trina? Man schenier' di nich, mien Dochter. Ick kann töwen. Mag sülwst gern de Lüe up't Schipp kribbeln un krabbeln sehn, as 'ne Herde Schaape. Wullst een'n Adjüs seggen, Trina."

Ick? Adjüs seggen? Ick hebb jo keenen."

Gor keenen?"

Nich en eenzigsten! Darum hab' ich auch en Abscheu vor soner Abreis' Komm mich selbenst vor wien einsam Schiff aus die weite See. Flink, Tobias Breeden, kamen Se nan Ochsenwirt."

(Fortsetzung folgt.)

Ein dunkler Fall.

Von Fred Hod.

Nachdruck verboten.

Der Fall Hallberger hatte eine große Aufregung hervor- gerufen. Konsul Hallberger, einer der reichsten und ange­sehensten Leute der ganzen Stadt, war plötzlich ohne jedes Anzeichen einer Krankheit im Alter von 41 Jahren gestorben. Bald darauf es war an einem Samstag traf ich meine Freunde in der Honoratiorenstube des Hotels Goldbach! am hohen Steinweg. Alles sprach nur von dieser Ange­legenheit, von der eingeleiteten Untersuchung tc.

Der Sanitätsrat Kummer, uns 1

S: unvergeßlicher Freund hlen Erde hüllte sich in nachdenkliches Schweigen.

Ist denn so etwas überhaupt möglich?" rief Rektor Vogt aus, indem er dichter an Kummer heranrückte. Alle sahen gespannt nach dem Sanitätsrat hinüber.

Möglich?" Alles hat seine natürliche Erklärung; die Frage ist nur, ob wir sie finden. Es gießt viele Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen sich eure Schul­weisheit nichts träumen läßt." Dann reichte er, gleichsam um die Schärfe der Entgegnung «etwas zu mildern, deut Reftor lächelnd die Hand.

Sie wollen uns eine Geschichte erzählen, Herr Sauitats- rat", sagte der Referendar Wolff, eiy besonderer Verehrer, des alten Herrn. ~

Gewiß wenn Sie zuhören wollen s eine anders