636
von Trahtkörben mit mehreren Fächern, deren Wandungen schräg gestellt sind. Tie Sardinen werden in diesen Fächern mit den Schwanzenden nach oben untergebracht, und hierauf die Körbe an den Trockengerüsten aufgehängt.
Man hat sich vielfach bemüht, den großen Schäden, welche durch feuchte Witterung hervorgerufen werden, zu begegnen. So hat z. B. das berühmte Haus Amieux zu Sauzon, welches 350 Leute beschäftigt, zu diesem Zwecke einen großen mechanischen Trockenapparat beschafft, welcher sich 'sehr gut bewährt. Es ist dies ein riesiger Ventilator, der durch Tampfkraft betrieben wird. Die Sardinen werden einige Augenblicke einem starken Luftstrom ausgesetzt, um unmittelbar darauf, auf den Rosten ruhend, in große Pfannen mit stedeirdem Olivenöl eingetaucht zu werden. Diese Manipulation dauert, je nach der Größe der Fische, drei bis fünf Minuten. Damit das Olivenöl seinen natürlichen Geschmack behält, wird es nicht über offenem Feuer erwärmt, sondern es wird überhitzter Dampf durch das Oel hindurchgeleitet. Da die Fische zuvor ganz trocken waren, so absorbieren sie bet dieser Manipulation einen großen Teil des Oels, welches von Zeit zu Zeit ersetzt werden muß. Nach dem Sieden werden die Sardinen mit den Rosten zum Abtropfen aufgestellt und nach dem Trocknen in Büchsen verlegt. Diese Büchsen gelangen dann in den Oelraum, wo die Lücken zwischen den Fischen mit frischem Olivenöl ausgefüllt werden. Auch die Gewürze, Tomatensauce und Sardellenpaste, welchen die französischen Sardinenbereitung hauptsächlich ihren Weltruf verdankt, werden hier beigesügt.
Die Fabrikanten verwenden zwei Arten Oel zum Einlegen der Sardinen in Büchsen, nämlich Olivenöl und Erdnußöl. Obwohl die französischen Konservenfabrikanten angeblich nur diese beiden Oele verwenden und wohl auch größtenteils überzeugt sind, reines Oliven- und Erdnußöl von den Händlern zu erhalten, soll doch mehrfach eme Verfälschung dieser Produkte durch das wohlfeile Baumwollsamenöl vorkommen. Genau ist man über diesen Punkt noch nicht unterrichtet. Die Amerikaner bringen allerdings ihren bedeutenden Export an Baumwollsamenöl nach Frankreich mit der Sardinenindustrie in Beziehung, doch fehlt der klare Beweis, daß ihre Vermutungen zutreffend sind. Jedenfalls ist es interessant, zu konstatieren, daß während des fiskalischen Jahres 1899 die Vereinigten Staaten nach Frankreich nahezu 17 Millionen Gallonen Baumwollsamenöl im Werte von 16 Millionen Mark exportierten. Das Erdnußöl wird in ausgedehntem Maße verwendet, um der Nachfrage des Auslandes, namentlich Amerikas, nach einer billigen Sardine zu entsprechen. Die meisten der billigeren französischen Sardinen, welche nach Amerika exportiert werden, sind in Erdnußöl eingelegt, welches thatsächlich geschmacklos ist.
Es giebt noch verschiedene andere Ingredienzen, welche man den Oelsardinen zusetzt, um sie wohlschmeckender oder pikanter zu machen. Einige der allerbesten Sorten werden mit geschmolzener Butter guter Qualität statt mit Oel bereitet, doch sind diese zumeist speziell für den französischen Markt bestimmt.
Auf Schienen laufende Wagen befördern die Büchsen nach dem Lötzimmer, wo Arbeiter mittels Lötkolben die Deckel befestigen. Die Büchsen werden, um die etwa in ihnen eingeschlossenen Mikroben zu zerstören, in große, mit kochendem Wasser gefüllte Pfannen gebracht, in diesen dem Kochprozeß unterworfen, hierauf in Sägespänen getrocknet und genau untersucht. Die Untersuchung erfolgt durch einen besonders sorgfältigen, gewissenhaften Beamten, durch dessen Hände jede Büchse geht.
Zeigt sich ein Fehler in der Lötung, so wird das Stück Mrückgewiesen und nach dem Abfallraum befördert. Der Inhalt einer solchen Büchse hat keinen Nahrungswert. Die tadellosen Stücke werden zu je hundert in Kisten verpackt und in dieser Form in den Handel gebracht.
Für die besten französischen Büchsensardinen, darüber kann kein Zweifel bestehen, wird nur absolut reines Olivenöl verwendet. Diese Sardinen halten sich zehn Jahre oder noch länger in guter Beschaffenheit.
Merkwürdig ist, daß die Sardinen sich mit einem altberühmten und altbewährten Sprichwort in Widerspruch setzen. Während sonst alle Welt dem Grundsätze huldigt:
„Frische Fische, gute Fische", werden die Sardinen erst köstlich, wenn sie ein Jahr in der Büchse zugebracht haben. Cie gewinnen in dieser Zeit erheblich an Geruch und Geschmack, während man frische Sardinen keineswegs als Delikatesse anzusehen pflegt.
Literarisches.
Hygiene der Zähne und des Mundes, von Profeffor Port in Heidelberg (Verlag von Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart, ge£>; Preis 1 Mk.). Tas Buch ist ein sehr wertvoller Wegweiser auf dem Gebiete der Pflege und <Ä- haltung der Zähne. In kurzer, knapper Form faßt es alles zusammen, was für die Hygiene der Zähne von Bedeutung ist. Insbesondere belehrt es den Laien, wie die Zähne erhalten werden können, ohne daß das so unangenehme Zahnziehen notwendig ist. Wir können das Buch nur bestens empfehlen.
„Der Narr uud Anderes, Novellistisches" betitelt sich das neueste Geschichtenbuch von Johannes Schlaf, das soeben im Verlage von Hermann Seemann Nachfolger in Leipzig erschienen ist. Preis 2.50 Mk. Tie Meisterschaft Schlafs iit der psychologischen Schilderung von Vorgängen, die mehr im innern, als im sozialen Leben sich abspielen, ist eine unbestrittene. Tie Seelenbilder, die Schlaf in dem vorliegenden Bande zeichnet, ergreifen durch ihre realistische Treue und ihren Stimmungsgehalt nicht weniger, wie durchs die außerordentlich feine, fast raffinierte künstlerische Form,' die ihnen Schlaf gegeben hat. Tie zahlreichen Freunde des Tichters werden ihm für diese neue reizvolle Gabe Vieh Tank wissen.
Die Waffe.
Zum Schöpfer sprach das Weib: „O Herr, vernimnL Mit uns, dem weiblichen Geschlecht, steht's schlimm, Tu hast den Mann mit aller Kraft bedacht .Und uns aus schwäch'rem Material gemacht.
Gieb Waffen gegen dieses Stärkern Macht!" I
Da hat der Herr ein wenig nachgedacht
Und sprach: „Tu sollst nicht waffenlos Dich wähnen, j O Weib, drum geb' ich Dir die Macht der Thränen."- ’ J
Schachaufgabe.
Von A. Kvicala in Prag. (Nachdruck verboten.)
abcdef g h
abcdef g h
8
8
6
6
5
5
3
3
2
Weiß.
Weiß zieht an und setzt in zwei Zügen matt. (7 4-7) (Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Buchstabenrätsels in vor. Nr.r Oktober. (Kohl, Kamin, Pistole, Berlin.)
Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttatS-Duch« und Eteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießm.


