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noch aussteigen, und sie ging dann mit schleppenden Schritten über die vielverschlungenen Wege, die sie gegen die Rousseauiusel führten.

49. Kapitel.

Julie Farkas war zuerst an Ort und Stelle. Um auf Paul Querzewski zu warten, fetzte sie sich unter einen Baum und gab sich den Anschein, in einer alten Zeitung zu lesen, die sie in ihrer Tasche vorfand. Nach Verlauf einiger Minuten erschien ein Mann von etlichen fünfzig Jahren, sich aus einen Stock stützend, da er den einen Fuß etwas nach- schleifte. Er trug einen bereits ziemlich grauen Bollbart, und feine Augen waren von zwei blauen Brillengläsern geschützt. Sein Anzug war, ohne zu sehr elegant zu sein, sorgfältig und seinen: Alter entsprechend, wie der eines kleinen Privatmannes oder gewesenen Kaufmannes, der sich nach Erwerbung eines kleinen Vermögens aus Gesundheitsrück­fichten nt den Ruhestand gesetzt hat.

Zwei Wächter des Gartens, die auf der Insel auf- und abpatrouillierten, hatten ihn bemerkt, und der ältere sagte zu dem andern:

Schon wieder ein Pensionist. Ter ganze Garten wimmelt davon. Heute sind sie alle herausgekrochen, um sich zu sonnen. Man glaubt wirklich manchmal, im Jn- validenpark in Moabit zu sein."

Glaubst Tn vielleicht", meinte der zweite Parkwächter, daß der auch wirklich so elend ist, wie er sich da stellt? Sein Fuß mag etwas gichtisch sein; aber sieh Tir'n bloß au, wie er noch kräftig aussieht, und wie der Kerl gut gebaut ist."

Seine Augenn find aber nicht mehr berühmt."

Trotzdem haben sie noch ein ganz schönes Feuer. Sieh nur hin: die rriegen immer mehr Feuer."

Die Kleine dort hat'n wohl elektrisiert. Sie ist auch ganz niedlich und forsch."

Ich, will wetten, daß der heute weniger ausgegangen ist, um sich an der Sonne zu wärmen, als um fein Hjerze au einem schönen Mädchen auszuwärmen. Jetzt hat er eins gefunden, und paß mal auf, wie er nach einigen Umwegen sich heranschleicht, um ein Gesspräch mit ihr anzuknüpfen. Man kennt die Manöver!" Und er spuckte in den Sand, feinem Kollegen Kautabak anbietend.

Sie hatten sich auch nicht getäuscht. Der, den sie beide beobachteten, setzte langsam seinen Weg fort und näherte sich wie zufällig Julie Farkas. Die Kreise um sie wurden immer kleiner und kleiner, bis er sich einige Schritte von ihr seitwärts einen Stuhl nahm, auf den er sich schwer niederließ, als wäre er müde von seinem Spaziergang.

Na, halt' ich nicht recht gehabt?" sagte der eine Wächter, den andern mit dem Ellbogen anstoßend.

mJetzt hat er sich vor die Festung gelegt. In ein paar Augenblicken wird er das Feuer eröffnen. Sie nur mal hin! Tas hat nicht lange gedauert. Nun hat er schon fernen Platz gewechselt. So. Jetzt ist er dichte bei ihr. Nun scheint ja die Geschichte im Gange zu fein."

Ja, ja. Sie hat ihn aber nicht dazu aufgefordert.

einmal hochgesehen hat sie von ihrer Zeitung. So leicht kriegt der Alte das Mädchen nicht rum."

Na, lassen wir sie alleine und sehen wir uns mal ändere an. Tas ist noch die einzige Zerstreuung, die man her unserem langweiligen Quatsch hat."

Sie entfernte sich langsam. Julie Farkas hatte nur auf ihr Fortgehen gelauert, um ihrem Nachbarn znzu- flüstern: 0 0

_ ,Ich habe Dich noch niemals so wunderbar verkleidet gesehen. Tu bist einfach tadellos."

Nicht wahr?" lächelte er in Wohlgefallen über sich

Er war immer glücklich, wenn man sein Talent als anerkannte. Doch diesmal mußte er noch, hin­zu fügen :

. ''^l^re ich etwa in Deinen Augen, wenn ich so alt Md häßlich aussehe wie heute?"

- "^blu .uie mein Schatz", rief sie aus.Ich sehe und finde aus Dir immer das, was Tu wirklich bist. Jrn Gegen­teil, diese .Verkleidungen machen mir Spaß. Tu bist für keinen andern das, was Tu für mich allein bist. Ich allein kenne Dich ich allein weiß Dich zu würdigen. Habe keine Angst, mein Schatz! Ich liebe Dich heute, wie an jenem Tage, als Du aus dem kleinen, im Stich gelassenen Berliner Straßenmädel Deine Gefährtin gemacht hast, Schon

wegen der gemeinsam erduldeten Leiden hab' ich Dich gern."

Er unterbrach sie mit den Worten:

Ich danke Dir. Siehst Tu, ich fragte nur, weil ich mich oft so sehr in die Haut dieses Keßler hineinlebe, daß ich oft wirklich Augenblicke habe, wo ich mich für alt, häßlich und kraftlos halte, wie er es gewesen ist. Jetzt aber reden wir von ernsten Tingen. Tu schreibst mir, daß' es neues gießt und daß ich einen Nachbar bekomme. Macht Tir dieser Nachbar Angst?"

Angst gerade nicht. Aber darf man denn jemals fein Mißtrauen einschlafen lassen?"

Kennst Tu ihn?"

Ich habe nur von ihm sprechen gehört; gesehen habe ich ihn nicht."

Ich habe ihn aber gesehen. Meine Wohnung und die, die er bewohnen soll, waren früher eins. Eine einfache Bretterwand trennt zwei finstere Nischen, wie sie in jeder Wohnung sind, und die in die beiden Vorzimmer führen. Heute morgen hörte ich plötzlich Stimmen auf der anderen Seite der Wand.Aha", denk' ich mir,ich soll einen neuen Nachbar bekommen." Ich richtete mich also so ein, daß ich ihm auf der Stiege begegnen mußte, sobald er mit der alten Peters heranstrat."

Nun und ?"

Zur Kriminalpolizei gehört er nicht. Da bin ich sicher. Tiefe Leute haben ein ganz anderes Auftreten. Aber es ist nicht unmöglich, daß er auf Rechnung eines Privat­mannes arbeitet."

Ah! Tu hast also denselben Gedanken wie ich! Ein Freund des Sempach, nicht wahr?"

Wahrscheinlich. Es war ja ganz schlau, das junge Ding da auf die Fährte eines falschen Münser nach Straße bürg geschickt zu haben. So hast Tu sie uns wenigstens! für kurze Zeit vom Halse geschafft. Wer jedes Ding hat feine Schattenseiten. Nach ihrer Rückkehr hat sie jeden­falls ungesehen, daß Tu sie angeführt hast. Daher ver­mutlich ihr Verdacht."

Gegen mich?"

Gegen Dich allein. Ich habe in der ganzen Geschichte nichts zu ihun."

Warum mietet sich denn der Spion dann, wenn er wirklich ein Spion ist, neben Dir ein?"

Weil in diesem Hause nichts anderes zu vermieten war, Schaf. Tie Sache ist ganz einfach angelegt. Er hätte ein Tienerzimmer jedenfalls vorgezogen, es war keines frei."

Mit einem Male unterbrach, er sich, dachte einen Moment nach und fragte:

Wird der Mensch allein, als Junggeselle leben?"

,Lch denke, ja."

Hat er fein Mädchen zu seiner Bedienung?"

Ja. Er erwartet eins von zu Haus."

-Von zu Haus? So, so! Er gießt sich also für einen Provinzler aus! Jetzt wird mir die Sache schon ver­dächtiger. Ter Blick, den er mir bei unserer Begegnung auf der Treppe zugeworfen hat, war der eines ganz schlauen Berliners. Und dann: will sich ein Mensch in feinem Alter und von seinem Aeußern, wenn er auf einige Monate nach Berlin kommt, unterhalten, der würde sich nicht einen Dienstboten aus seiner Vaterstadt kommen lassen, damit sein Mädchen nach der Rückkehr sofort brühwarm alles ausklatschen kann. Tas find zwar nur Nebenumstände, Fingerzeige, die mir aber wichtig erscheinen. Mit einem Wort also: er hat schon ein Mädchen? Schade."

Warum?"

Tu hast keine Stellung und hast nötig, Dein Brot zu verdienen. Durch Empfehlung der alten Peters hättest Tu sonst leicht bei ihm in den Dienst treten können."

Was für eine Idee!"

Ist doch gut nicht?"

Ja, ja, in gewisser Hinsicht schon."

Bedenkst Tu, was dann eintreiten würde? Anstatt von ihm überwacht zu sein, wärst Tu diejenige, die ihn überwacht. Nach einigen Tagen würdest Tu schon herans- haben, iöie Tu mit ihm dran bist. Ta kannst Du ihn schon ergründet und erforscht haben. Ist er ungefährliche ein gewöhnlicher Spießbürger, läßt Tu ihn einfach laufen. Der Dienst bei ihm fonti entert Dir eben nicht mehr. Be- flätigt sich aber unser Verdacht, dann hängst Tu Dich an ihn, fesselst und umgarnst ihn. Er gehört dann nicht mehr