Ausgabe 
25.8.1902
 
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fernt werden können. Ans diesem Raum wird der Körper durch Fördermaschinen in den KWtevaum geschasst, wo en während 24 Stunden bleibt.

Ter von Blut und Borsten befreite Körper ist nun für das Hackmesser bereit; der Fleischer zerlegt ihn binnen wenigen Minuten. Dann werden die Schinken und Speck- eiten in Reservoire mit Salzlake gebracht. Jede Gesell- chaft hat ihr besonderes Rezept für Bereitung der Pökel- ake. Die Übrigen zu konservierenden Teile kommen in den Salzraum, wo sie 40 bis 60 Tage bleiben. Dieselbe Zeit ist auch, für Speck und Schinken erforderlich. Auf den Pökel- und Einsatz-Prozeß, folgt das Räuchern, welches' in Räumen geschieht, wo Tausende von Stücken zugleich ge- räuchert werden können. (Vgl. The Packing Jndustry of Chicago, by Day Allen Wolley in Scient. Am. Juni 1902.)

Tas Schweinefett wird in ungeheuren, durch Dampf er­hitzten Kesseln ausgelassen und noch in flüssigem Zustand' durch Röhren in den Packraum geleitet. Tie Eimer und sonstigen Beh,älter werden mit Schmalz gefüllt, indem man einfach die Ventile der Röhren öffnet. Darauf läßt man es erkalten und nUn ist es zum Versenden fertig.

Tie Schweinewurst ist ebenfalls zum großen Teil ein Maschinenprodukt. Das Fleisch wird durch rapid rotierende Messer in feine Partikelchen geschlittert und dann in Schweinedärme gepreßt, welche zuvor natürliche durch Ma­schinen gründlich; gereinigt sind. Ein Teil dieser Maschinen, welche durch, komprimierte Luft betrieben werden, füllt in wenigen Sekunden mehrere Fuß Därme. Die einzelnen Würste werden dadurch hergestellt, daß man den Darm durch, Schnüre abbindet.

Nach Befestigen des Schweines au dem Rade ioird das Schlachten des Tieres, das Zerlegen und das Verpacken der Produkte so austzeführt, daß das Fletsch kaum jemals mit der Hand berührt wird.

Schafe werden in ähnlicher Weise behandelt. Beim Schlachten werden sie vom Fußboden durch Ketten, welche an ihren Hinterfüßen befesttgt werden, aufgehoben. Die Kehle wird durch einen einzigen Messerschmitt geöffnet und der Körper durch Maschinen in den Mlteraum befördert, wo er gewöhnlich während 48 Stunden verbleibt. Dann wird das Tier abgezogen und nach Wunsch in Halbe oder Viertel zerlegt. Früher wurden die Häute mit der Wolle darauf verkauft, doch; haben die Packer ein Verfahren er- furkden, mittels dessen die Wolle leicht von dein Fell ge­trennt werden kann. Sie wird dann gründlich in heißem Wasser gereinigt, getrocknet und in Ballen verpackt, um direkt an den Duchfabrikanten versandt zu werden, während das Fell an den Gerber verkauft wird.

Tas zur Versendung besttmmte Hammelfleisch wird ge­wöhnlich in den Kühlraum gebracht, welcher gleichzeitig 10000 Stück faßt. Hier kann es während eiries unbestimm­ten Zeitraumes aufbewahrt werden, da die Luft durch ein Kühlsystem in allen Teilen des Raumes in angemessener und gleichmäßiger Temperatur erhalten wird. Ist die Zeit zur Versendung herangekommen, so werden die mit Kühlvorrichtungen ausgestatteten Wagen in den Kühlraum gefahren und das Fleisch wird befördert, ohne der warmen Lust ausgesetzt zu werden.

Bel dem modernen Schlachtverfahren hat inan den Be­täubungsprozeß noch beibehalten. Wenn die Rinder eins nach dem andern in die Gänge getrieben werden, so be­täuben sie auf einer erhöhten Plattform stehende Männer durch einen Schlag mit einein schweren Hammer. Wenn das Tier fällt, so wird eine Seitenthür geöffnet, und es gleitet rn einen tiefer liegenden Raum, wo es geschlachtet wird. Voir hier aus tritt oas Tier gleich nach dem Schlachten durch Maschinenbetrieb seine Reise durch die verschiedenen Ab­teilungen^ an. Zuerst gelangt es in den Mlteraum, dann in dre nächste Abteilung, wo die Abhäutttng erfolgt. Wäh­rend ein Mann das Fell abzieht, schneidet ein anderer den Kopf ab, löst die Zunge aus und trennt die Füße ab. Tann wird der Körper im Hackraum halbiert oder in Viertel zerlegt und zur Versendung nach den Zentren des Konsums rn den Vereinigten Staaten oder im Auslände fertig ge­macht. Tie Körper bleiben gewöhnlich in Hälften, wenn sre nach dem Kühlraum geschafft werden, wo sie, wie die Schafe, während einer unbegrenzten Periode aufbewahrt werden können.

Tas Rind liefert viel mannigfaltigere Produkte als das

Schaf oder Schwein; es bleibt üverhäupt kaum ein Teil ungenutzt. Das' in großen Kesseln gekochte Fett wird <M Oel oder Stearin verwendet; Rinderöl bildet die Basis der Butterine und Oleomargarine. Diese, sowie Stearin werden bei der Fabrikation von Seifen verwendet. Das Blut wird in Dünger verwandelt, sowie auch in billige Knöpfe, welche jetzt inPackiug-Down" in geringer Entfernung von den Schlachthäusern fabriziert werden. Die Hufe werden natürlich in Leim verwandelt.

Während drei bis vier Jahren ist die Fabrikation von Seifen oder flüssigen Nahrungsmitteln in Verbindung mit der Chicagoer Verpack-Industrie in sehr großem Maßstabe unternommen worden. Dutzende dieser Produkte, deren Basis in Rindfleisch besteht, werden destilliert, raffiniert und in Anlagen, welche an die Packhäuser angrenzen, in Flaschen und Krüge gethan. Die ersten Chicagoer Firmen fabrizieren selbst ihre Büchsen für. flüssige und feste Pro­dukte und besitzen Fabriken zur Herstellung von Kisten und Fässern, während' einer anderen Gesellschaft eine Fabrik gehört, welche Schsnkensäcke produziert. Ta in einer Woche wohl 100 000 Verpackungen von flüssigen und festen Nah- rungsinttteln. bewirkt werden,, so wird man den prakttschen Wert dieser Einrichtung begreifen. Sogar bei der Be­reitung des alsCorned beef" bekannten Büchsen fleisches werden die Büchsen mittels Maschinen mit gekochtem Fleisch gefüllt, wobei der Inhalt jeder Büchse so geformt wird, daß er den Räum genau ausfülli. Nach) dem Füllen und Verlöten wird die Büchse in kochendes Wasser gestellt, daraus wird ein Loch in den Teckel gemacht, damit das Gas entweichen kann. Alsdann wird das Loch; wieder zuge­lötet und der Inhalt der Büchse hält sich jetzt in jedem Klima eine ganze Reihe von Jahren.

Tas sogenannte Trolley-Systenr wird nicht nur in den Schlachthäusern zum Befördern der geschlachteten Tiere an­gewandt, sondern auch für die allgemeine Beförderung der Güter von einem Punkt nach dem andern. Der elektrische Motor zieht alle Lasten einen kleinen Rollwagen ebenso gut wie schwere Eisenbahnwagen. Die zur Beförderung der Tiere angewendete Methode besteht aus einer oberen Schiene, längs deren sich die Laufkatze bewegt, indem ihr durch einen Draht der elektrische Sttom zngeführt wirdi Auch die oben erwähnten Räder zum Schlachten derSchweine werden elekttisch bettieben.

Fürwahr, diese vollkommenen Einrichtungen erinnern fast an jenen Automaten, welcher einmal in einem be­kannten Witzblatt därgestellt war. Es' war eine umfang­reiche Maschine, in welche auf der einen Seite die Schweine hineingetrieben wurden, während auf der andern die fer­tigen Würste, Schinken usw. herausrollten.

Vermischtes.

Beeinträchtigt der Schleier das Sehen? Diese unsere Damenwelt gewiß höchlichst interessierende Frage hat ein Forscher, Dr. Nagel, an der Hand eingehender Untersuchungen zu beantworten Versuchs. Daß die Seh- leistnug durch dieses luftige Gebilde nicht unerheblich herab­gesetzt wird, darf nach Nagels Untersuchnngsergebnifsen als sicher gelten. Vor allem ist die Stellung des Schleiers von ausschlaggebender Bedeutung. Wird der Schleier dicht vor den Augen getragen, oder ist der Gegenstand der Bettach­tung nahe gerückt, so wird das Sehen nur wenig beein­trächtigt. Hält der Beobachtende den Kopf ruhig, so ist die Beeinträchtigung weniger erheblich als bei Bewegnngen des Kopfes. Weiterhin ist die Weite der Maschen von Be­lang und ebenso die Richtung der Fäden, insofern dadurch die Konturen der Gegenstände verdeckt werden oder nichs.

Tauschrätsel.

(Nachdruck verboten.)

Rain, Wolle, Bonn, Mars, Hagel, Reifen, Kaste, Helm, Senne, Mond, Keile.

Von jedem Wort ist durch Umtausch eines Buchstabens an beliebiger Stelle ein neues Hauptwort zu bilden. Die neu eingesetzten Buchstabe« müssen im Zusammenhang einen bekannten Badeort bezeichnen.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.r Hagestolz.

Redaktion: Curt Plato. Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch, und Cteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.