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Strahlende Toiletten, blitzende Steine, schimmernde Perlen, glänzende Augen und Nacken und frohe Gesichter. Bells Fest war gelungen.
Die Schönste aber war Bell selbst. Sie trug ein Kleid von meergrüner, mit ganz kleinen Brillanten übersatter Seide, im Haar ein Diadem von denselben Steinen, das wie die Krone einer Königin aus ihr funkelte und um den weißen klassischen Hals ein Kollier von birnenförmigen Perlen und in der Mitte einen riesigen samtgrünen ßmaragd. Es schien, als wäre sie erst heute an diesem Wend zu der ganzen vollen Pracht ihrer Schönheit aufgeblüht. Ein Kreis von huldigenden Sklaven umgab sie, denn sie selber tanzte nur wenig. Auch stand sie eben im Begriff, sich zurückzuziehen, um sich zur Abreise fertig zu machen. Fred hatte fich in der gleichen Absicht bereits nach feiner Wohnung begeben. Er wollte später noch einmal zurückkommen, um sie abzuholen.
(Fortsetzung folgt.)
Das Harmonium?)
Mehr und mehr macht sich seit Jahren, ja seit Jahrzehnten in der musikliebenden Welt das Bedürfnis nach einer edleren Volks-Musikpflege und einer Hausmusik geltend, die durch orchestrale Wirkungen höhere Befriedigung Und reinere Genüsse verschaffte, als die bis jetzt geübte. Eine solche aber vermag sich! auf dem Klavier, das ja seit lange als einziges die Rolle des Hausinstyumentes vertrat, niemals zu entwickeln. Wohl vermag der Virtuose auf diesem in orchestraler Weise zu spielen, nicht jedoch der kunstliebende Dilettant, der die Musik zu seiner und seiner Umgebung Wohlgefallen ausübt. Und gerade sein Wunsch ist es, die Meisterwerke unserer alten und modernen Komponisten in einer mehr dem Orchester nahekommenden Wirkung, für welches sie ja zum größten Teil geschrieben wurden, auszuführen. Dies ist ihm auf dem Klavier, dem Flügel, versagt. — Also ein anderes Instrument — aber welches?
Nun, die Wahl kann nur auf ein einziges fallen, das den gestellten Anforderungen entspricht, und dieses einzige ist das Harmonium. — Das Harmonium vereinigt die orchestrale Technik mit dem Wohlklang des Klaviers und eignet sich mit seiner ganz anders gearteten Spieltechüik, seinem getragenen modulationsfähigen Tone, seiner eminenten Ausdrucksfähigkeit und seinem Reichtum an koloristi- schen Wirkungen zu einer besseren und viel vollendeteren Wiedergabe der Tonschöpsungen unserer unsterblichen Meister.
Tas Harmonium blickt erst auf eine verhältnismäßig kurze Vergangenheit zurück. Dennoch ist ihm sowohl in der musikalischen, als auch in der Tagespresse eine glänzende Zukunft prophezeit worden; und diese Prophezeiung ost! nicht eine solche, deren Eintreffen in dämmerweiter Ferne steht, sondern sie wird sich erfüllt haben, sobald das Harmonium Hausinstrument geworden ist, wie heute das Klavier.
Daß es aber dieses wird, dafür bürgt nicht allein das fich täglich! steigernde Begehren der Musikfreunde nach den Genüssen einer mehr orchestral wirkenden häuslichen Musik, sondern auch, die fortschreitende Technik im Harmvniumhau, die stets zunehmende Bereicherung der Harmontum-Litte- ratur.
Tas Harmonium ist das einzige Instrument, welches diesem Wünsche aller Freunde edler Musik genügen kann. Und nicht Nur dieses, auch noch zu höherem ist es berufen. Ein neues Stadium unserer Volkskunst und speziell unserer Hausmusik wird mit der Einführung des Harmoniums als Hausinstrument beginnen. Tie faden Gassenhauer, durch! die so oft die heilige Tonkunst entweiht wird, der banale Charakter der heutigen Volksinusik werden schwinden und einer edleren, höher zu wertenden Platz machen! Tie Zeiten der alten Meister, wo auch; die Volksmusik schönere Blüten trieb als heute, werden zurückkehren! Nicht aber, als hätten wir einen KteislalUf vollendet, sondern höher werden wir stehen; denn vorwärts und aufwärts
*) Dieser Aufsatz ist der Zeitschrift „Das Harmonium" (Berlin W. 30) entnommen. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß sich hier eins der größten Harmoniumlager Deutschlands^ das von Rudolph', Seltersweg, befindet. D. Red.
geht der Weg des Lebens und diesen Weg verfolgt auch die Tonkunst. Hat es nun auch augenblicklich! den Anschein, als ob sich ein Niedergang der Kunst, namentlich der häus- ftchen Kunst, bemerkbar mackste, so ist dies doch eben nur Schein, und dieser wird dadurch hervorgerufen, daß das bisherige Instrument für die Ausübung der Hausmusik einer weiteren Entwicklung derselben nicht mehr fähig war und wir so durch den Stillstand allmählich in den Sumps geraten sind. Aber aus diesem Sumpf können wir uns befreien! Das Harmonium bietet diese Hilfe, es bringt frisches Wasser in den Sumpf, und bald wird das alte, übelriechende durch neues, frisches ersetzt sein. Und nicht nur das; auch Leben und Bewegung wird es in die Kunst bringen, und hat es zum Teil schon gebracht. Es ist eben leider in weiteren Kteisen als Hausinstrument fast unbekannt, Und daher auch! von dieser neuen Kunst nur die Wenigsten wissen!
Tas aber soll und muß jetzt anders werden; das Harmonium foH, wie in Amerika, Hausinstrument werden, und wie heute fast in jeder Familie ein Klavier unumgänglich notwendig ist, soll es künftig ein Harmonium sein!
Dieses Ziel anzustreben, welches auch, wie gesagt, eine neue Blütezeit der Tonkunst herbeiführen wird, ist Pflicht jedes Harmoniumfreundes und Liebhabers der Harmonium- musik! An diesem Werke mitzuarbeiten, ist jeder berufen, der Sinn und Liebe für eine edle, schöne Musik hat.
Also Harmoniumfreunde und alle Freunde edler Hausmusik, schart euch zusammen und gründet Vereine oder schließt euch schon bestehenden an, die dasselbe Ziel verfolgen, wie wir! Mit Rat und Thal bei Gründung solcher Vereine stehen wir gern zur Seite, denn es gilt doch durch das Harmonium als Hausinstrument der Kunst ein neues frisches Leben zu bringen, ihr ein Feld zu bieten, auf dem sie sich Lesser ausbreiten, mehr schaffen kann, als es auf dem bisherigen beschränkten möglich war. Und gilt es doch ferner, auch der Hausmusik das zu geben, was ihr gebührt: ein Instrument, aus dem die Werke unserer Meister, besonders unserer modernen Kunst, vollkommener ausgeführt werden können als bisher!
Die Schlachthöfe in Chicago.
Von Arnold Rohde.
Nachdruck verboten.
Tie Chicagoer Schlachthöfe sind in der ganzen Welt berühmt. Tas Schlachten von Rindern, Schweinen und Hammeln, sowie die Verarbeitung des Fleisches und aller Abfallprodukte hat hier so ungeheure Dimensionen angenommen, daß besondere maschinelle Verfahren eingeführt werden mußten, um die Arbeit und den Zeitaufwand für jedes einzelne Schlachttier auf ein möglichst geringes Maß zu beschränken. Diese Industrie ist ohne gleichen in der Welt, und die Einrichtungen der einzelnen Betriebszweige sind so überaus großartig, daß sie ein allgemeines Interesse beanspruchen können.
Wo irgend möglich, werden Maschinen an gewendet, so daß eine der großen Gesellschaften täglich 70 000 Schweine zu schlachten vermag, während man sonst kaum den zehnten Teil leisten konnte. Die Schweineherde wird zum Beispiel von dem Wiehhos in Gehege getrieben, und von dort gelangen die Tiere einzen in einen Raum, in welchem ein großes Metallrad langsam, aber andauernd rotiert. Ein Gehilfe ergreift jedes Schwein bei einem der Hinterfüße und befestigt es mittels einer kurzen Kette an dem Rade. In dem Moment, wo das Tier durch das Rad empvrgehoben wird, öffnet der Schlächter mit einem Schnitt die Kehle des Tieres. Dies ist das Werk einer Sekunde. Das Blut fließt von dem Körper in einen Trog, der es nach einem Behälter weiter leitet. In diesem wird es aufbewahrt, um später zur Dungfabrikation Verwendung zu finden.. Der Körper des Tieres dreht sich mit dem Rade bis zu einem bestimmten Punkte; dann wird er automatisch abgenommen und durch ein Trolley-System nach dem Abfallraum befördert. Hier geht der Kadaver durch eine mit rotierenden Klingen versehene Maschine, dürch welche der größte aecl der Borsten entfernt wird. Dieselben werden später zu Pinseln verarbeitet. Dann gelangt das geschlachtete Tier in einen Behälter mit kochendem Wasser, welchses den Rest, der Borsten so erweicht, paß fte WM mit dev Hand ent-


