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Redaktion; Curt Plato. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniverMts-Bnch- und Steindrvckerei (Pietsch Erben) in Gießen.
Litterarisches.
Wanderleben in den Bereinigten Staaten von Boecklin (Verlag Joh. Cotta Nachfgr., Leipzig. Preis 3 Mk.). Das Buch zeigt eine tiefe Kenntnis der amerikanischen Verhältnisse, besonders des Lebens und Treibens der Deutschen, die ihr Vaterland verlassen haben, um stch in den Vereinigten Staaten eine neue Heimat zu suchen. Viele humoristische Züge sind in die Erzählung, eingeflochten, die d adurch eine außerordentlich interessante Lektüre bietet.
Wie wird man ein tüchtiger Stenograph? Dies rst der Titel eines in dem bekannten Verlage von Hugo Sternrtz in Berlin soeben erschienenen Buches. Dasselbe rst von dem Lehrer der Stenographie P. Ch. Martens verfaßt und legt besonderes Gewicht darauf, nicht allein ein System (das Stolze-Schrey'sche) vorzu- führen, sondern bespricht auch ausführlich, das Wesen und den Nutzen der Stenographie, die Stenographie im Dienste des Geschäftsinannes u. a. Der Preis beträgt 1 Mk. ~
Rentenzinsen eingetragen sind, davon entfallen je 4 auf das Ehepaar Und 3 auf auf die Tochter. Da es nUn abeir anderseits eine Thatsache ist, daß Therese obige Titel zeigte, so wird angenommen, daß sie sich von einem Gehilfen der Rententiteldruckerei offene Exemplare von einem solchen Schein verschaffte und dann Zahlen wie Unterschriften fälschen ließ. Fügt man noch die vielen Opfer ihrer Betrügereien, so wie sie nach und nach auftreten, hinzu, so bestätigt sich immer mehr das prophetische Wort Waldeck- Rousseaus, daß wir vor einer der größten Schwindeleien des Jahrhunderts stehen.
Vermischtes.
Blühende Blnmen auf dem Balkon sind der Wunsch vieler Tarnen. Man kann sich immerblühende Töpfe sehr leicht verschaffen, wenn man die verblühten Blumen zur rechten Zeit abpflückt, d. h. sobald sie die allererste Neigung! zum Verblühen zeigen. In der Zeit des Abblühens und Samenbildens entzieht die Blume ihren: Stamm die meiste Kraft. Läßt man diese Kraft in die Samen schießen, so bilden sich auch keine weiteren Blüten. Für Pethunien, Geranien und Fuchsien isst das Abschneiden der Blumen dringend geboten. Bei Rosen schneidet man womöglich schon die halberblüthen Knospen vom Stamm. Sie halten sich im Wasser länger als am Strauch, dieser aber treibt zum Tank während des ganzen Sommers neue KUospen.
Weibliche Ruche. Ein englischer Ehescheidungsprozeß hat ganz merkwürdige Thatsachen zu Tage gefördert. Der auf Scheidung verklagte Ehemann heißt To mb s und ist in Pembroke Friedensrichter sowie Besitzer eines großen Schnittwarengeschäftes. Außerdem ist er Chorführer in der Methodistenkirche. Im Jahre 1885 heiratete er, und die Frau legte ihre kleinen Ersparnisse in seinem Geschäfte an. Der eheliche Friede dauerte nicht lange, denn Mr. Dombs hatte die üble Gewohnheit, mit den Ladenfräulein intime Verhältnisse anzuknüpsen. So lange es sich nur um ihre eigenen Angestellten handelte, half sich die Frau damit) daß sie eine nach der anderen entließ. Mr. Tombs wendete aber sein Herz einem Fräulein Lizzie Burchell zu, die ein eigenes Kauflädchen hatte, und die er aus dem Chor der Methodistenkirche traf, wo er ihr fromme Kirchenlieder einstudierte. Frau Dombs gelang es, unter den Effekten ihres Mannes) die Briefe zu finden, welche Fräulein Lizzie dem Friedensrichter schrieb. Es wimmelte darin von Lieb esb Steuerung en, zwischen welche Strophen aus frommen Liedern eingestreut waren, aus denen die Schreiberin die Rechtfertigung des unerlaubten Verhältnisses ableitete. So hieß es zum Beispiel, daß der Herr versprochen habe, die Fehltritte, welche seine Getreuen begehen, mit feiner Gnade zu bedecken. Zum Schlüsse kam immer die Aufforderung: ,Mir finden uns heute abends um halb Elf oder etwas früher im Gebet zusammen." Diese Briefe klebte Frau Tombs an das große Au s l a g e f e n st e r ihres Geschäftes) wo bald halb Pembroke angefammelt war, Um die zärtlichen Ergüsse zu lesen. Mr. Tombs ließ die Briefe durch die Polizei entfernen. Frau Tombs strengte nun die Scheidungsklage an; die Verhandlung an; die Verhandlung wurde aber aus Mangel an Beweisen vertagt.
Was muß mau von Darwin wissen? Diese Frage beantwortet H. Spitz in knapper, übersichtlicher Darstellung in einem soeben im Verlage von Hugo Steinitz in Berlin erschienenem Buche. Der Preis beträgt 1 Mk.
Mittelbachs Radfahrerkarten. Neben übersichtlichen Wegedarstellungen geben diese gediegen ausgestatteten Karten sichere Auskunft über Gefälle und Steigungen, über den Zustand der Straßen, über gefährliche Stellen, Entfernungen, kurz über alles, was der Radler wissen muß. Tie Preise der vortrefflichen Karten sind seht: mäßige, so kosten die Blätter Harz, Thüringen, Schweiz/ Tirol, Salzkammergut usw. aufgezogen je 2 Mk./ und die sehr großen Blätter Mittelrh eing eb iet), Schwarzwald und Vogesen, Schles. Gebirge/ Schleswig-Holstein usw. aufgezogen je 2.50 Mk.
Meyers Volksbücher (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien) lassen soeben der vor kurzem erschienenen Ausgabe von Darwins „Entstehung der Arten" eine mit ausführlicher Einleitung, vielen erläuternden Anmerkungen, 78 Illustrationen und umfang-, reichem Register versehene Uebersetzung be§' zweiten Hauptwerkes des bahnbrechenden englischen Naturforschers! folgen, nämlich die „Abstammung des Menschen"/ 2.Bände (Nr. 1311—1319 Und Nr. 1320—1328). Gleichi- zeitig mit diesem bedeutenden Werke sind in derselben Serie auch der kraft- und humorvolle vaterländische Roman „Di e Hosen des Herrn von Bredow" von Willibald Alexis (Nr. 1329—1333) und Friedrich Halms erschütterndes Trauerspiel „Der Fechter von Ravenna" (Nr. 1334) ausgegeben worden. Ter Preis jeder Nummer beträgt 10 Pfg.
Heimat und Vaterland. Gedichte von August Storch (Butzbach). Ca. 100 Seiten mit zahlreichen Big-, netten. (Preis: broschiert 1.20 Mk., gebunden 1.60 Mk. Herausgegebeu zum Besten des Hessischen Lehrerheims.) „Was der Verfasser in begeisterten Stunden erdacht und! niedergeschrieben hat, soll die Stimmungen, die Empfindungen, die inneren Regungen ausdrücken und dazu beitragen, den Patriotismus zu heben, zu fördern. In einer Zeit, in ib'er soziale Fragen das Interesse der Menschen in einer Weise in Anspruchs nehmen, daß ideale Regungen schier unterdrückt werden können, darf man kein redliches Mittel unversucht lassen, um den Geist auf Gebiete zu lenken, die über den Tummelplätzen materieller Sorge liegen und von welchen das liebevolle Streben, für das Allgemeinwohl zu wirken, Nahrung empfängt."
„Jaromir I., der Fürst von Rügen." Historische Novelle von W t l h e lm S ch u st e r. (E. P t e r so n s Verlag) Dresden. Preis 2 Mk.) „Die knappe, flotte und reizvoll geschriebene Novelle behandelt den letzten Akt des Kampfes, in dem die heidnischen Wenden auf der Insel Rügen dem Vordringen der bereits christlichen germanischen Völker, welche diese urdeutsche Insel wiederum für den Christengott und die Krone Dänemarks eroberten, nach hartnäckigem Widerstand erlagen. Kenner und Freunde der. waldgrünen Ostseeinsel werden mit Vergnügen die Bilder aus der Ältesten Zeit des kreideklippigen Eilands vor ihren Augen vorüberziehen lassen."
Erschienen sind: Heft 23 der „Modernen Kunst" (Verlag von Rich. Bong, Berlin W. 57 — Preis des Einzelheftes 60 Pfg), — Heft 25 der trefflichen illustrierten Familienzeitschrift „Zur Guten Stunde (Deutsches Verlagshaus Bong & Co., W. 57 — Preis des Vierzehntagsheftes 40 Pfg.), — Heft 25 der weitverbreiteten Zeitschrift „Für Alle Welt" (Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin W. 57 — Preis des Vierzehntagsheftes 40 Pfg.) — Heft 40 der allgemein beliebten und gern gesehenen, reich illustrierten Wochenschirtft „Ueberall" (Verlag Boll & Pickardt, Berlin NW. — Preis des Heftes 30 Pfg.).
Scherzrätsel.
Machst Du ein eit, dann Bist Du ein höflicher Mann. Hältst Du einen, dann Bist Du kein armer Mann.
Auflösung der altröntischen Inschrift in vor. Nr.r Haltloser Einwand.
(H = §, antiquus ---- alt, sortes = Lose, purus = rein, paries ---- Wand.)


