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langen tie

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UntversitSts.Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erbm) in Gießen.

Redaktion: Curt Plato.

Leiden!

Ach! mit Schaudern denke ich noch heute daran: Tie Augenblicke verliefen schnell, und ich begriff aus den Anstalten, die um mich her getroffen wurden, daß man im Begriffe war, mich in den Sarg einzuschließen.

Vergebens strengte ich mich fürchterlich an, meine Brufr anschwellen zu lassen, und zu atmen. Mein Entsetzen kehrte lebhafter noch, als vorher, zurück. Ich hörte das Ein­schlagen der Nägel in die Bretter meines Sarges, fühlte mich, nachdem dies vorüber, erhoben und die Treppe hin­untergetragen, roch den Weihrauchdust, der dünn und fein durch die Ritzen meines Sarges drang, vernahm die ein­segnenden, lateinischen Worte des Priesters, verspürte das Ausstößen des Sarges im Totenwagen, hörte die Klänge des Beethovenschen Trauermarsches, und die trippelnden Schritte der meinem Sarge folgenden Leidtragenden. Dann knarrte die eiserne Friedhossthüre, das Glöcklein vom Turme des Kirchleins ertönte, klagend, schrecklich, schauder­haft, der Wagen stand still, und ich wurde wieder aus dem­selben gehoben.

Man trug mich nun zu dem geöffneten Grabe, unv ich vernahm das Rasseln der Kette, mit Hilfe deren ich in das tiefe, kalte Grab hinuntergelassen wurde. Der Priester sprach tröstende Worte, und erinnerte an die All­güte und Barmherzigkeit des Schöpfers.Warum", fragte ich mich,ist er mit mir nicht barmherzig, und erlöst mich von meiner Qual? Warum gegen mich nicht gütig?"

Dann hörte ich jemanden anderen an den Rand des Grabes treten. Es war, der Stimme nach zu urteilen, Dr. Balfour, der Rektor magnificus der Universität. Er feierte mich als einen Mann, dem die Wissenschaft viel zu verdanken hatte, bedauerte, daß der unerbittliche Tod ein noch so- hoffnungsreiches Leben dahingemäht, und meinem rast­losen Streben und Wirken ein so rasches und plötzliches Ziel gesetzt hätte; ich vernahm das Schluchzen, und Weinen meiner Freunde und Bekannten, und dann ein dumpfer Knall so entsetzlich, so markerschütternd, so- grauenhaft und herzzerschneidend, daß es kein Wort der Welt gießt, um ihn zu beschreiben es waren dre Erd­schollen, die dumpf und dröhnend auf den Teckel meineS Sarges kollerten, und den letzten Gruß, das letzte Zeichen bedeuteten, das ich von der Außenwelt empfing.

Ich hörte die Leidtragenden wieder fortgehen, es wurde still um mich her, doch- nur für wenige Augenblicke, dann vernahm ich die schweren Tritte zweier Männer, die ihre Schüppen in die feuchte Erde stießen und rnem Grab zuschaufelten.---Verzweiflung!--

(Schluß folgt.)

Vermischtes.

Königssalut rund um die Erve. Am Tage der Krönung König Eduards VII. in der Westminster-Abtei wer­den die Geschütze der englischen Kriegsschiffe der ganzen Welt verkünden, daß das britische Weltreich einen neuen König hat. Tie auf der Rhede von Spithead versammelte Flotte wird mit dem Königssalut beginnen, die Schisse m Devonport werden den Kanvnendonner aufnehmen, und so wird er rund um alle Inseln Großbritanniens und Irlands rollen, wo immer ein englisches Kriegsschiff liegt. In Gibraltar, Malta, Alexandria, in Konstantinopel und Port Said, in Indien, China und Australien werden gleichzeitig die Geschütze krachen, und ihr Donner wird sich um die ganze Welt fortpflanzen. Tie Admiralität hat die Anordnung getroffen, daß die Schiffe der einzelnen Geschwader sich derart verteilen, daß an dem Krönungstage die 170 Schiffe der sieben Auslands-Geschwader in fast ebenso vielen Häfen verteilt sind, um dort den Tag zu feiern. An diesem Tage ruht auch der Dienst, und die Mannschaft wird auf das Wohl des Königs einen Extra-Grog trinken, dessen Kosten man für die 100 000 Mann auf 250 Lstrl. berechn^ Be! Spithead werden nicht weniger als 116 englische Schavt versammelt sein, außer den zur Krönungsfeier erwarb,- m fremden Kriegsschiffen. An der dortigen Flottenparade wer­den gegen 30 000 englische Seeleute teilnehmen, und dis Schiffe werden alle Typen eines Jahrhunderts umfassen, von einigen alten Fregatten aus den Tagen Nelsons bis hinauf zu den modernsten Kriegsschiffen, dem Linienschiff London" von 15 000 Domren und dem KreuzerSutlej" von 12 000 Tonnen, den letzten Meisterstücken der englischen Schiffsbaukunst.

Gleichklang.

Siehst du geschäftig bei dm Linum Die Waschfrau dort?

Geht nach der Arbeit sie von hinnen, Eilt sie zum Wort.

Was schreit und rast der Künstler drinnen? Geschieht ein Mord?

Er will nur Gold und Ruhm gewinnen Mit seinem Wort!

Warum des Wuch'rers Thränm rinnen? Es kam ihm fort,

Was doch erfüllt sein ganzes Sinnen, Von Gold ein Wort!

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Zahlen-Dreiecks in vor. Nr.r BRATEN

BRANT TRAB BAR

ttt C X §

Diese Worte brachten mir alle Umstände meiner Krank­heit wieder in Erinnerung. Ich begriff, daß ich für die Welt zu leben aufgehört hatte, und daß man um mich her Anstalten zu meiner Beerdigung treffe.Aber war ich denn wirklich tot?" Nein und tausendmal netn 1 Ich war nur scheintot! Fürchterlicher, entsetzlicher Ge­danke! Keine Hoffnung mehr! keine! Ich fühlte, tote man mich an den Schultern und Füßen packte, mich aus dem Bette hob, in den Sarg legte, fühlte, wie man meine Arme an das kalte, nasse Holz der Sargtoände preßte! Welch gräßliches Geschick und welch menschlich-es Wort Ware im stände, alles das auSzndrücken, was dieser Augenblick der Todesangst Entsetzliches hatte?

Wie lange ich so blieb, weiß ich mcht. Die Toten­stille, die im Zimmer herrschte, wurde neuerdings unter­brochen, und ich vernahm, daß einige meiner besten Freunde gekommen waren, um mich noch einmal zu sehen, ehe der Sargdeckel sich für immer über mich schlösse. Alles Fürchterliche und Schreckliche meiner gräßlichen Lage wurde meinem - Geiste gegenwärtig. In einer Minute empfand mein Herz den derben Schmerz eines Jahrhunderts von

alitt meiner Brust, und ich schrie wie besessen:Auch ich bin wahnsinnig!" Mein Auditorium sprang wie em Zuhörer auf, ein Geschrei der Ueberraschung und des Ent­setzens drang aus aller Munde; was darauf folgte, ich weih es nicht!

Ms ich wieder zur Besinnung kam, lag ich in einem ü&ette. Durch Hereintreten in das Zimmer weckte mich jemand; es war mein Freund Dr. Harms. Er trat an mein Bett, und sah mich einige Minuten fest an. Wahrend er mich so betrachtete, sah ich-, daß er die Farbe wechselte; seine Hand zitterte, als seine Finger sich auf meinen_ Puls legten, und er murmelte traurig:Mein Gott, tote ist er verändert'" Gleich darauf schwanden mir wieder meme Sinne und ich versank in eine völlige Empfindungs-

in den alten Todesschlaf zuruckzufatten. Die einzige mir gebliebene Erinnerung an meine letzte Ohnmacht waren die Worte des Dr. Harms, der, weil er mich für tot hielt, sagte:Endlich hat er zu leiden aufgehört!"

W mochte wohl ein Tag verflossen sein, als mein Bewußtsein abermals wieder zurückkehrte. Das erste Ge- Ml, das ich hatte, war die Kälte der Lust, die mir eiskalt ins Gesicht wehte; es schien mir, als seien die Fenster meines Zimmers geöffnet. Ich konnte dies tedoch nicht sehen, ein ungeheures Gewicht Preßte meme Augen­lider nieder; meine Arme lagen längs meinem Leibe aus- qestreckt, und obgleich die Sage, worin ich mich befand, zwängend und unbequem war, so wäre es mir doch nicht möglich gewesen, sie trotz aller Anstrengung zu andern. Ich wollte sprechen, aber meine Mühe blieb erfolglos.

Einige Augenblicke nachher hörte ich Tritte, die Thüre wurde geöffnet, und ein schwerer Körper wurde auf den Fußboden niedergesetzt. Eine Stimme sagte zu den beiden Männern, die den schweren Gegenstand zu tragen schienen: Stellen Sie den Sarg in die Mitte des Zim-

^Ms ich wieder zu mir kam, glaubte ich aus einem ' >fen Schlaf zu erwachen, um gleich darauf wieder lien Todesschlaf zurückzufallen. Tie einzige mir