Freitag den 25. April.
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1902 — Nr. 61.
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ite seine Ge-
angen nahmen.
ts erwiderte, schüttelte der Alte
len Schnupf- zurück und
(Fortsetzung.)
Zeug^ö^ urt^ befühlte geistesabwesend das
„Wir müssen sparen, lieber Böje! Was geht es mich Un, oL ein Krämer oder ein Fettwarenhändler den Rock ern- oder zweimal im Tiergarten angehabt hat? Sollte ich mich daran stoßen, daß ein —"
„Ja, ja, ich verstand Sie sehr wohl."
„Na, hab' ich denn nicht recht? Wir müssen wirklich sparen, lreber Böje. Es sind schlechte Zeiten. Und Thomas schmeißt nur so mit dem Geld herum. Ist vielleicht Sinn Und Verstand darin, daß er hingeht und einen Biberpelz für Lene kauft, der zweihundert Kronen kostet?"
„--Helene?"
„Ja, finden Sie, daß das vernünftig ist? Ein Mann, der bts über die Ohren in Schulden steckt."
„Hm--was für eilt Mann ist das?"
Ter Müller warf den Kopf in den Nacken und sah ihn ganz verwundert an.
„Ach so — er — jawohl — nein, das wär nicht vernünftig."
«Ja, und dann hat der Mensche sich außerdem in den Kops gesetzt, daß er die Mühle zum Frühling umbauen will. Natürlich soll es eine neue, großartige holländische Mühle werden mit französischen Mahlgängen und Patenttrommel- steven, und tote all der neumodische Kram heißen mag. Du tzroßer Gott, tote soll das enden? Wer es könnte noch angehen, wenn sonst nur alles aut wäre!"
Das ununterbrochene Gerede des Alten, der Anblick des baumwollenen Tuches und der Duft des fri tabaks versetzte Böje lebhaft in den Mühlk Zauberte ihn in einen Kreis von Eindrücken, banken mehr und mehr gefangen nahmen.
. Ms er noch immer nichts «.utL»«, schäre - oeit Kops und ging einmal im Zimmer auf und nieder.
, «^lber hören Sie jetzt 'mal, lieber, junger Freund, wes- balb ich eigentlich gekommen bin. Sehen Sie, ach, kann
^.^^hersetzen? Wie gesagt, es mag sehr gut sein, dies alles mit ber Religion — ich halte selber auf Religion, Mep man soll vorsichtig mit dem heiligen Wort umgehen
7- es ist wie Feuer. Sehen Sie, wenn meine Hand kalt ist, kann ich! einen Funken hineinspringen lassen, ist sie aber heiß — zum Teufel auch, wie es dann brennt! Sie wissen wohl, was ich meine, mein Freund, Sie sind selber ein gottesfürchtiger Mann, Sie sind ein Mann, der denkt. Ich kenne keinen, der so schön und ruhig über Religion sprechen ^ann, wie Sie, und ich! weiß niemand, zu dem meine« Schwiegertochter in den Dingen so aufschaut wie zu Ihnen."
Böje wurde unruhig.
«Jetzt ist die Hochzeit auf den 15. Januar festgesetzt —. es ist Thomas' Geburtstag — und diesmal wird es Ernst damit. Sie hat selbst gebeten, daß das Aufgebot bestellt wird, und alles ist in Ordnung. Aber ich weiß nicht —i ihr Zustand ist derartig — sie geht herum und beißt die Zahne aufeinander--" (er zeigte auf seine Stirn und
schüttelte den Kopf). „Lieber junger Freund, kommen Sie Weihnachten zu uns heraus und bleiben Sie, bis die Sach« überstanden ist. Wir haben Sie nötig. Kommen Sie und reden Sie ihr ernsthaft zu und machen Sie ihr ein bißchen Mut zur Hochzeit! Nicht wahr, das thun Sitz uns zuliebe?"
„Das kann ich nicht."
„Sie können nicht? Sie haben ja Ferien, und Ihnen selber ist es auch ganz gut, ein wenig herauszukommen."
„Ja, aber ich kann nicht."
„Warum können Sie nicht? Hängt es mit Ihrer Gesunde heit zusammen?"
„Nein, das ist es nicht — aber — es giebt ja auch noch andere Gründe."
Alles um ibn her bewegte sich im Kreise, er fühlte, wie ihm das Blut m die Wangen stieg.
Ter Alte zog einen fettigen Lederbeutel aus der Tasche.
„Lieber junger Freund, ich verstehe Sie, jetzt müssen Sie wirklich nicht zu zartfühlend sein."
„Nein, nein, nein! Haben Sie Dank für Ihren guten Willen — aber das ist es nicht."
„Ja, aber was ist es denn? Weshalb können Sie denn nicht?"
„Ich bin nicht ganz auf dem Zug — ich meine ich bin so in Anspruch genommen! Sie sehen ja, tote ich hier sitze und mich ab quäle!"
„Ja, aber lieber Freund — am Weihnachtsfest Weihnachten."
„Nein, ich kann nicht!"
Sie sprachen noch! lange über die Sache, aber der Alte mußte unverrichteter Sache abziehen.
Unzähligemal schüttelte er auf dem Heimwege den gelben Kopf, der sich tief in den Rockkragen verkrochen hatte.
,Lch verstehe es nicht •— ich verstehe «Ä nicht."-
er sich freut über anderer Uebel, Dem blüht schon das eigene am Giebel.
_________________________ Sprichwort.
(Nachdruck verboten.)
Die Möve.
Roman in zwei Bänden von Zacharias Nielsen. Autorisierte Uebersetzung aus dem Dänischen von Mathilde Mann.


