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Wie liebenswürdig zeigte er sich bei jeder Gelegenheit. Stundenlang hatte er ihnen im Sominer Gesellschaft geleistet, hat Ausflüge mit ihnen gemacht und alle oie tollen Streiche Maries, die ihrer Laune oft gar zu geru die Zügel schießen ließ, mit einer wahren Lammsgeduld hingenommen. Marie hatte ja recht. Er war doppelt so alt, wie sie. Doch das sah man ihm gar nicht an. Nicht im geringsten. Ihr Mann war auch 15 Jahre älter als sie, und sie sind doch recht glücklich miteinander geworden---
Tie Frau Geheimrätin seufzte. Sie seufzte immer, wenn sie an ihren seligen Mann dachte. Das war sie zum mindesten seinem Andenken schuldig.---—
Hätte sie vorher gewußt, welchen Aerger sie auf dem Balle durchzukosten hatte, so wäre trotz alledem nicht hin- gegangen. Zunächst hatte Marie ihrer besten Freundin, der Frau Konsistorialrätin, einige Wahrheiten gesagt, über welche diese höchst ausgebracht wurde. Den ehrfurchtsvollen Gruß des Kapitäns hatte das Mädchen kaum erwidert. Und als er sie um den ersten Walzer bat — und ihre Mütter hatte ihr noch ausdrücklich anbefohlen, diesen für ihn offen zu halten, — da hatte sie mit bedauerndem Lächeln gemeint, sie hätte schon sämtliche Walzer sür den ganzen Wend vergeben. Aber die Mazurka sei noch frei. Gerade der Tanz, den er nicht tanzte. Der Kapitän indes zeigte sich als echter Gentleman. „So sehr ich das bedauere, gnädige Fran", hatte er zur Geheimrätin gesagt, „so sehr freut es mich anderseits, als es mir dadurch vergönnt wird, mich Ihnen widmen zu dürfen." Nun ja. hat sich eben nichts merken lassen. Wer wenn ihn die Abweisung Maries in seinem Heiratsplane noch nicht wankend gemacht hatte, dann doch sicherlich der Umstand, daß sie fortwährend mit dem jungen Amtsrichter tanzte und einmal sogar einen ganzen Walzer mit ihm verplauderte. Wenn ihr der junge Mann noch bekannt gewesen wäre. Vorgestellt hatte er sich, das war alles.
Also hatte Frau Malcvurt sicherlich Grund, sich am Morgen nach dem Valle in einer geradezu griesgrämigen Laune zu befinden. Und ihre Tochter kanzelte sie schon beim Morgenkaffe ab, daß es so eine Art hatte. Indessen, Marie war ein merkwürdig Ding. Ihr Frohsinn war nicht tot zu kriegen. Und heute erst recht nicht.
Wie aus den Wolken aber fiel die Mutter, als sich auf einmal der junge Amtsrichter melden ließ. Was will denn der yeure? Ganz ratlos drehte sie die Karte in den Fingern hin und her, die ihr das Dienstmädchen eben gebracht hatte. Und dann wieder sah sie ihre Tochter an.
„Na ja, Mama", meinte die. „Ich verdufte inzwischen ins Nebenzimmer. Ihr werdet mich schon rufen. Daß Du's nur weißt. Er will mich zur Frau. Und ich nehm ihn, schon aus dem Grunde, weil ich ihn mir selbst ausgesucht habe. Weshalb heißts: „Selbst ist der Mann?" Kann und soll die Frau nicht ebenso selbst sein? Und nun sei nicht bös, Mamachen, und sag „Ja und Amen."
Von dem Amtsrichter selbst erfuhr sie, daß er ihre Tochter schon seit Wochen kenne. Auf einer Radtour hatten sie sich getroffen, und gestern abend hatte sie ihm gestanden, daß er ihr auch nicht gleichgiltig sei.
Was wollte die Mutter machen. Der Zweck war auf jeden Fall erreicht.
Da klingelt's aufs neue. Wieder kommt das Dienstmädchen. Herr Kapitän Barting wünsche seine Aufwartung zu. machen.
„Nun sitz ich schön da", jammerte sie. „Wenn der jetzt kommt, kommt er nur, um einen Antrag zu machen. Was sag ich ihm nur, nachdem ich ihm die ganze Zeit Hoffnung gegeben habe?"
„Geschieht Dir ganz recht", spottete die Tochter. „So müßte es allen Menschen ergehen, die ihre Tochter glauben verheiraten zu müssen, ohne sie zu fragen. Aber laß ihn nur vor. Das andere findet sich dann."
Und sie zog ihren Verlobten mit ins Nebenzimmer.
's war schon richtig, Herr Barting sah genau aus, wie ein Heiratskandidat. Und just ebenso verlegen schien er, wie sie.
„Verehrte Frau", begann er nach Erledigung der üblichen Begrüßungsformeln. „Sie haben sich stets so liebenswürdig, gegen mich gezeigt, daß ich wagen darf. Ihnen heute
eine innige Bitte vorzutragen, von der es abhängen ivird, wie sich mein weiteres Leben gestaltet."
„Armer Mensch", dachte die Frau Geheimrätin. Aber sie sagte nichts.
„Sie sehen und wissen, daß ich die Jugendjahre hinter mir habe. Aber das ist kaum ein Fehler. Sie dürfen auch erfahren,, daß mein Vermögen mir gestattet, einer Lebensgefährtin alle Wünsche zu erfüllen."
„Herr Kapitän." Sie glaubte, ihn nun nicht iveitet sprechen lassen zu dürfen. „Herr Kapitän, so leid es mir thut, ich muß Sie bitte», den Gedanken aufzugeben."
Ganz erschrocken sprang der Bewerber auf.
„Das kann doch Ihr Ernst nicht sein. Sie haben mir doch stets Hoffnung gemacht, und ich kann, ich! darf nicht annehmen, daß. Sie mit meinem ehrlichen Herzen nur gespielt haben."
„Nein, ich war von der besten Absicht erfüllt. Doch es hat sich seit gestern vieles geändert. Meine Tochter hat sich soeben verlobt."
„Um so besser. Das berührt uns aber doch nicht."
„Sie scheinen mich mißverstanden zu haben. Ich sagte, daß sich meine Tochter —"
„Soeben verlobt habe. Ganz recht. Daß ist aber doch kein Grund, daß Sie meine Hand ausschlagen."
Frau Malconrt machte große Augen.
„Ich? Aber ich denke. Sie wollten meine Tochter, alle Ihre Liebenswürdigkeiten hätten der zukünftigen Schwieger-, mutter gegolten."
„Nein, nein. Sie ist ja reizend, Ihre Tochter, gewiß. Aber mein Verlangen geht höher, war stets nach Ihnen gerichtet, und so frage ich denn nochmals: „Darf ich hoffen?"------
Wenige Monate später war im Hause der Malcourts große. Doppelhochzeit.
Gemeinnütziges.
Die Petroleumlampe hat in gesundheitlicher Hinsicht einige unverzeihliche Fehler, von denen der größte hauptsächlich die Verschlechterung der Luft int Wohnraume ist. Derselbe läßt sich, wie der „Praktische Wegweiser", Würzburg, schreibt, allerdings nicht anders beseitigen, als durch wiederholte und gründliche Lüftung des Zimmers. Selten wird aber beachtet, daß die Petroleumlampe geradezu gesundheitsschädlich wird, wenn sie im Schlafzimmer ausgelöscht, dort stehen bleibt und auskühlt. Man beobachte nur einmal, welcher Qualm trotz des vielleicht vorsorglich übergestülpten Cylinderhütchens aus dem Cylinder entweicht und zwar mindestens so lange, bis die starkerhitzten Brennerund Körperteile der Lampe und das Petroleum wieder vollständig ab gekühlt sind. Die Verschlechterung der Luft durch die Gase läßt sich allerdings nicht sichtbar nachweisen, aber eineri hygienisch erzogenen Nase fällt die eigentümliche Luft, besonders int kalten Zimmer, sofort auf. Deshalb hinaus mit der Petroleumlampe aus dem Schlafzimmer.
Gummischuhe müssen im Zimmer stets ausgezogen werden. Die Ausdünstungen des Fußes bleiben sonst im Strumpf und Schuh, wodurch nicht selten starke Erkältungen hervorgerufen werden. Wenn die Gummischuhe längere Zeit getragen werden, ist es am besten, nicht nur die Schuhe, sondern auch die Strümpfe zu wechseln.
Bilderrätsel.
(Nachbildung verboten,.
WZ
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Gruppenrütsels in vor. Nr.r Hoffen und Harren macht manchen zum Narren.
Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckcrei (Pietsch Erben) in Gießen.


