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öffentliche Sicherheit gefährdenden Tempo losgefahren werden darf. „ r
Auf der Brandstelle angelangt, arbeitet der Amerrmner schnell und entschlossen, schlappe Leute, die nichts teiften oder mit ihren Geräten nicht vertraut sind, hat man bald erkannt. Jeder Feuerwehrmann arbeitet in seinem ihm zugeteilten Posten sehr selbständig, die Behendigkeit der Leute ist sehr groß, artet jedoch zu häufig in verwerfliche Waghalsigkeit aus. Auffallend ist anderseits jedem Deutschen, der zuerst die Arbeit auf der Brandstelle sieht, daß den Leuten die militärisch deutsche Disziplin fehlt, worauf drüben jedoch kein Gewicht gelegt wird.
Was die Geräte der ainerikanischen Feuerwehren anbelangt, so sind diese durchweg vorzüglich, aber meistens etwas schwer und hilft man sich damit, daß fast alle Geräte mit drei Pferden neben einander bespannt sind.
Arif äußere Ausstattung wird viel Gewicht gelegt und man findet bei den meisten Dampfspritzen, daß alle Maschinenteile, Kesselmantel usw. vernickelt, wenn nicht sogar versilbert sind; auf dem Windkessel prangt stets der amerikanische Adler in Gold.
Ein Gerät, das besondere Beachtung verdient, ist der Wasserturm, welcher dazu dient, die Leistung mehrerer Dampfspritzen, gewöhnlich vier, zu vereinigen, um dann eine Wasserflut von 6—8 Kubikmeter pro Minute aus einem Strahlrohre in den Brandherd zu werfen. Der Wasserturm ist weiter nichts wie ein mächtiges teleskopähnlich auseinander ziehbares Strahlrohr, welches auf einem vierrädrigen Wagen montiert ist und dessen Mündung von unten aus reguliert wird. Am unteren Ende sind dann die vier oder auch mehr Eingänge, in welche die verschiedenen Dampfspritzen ihr Wasserquantum hineinpumpen. Angewendet wird dieser Apparat natürlich bet Großfeuer, wenn mit Wasserschaden nicht mehr zu rechnen ist.
Auch ist der Amerikaner mit vorzüglichen Steiggeräten versehen und während man bei deutschen Feuerwehren vielfach findet, daß zwischen der Haken- und der mechanischen Leiter kein Zwischengerät mehr existiert, nimmt man drüben eine ganze Menge gewöhnlicher AnsteMeitern mit, in Längen von 4, 6 und 8 Meter und noch mehr, die auf der mechanischen Leiter in geschickter Weise untergebracht sind. Der Wert gewöhnlicher AnsteMeitern wird drüben sehr anerkannt und dies nicht mit Unrecht.
Zur würdiger! Komplettierung der amerikanischen Steiggeräte verschafft sich neuerdings die pneumatische Schapler-Leiter Eingang und wir können stolz sein, daß es em Deutscher ist, welcher das Gerät erfunden hat, das in Amerika bereits mit vieler Begeisterung anfang dieses Jahres in der Stadt Pittsburg ausgenommen wurde. Die amerikanischen Zeitungen sind voll des Lobes ob dieses Gerätes und zweifeln nicht, daß es sich drüben rasch verbreiten wird. Erbauer dieser Leiter ist die Firma I. S. Fries Sohn Frankfurt; vorausgesetzt, daß Sie auch dieses deutsche Gerät interessiert, will ich Ihnen auch davon eine kurze Schilderung geben.
Aehnlich wie bei der Hönigschen Leiter steht auf einem vierrädrigen Wagen ein starker Turm und auf diesem gelagert ist ein regelrechtes Teleskoprohr, auf welchem die Steigeeinrichtung montiert ist. Unter diesem Rohr greift in der Nähe des Turmes eine Stange an, welche als' Kolben einem Zylinder entspringt.
Das Ausrichten sowie das Aufschieben der Leiter geschieht mittels Kohlensäure oder komprimierter Luft, die in dem Turm ausgespeichert ist. Soll die Leiter in Thätig- keit treten, so erfolgt zuerst die Geradestellung, indem unter dem vorher erwähnten Kolben Kohlensäure oder Lust eingelassen wird, sodann erfolgt der Ausschub der Leiter, indem Kohlensäure in das Teleskop eintritt.
Zur Bedienung der mächtigen Leiter sind nur zwei Mann erforderlich, ein dritter wird gar keine Verwendung finden können.
Die Leistungen sind ganz überraschend und man ist sprachlos, ich möchte fast sagen, man traut seinen Augen nicht, wenn man ein solches Manöver sieht. Dabei ist die Ausführung der Leiter eine durch und durch konstruktive, und die Manöverierfähigkeit ist bei der bei der Aachener Feuerwehr eingestellten Leiter eine vorzügliche.
Ich habe nun noch ein Gerät zu erwähnen, welches drüben eine Hauptrolle spielt, nämliche die Kohlensäurespritze, ein Gerät, welches nur zum ersten Angriff dient, und welches nur so lange in Thätigkeit bleibt, bis die Wasserleitung oder die Dampfspritze in Mtion getreten ist. Ter Zweck ist, die kleine Spanne Zeit, die zwischen Aufsuchung und Aufstellung des Standrohres liegt, so zu benutzen, daß das mitgebrachte Wasser schon zum ersten Angriff verwendet wird. Eine Kohlensäure-Spritze ist weiter nichts wie ein Behälter Wasser, gewöhnlich 500 Liter, der auf Wagen montiert ist und dessen Inhalt durch Unterdrucksetzung von Kohlensäure verspritzt wird. Auch in Deutschland hat dieses für größere Städte nützliche Gerät sich gut eingeführt. Herr Branddirektor Dittmann, Bremen, war der erste, der es bei der Feuerwehr einstellte.
An Hand meiner kleinen Erzählung glaube ich nun Ihnen den Beweis gebracht zu haben, daß die Amerikaner gut organisiert und mit allen nötigen Geräten versehen sind; jedoch will ich nicht damit gesagt haben, daß dies ttt Deutschland nicht auch der Fall wäre. Indessen läßt sich nicht wegleugnen, daß es häufig bei den Stadtverwaltungen recht lange dauert, ehe den Bitten der Feuerwehr endlich Gehör geschenkt wird, um ein kleines Gerät, Vielleicht einen Leiterwagen, oder dergleichen bewilligt zu bekommen. Wir können nicht froh genug sein, daß wir unsere Feuerversicherungsgefellschaften haben; ich nenne die Aachener und Münchener Feuer-Bersicherungs-Gesell- schast, die Societät Münster, die Societät Düsseldorf, die uns stets in bereitwilligster Weise unterstützen. Anderseits wünschen wir dennoch, daß unsere Stadt- oder Gemeinde- räte, die stellenweise vielleicht etwas sparsam angelegt sind, das doch den Amerikanern absehen möchten, daß wir dann nur Tüchtiges leisten können auf der Brandstelle, wenn wir auch ordentliches Werkzeug, das heißt, die nötigen und ordentlichen Geräte haben!
Litterarifches.
Der Text des Bürgerlichen Gesetzbuches befindet sich nun wohl in unzähligen Exemplaren und Ausgaben mit und ohne Kommentar in den Händen des deutschen Volkes, aber an einem gemeinverständlich geschriebenen
Lehrbuche des neuen bürgerlichen Rechtes, das den Bürger mit dem Geist des Gesetzes, seiner Entwickelung, seinen Rechtsbegriffen, seinen Rechtsnormen und ihrer praktischen Handhabung vertraut zu machen berufen ist, fehlte es bis jetzt noch ganz. Es ist daher wohl mit Freuden zu begrüßen, daß eine hervorragende wissenschaftliche Autorität wie Dr. jur. Franz Bernhöft (o. ö. Professors an der Universität Rostock) sich dieser schwierigen Ausgabe unterzogen, und wie nicht anders zu erwarten war, in vortrefflicher Weise gelöst hat. Bon dem Werke, das in fünf Bändchen (jedem Buch des Bürgerlichen Gesetzbuches ist ein Bändchen gewidmet) erscheinen wird, hat soeben Teil 1: Einleitung und allgemeiner Teil (204 Seiten, in eleg. Ganzleinwandband ,Mk. 1.50) die Presse verlassen. — Tas Bändchen zeichnet sich durch eine fesselnd geschriebene, lichtvolle Darstellung der schwierigen Materie aus, die durch zahlreiche praktische Beispiele und bereits vorliegende Entscheidungen eine instruktive Erläuterung erfahren hat.
Zur Zeit der hellen Sommertoiletten wird unfern Leserinnen ein neu erschienenes Büchelchen: „Goldenes Sch atzkästlein der Hausfrau", praktische Rezepte für Haus und Herd (Nürnberg, Litterar. Institut Stockhausen), Preis 30 Pfg., gewiß sehr willkommen sein. Tas praktische Büchlein bringt die Beantwortung einer Fülle von Fragen, die der sparsamen Hausfrau oft viel Kopfzerbrechen verursachen.
Rechenaufgabe.
Nachdruck verboten.
Zu einer Hinterlassenschaft gehören 7 volle, 7 halbgefüllte und 7 leer« Weinfässer. Diese sollen an die drei Erben derart verteilt werden, daß jeder Erbe gleichviel Wein und die gleiche Stückzahl Fässer erhält, ohne daß eine Umfüllung nötig ist.
(Auflösung in nächster Nunimer.)
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Redaktion: Curt Plato. — Rotationsdruck und Derlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckcrei (Pietsch Erben) in Gießen.


