Ausgabe 
24.9.1902
 
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Wie Sie wünschen; er steht vollkommen zn Ihrer Verfügung."

Georg bestieg wieder die Droschke, die inzwischen ge­wartet hatte, und gab dem Kutscher den Auftrag, nach Hause zu fahren; inzwischen teilte er seiner Schwester mit/ was er erfahren und erreicht hatte.

Wir können keinen Zweifel mehr hegen", rief sie, nach­dem sie ihm angstvoll zugehört hatte.Alles bestätigt unsere Vermutungen. Es ist ganz so, wie wir es voraus­gesetzt hatten. Tie Vorsichtsmaßregeln Sempachs, seine Person zu verbergen, das geheimnisvolle Dunkel, womit er sich umgiebt und auch jene Frau uinhüllt, beweisen auch, daß es sich um eine Dame der großen Welt handelt, die um ihren Rus besorgt ist. Auch beharre ich aus meinem Plan Man muß sie über die Vorgänge aufklüren, ihr die Gefahr enthüllen. Vielleicht sieht sie dieselbe nicht oder will sre nicht sehen. An uns, an Dir liegt es nun, zu sagen: Sie dürfen nicht den Mann, den Sie lieben und der Sie anbetet, unter einer so furchtbaren Anklage lassen. Er will sich für Ihren Ruf opfern; dürfen Sie ein solches Opser annehmen? Ihre Aussagen und Geständnisse können Sie zwar kompromittieren, aber wenn Sie nicht reden, so ist er für immer entehrt, gebrandmarkt und verloren. Er verliert dadurch seine Freiheit, vielleicht sein Leben. Sie dürfen Nicht länger zögern. Tu wirst ihr das alles sagen, nicht wahr, Georg? Du wirst alles versuchen, sie zu überreden. Ich baue auf Dich."

Ja, ja", machte er, von gleicher Erregung und Be­wegung erfaßt wie sie.

(Fortsetzung folgt.)

Schlagfertigkeit der amerikanische» Feuerwehren,

deren Geräte und deren Thätigkeit auf der Brandstelle, unter

Bezugnahme auf deutsche Berhältuisse.

Vortrag des Feuerspritzenfabrikanten und Brandmeisters ^os. Beduwe-Aachen, gelegentlich des Unterrichtstursus für die freiwilligen Feuerwehren Rheinlands am 8. September in Düsseldorf.

,, . Mbine Herren! Wenn ich versuche. Ihnen heute eine Schilderung zu geben über Verhältnisse des Feuer­löschwesens Amerikas, so geschieht dies, gestützt auf Er­fahrungen, die ich während eines zweimaligen längeren Aufenthaltes drüben sammelte, und ich habe mich, wie Sie sich wohl denken können, als geborener Fachmann für das Feuerlöschwesen eingehend interessiert.

Einerseits wollen Sie nun nicht annehmen, daß ich bei Hervorhebung guter amerikauischer Verhältnisse unsere deutschen Feuerwehren in den Schatten stellen will, sowie ich andererseits auch nicht gerne gute amerikanische Vor- .rrchtungen zu Gunsten der Deutschen verschweigen möchte.

Betritt man eine amerikanische Feuerwehrkaserne, glemMel, ob die Stadt groß oder klein ist, so ieht man auf den ersten Blick, daß der Amerikaner Geld hat, ferner, daß die ganze Stadt großes Interesse für die Feuerwehr zeigt, ihr Ansehen zollt, und endlich, daß die Stadtver­waltung soviel Einsehen hat, daß eine Feuerwehr nur dann Tüchtiges leistet, wenn ihr die nötigen und leistungs­fähigen Geräte zur Seite stehen.

Meine Herren! Es fehlt an gar nichts!

\on sdem Wasserturm, der Dampfspritze bis zum kleinsten Armaturstuck ist alles vorhanden, und ich muß ausdrück- lich bemerken, daß dies nicht etwa nur von den größeren Städten gilt, sondern ebensogut von allen kleinen, nur im entsprechend kleineren Maßstabe. Ehe ich auf das System der einzelnen Geräte eingehe, möchte ich vorher das Allgemeine behandeln.

Schlagfertigkeit der amerikanischen Feuerwehren ist eine auf das äußerste getriebene, und man kann sagen, sie hat den Höhepunkt erreicht."

Tie Feuerwehrkasernen haben im allgemeinen die Bau­art, wie neuerdings auch solche in deutschen Städten, wie Hamburg und Bremen ausgeführt wurden. Tie Geräte- remise liegt meist direkt an der Straße, über derselben sind die Schlafräume, und die Leute gelangen bei Nacht Mittels Gleitstangen, die sich in den vier Ecken befinden, aufs Schnellste nach unten. Der Stand der Pferde ist stets rn der Wagenremise hinter den Geräten und zwar steht das' Pferd los, und ohne Geschirr. Letzteres ist! über der Deichsel der einzelnen Geräte in Haken aufgehängt.

Trifft ein Signal ein, so drückt der Wachthabende auf ernen Knops, wodurch sich die Thüren der einzelnen Pferde- e etne? Kontaktes zu gleicher Zeit offnen.

Pferde sprmgen tm Moment zu ihrer Stelle, das deschrrr ,allt herunter, die Kummete, die oben in einem Scharnier gehen, werden zugeklappt, die Manuicbaft sprmgt auf; nachdem dies alles in exakter Ordnung hinter verschlossenen Thüren geschehen ist, zieht der an über sich hängenden Strang, die Thore schlagen auf, und jetzt, wie die Pferde die blanke Straße vor sich sehen, wird losgefahren.

./ Pferd nicht angeschirrt im Stalle steht, hat einen mehrfachen Wert: '

1. Steht das Pferd bequemer ohne Geschirr.

2: spannt das Pferd sich schneller an, etwas, woran Sie im Moment noch zweifeln werden.

3. Zieht das Pferd besser im Kummet als im Flach­gurt,' mit welch ersterem es im Stall nicht ständig stehen k°nn, und ioelcher beim Ziehen die freie Bewegung der Gelenke nicht tote bei der Flachgurt stark beeinträchtigt.

Ich muß hier unbedingt ein Manöver einschieben welches mir gelegentlich eines Besuches in Bremen unser hochgeschätzter Branddirektor Dittmann zeigte rr Derselbe hatte ein neues Depot, und wollte den schnellen Ausrucr bez. Pferdegeschirr ausprobieren. Behufs Lessen hatte er zwei Geräte mit je zwei Pferden neben- emander stehen, wovon zwei mit Flachgurt versehen, an­geschirrt dastanden, und beim anderen Gerät das Kummet­geschirr über der Deichsel hing.

Na, sagte er zu mir, wer meinen Sie wohl, der 5tec <_ heraus wäre, der mit den angeschirrten Pferden oder der andere. Ich glaubte nun unbedingt dem ersteren den Vorzug geben zu dürfen. Mit den Worten, Sie werden sich schon wundern, ließ er alar­mieren; alle vier Pferde sprangen zu gleicher Zeit vor und wahrend der eine Fahrer noch die Zugftränge der angeschirrten Pferde cinhakte, war der andere schon längst abgefahren, und hatte einen ganz mächtigen Vorsprung.

Der Amerikaner hat diese Vorzüge längst eingesehen und fahrt nur mit Kummet, wie, nebenbei bemerkt, unsere preußische Artillerie und der Train ebenfalls.

Stallungen, die abseits liegen, kennt der Amerikaner Ulchtz , und wenn auch häufig geltend gemacht wird, durch Ausdunstungen der Pferde in der Remise litten die Teile der Geräte, so steht man drüben auf dem Standpunkte, daß, ivenn Geräte beschlagen, sie eben wieder geputzt werden, gerade so, wie wenn sie schneller oder kürzer verschlissen sind, einfach neue beschafft werden müssen. Tie Feuer­wehrleute sind ständig in Bereitschaft, trifft ein Signal em, so ist der Ausrück im Moment dahinter.

Tie Dampfspritzen sind fast alle durch einen Vorheizer angewärmt, obschon die Kessel sehr große Heiz- und Rost­fläche haben; außerdem sind vielfach Schlangenrohrkessel vorhanden, wo in etwa 5 Minuten der nötige Dampfdruck erzeugt ist.

Tie Geschicklichkeit und die Behendigkeit der Leute ist eine große; Leute und Pferde werden, nachdem ärztlich untersucht, zuerst probeweise eingestellt, und falls sie sich während längerer Zeit als tauglich erwiesen haben, erst dann definitiv behalten.

Als Kuriosum dürfte noch dienen, daß in der Stadt Newyork bei einer Feuerwehrwache, die in der Nähe des Hafens liegt, die Pferde angeschirrt, ständig wie Drosch- kenpferde im Gerät stehen, die Mannschaft befindet sich in unmittelbarer Nähe, sodaß beim Eintreffen eines Signals nur aufgestiegen und abgefahren wird. Im übrigen rentiert sich dies insofern, als diese Wache eine große Zahl von Alarmierungen an jedem Tag zu ver­zeichnen hat.

Was die Fahrt zur Brandstelle anbelangt, so setzt der Amerikaner eine Force drin, mit einem Rennen ähn­lichen Tempo zu fahren, und ich mußte mich immer von neuem wundern, daß nicht mehr Unglücksfälle zu ver­zeichnen waren. Indessen ist dies in Amerika überall derart eingerissen, daß man es schlapp finden würde, wenn es anders wäre, und schließlich hat sich das Publikum o daran gewöhnt, daß, wenn dieFire-Bell" geht, alles zur Seite fliegt, und jeder stolz dem vorbeisausenden Lösch­zuge nachsieht. Ich habe mich häufig gefragt, tote eine Verwaltung es zugeben kann, daß mit einem geradezu die