Ausgabe 
23.8.1902
 
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Samstag den 23. August.

1902. Nr. 125.

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(Nachdruck verboten.)

Miß Cookson aus New-Jork.

Bon Heinrich Lee.

(Fortsetzung.)

Mister Hitchock erhob sich.

Bell", s agte er, dicht an sie herantretend,Bell, hüten Sie sich. Sie sind hart und grausam gegen die Menschen geworden. Und doch es nützt Ihnen nichts. Sie meinen, Ihren Mann zu hassen. Sie reden sich sogar ein, daß Sie ihn verachten, obwohl Ihnen Ihr Verstand doch sagen muß, daß das Opfer, das er Ihnen bringt, sein Vergehen schon hinreichend gesühnt hat. Wer, meine liebe Bell,' wie sehr Sie ihn auch zu hassen und zu ver­achten glauben und denken, ihm nie vergeben zu dürfen bei alledem sage ich Ihnen, daß Sie ihn noch in Ihrem Herzen tragen, daß Sie ihn noch lieben noch! jetzt, noch immer."

Genug!" unterbrach sie ihn totenblaße die Hand gegen ihn erhebend, wie gegen ein Gespenst, das auf sie eindrang, und tonlos fiel es von ihren Lippen:Wer hat oas gesagt?"

Das sagen mir, liebe Bell", antwortete der alte Mann, die hohlen, rauschenden Vergnügungen, dieser öde Flitter, diese ganze Gesellschaft, mit der Sie sich umgeben. Dinge alles, die Ihnen im Grunde doch genau so fremd sind, wie sie es Ihren: Vater waren. Befriedigt Sie das Leben, das Sie führen? Nein, denn das wäre bei Ihrer Natur unmöglich. Sie wollen sich betäuben, liebe Bell- Das ist es. Weil sich Ihr Herz zerquält in Kummer, in Gram um das Verlorene."

Sie starrte jetzt düster vor sich hin. Während Mister Hitchock sprach, hatten ihre Züge wieder ihren früheren steinernen Ausdruck angenommen. Es war dunkel ge­worden. Aus dein Garten strömte schwer und berauschend der Duft der Blumen herein und aus dem Salon nebenan klang das Plaudern und Lachen der Gäste.

Mister Hitchock sagte nichts mehr. Er ivartete jetzt- Und wäre es wahr", sprach sie'endlich mit bebender Stimme vor sich hin,hätten Sie recht und hätte ich ihn bis zu diesem Augenblick noch nicht ganz aus mir ver­tilgen können nun gut, so haben Sie wohl daran gethan, es mir zum Bewußtsein zu bringen."

Sie richtete sich! hoch! vor ihm auf und die Worte, mit denen sie jetzt fortfuhr, klangen wie die Schläge eines Hammers:

Ich bin noch schwach gewesen. Ich will's jetzt nicht mehr sein. Hören Sie, Mister Hitchock, ich w t l l nrcht mehr- Und darum will ich ihn auch nicht mehr sehen. Niemals wieder will ich ihn sehen. Das schreiben Sie ihm!"

Das ist. Ihr letztes Wort?^ fragte Mister Hitchock nach einer Pause.

Mein letztes!"

Mister Hitchock nahm seinen Hut.

So leben Sie wohl."

Es 'gab eine Thür in diesem Zimmer, die direkt, itt den Garten und von da auf die Straße führte. Durch diese Thür empfahl er sich Er konnte es so vermeiden, noch einmal mit den müßigen Leuten nebenan zusammenzutreffen.

Bell war mit sich! allein.

Sie stand am Fenster und ihre Augen folgten seiner sich entfernenden Gestalt, bis sie im Dunkel verschwunden war.

Was hatte der alte Mann zu ihr gesagt?

Auf den Grund ihrer Seele hatte er geleuchtet, sodaß sie hineinsehen mußte in ihre tiefste Tiefe.

Er hatte ihr gesagt, daß sie ihn noch liebte, noch jetzt, noch immer, wenn sie sich auch selbst darüber belog.

Sie schloß die Augen wie vor einem Abgrund, der sich plötzlich zu ihren Füßen aufthat. Und besser, sie lag. unten mit zerschelltem Gebein, als daß es wahr sein sollte, was der alte Mann gesagt. Aber es war nicht wahr. Nur ein Schreckbild hatte der alte Mann vor ihr heraufbeschworen. Es w a r nicht wahr, denn vor sich hielt sie jetzt, wie einen Schild, ihren Willen ausgestreckt. - ... Gold, Gold, hieß der Zauber, der in ihrer Macht war, und er sollte ihr für ihr verlorenes Leben büßen. Ein wüster Rausch, ein Bacchanal sollte ihr dies Leben nur noch! fein, in oem sie nicht mehr zur Besinnung kam. Nur Eines nrchtdenken"! War sie nicht schön? Und wenn die Narren ihr von Liebe sprachen über sie lachen!

Droben glänzten die Sterne. Bon ferne rauschte das Meer. Es war derselbe Klang, wie damals auf der deutschen Insel.

Bell merkte nicht, wie sich die Thür leise öffnete. Erst als sie ihren Namen hinter sich flüstern hörte, wandte sie sich hastig um.

Es war Fred.

Hitchock hat Dir Nachricht gebracht", stieß er hervor, von ihm!"

Ja", sagte sie.

Niemand konnte an ihrem Tone merken, auch Fred nicht, ivas in ihrem Herzen vorgegangen war.

Du bist frei!"

Noch nicht. Aber ich hoffe es bald zu werden."

Bell", flüsterte er, und weil es dunkel und kein Zeuge anwesend, so sank er vor ihr auf die Kniee.Bell, Du hast mich von Dir geschickt. Ich habe es nicht ertragen."

Sie hatte es im Voraus gewußt, daß Bessies Mühe um ihn vergeblich sein, daß er zu ihr zurückkehren würde, wie er von ihr gegangen. Nun legte er ihr seine Leidenschaft von neuem zu Füßen. Er war ein Mann. Warum streß sie ihn nicht von sich wie die anderen?

Man wird auf mich warten", sagte sie kurz,laß da- und steh' auf. Wir wollen hinein."

Er erhob sich, aber indem sie gehen wollte, hrelt er sie zurück.