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sorgende „Hausfrau" als tvertloses Gerümpel altfränkischer Zeiten erscheint, ist beinahe ebenso widerlich wie der weibische Mann, der vor „Decadence" und Nervenschwäche in lanter Stimmung zerfließt. Aber kann ein Weib nicht auch ein eigenes, nicht zu verachtendes Geistesleben entfalten, eine kräftige, selbstschöpferische Energie und Individualität entwickeln, ohne darum das ursprünglichste Wesen ihres Geschlechtes dranf- itnb dranzugeben? Artikel, Flugschriften, gelehrte und ungelehrte Whandlungen sind über diese Hauvtfrage der modernen Frauenbewegung geschrieben worden/ und nun ist ein Roman erschienen, der mithelfen will, das große Problem zu lösen. Rudolf St ratz, der moderne, aber abseits von jeder litterarischen Clique seinen Weg gehende Dichter, giebt uns in seinem jüngsten Werke den „Roman einer Studentin"; so bezeichnet er in einem Zusatze selber seine innerhalb dreier Tage sich abspielende Erzählung „Alt H eid elb erg, Du Feine".
Erna Bauernfeind, das vielgefeierte, bildschöne Töchterlein eines rheinischen Großindustriellen, hat dem verwunderten Papa die Erlaubnis ab geschmeichelt, Latein und Griechisch lernen zu. dürfen. Der alte Herr ist dann gestorben; die Gattin war ihm schon geraume Zeit voran gegangen, und nun hat's Erna in dem einsamen Patrizier- Hause, von dem aus man alltäglich das Surren und Hämmern der Fabrik hört, nicht mehr aushalten können, nind ist plötzlich nach Heidelberg abgerückt. Eine prunklose Studentenbude war rasch gefunden. Tie Zimmernachbarin ist eine ernste, blonde Philologin, die sich durch Sprachstunden ernährt, und in der freien Zeit studiert. Mit dieser Meta Wiggers hat sich die angehende Studentin rasch ange- freundet, und die dritte im Bunde ist eine weitere Hausgenossin, eine kleine resolute Zahnärztin, — also es hat sich alles gleich prächtig getroffen. Und doch ist noch ein Aber für Erna bei der Sache. So viele Körbe sie auch leichten Herzens ausgeteilt hat, ein Mann hat ihr doch imponiert; ein eiserner, rastlos thätiger Geschäftsmann großen Stils, Gentleman von oben bis unten, aber von unbeugsamer, manchmal rücksichtsloser Willensentschlossenheit, der Geschäftsfreund chres verstorbenen Vaters, John Henry von Lennep. Er selbst liebt Erna mit stiller, zäher Leidenschaft, hat aber nur sarkastische Bemerkungen für ihre Studiensehnsucht übrig, und nun, da die junge Dame vom Zauber der alten Musenstadt umfangen ist, schreibt sie dem Bräutigam in einem langen, langen Briefe ab. Hier setzt der Stratzsche Roman ein. Ernas Brief bedeutet ihre ganze Vorgeschichte. Der Abgewiesene läßt sich nicht irre machen. Er reist sofort nach Heidelberg. Es folgen Auseinandersetzungen, deren. Ergebnis immer wieder ist: eine junge, nach Selbstentfaltung ringende Mädchenseele fühlt sich von dem Manne nicht verstanden, den auch sie liebt, der aber seiner ganzer; praktischen Natur nach rricht die gerirrgste Achtung vor irgend einem Fraueustridium hat. Erna wieder weiß, sie würde ihrem innersten Wesen untreu werden, toemt sie dem geliebten Manne nur die Puppe sein sollte, die ihm nach des Tages Last mit süßem Unsinn ein paar Erholungsstunden bereitete. Derrn so denkt sich Lennep das Ideal einer Ehe. Seine ruhige Ueberredungs- gabe versagt vollständig. Auch als sich plötzlich herausstellt, daß Erna längst keinen Pfennig Vermögen mehr besitzt — Lennep hat ihren Vater vor dem Bankerott bewahrt, ohne es die Braut jemals merken zu lasseu, daß auch sie seit Jahren schon eigentlich nur von der Güte des Verlobten lebt —, ändert das nichts an ihrem Entschlüsse. Sie weist jede Unterstützung ab, will ihr Brot selber verdienen, und daneben studieren. „Erinnerst Du Dich des Spruches", so spricht das starke Mädchen zu dem sie allmählich be- greifenden Manne, „den ich Dir im Anfang meines langen Briefes schrieb: „Und Mann tiitb Frau sahen einanber in die Augen und fürchteten sich nicht!" Davon sind wir weit entfernt. Roch ist zu viel Furcht in meiner Liebe, zu viel Geringwertung in der Deinen" . . . „Glaub mir: ich hab' Dich lieb! Aber mich auch! Darum, will ich nicht tut Dir zu Grunde gehen, sondern frei neben Dir stehen, ein Mensch wie Du— ganz Deinesgleichen!" Drei Jahre will Erna in Heidelberg bleiben, eine abgeschlossene Bildung höherer Art erringen, und dann, wenn er noch will, wird sie sein Weib werden. Und er will. „Ich weiß nicht, was Du 'mir angethan hast. Aber ich bin sicher: Ich werde nie eine andere Frau auf der Erde heiraten, als Dich, sondern lieber einsam bleiben. Also werd' ich ioarten und
thun, was Du verlangst. Es mag sein, daß ich,'s früher nicht recht verstanden hab' — ich merke jetzt etwas an Dir— das ist mir neu! Das hab' ich bisher nicht gesehen! Und vielleicht bist Du das gerade selbst!" . . .
Wie wenig es Stratz darum zu thun war, einen all- geineinen Lo'bgesang auf die „neue" ober gar „emanzipierte" Frau überhaupt anzustimmen, das beweist schon seine scharfe und schonungslose Charakteristik von Frauentypen, bei denen die ganze Frauenfrage auf nervöse Faulheit, sentimentale Duselei oder blcmstrümpfiges Dozieren hinausläuft. Ter vorliegende Roman ist somit eine Art Kompendium der Frauenbewegung; nicht trocken und langweilig, sondern frisch und lebenswahr bietet er ein interessantes Problem bet’ eigentlichen Wirklichkeit. Ter Idealismus der Heldin hat innerhalb des ganzen Zusammenhanges nichts Unwahrscheinliches, und was sie in den ersten drei Tagen ihres Heidelberger Aufenthaltes erlebt an Freude und Leid, wie ihr die ernste, die grämliche, die lustige uud die resignierte Wissenschaft in Alt-Heidelberg begegnet, wie man die „Studentin" mißtrauisch, kalt, frennb- lich und liebenswürdig ausnimmt, und wie sie in all dem Trubel der Ereignisse ihrer persönlichsten Ueberzeugung treu bleibt, — das hat Rudolf Stratz mit der ganzen Kunst eines sein philosophisch beobachtenden Talentes in deutlichen Farben geschildert. Wir haben hier einen spannenden Roman, der doch viel mehr ist, als eine bloße, flüchtige Unterhaltungslektüre.
Eine „Hwrichümg" bei Barnum & Gailey.
Barnums größter El e f a n t „Fr i tz" mußte in Tours mittels dicker Seile und Kloben erwürgt werden, weil er plötzlich wild wurde und nicht nur das Publikum, sondern auch seine Wärter bedrohte. Gr hatte schon früher einen Menschen getötet, und mehrere andere vertvundet. „Fritz" war der größte von den 16 Elefanten, die Barnum besaß; er war 2 Meter 60 Zentimeter hoch und ist 80 Jahre alt geworben. Die „Hinrichtung" bes Riesen fanb, da die Zirkuszelte bereits abgebrochen waren, auf einem öffentlichen Platze statt, ber von Soldaten abgesperrt wurde. Mehrere Male drohte der Elefant sich loszuretßen, bis er schließlich mit großer Mühe gefesselt werden konnte. Das Skelett des Dickhäuters, der einen Wert von 100 000 Francs gehabt haben soll, ist von Barnum dem Museum zu Tours überwiesen worden.
Das höchste Haus der Welt.
Der Newyorker Architekt Bruce Price, eilte Autorität auf dem Gebiete der Hochbau-Struktur, hat die Pläne für ein 1500 Fuß hohes Geschäftsgebäude fertiggestellt, das auf der Fläche eines der gewöhnlichen Newyorker Häuservierecke aufzubauen wäre. Das erwähnte Gebäude würde 125 Stockwerke mit zusammen 6000 Office-Räumen enthalten und würde den Eiffelturm um mehr als 500 Fuß übertreffen. Das Gebäude würde 10 000 Fenster enthalten, deren Scheiben zusammengelegt eine Fläche von 200 000 Quadratfuß Glas darstellen würden. In dem Riesetigebäude könnten 30 000 Personen arbeiten, welche tnittels 50 Aufzügen ihre Offices erreichen würden. Ter Kostenpreis ist mit etwa 120 Millionen Mark angegeben, und garantiert der Baumeister eine zehnprozentige Verzinsung des Geldes, Tie unbedingte Sicherheit einer solchen gigantischen Stahl- Struktur hält der Architekt für außer Frage, da, seiner Ueberzeugung entsprechend, bei dem heutigen Stande der Technik eilt solches Gebäude zu einer Höhe gebracht werden kann, welche sieben und einhalb mal beut Durchmesser ber Basis des Gebäudes entspricht.
Zahlen dreie ck.
Nachdruck verboten.
1 2 3 4 5 6 Speise.
1 2 3 6 4 Dichter des Mittelalters.
4 2 3 1 Gangart.
12 3 Trinkraum.
3 2 Maß.
3 Vokal.
(Auflösung in ttkchster Nummer.)
Auflösung der Schachaufgabe in vor. Nr.:
W. Kc6, Da3, Lf4, g4, Sh3, Bd5, e3.
Schw. Ke4, Lbl, Sdl, Bb5, c5, h6.
1. Da3—c3, beliebig. 2. 7fach Matt.
Redaktion: Su.rt Plato. — Rotationsdruck und Verlaa der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


