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pressalien übertreffen aber an Raffinement und Teuflisch- reit womöglich noch die Handlungen der Eingeborenen. Hier eine kleine Mütenlese. „Oberst Nicholson ließ von 120 gefangenen Indern 40 vor die Mündungen von Kanonen binden und sodann Feuer geben, sodaß die unförmlich zerfetzten Stücke der Toten weit umherflogen und die ganze Umgebung der widerliche Geruch verbrannten Fleisches eu- füllte. Am 30. Juli 1857 wurden 1237 Gefangene erschossen, wahrend 50 in ihren Gefängnissen erstickten oder verhungerten. Am 28. August metzelte man ohne Gnade 650 von 870 flüchtenden Sipahis nieder. Nach der Einnahme von Delhi, am 23. September, erschoß General Hudson eigenhändig mittelst eines Revolvers drei Prinzen der königlichen Familie, die sich ergeben hatten, darunter den präsumtiven Thronerben, außerdem wurden 300 Gefangene, darunter 29 Angehörige der königlichen Familie, erhängt oder erschossen. Am 16. September bedeckten — wie Berne in einer Darstellung des Aufstandes mitteilt — in Laknau die Leichen von 2000 erschossenen Sipahis einen Raum von 150 Meter im Quadrat. „Nach dem Massakre in Kampur zwang Oberst Neil die Berurteilten, bevor er sie dem Galgen überlieferte, je nach ihrer Kaste, jeden Blutfleck, der sich noch in dem Hause vorfand, zu reinigen und mit der Zunge abzulecken" — für die Inder eine "schimpfliche Entehrung. Unaufhörlich folgten sich die Hinrichtungen, ganze Mauern von Menschenfleisch sanken zur Erde, cutt 9. Mürz 1858 wurde ein Gefangener von den Shiks unter den Augen der englischen Offiziere lebendig geröstet. Die englischen Soldaten schonten selbst die Verwundeten nicht, und man schätzte zu Anfang des Jahres 1859 die Zahl der hingeschlachteten Inder auf mehr als 300 000!
Am meisten hat sich England aber wohl an dem unglücklichen Irland versündigt. Die englischen Barone besitzen den Grund und Boden, während die rechtmäßigen Eigentümer des Landes als ihre Pächter ein kummervolles Leben fristen, ganz abgesehen von den übrigen Bedrückungen und Grausamkeiten, mit denen man Seiten füllen könnte. Infolgedessen ist die Zahl der Einwohner denn auch innerhalb 50 Jahren von 8 200 000 auf 4 700 000, also um co. 31/2 Millionen gesunken.
Eine versunkene Stadt.
In Northwich in der Grafschaft Cheshire, Unweit Liverpool, geht es jetzt ähnlich zu, wie seinerzeit in Eis- leben. Die Stadt steht auf einem Boden, unter dem sich große Steinsalzlager befinden, die in der Art ausgebeutet werden, daß die Soole'durch gewaltige Pumpen aufgezogen wird. Darin liegt gewöhnlich, wenigstens zunächst, keine Gefahr, da das Wasser in der Nähe der Salzschichten mit Salz gesättigt ist und daher auf das Steinsalz nicht weiter einwirkt. Wenn nun aber die Soole fortgesetzt in ungeheuren Mengen fortgeschafft wird, so wird sie durch frisches ersetzt, das nun wieder an dem Salz zu nagen beginnt und die Pfeiler angreift, auf die sich das Gewölbe der darüber liegenden Schichten stützt. So kommt es, daß sich der Boden über der Stelle, wo die Soole ausgepumpt wird, zu senken beginnt. So werden in der Regel die Minen in den oberen Schichten eines Salzlagers durch nachfließendes Wasser zerstört, indem die Salzpfeiler fortgenagt werden. Die Stadt Northwich leidet aber besonders daran, daß der Boden der Stadt nachsinkt, schon wenn di auf dem obersten Salzlager gebildete Soole fortgepumpt wird. Die Stadt bildet an einigen Stellen einen höchst merkwürdigen Anblick, wie sich einer in der Londoner „Nature" veröffentlichten Abbildung entnehmen läßt. Die Schaden begannen damit, daß sich kleine Risse in den Häusern bildeten, und die Thüren und Fenster nicht mehr schlossen. Schließlich gießt der Boden unter dem Hause nach und dieses versinkt teilweise, sodaß es zuweilen in eine ganz merkwürdige Stellung gerät. Die Baumeister der Stadt haben keinen anderen Ausweg gewußt, als die bedrohten Häuser auf ein Balkenwerk zu setzen, auf dem das Gebäude durch Schrauben wieder in seine frühere Lage zurückgebracht wenden, kann, wenn es zu versinken droht. Allmählich wird auf diese Weise vielleicht die ganze Stadt ein moderner Pfahlbau sein, und in dieser Hinsicht vielleicht einzig in seiner Art.
Auf den Kölner Blumenfestspielen
ist ein Scherzgedicht von R. Schmidt-Cabanis „Biel- liebchen", das in der im Herbst erscheinenden 4. Auflage der Gedichtsammlung: „Lachende Lieder" von R. Schmidt-Cabanis (Verlag Boll u. Pickardt, Berlin) erscheinen wird, preisgekrönt worden. Wir geben nachstehend das Gedichtchen wieder:
Listig mit Amor im Bunde handeln Die Mandelbäume.
Wenn sie oft paarweis' betten die Mandeln In engste Räume,
Da sich dann dicht aneinanderschmiegen Die süßen Kerne,
Und sich in lieblichen Träumen wiegen. Ach, wie so gerne!
Plötzlich beim schäumenden Sektpokale Das Flügelbübchen
Sprengt ohne Gnade die Doppelschale . . .
„Schau, ein Vielliebchen!
Jst's nicht, als ob sich die Kerne küssen
Eng im Umfassen —?!
Werden nun doch von einander müssen
Und sich verlassen!"
Feurigen Blickes fragt „Er" voll Verlangen: „Gilt es Vielliebchen?!"
Schweigend nur nickt „Sie"; doch zeigen die Wangen Neckische Grübchen.
Flugs, arme Kerne, lernt durch die Lippen Scheiden und meiden;
Und — euch zum Abschied — am Kelche nippen Lächelnd die beiden! —
Ach, aber die unter Lust und Scherzen
Heute euch trennen:
Morgen schon spüren sie tief im Herzen Schmerzliches Brennen!
Was aber wirkt — wer möcht' es wohl wähnen?
So jähen Wandel —?
Unwiderstehlich zieht stilles Sehnen
Mandel zu Mandel!
Ob sie die weitesten Pfade durchmessen
Zu fernsten Ländern;
Können einander doch nie vergessen — 's ist nicht zu ändern!
Ruh' findet keines, wo sie auch weilen. Wo sie auch wandern:
Rastlos treibt es sie, vorwärts zu eilen
Eines zum andern!
Können, ach, nimmer, die armen Mrrchen, Nimmer gesunden.
Eh' die zwei Hälften vom Mandelpärchen Sich nicht gefunden!
Amor aber, der tückische Knabe, Schabt ihnen Rübchen. . .
Hütet euch vor seiner schlimmsten Gabe —
Vor den „Vielliebchen"!
Heiteres aus der Schule.
Leseübung. Jörgle liest stotternd: „Meister, hier ist gu-gu-gut sein. Wi-wi-willst Nu, so wo-wo-woll-wollen wi-wir drei Hü-Hü-Hütten ma-ma-machen." — Lehrer: „Jörgle, paß auf, sonst giebt's Ohrfeigen!" — Jörgle liest weiter: „Dir eine, Mosi eine und Elia eine."
B i b e l a u s l e gu n g. Lehrer: „Friedrich, Gott sprach zu Adam: „Im Schweiße Deines Angesichts sollst Tu Dein Brot essen." Was ist damit gemeint?" — Schüler: „Man soll so lange essen, bis man schwitzt."
Buchstabenrebus
(Nachdruck Verboten.)
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung der Charade in vor. Nr.: Schattenriß.
Redaktion: I. V.: R. Tittmann. — RotationLdruck und Verlag der Brnhl'schen UnirersttätL-Vucb- und Cteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.
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