Ausgabe 
23.4.1902
 
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ganz aus. Man muß frisch ans Werk gehen und nur eine heitere Lebensanschauung haben, dann ebnet sich alles von selber, ja, das thut es nuf, nuf dann ebnet sich alles von selber nuf, nuf--darf ich Ihnen anbieten?"

Ich danke, id)i schnupfe nicht", a _

,Lm ja!--Ach ja, es wird schon alles gehen.

Wer nun sollen Sie doch sehen, was ich mir eingehandelt habe", fuhr er mit glückstrahlenden Augen fort, ttacEj. seinem Bündel greifend.Sehen Sie 'mal einen ganzen Anzug. Nicht wahr, famoses Zeug? Und die ganze Garderobe für fünfzehn Kronen. Man muß wirklich über den Preis lachen. Wer ich mag kaum sagen, wo ich es gekauft habe, die Gegend war nicht schön. Wer fühlen Sie hier einmal, solch ein Futter, wie? Mit dem Rock kann ich noch zwanzig Jahr des Sonntags gehen."

(Fortsetzung folgt.)

Heinz und Ursula.

Von Paul Ernst.

Nachdruck verboten.

(Schluß.)

Nunmehr gingen alle nach Hause, und dachte der ehrbare Färbermeister gute Miene zum bösen Spiel zu machen, da nichts zu ändern war und er durch sein Brum­men die Sache nur böser gerichtet hätte. Rief also sein Gesinde zu Häuf, schloß die Fensterladen, setzte zween Leuchter auf den Tisch! und das Bibelbuch dazwischen, und las ein schönes Kapitel aus der Heiligen Schrift vor, ermahnte alsdann seinen Ei-dam und küßte seine Tochter unter herzlichen Thränen, und war Keiner, der nicht gerührt gewesen wäre, sonderlich die Weibsleute, außer der Altgeselle, welcher trutziglich vortrat und seinen Ab­schied erbat, welchen er ihm auch gab und dazu sagte: Tu siehest wohl, daß ein solche feines Kräutlein nicht für bidj, Kahlkopf gewachsen war". Und die Hausthüre ging den ganzen Tag, denn die guten Weiber freuten sich alle über die Tapferkeit und Gutthat des Mägdleins, und sckickten viele Gesd)enke zur Hochzeit, also daß sie mehr kriegte, als hätte sie eine richtige Freierei gehabt, und sparten noch die Unkosten des Hochzeitsmahles.

Am Abend aber führte der alte Meister ein langes und vernünftiges Gespräche mit dem Eidam, und freute sich sehr, weil berselbige ihm in vielen Dingen recht gab, was er nicht aus Schalkheit that, sondern weil ihm feines Schwiegervaters Morte richtig erschienen. Sprach der alte Mann, wie daß Adam von seiner Hände Arbeit gelebt habe, und daß die Färberei gar alten und edeln Ursprungs sei, indem schon der Prophet Jesaia von einem Färber spricht, wie geschrieben steht:Aber der Herr sprach zu Jesaia: gehe hinaus Was entgegen, du und dein Sohn Sear-Jasub, an das Ende der Wasserröhren am obern Teiche, am Wege beim Acker des Färbers"; allwo der Meister wahrscheinlich seine Tuche gespannt hat. Hin- widerum klagte der Junker, daß dem Adel sein Brot gestohlen werde, indem mit dem Neberhandnehmen der gottlosen Erfindung des Feuerrohres kein ehrlicher Ritter fick) mehr dem Krsegshandwerk zuwenden könne, sondern nur allerhand verdorben Volk, das zu Hause nicht gut thue. Er wolle aber seines Schwiegers Brot nickst umsonst essen, vielmehr sich umsehen nach einer Bedienung bei der Stadt, welche denn einen Kricgsmann wohl brauchen könne. Dessen war der alt Mann zwar nicht recht zu­frieden, denn ihn dauerte das schöne Geschäft, daß das einstens in fremde.Hände kommen sollte, sagte aber nichts, sondern gedachte alles Weitere der Zeit zu überlassen, welche wohl Rats findet für allerlei noch schwierigere Dinge. Also gingen sie zu Bette. Und der Jüngling schloß seine geliebte Magd von Tag zu Tag immer mehr in sein Herz,

Zwar hatte er kein sonderliches Glück, wie er um eine Bedienung bet der Stadt nachsuckste, denn die Bürger wollten einen Mann haben, der mit Büchsen umzugehen wisse; und er verdiente sich nur ab und zu einen Groschen, indem er einen reichen Kaufherren begleitete, um ihn zu beschützen, wenn ihn welche anfallen sollten. Tas machte ihn gar traurig. Wer seine vielgeliebte Ursula wirtschaftete mit freudigem Gesicht im Haus und schloß große Schränke aus und zu, wo viel Linnenzeug ausgehoben lag, Bereitete auch das Essen, welches schmackhaft war, und die Gesellen lobten es mit Bescheidenheit. So strich

sie ihm oft Wer die Stirn, wenn er unthätig da saß, küßte ihn und tröstete ihn, und hatte immer heitere Worte, denn sie wußte wohl, er schämte sich, weil er nichts Rechtes in den Haushalt zu bringen wußte. Sie hatte aber ein festes Vertrauen zu Gott, der bis dahin alles so wohl gesühret hatte, daß er auch weiterhin alles zum Besten leiten werde.

Nun war der Junker freundlich und höflich gegen jedermann, und auch die Gesellen hatten ihn gern, und freuten sich auch, daß dem Altgesellen seine Freierei schief gegangen war, und weil er besonders stark von Leibes­kräften war, so baten sie ihn manchmal mit anzufassen, wenn etwas Schweres gehoben oder getragen werden sollte. Auch zeigte ihm der Meister die vielen schönen Farben, über welche er sich sehr ergötzte, und es machte ihm immer mehr Spaß; also daß er oftmals ganze Tage in der Werkstätte mitschafste, wie er denn anstellig und geschickt war zu allerlei Hantierung; und an solchen Tagen war er fröhlich und guter Laune, umfaßte dann auch wohl seine vielgeliebte Ursula, wenn sie mit Schürze und Löffel dastand, und etwa einen Erbsenbrei rührte, und Hub sie in die Höhe, indem er sie herzlich küßte.

So kam denn die Zeit herbei, daß die fromme und fröhliche Ursula eines Knäbleins genas, welches sie Heinz nannten und stund der Bürgermeister mit Gevatter, aus besonderer Freundschaft zu dem jungen Pärlein, und hatte der alte Meister ihm vorher einen Auftrag gegeben, lote zum Scherz, daß er solle ein groß Kübel mit Krappfarbe bereiten und einen Ballen Wollenstoff färben, welches als das Schwierigste in der Kunst gilt, denn eine große Fertigkeit erfordert wird, damit nicht Streifen oder Flecken auf dem Zeug entstehen. Tiefes hatte er zu größter Zu­friedenheit ausgerichtet, und der alte Meister war mit dem Ballen zu der Zunft gegangen, hatte ihnen seine Geschichte vorgestellt, welche sie wohl wußten, und sie gebeten, weil er so viele Jahre lang für das gemeine Wohl gearbeitet habe ohne einen Groschen Gewinn, und nun ein alt Mann fei, sie sollten aus besonderer Liebe zu ihm seinen Eidam in die Zunft aufnehmen, dieweil er ja sein Meisterstück, welches eben dieser Ballen war, sonder Fehl geliefert habe. Und die Meister bedachten sich, und wiewohl es gegen die Satzungen war, beschlossen sie" doch, aus besonderer Gunst diesem Ansinnen zu will­fahren. Luden ihn demnach an dem Tage vor sich, wo die Taufe sein sollte, und nachdem alle Fragen und Antworten geschehen waren und sonst alles, was Sitte und Gebrauch ist, gaben sie ihm einen schönen Meister­brief, auf Pergament geschrieben mit allerhand bunten Tinten und mit einem großen Siegel daran, worüber er recht erstaunt und noch mehr erfreut war; ging dann mit dem Kindlein und der Mutter und den Pathen in die Kirche, als ein Meister gekleidet, welches der Schwieger gleichfalls vorgesehen hatte, und lobte Gott.

Hierauf zeigte er einen großen Eifer in seiner Han­tierung und freute sich der alte Vater sehr, als er sah, wie gut er einschlug, vermeinte fast, es sei sein Werk gewesen, daß dieser Jüngling von dem schimpflichen Tod errettet sei. Er hatte aber ein stilles und fröhliches Wesen, machte wenig Worte und war sehr liebreich gegen seine gute Ursula und den kleinen Heinz. Ging auch nicht in die Gasthäuser, sondern blieb fleißig daheim imb las nützliche und fromme Bücher.

So war denn mehr denn ein Jahr verflossen und es zog bereits der Frühling wieder ins Land. Hinter dep Werkstätte aber grünte ein Gärtlein, groß als eine Stube, wo ein alter Apfelbaum stand, der in jedem Herbst reich­liche Früchte trug, einen ganzen Scheffel oder mehr. Dieser war mit Blüten voll besät, weißen und rosenfarbenen, daß es eine Lust war, ihn anzusehen; und ein Vöglein mit einem roten Brüstchen setzte sich auf die. oberste Spitze und fang ein Frühlingslied, also daß man so recht sah, wie es fröhlich war über den Sonnenschein und die klare Luft. Tiefes nun sah der Meister Heinz und zog eine große Trauer in sein Herz, denn er gedachte des Waldes, wie da die Rehlein sprangen und ein würziger Duft war, welcher die Brust stärket. Seine Frau aber merkte wohl, was ihm war, denn wo Liebe ist, da sind nicht Worte nötig, und wißen die Menschen alles von einander. Verfiel nun in große Angst, daß ihr geliebter Mann möchte von ihr gehen und betete zu Gott, daß er ihr Beistände. .

Ta mag ihr wohl der böse Feind eine Lrst emgeblasen