Ausgabe 
22.10.1902
 
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futttt Nach dem Verdunsten des Lösungsmittels gewrnnt man den Farbstoff in Gestalt kleiner roter Krystalle.

Nicht zu verwechseln ist dieses rote Sandelholz mit dem weißen oder gelben Sandelholz, das gleichfalls von einem in Ostindien heimischen Baum, Santalum albmn, stammt. Es war seines rosenähnlichen angenehmen Ge­ruches wegen schon im Altertum sehr geschätzt, und fändet heute noch, namentlich im Orient, zu Arbeiten rn der Kunsttischlerei vielfach Verwendung. 'Tie Chinesen ver­brennen es seines Wohlgeruches wegen in ihren Tempeln, den Göttern zu Ehren. Bei uns dient das Holz in der Kunsttischlerei nur hin und wieder als Material zu In­tarsien, aber man verwendet es in umfassender Weise m der Parfümerie, zu Räucherpulvern, Likören usw. Zu dieser Art von Hölzern gehört das Bambaysandelholz, das Ma- kasiarsandelholz und das sogenanntejapanische Sandel- bolz". Letztere im Handel übliche Bezeichnung ist un­zutreffend, da das Holz ja nicht aus Japan, sondern aus Indien kommt. Ter Wohlgeruch des Holzes, welcher durch Reiben oder Erwärmen desselben lebhafter hervorgerufen werden kann, beruht auf einem in den Poren enthaltenen ätherischen Oele. Zu uns gelangt dieses ostmdische gelbe Sandelholz in Form von Blöcken, welche außen rötlich- braun sind und im Innern das gelbliche Kernholz zeigen. Tas weiße westindische Sandelholz ist heller als das ost- indische, hart und sehr schwer und stammt von Rutazeen Venezuelas. Ter Geruch, dieses Holzes ist minder angenehni und auch minder intensiv, als der des ostindischen; e§ findet aber gleichfalls in der Parfümerie Verwendung, während das durch Destillation dem Holze entzogene Oel in der Medizin eine Rolle spielt.

Tas afrikanische Sandelholz (Cämwood, Barwood, Cam- holz, Cambalholz, Angolaholz) ist ein von Baphia nitida, also ein aus der Familie der Leguminosen stammendes Farbholz. Es wird in der Wollfärberei zur Erzeugung brauner und rotbrauner Farben, sowie an Stelle des Kaliaturholzes zur Möbelpolitur angewendet. F. Hd.

Das Kinderhemdchen im Storchnest. Eine Geschichte vom Storch, die trotz Ben Akiba noch nicht dagewesen sein dürfte, teilt derTgl. Rdsch." ein Leser in folgender Zu­schrift mit:Gs ist eine allbekannte Thatsache, daß Ge­vatter Langbein die kleinen Erdenbürger bringt. Bei diesem hochwichtigen Geschäft läßt er leider ost recht krause Launen walten: hier bringt er nichts, dort zuviel, dem einen Vater bleibt der sehnlichst erwartete Stammhalter versagt, der andere wird wohl gar mit zweien bedacht. Diesen Sommer achte er es in einem pommerscheu Torfe aber doch zu

,t. Auf der Gutsscheune stand die Wiege seiner jungen ^rut, die wochenlang unangefochten blieb. Da wurde eines schönen Abends eine lange Letter angelegt, und ein Arbeiter klomm langsam und bedächtig zur First des Daches hinan. Man hörte ihn, als! er in das Nest hineinsehen konnte, aus­rufen:Jao, hier ist's!" Plötzlich sah man etwas Weißes herrmterflattern. Zerstörte eine frevle Hand das häus­liche Glück der Storchfamilie? Weit gefehlt! Der weiße Gegenstand war ein Kinderhemdchen, das der Papa Storch auf der benachbarten Bleiche aufgelesen hatte. Zu welchem Zivecke, das ist schwierig zu entscheiden. Vielleicht handelte es sich um das Kind eines armen Mannes, das auf diese Weise das notwendigste Stück seiner ersten Aus­stattung erhalten sollte, oder die von Mutter Natur ge­schenkte Bekleidung seines Nachwuchses erschien ihm nicht ausreichend, um mit Anstand auf Reisen gehen zu können!"

Ein guter Rat. Ein Professor, der sehr langes, wallendes Haar und einen langen Bart trug, wurde eines Tages auf der Straße von einem kleinen Stiefelputzer an­gesprochen, der ihm seine Dienste anbvt. Das Gesicht des Kleinen war entsetzlich schmutzig, und der Gelehrte erwiderte auf seine Anrede:

Meine Stiefeln sind geputzt. Aber wenn Du gehen und Dein Gesicht waschen willst, so gebe ich Dir 50 Pfennige." Gewiß, Herr."

Schön, so beeile Dich."

Der Junge ging an einen Brunnen in der Nähe und- wusch sich.

Zurückkehrend streckte er die.Hand aus, als wollte er das Geld in Empfang nehmen. Der Professor sagte:

Gut, Du hast Dein Geld verdient, hier ist esi"

Ich will Ihr Geld nicht", erwiderte der Junge.Gehen Sie nur und lassen Sie sich- das Haar dafür schneiden.^ Weg war er. (Tit-Bits.)

Litterarisches.

Das altbewährte Familienblatt Daheim eröffnete soeben seinen neuen, den 39. Jahrgang mit einem großen RomanKrach" von Hanns v. Zabeltitz. Die Leser werden in dem neuen Werk mancherlei Bezugnahme auf jüngste Ereignisse finden. Außerdem kommen im Lauf des Jahrganges Romane von Friedrich Jacobsen, Paul Oskar Höcker, Franz Rosen zur Veröffentlichung.- Die ersten Nummern bringen ferner neben einer Fülle an­regender Artikel kleine feingestimmte Novellen und Skizzen von Georg v. Ompteda, A Harder, Anton von Perfall, I. C. Heer u. a. Das Daheim hat im Streben nach möglichster Vielseitigkeit seit langer Zeit eine Eigenart mit Glück gepflegt: es widmete geschlossene! Unterabteilungen des Blattes der Frauenwelt, den Kindern, den Musikliebhabern, den Blumen­freunden, den Sammlern daneben enthält jeds Nummer inA us derZeit fürdieZeit" zahlreiche, von gut geschriebenen Texten begleitete Abbildungen nach Tagesereignissen. Vortrefflich ist wie stets der illustrative Schmuck. Das Daheim bringt, abgesehen von den schönen Sonderbetlagen in Tondruck nach klassischen und modernen Meistern, erfreulicher Weise regelmäßig wahr­haft künstlerische Holzschnitte, die keine der neueren Reproduktionsarten zu ersetzen vermag.

Aus dem Verlage von Hugo Steinitz in Berlin liegt uns ein neues Buch:Wie erhalten wir «ns gesunde Nerven und ei« frohes Gemüt?" von Geh. San.-Rat Tr. R. Koch vor, das wir in der heutigen Zeit, die an unsere Nerven ganz besonders hohe Anforderungen stellt, allen Berusskreisen als ein äußerst wertvolles Werk aufs wärmste empfehlen können. Ter Preis des Buches be­trägt 1 Mk.

För d e Buren.

Vun Eduard Jürgensen-Friedenau.

De Harten up! un ok de Hann'n!!

Nu snell heran wer helpen kann.

Grot is de Rod. Kein Brod! Kein Brod!!

An alle Kanten luert de Tod.

Nu blos kein Tägern, kein Besinn'« Tat Anner ward fick späder finn'n.

Sei kän'n de Nod allein nich wenn'«. Ehr Fru'ns, ehr Kinner starwen hen, Tat ganze Volk dat geiht tau Grunn', De Jammer waßt vun Stunn' tau Stunn'. Sleiht Jug kein Hart in't Liew dor btnn'n? = So'n Elend was noch nie tau finn'n.

En Jeder weit, wat dat wull heit, Wenn so'n oll Kriegsmann beden geiht, De düsend Mal so gier« dat Swerdt Hadd gegen Tod und Düwel kehrt.

Sei deden't äwer sick gewinn'n

Nu lat s' ock ap'ne Harten finn'n.

De Harten up! un ok de Hann'n!!

Nu wis't mal, wat uns' Tntschland kann.

Worüm sick't hannelt? Markt Jug't gaudr Dat Burenvolk ut plattdütsch Blaud , Dat darf nich vun de Welt verswinn'n S Tenn ward sick allens Ainn're finn'n.

F üllräts e l.

(Nachdruck verboten.)

-ter, Or-, Le, L-u, Aauer, Rscheid, Spe.

Statt der Striche find immer drei paffende Buchstaben zu atzen, |o daß bekannte Hauptwörter entstehen, die in anderer Reihenfolge bedeuten: Eigenschaft, Industriestadt, deutscher Dichter, schmackhaftes Seetrer, Aus­zeichnung, Aetzmittel, Infekt. Sind die richtigen Wörter gefunden, so ergeben die eingefügten Buchstabengruppen im Zusammenhang gelesen em Sprichwort. (Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Gleichklangs in vor. Nr.r

Absatz. __________

Redaktion: Tuet Plato. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS.Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erbeut in Gießen.