Ausgabe 
22.9.1902
 
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1902. Nr. 141.

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(Nachdruck verboten.)

Nach dem Französischen bearbeitet von H, Red et

(Fortsetzung.)

®tnc§ Tages da er im Hintergründe eines Geschäftes mrt einem Händler über eine kleine Studie verhandelte, die er ihm um einen nichtssagenden Preis anbot, trat jemand vor, betrachtete die Leinwand und sagte zu dem jungen Maler:

Mein Herr, wenn Sie das Bild mir überlassen wollen, 'O,?aufe ich es um den Preis von eintausend Mark: es gefallt nnr eben." '

Es war dies das Doppelte von der Sumn«, die der Mnge Maler gefordert und die ihm der Händler abge­schlagen hatte,' das Gesicht des Letzteren verlängerte sah bedeutend, indes Georg glückstrahlend sich beeilte, darauf einzugehen und das Geschäft abzufchlteßen.

Würden Ne sich bereit erklären, mir ein Seitenstück zu diesem Bilde zu lieferns fragte der Käufer,denn die ganze secesstonistische Art und Weise paßt stilistisch in einen meiner Salons."

^Jch^hPliL eines gefunden?"

Gewiß, mein Herr, ich wäre sehr glücklich."

,Mso, wenn Sie es fertig haben, dann schicken Sie mir das Bild, oder, was mir noch lieber wäre, bringen Sie es mir selbst. Mein Name ist Franz von Sempach, Wart­burgstraße 1."

Als sich Georg Rakenius, das Bild unter dem Arme, nach zlvei Monaten in der Villa des Barons einfand, wurde er von dem Herrn des Hauses mit solcher Herzlichkeit enipfangen, daß er darüber ganz erstaunt war. «Jetzt kenne ich Sie erst", sprach ihn Sempach ge- mütlich lachend an.Ich habe die Indiskretion begangen, über ^hre Person Erkundigungen einWziehen, und nun weiß ich, was man über Sie als Künstler, als Mensch und als Bruder, oder eher als Familienvater denkt."

yieiun! Htuiyte er oenr jungen weaier mit reizendster Liebenswürdigkeit und ausgesuchtester Zartheit seine Vor­schläge, sodaß dieser immer mehr in Verwunderung geriet.

Ihre Studien", sagte er,sind bereits sehr wett vor­geschritten, ckber in einzelnen Punkten noch lückenhaft. Es ist dies die Meinung Ihres Meisters und meines FreundeL des Professors Werner, der Sie für seinen ausgesprochen talentiertesten Schüler HM! Die Arbeiten, denen Sie außer­halb des Ateliers obliege«, um zu leben und die Pension J^er Schwester zahlen zu können, ermüden Sie--

gestehen wir es frei heraus--verderben Ihren Pinsel."

mir "fetoft seufzte Georg.Ich sage es

Leben müA

Ich selbst. Soll ich es Ihnen sagen?".

Mit Vergnügen. Gewiß."

Hier ist es: Sie lassen alle Selbstliebe und Eitelkeit besserte und denken nur mehr an Ihre Kunst, an Ihre Zu- runft, an die Zukunft Ihrer Schwester. Sie gestatten mir. ernstwellen alle Ihre Auslagen zu bestreiten bis zu dem Tage, an dem Werner, der sich doch gewiß darin auskennt, erklärt: Ich habe Ihnen nichts mehr zu lehren. Verlassen Sre nun mein Melier, malen Sie auf eigene Faust, unter? zerchnen Sie Ihre Werke und stellen Sie sie aus/«

13. Kapitel. ' i ,.

Georg Rakenius war vor Glück und Aufregung nicht imstande zu antworten. Wer da er doch endlich etwas'ant­worten mußte, stammelte er:

, «Was Sie mir da anbieten, mein Herr, ist woh! herrlich schön,--aber--"

Ah bah! Auflehnung Ihres Amerikanerstolzes", fuhr Sempach fort.Sie fragen sich jetzt, wie ich dazu Eomme, ^hnen solche Anträge zu machen, da ich weder Ar Bruder, noch Verwandter, noch Ihr Freund bin. Dann nehmen Sie Ao an ich wäre einer, der Ihnen auf Ihre künftige» Emkuufte vorstreckt, irgend ein Wucherer,. Ihre Ein­künfte sind die Zukunft, und ich fordere hohe Zinsen. Ich bin Phantast, Idealist, wenn Sie wollen, liebe das Roman­hafte und unterstütze, da ich selbst nichts kann, brennend gern Talente, die hoch hinaus wollen und denen nur das erbärmliche Geld fehlt."

Nein, Herr Baron, nein! Ich fühle ganz wohl, dass Sie uttr das alles sagen, bloß um mich zu überreden, um zu--" J .

«Nun, und wenn dem so wäre? Ich verfüge über na, sagen wir: sehr viel Renten, die ich schlecht verwerte Nehmen Sie den Fall an, ich verpflichte gar nicht Sie,, sondern Ihre Schwester. Ich habe keine Eltern mehr, niemand steht meinem Herzen mehr nahe. Ich verabscheue das Heiraten, werde demnach keine Kinder haben. Lassen Sie mich den Beschützer dieses wirklich interessanten kleinen Mädchens spielen und sie lieben. Denn auch über sie habe ich meine lLkundigungen eingezogen. Ja, wissen Sie, wen« rch mich schon indiskret in ftemde Sachen mische, dann überlasse ich das keinem andern als mir selbst. Ich war gestern persönlich in der Anstalt und sprach mit der Vor­steherin. Sie sagte mir, das Kind sei klug, fleissig und außerordentlich begabt, besonders für die Musik, aber sie bedürfe Spezialprofessoren, eines pädagogischen Fach­mannes von Rus. Haben Sie wohl das Recht, dem Kind, das Sie anbeten, die Mittel vorzuenthalten, die Ihnen so selbstlos geboten werden, auf daß Sie heute oder morgen eine Persönlichkeit werden, sich einen berühmten Namen erwerben, damit sie von keinem andern als nur von sich . allein abzuhängen haben und ganz nach Ihrem Willen ledig bleibe« oder sich verheiraten können? Und ist es er- Ä k h -ki^i nnig zu wie M M eSea Wd ? Msetzi