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tu ans ein sie in die „konischen" oer Aristokraten, die Daille verengen sie ans Wunsch, Hals und Arme machen sie vollkommen. _ Ihre aus allen Klassen bestehende Kundschaft, von der reichsten Aristokratin bis zum einfachsten Ladenmädchen ist ungeheuer groß, und die Preise richten sich natürlich nach> den: Stand der Kundin. Eine reiche Frau hält nur ein teures Mittel für wirksam, während das Ladenmädchen auch für das wunderbarste Schönheitsmittel keinen hohen Preis bezahlen kann. ■ Es giebt zwei Klassen von Schönheitsdoktoren. Tie einen behaupten, Mängel durch koswetische Mittel, falsche Zufügungen und andere Tricks zu verbergen, während die anderen sie durch Behandlung heilen wollen. Letztere verachten die ersteren und nennen sie „Charlataue", während die „Charlatane" ihre Methode für die einzig wirksame erklären. Jede Klasse hat blind ergebene Anhänger.
In einem der elegantesten Pariser Stadtteile wohnt eine sehr kluge Frau, in deren berühmtem Schönheits^- salou wunderbare Präparate zum Kauf augeboten werden. Sie behauptet, die Geheimnisse Marie Antoinettes und ihrer Hofdamen zur Erhaltung und Erhöhung der Schönheit geerbt zu haben. Ihre Erzeugnisse werden viel gekauft: sie behandelt nicht nur Gesicht, Hände und Hals, sondern stellt alle Arten Seifen, Parfüms, Waschwasser,' Schwämme mit Zauberkraft, Gesichtsmasken, Pasten und endlose Schönheits- mrttel her, die alle „nach Rezepten Marie Antoinettes" gemacht sind. Ein Stück Seife für die Haut, d. h. gewöhn? lrche Seife, kostet 2.50 Mk.; die authentische „Marie Autoi- nette-Seise" kostet 3 Mk. und ein kleines Stück „Beauth- lme"-Seise 2 Mk. Die gewöhnliche Hautseife soll ein durclu aus reines antiseptisches Schönheitsmittel sein, das der Haut Kraft und Schmiegsamkeit giebt, Unreinheiten, schwarze Punkte und andere Fehler, sowie die schlechten Wirkrmgen änderer Serfen, SchöuheitsUrittel oder Puder beseitigt, der HE Farbe giebt und sie weich, geschmeidig und jugendlich durchsichtig macht." Natürliche werden tausende Stück Seife ?".,E?^8Lupcheu Schönen von Paris verkauft. „Schön- heitsbader" kosten in derselben Anstalt 8 Mk. das- Bad sie
™ Körper „wie Sammet, sodaß er eine zauberhafte Wiedergeburt erfährt." Für Leute mit härter Haut giebt es „werch machende Sachets" zu 12 Mk. die Schachtel, für Leute mit fettiger Haut, die leicht Runzeln bildet, „Auti- ruuzel-Sachets", die die Gefichksmuskeln so anregen, daß i)fe Runzeln wie durch einen Zauber verschwinden. Eine teurere Schachtel dieser „Antirunzel-Sachets" verursacht ogar das Schwinden der Runzeln bei „älteren Leuten": ihr Preis steigt,mit dem Alter. Tausende dieser Schachteln werden in Paris, London und anderstvo verkauft, und der Gewinn betragt 50 bis 100 v. H. Sogar für das Baby giebt es schon, alle Arten Sachets. Damit die Haut bei kaltem Und heißem Wetter vorbereitet wird, giebt es ein antiseptisches Toilettenwasser, die kleine Flasche zu 8 Mk. Damit wird das Gesicht im Sommer nnS Winter vor dem Ausgehen eingeriebeu. Tas „Antiermüdungs"-Waschwasser kostet ebensoviel, es verhindert, daß das Gesicht Ermüdung zeigt, und der,„Autirunzel-Creme" verhindert, daß jemals Runzeln erscheinen. Für tiefliegende Runzeln giebt es ein i!i Waschwasser zu 8 Mk., „Beautyliue-Creme" zu
Mk. und , Beautyline-Baudelette" zur Massage für 16 Mk. Aue Flasche Puder für 20 Mk. entfernt überflüssiges Haar, und das Rezept zum „ungarischen Wasser" zu 20 Mk ftammt von der Königin Maria Theresia. Tie Schachtel Lippensalbe kostet 8 Mk.
Tie Liste der kostspieligen anderen Toilettenartikel ist gar nicht aUfzuzähleu. Um dem Gesicht jugendliche Schönheit zu verleihen, nimmt die Schönheitsdoktoriu zu Beginn
^^"Ederfolgende Behandlungen vor. Jede dauert t '2 Stunden, kostet je 28 Mk. in der Anstalt und 40 Mk.
Patientin; dazu kommen noch die dabei ge- brauchteu Schönheitswasser und Präparate. Nach diesen
Behandlungen bewahrt die Kundin ihr frisches neues Gesicht ein uahr laug, wenn sie unter Leitung der Speziu- listin die Behandlung fortsetzt, was etwa 200 Mk. monatlich toftet. Handmassage und viele Parfüms verdoppeln die Summe. Diese Zahlen zeigen, warum die Schönheitsdoktoren in Paris so große Vermögen anhänfen . . .
Vermischtes.
Stilblüten. Im „B. B.-C." finden wir eine hübchse Stilblütensammlung, zu der besonders Theater und Vereine ihre freiwilligen Beiträge beigesteuert haben. Da heißt es: '
„Auf vielfachen Wunsch geht morgen zum letzten Male „Marie, die Tochter des Regiments in Szene".
(Bericht eines Vereins über seinen Festabend).
„Im ersten Teil des Programmes bezeugte ihre Beliebtheit Frau N. vom Hoftheater in Mannheim, desgl. Frau Prof. M., sowie eine junge latent« und tempera«, mentvolle Schauspielerin Fräulein 3E., Schülerin der bekannten dramatischen Lehrerin Frau Z. gefiel besonders durch ihre ernste und heitere Vorträge. Nachdem Herr N. ein selbst verfaßten Prolog gesprochen trat zum ersten Male, ein, aus Mitgliedern des Vereins, unter großen Opfer und Mühe, von dem Dirigenten Herrn I. gegründeter Gesangsverein auf, welcher trotz! feiner erst viermonatlichen Bestehens Vorzügliches leistete, ferner erfreuten sich ihrer Beliebtheit der Thonkünstler Herr A., Herr Violin-Virtuosen B„ der Konzertsänger C, &der Dialektdichter Herr D. Der zweite Teil forderte d en Tanz in s ein e Re cht e, bei der darausfolgenden Kaffeetafel brach auch! der Humor durch!, nachdem der I. Vorsitzende Herr E. die Festteilnehmer begrüßte ivurden die Anwesenden durch die hochgeschätzte und beliebte Frau F. sowie durch die Herren T., ?). und des Kunstpfeifers Z. in sehr fröhlich launiger Stimmung versetzte ufw.
„Er schloß mit einem Hoch auf die freifitnnigen Wähler und das deutsche Vaterland, in w elches die Festversammlung begeistert einstimmte."
„Alle Sehenswürdigkeiten des Rheins werden den Rheinfahrern in erprobter Naturschönhett vor Augen treten."
Das Ballfest des „Schiller-Thaters", das in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag in den Räumen des Neuen Opern-Theaters (Kroll) seine fröhlichenSchwtngen regte, war von einem glänzenden Erfolg begleitet." „Zum Besten des Vereins findet im Bureau des Vereins der Verkauf einer Anzahl der neuen Frauen-Wand- kalender mit den Bildern der Führerinnen statt, die zu diesem Zweck für den ermäßigten Preis von 1.50 Mark pro Exemplar zur Verfügung gestellt sind.
Als im vergangenen Winter ein parlamentarisches Diner beim Reichskanzler stattfand, erbot sich ein Berichterstatter mit folgenden Worten, darüber zu schreiben: „Verehrliche Redaktion! Heute abend bearbeite ich das Essen beim Reichskanzler Graf Bülow. Zur schnelleren Beförderung an die Zeitungen bitte ich Sie, zu veranlassen, daß ein Bote um 11 Uhr abends vor bem' Cafs Käiserhof wartet. Um die angegebene Zeit wartet an dieser Stelle mein Bote, der e s Ihrem Boten ans - händigen wird."
Sinnrätsel.
(Nachdruck verboten.)
Was ist das wohl? Man kann cs geben, Doch spürt man's mehr, wenn man's bekommt. Die Erde giebt's und Felsen stürzen, Doch kommt's auch oft mit Seufzern an.
Es ist von Holz, Papier und Münzen, Es ist von Waren mancherlei;
Doch niemals strebt eS in die Breite, Nein, immer gcht'S zur Höhe nur.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Zahlenrätsels in vor. Nr.r Lord Orden Honolulu Eidam
Not» grenadiex itual
Irene Nitrat
Lohgrin — Telramund.
Redaktion: tzZrt Plato. — Rotationsdruck und Verlag der BrÜbl'schen Uuiversitats-Buch- und Cteindrnckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


