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un snackt, itn de Tid versrriekt —! Wüllst nti vermoorden, falsche Katt?! Geld! Geld! Giv mi Geld!" —
Trina lief die Treppe hinauf in ihre Kammer, raffte ihren ganzen Münzvorrat zusammen und schob ihn dem Harrenden in die Hand.
„Um mich verdient hast du's nich. Aber ich hab' dich 'mal gern gehabt, das! $antt ich nich vergessen. Da! De Slüssel is vun use Boot. De Eschenwirt sien Nam' steiht'r in. ’t findt sik Webber an. Nu lop, lop!"
sFortsetzung folgt.)
Zu Rad durch Korsika.
Nach einem Vortrage in der Sektion Gießen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins.
(Nachdruck verboten.) (Schluß.) '
Am andern Morgen war es angenehm frisch auf der Höhe von Evisa, und flott ging es die Wegwindungen hinab durch den kleinen Wald von immergrünen Eichen, dann wieder bergan durch Kastanienhaine, die teilweise gut gepflegt aussahen. Kleine Züge von störrischen Maultieren, Eseln und unansehnlichen korsischen Pferden, auf denen Mann und Frau gemeinsam sahen, begegneten uns. Wagen sieht man selten im Gebirge, daher ist denn auch der Zustand der Straßen vortrefflich.
Wer Gebirgsfahrten macht, darf sich das Radschieben Nicht verdrießen lassen, und so landeten wir auch! ganz vergnügt auf dem C o l d e S e v i, 1101 Meter hoch. Von dem Pah fällt der Weg so jäh ab, daß selbst unsere bewährtesten Bergfahrer abwärts erst etwa 100 Meter zu Fuß zurücklegten, und das um so lieber, da sich ein reizendes Alpenpanorama vor uns ausbreitete: die Gruppen des Monte Ro- tondo und Mte. d'Ovo schauten mit schneebedeckten Häuptern ins grüne Thal von Vico. Behaglich schnurrten wir von 1100 auf 400 Meter die immer noch recht steile Straße hinab bis Vico. Dann wieder etwa 100 Meter Steigung, und bergab geht es zur Küste. Wir sind in der Sumpf- und Fieberniederung angekommen; große Eukalyptusbäume säumen den Weg und bedecken die Ebene; die gerissene Rinde hängt wie ein zerlumptes Bettelgewand um die Stämme, und die Blätter haben ein lederartiges Aussehen, aber nützlich ist der Baum als Fieberschutz. In S a g o n e, einem unbedeutenden Hafenorte, machen wir Rast; selbst Schenke und Menschen machen den Eindruck der Versumpftheit. Darum schleunigst weiter, und bald liegt die Sumpfregion hinter uns, die Ausläufer des Gebirges, besetzt mit hübschen Dörfern und Häusern, rücken wieder näher. Vor Calcatoggiv schieben wir die Räder ins Gebüsch und halten einen gediegenen Mittagsschlaf. Jenseits des Dorfes winkt wieder einmal ein Col von 415 Meter, genannt San Sebastiano; denn oben steht eine kleine Kirche dieses Heiligen, ihr zur Seite ein sehr ursprüngliches Wirtshaus. Daneben sitzt ein Biedermann, der die Vorüberkommenden anbettelt. So geschah auch uns; zur Strafe schenkten wir ihm den Rest des köstsich!eu Weines, den wir eben beim Wirt erstanden hatten.
Abwärts führt die Straße bald durch eine wohl an- gebaute Landschaft. Orange- und Citronengärten mit ihren goldleuchtenden Früchten, Wasserleitungen, Bahnen und endlich selbst Radfahrer lassen ine Nähe der Stadt Ajaccio erkennen. Am Hasen entlang führt unser Weg, eine ansehnliche Torpedoflottille liegt vor Anker. Am Bahnhof vorüber kommen wir in die Stadt auf breiter Straße mit hohen, kahlen und unsauberen italienischen Häusern; erst am großen Platze mit dem Reiterstandbild Napoleons I. beginnt ihr Aussehen freundlicher uitb wohnlicher zu werden. Hier steht aud), das Hotel de France, das uns für einige Tage aufnehmen soll.
Ajaccio >i'st Winteraufenthalt in der Art wie die Riviera, der südwestliche Stadtteil besteht aus schönen Pensionen und Villen und macht ganz den Eindruck eines guten Kurortes. Von Fremden sind es meist Engländer, neuerdings auch Deutsche, die sich hier aufhalten. Schön rst der Platz am Strande mit dem Denkmal, der einen freien Ausblick aufs Meer gewährt, und die Palmenall-ee, die auch neben unserem Hotel herführt, giebt der in Monte Carlo wenig nach. So faßen wir bald in dem eß eiter Erd e auf dem Fußsteig befindlichen Cafe und belustigten uns an den Streichen einiger Gassenjungen.
Mittwoch war Ruhetag, denn die Fahrt nachj Ajaccio, nahezu 100 Kilometer und dazu eine Steigung auf 1100 Meter, war eine anständige Tagestour gewesen. Wir benutzten die Gelegenheit, ein Bad zu nehmen; die Anstalt wurde von Napoleon III. der Stadt geschenkt; zwar sind die Wannen von Marmor, aber alles übrige ist höchst primitiv. Vor dem Fenster der Badezelle schnattert es in rasendem Tempo, denn mit dem Bade ist die öffentliche Waschanstalt verbunden, und der Sprechmechanismus korsischer Wäscherinnen scheint eine noch höhere Uebersetzung zu haben als der unserer heimischen. Der Besuch der Stadt bot eigentlich wenig Bemerkenswertes. Sobald man sich der Gegend nähert, in toeitler das „Haus der Bonaparte" liegt, heftet sich ein Schwarm junger Korsen an unsere Fersen und erbietet sich, diese Sehenswürdigkeit zu zeigen. Sehr gefallen hat uns, daß, als die Buben anfingen zu betteln, ein älterer Bürger sie wegjagte mit dem Bemerken, sie sollten sich schämen, sie feien Franzosen! Wie anders in Italien! Am Nachmittag folgte ein kleiner Radbummel der Küste entlang nach dem Cap de la Parata Schroff fällt der Felsen des Kaps zum Meer ab, nur durch einen schmalen Weg mit dem Lande verbunden, und vor ihm ragen aus der See ein PaM Pon den Wogen zernagter Fels-i brocken, die Jles sanguinaires. Kap wie Inseln tragen Seezeichen und Leuchtturm; es mag recht nötig sein, denn die Ecke sieht gefährlich genug aus. Das Wetter war trübe geworden, und wir strebten nach der Stadt zurück; aus einem Cafsgarten an der See grüßte eine Kellnerin mit deutschem Zuruf, vergebens, wir fuhren vorüber, denn es drohte Regen. Abends besuchten wir das Konzert. In den drei Cafss trat abwechselnd eine neapolitanische Sängergesellschaft auf. Schmunzelnd schleppten uns oie Kellner, sobald wir erschienen, die großen Vierzehntel-Gläser mit trefflichem Münchener herbei, während die guten Einheimischen das edle Getränk aus einer Art Weingläser genossen. Die Vorstellung ging auf dem Fußsteig der Straße, der vom Cafö eingenommen wurde, vor sich. Es war das übliche Mandoline- und Guitarregeklimper, Ziehharmonika, Santa Lucia usw. Auf deut Fahrdamm stand die liebe Jugend und vergnügte sich; aus ihr ragte würdevoll der Polizeisergeant, in der Hand ein kräftiges Lattenstück; wurde ein Zaungast zu üppig, so setzte es damit seitens des Ordnungswächters ein paar Hiebe.
Der letzte Tag unseres Aufenthaltes sollte zu einem Wagenausflug nach der Punta Pozzo di Borgo benutzt werden. Hoch oben am Berge haben die Grafen Pozzo di Borgo sich einen eigenartigen Palast errichtet; er ist ganz aus Werksteinen der abgebrannten Pariser Tuilerien, genau nach dem alten Vorbild aufgeführt, so daß jetzt ein Stück dieses historischen Baues von dem kovsischen Bergrücken wieder ins Land schaut, rings umgeben von einer weiten Parkanlage mit den mannigfaltigsten Koniferen und Laubbäumen. Von der Höhe über dem Park (780 Meter) hat man eine prächtige Rundsicht über Insel un& Meer. Auf der Heide fanden wir blühende Asphodelospflanzen von höchst unscheinbarem Aussehen und pflückten einige weiße Narzissen, die hier in Menge wuchsen und ungemein stark dufteten. Auch Araber kamen in Sicht, die in der Nähe untergebracht sind.
Der Freitagmorgen sah uns auf der Bahn, um unsere höchste Bergtour auf Korsika anzutreten, zum 1162 Meter hohen Col de Vizzavona, und da das Dampfroß bis zu 900 Meter hinaufsteigt, wollten wir uns soweit das Radschieben ersparen. Etwas sorgenvoll schauten wir durch das Fensterchen ins Freie, es trübte sich immer mehr. Auf einer Station kaufte ich von einer Frau, die mit einem Korbe voll großer, not gesottener Panzerkrebse hausierte, um anderthalb Frauken eine Languste („Hummer ohue Schere") und teilte diese Delikatesse mit dem Professor der Chemie; wir fanden sie von gutem, hummerähnlichem Geschmack. Je höher das Bähnchen kletterte, um so düsterer wurden die Wetteraussichten, und bei Ankunft in Vizzavonä! regnete es ganz gemütlich. Zwei Hotels waren hier oben vorhanden, eines nahe der Station, das andere etliche Kilometer weiter aus der Paßhöhe. Der Wirt des letzteren hielt mit einem kleinen Wagen am Zuge und lud uns in deutscher Sprache ein, mitzufahren; trotzdem trieb uns der Regen unter das nächste Dach> und als einzige Gäste des Hotels Vizzavona kamen wir recht willkommen. Der groß« Speisesaal war unwirtlich kalt, man merkte nichts mehr vom südlichen Klima, das Lesezimmer besaß zwar einen Kamm,


