Ausgabe 
21.7.1902
 
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Mer wöV^.-wls von Seite der Schdadt net fo eilig mittem Fortschaffe "wie Heini. Dene Eiwohner von der Neugaß, die ja in der Mitte sehr dies leit,' warsch Angst un Bang, wanns DHauwetter eitrete dhet, gebs e Jwwerschwemmung. Da hawwese dann e Versammelung in de Mrnberjer Hof eibernfe un hawwe e Kommission gewehlt, die bei dem domolige Bolezeirat Beer vorschdellrg Wern sellt, daß die Schneemasse aus der Neugaß eweck geschafft dhete wern. Ms Schbrecher von dere Kommission hawwese den Schuster Geil proklamiert.

Der Hots aach aägenomine, un ist im annern Morjend mit e paar annern Neugässer Berjer uffs Bolezei-Amt gerickt.

Der Herr Bolezeirat Beer war guder Laune un Hot den Vortrag vom Herr Geil ruhig mit aageheert, uet ohne emal zu lächeln, denn die drollig -Oort von dem redde- gewandte Schuster hotten amtsiert.

Wie dann der Neddner sein Vortrag mit de Worde geschlosse hat:Denkese nor emol, Herr Rat, wanns schnell DHauwetter gewwe dhet, deß llnglick, ganz abgesehe von der Säuerei un dem Dreck", da hat der Herr Rat gesagt: Nun beruhigen Sie sich, meine Herren, ich werd dorfür sorge, daß der Schnee fortgeschafft wird." Da hawwe sich die Berjer bedankt, hawwe ihr Kratzfieß gemacht, un oer Letzte, der die Dhier enauswollt, war der Schuster Geil.

Da hats den Bolezeirat gekitzelt, und er hat dem ihm wohlbekannteRote" nachgerufe:

Na, Herr Geil, was macht denn die Politik?"

Da hat sich der Herr Geil mit Wirde umgedreht un gesagt:

Herr Rat, die Boledick ist mei Sach, un der Dreck in der Neugaß ist Ihne Ihre Sach."

(Aus dem nächstens erscheinenden Quilling'schen Merk­chen:Krethi und Plethi".)

VevMrschtss.

Schmerz- und blutloses Zahnziehen. Die häufigste und dabei nicht am wenigsten gefürchtete aller Opera­tionen, das Zahnziehen, scheint einem neuen und gewiß von vielen ersehnten Fortschritt entgegenzugehen. Der überaus heftige, wenn auch in normalen Fällen vorüber^ gehende Schmerz während des Herausbbechens eines Zahnes wird selbst von den mutigsten Männern als eine recht un­angenehme Zugabe zu ihrem Lebensschicksal betrachtet, und dadurch hat sich das Streben der Zahnheilkunde früh­zeitig auf seine Vermeidung gerichtet. Seitdem der Eng­länder Horace Wells im Jahre 1844 zum erstenmale zur Linderung des Schmerzes beim Zahnziehen Aether zur An­wendung brachte, sind unzählige Mittel zu dem gleichen Zwecke versucht und angepriesen worden. Die beliebtesten sind heute gewisse Betäubungsmittel, wie Lachgas, Cocain, außerdem besonders die Lösung, die von dem bedeutenden Chirurgen Professor Schleich gesunden und nach ihm benannt worden ist. Gegen alle diese Mittel läßt sich einwenden, daß sie teils nicht ohne Gefahr für die Gesundheit, teils in ihrer Wirkung nicht ganz zuverlässig sind. Im besten Falle erzielen sie aber nur die Stillung des augenblicklichen Schmerzgefühls, nicht aber die für Blutarme überaus schäd­lichen Blutungen. Der Berliner Zahnarzt Fritz Möller ist nun aus einen Stoff aufmerksam geworden, der nach den bisherigen Prüfungen zu weit höheren Erwartungen be­rechtigt und vielleicht eine besondere Mission in der Zahn­heilkunde zn erfüllen haben wird. Es ist ein aus den frischen Nebennieren von Kälbern und Rindern gewonnenes Prä­parat, über dessen eigentümliche Eigenschaften Professor Rodenberg kürzlich in der Berliner Larynkologischen Ge­sellschaft folgendes gesagt hat:Auf die Schleimhaut der Nase gebracht, erzeugt das Extrakt eine solche Blutleere, daß jene vollkommen weiß erscheint; auf dieser Blutleere be­ruht wohl auch gleichzeitige Herabsetzung der Empfindlich­keit. Zusammen mit Cocain bewirkt es eine in die Tiefe bis aus den Knochen dringende Unempfindlichkeit gegen Schmerz. Es ist ungefährlich und es scheint auch. keine Ge­wöhnung au das Mittel einzutreten." Diese Schilderung veranlaßte HerrU Möller zu einem Versuch des Mittels beim Zahnziehen, und er konnte alsbald feststellen, daß da­durch die Blutung sofort zum Stillstand kam und der

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Schmerz, der meist nach der! Entfernung des Zähstes zst-" rückbletbt, unmittelbar und bleibend beseitigt wurde. Hesty Möller hat jetzt noch ein besonderes Rezept für die An-, Wendung jenes Mittels bet Zahnoperatronen zusammen-, gestellt ünd erprobt, das er in das Zahnfleisch einspritzt und es damit bis zur Wurze'lfpitze gänzlich blutleer und unempfindlich machst, Fehlschläge find überhaupt nicht zu verzeichnen gewesen. Auch die Heilung der Wunde ist in allen Fällen schnell und ohne jede entzündliche Störung erfolgt. Eine eingehendere Beschpeibüng hat Herr Möller in dem neuesten Heft derzahnärztlichen Rundschau" ge­geben.

Neber die Gefährlichkeit der Dhrfeige. Prof. Haug aus München stellt seine Beobachtungen zusammen, welche er in über 300 Fällen von Ohrperletzungen durch Ohrfeigen machen konnte. Zumeist wird mit der rechten Hand ge­schlagen und dabei die linke Ohrgegend getroffen. Eine Verletzung der Ohren kommt hierbei nur dadurch zustande, daß sich verschiedene Momente vereinen. Denn nicht immer tritt das unglückliche Und ungewollte Resultat einer Ohrst verletzung ein. Es sind auch, nicht die heftigsten Schläge, welche die ungeahnte Rückwirkung Hervorrufen. Vor allem gehört einmal dazu, daß durch die schlagende Hand ein luftdichter Abschluß des Gehörganges!, und zwar nstr für eine Sekunde erfolgt. Es genügt dabei, daß sich nur ein Finger aus den Gehörgangseingang legt. Die im Gehörs gang befindliche Luftsäule erfährt dadurch eine plötzliche Volstmensänderung und wird komprimiert. Da die so kom­primierte Luft sich, wieder auszudehnen sucht und nach außen durch den verschließenden Finger am Entweichen gehindert wird, so wirkt sie auf das Trommelfell und die Gehörknöchel­chen ein. Es kann also einmal das Trommelfell einreißen oder aber die Gehörknöchelchen in eine starke Schwankung versetzt werden und so der Gehörnerv selbst in Mitleiden­schaft gezogen werden. Es können daraus schwere und dauernde Störungen entstehen. Außer diesem Hauptmoment kann aber auch, die Erschütterung, welche der Schädel durch den Schlag erleidet, einen schädigenden Faktor darstellen., Auch die plötzliche Ueberraschung spielt dabei eine Rolle. Wir haben im Ohr einen Muskel, den Drömmelfellspanner, welcher das Trommelfell spannt und somit vor Läsionen schützt, wenn wir vorbereitet sind, daß eine stärkere Schall­einwirkung unser Ohr treffen wird; dieser Schutz fällt bei Ueberraschungen weg. Schließlich muß aber betont werden, daß die der Gewalteinwirkung zum Opfer fallenden Trom­melfelle oder Gehörorgane sehr häufig schon vorher nicht ganz normal waren; denn die Widerstandsfähigkeit des Trommelfelles ist ziemlich groß, sie beträgt 1 und drei Viertel Atmosphären Druck, ehe das Trommelfell einreißt. Natürlich giebt die vorherige Erkrankung des Ohres für den Thäter keine mildernden Umstände ab.

Visitenkarten sind Bequem Und oft im Leben angenehm. Wer danken will, schreib drauf p. r. Das heißt zu deutsch: Ich danke sehr. Willst ferner sagen Du adieu, So schreibst Du einfach p. p. c. Bringst einen Fremden Du iitS Haus, So drückst Du durch p. p. es aus. Thut Dir das Leid des andern weh, Schreibst auf die Karte du p. c. Der Glückwunsch, was er auch betreff', Er lautet einfach nur p. f.

Und in der Kart ein Eselsohr Bedeutet: Ich sprach selber vor.

Geheimschrift.

(Nachdruck verboten.) 'Wnnrngsdglcknhlln ghtsmrdrchdnsnn Dsswrnchllwlln zrwgnhmthin Glcklchwrllzt drrdschntrngt Ndhmtsldrsngt vnjnrhrrlchkt.

Vorstehende Buchstabenreihen sind in Gruppen zu zerlegen, die sich durch Einfügung passender Vokale zn sinngemäßen Wörtern bilden kaffen. (Auflösung in nächster Nmnmex.)

Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.r Guter Trunk macht Alte jung.

Redaktion: Curt Plato. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.