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wollten, brachte er sie bald zum Schweigen, indem er sie hart anfnhr:Arbeit sei kein Spaß, sondern Ernst, und sie seien nicht zum Spaßen da. Ebenso gab er die Kaffee­bohnen selbst heraus, und alles, was für den täglichen Bedarf nötig war . Was kümmerte es ihn, ob jemand es unter seiner Würde fand? Er fand es vielmehr unter- feiner Würde, sich betrügen oder benachteiligen zu lassen. Er ging selbst auf den Kornboden, gab das Pferdefutter her, wohute der Fütterung bei, und eigenhändig maß er die gemolkene Milch mit dem Liter und sahnte die Milch im Keller ab. Doch weil er nicht überall zu gleicher Zeit sein konnte, suchte er mit scharfem Blick unter den Leuten diejenigen aus, die am geeignetsten waren, die leer gewor­denen Beamtenposten so gut es ging, auszufüllen.

Tie Schäferfrau wurde zur Haushälterin gemacht, und einer der tüchtigsten Tagelöhner mußte den Aufseherpoften übernehmen. Er selbst ließ für sich nicht kochen, sondern aus dem Leutekessel, genau was seine Arbeiter aßen. Von Tagesgrauen bis zum Dunkelwerden und oft bis in die Nacht hinein war er angestrengt thätig. Es war eine Riesen­arbeit, die gänzlich verlotterte Wirtschaft in einen anderen Gang zu bringen.

Das ganze Haus- und Hofpersonal, ebenso wie die Tage­löhner, ivar an einen gemütlichen Schlendrian gewöhnt unb an eine äußerst nachsichtige, pietätvolle Behandlung. Er stieß überall auf Unfähigkeit oder auf Empörung gegen sein scharfes Regiment. Das beirrte ihn jedoch nicht im geringsten, mit unerbittlicher Rücksichtslosigkeit beseitigte er die Unfähigen, und mit noch unerbittlicherer Strenge Und eiserner Cmergie begegnete er den Widersetzlichen.

Unter, der pietätvollen Herrschaft der Veltens war das Gut fast zu einer Versorgungsianstalt für Invaliden und Altersschwache geworden. Ausgediente Pferde und Hunde bekamen das Gnadenbrot, nnd ebenso ausgediente oder kranke Beamte und Arbeiter. Lehmigke kannte solche sentimentale Rücksichten nickst. Jedes nicht leistungsfähige Stück Vieh wurde sofort erschossen oder dem Abdecker oder Schächter verkauft. Und jeder nicht leistungsfähige Mensch ivurde entlassen oder, im Fall er auf Versorgung Anspruch hatte, dem Armen- oder Krankenhaus überwiesen. Tas gab viel Jammer und Wehklagen in Brantikow und viel Seufzen und Weinen um die alte, verlorene Herrschaft. Aber jede Petition, die daran erinnerte, wie es früher Sitte bei Veltens gewesen war, und daraufhin Ansprüche geltend machte, schien des neuen Gutsherrn Herz förmlich zu ver- steiueru. Seine stete Antwort blieb:Ein Grund mehr, den Mißbrauch abzuschaffen, denn das Beispiel lehrt, wohin solche Schwäche führt."

(Fortsetzung folgt.)

Die Kassette.

[ Humoreske von H. L. L e g r a n d.

Autorisierte Uebersetzuug aus dem Französischen von

A. Hei m.

(Nachdruck verboten.)

An einem sonnigen Maitag, so gegen 2 Uhr nachmittags, trat eine sehr elegante junge Frau in das größte Juwelier--- geschäft derRue de la Paix" in Paris.

Höchstwahrscheinlich", so ivandte sie sich mit einem freundlichen Lächeln an den Besitzer des Geschäfts, der mit feinen Angestellten im Laden beschäftigt war,höchst­wahrscheinlich ist mein Name Ihnen nicht unbekannt: Ich bin Madame Delprat."

Tas war der Name des berühmtesten Irrenarztes in Paris.

Der Juwelier verbeugte sich.

Mein Gatte", fuhr die Dame fort,will mir zu meinem Geburtstag ein Perlencollier schenken. Ich habe gleich an Sie gedacht, Tenn ich glaube mich nicht in der Annahme zu irren, daß das herrliche Collier, ivelches meine Freundin, die Gräfin von Martinet, diesen Winter trug, von Ihnen stammt?"

Ter Juwelier verbeugte sich wieder. Ein süßliches Lächeln umspielte beständig seinen Mund, der von wenigen rötlichen Barthaaren kaum beschattet wurde. Erstens war er gegen das Kompliment nicht unempfindlich, und dann machte es ihm eine diebische Freude, seinem Kollegen Mon­tana eine solche Kundin fortgustibitzen. Er wußte gar wohl, daß Montann bisher der Lieferant der schönen

Frau Delprat, der Gattin des berühmten Irrenarztes, ge­wesen ivar.

Die Verkäufer legten in größtem Schweigen mehrere^ Colliers auf eine rote Sawmetdecke.

Frau Delprat machte ein Zeichen, daß das eine oder andere gleich wieder fortgenommen werden sollte, und ließ nur die kostbarsten vor sich liegen; darauf zog sie eine Sni-guette mit langem, goldgeschmücktem Schildpattstil aus einem kleinen Spitzenmuff und begann langsam mit Kenner­blick die einzelnen Stücke zu prüfen.

Frau Delprat war ivirklich eine Schönheit, und der Juwelier ivar mit Recht erfreut bei dem Anblick der eleganten Frau, die da vor ihm den wertvollsten Gegen­stand all seiner Kostbarkeiten aussuchte, um sich damit zn schmücken.

Sie hatte duftig-blondes Haar, das in graziösen Löck­chen in die alabasterweiße Stirn fiel, und die großen Augen, die bei hellem Tageslicht dunkelblau waren, erschienen in dem Halbdunkel des Ladens fast schwarz.

Keine Spur von Puder Puder wäre sür den zarten Flaum, den die Natur auf &e Wangen gelegt, eine Krän­kung gewesen nur auf den Lippen ein ganz klein wenig Rot, ein starkes, aber sehr feines Parfüm, eine höchst ele­gante, aber doch einfache Toilette, die den graziösen Körper umspannte, kurz und gut: Frau Delprat konnte mit Recht als die schönste undchikeste" Frau der Welt gelten.

So dachte wenigstens der Juwelier, und er richtete sein Verhalten danach. Er kannte fein Geschäft aus dem ff.

Dieses Collier, meine Gnädigste, ist wunderbar! Ich habe drei Jahre gesucht, um die beiden Perlen von gleicher Größe zu finden. ' Und sehen Sie nur einmal, wie dieselben die Mittelperle einschließen."

Frau Delprat war entzückt!

Ich muß allerdings bemerken", fuhr der Juwelier fort,daß der Barou Arthur von C . . . . sehr auf dieses Collier reflektiert."

Mit dieser Bemerkung übertrieb der Juwelier übrigens, denn der Baron hatte sich im Vorbeigehen den Schmuck nur einmal zeigen lassen.

Tie Verkäufer stießen fich heimlich an und blickten sich verständnisvoll au: per Chef verstand den Rummel, denn er war ein ganz gerissener Fuchs!

Wieviel?" fragte Frau Delprat nachlässig.

25 OOO .... und das wäre der äußerste Preis, meine Gnädigste, wenn Sie sich gleich entschließen würden . . . denn den: Herrn Baron, der morgen wiederkommen will, habe ich 28 000 als Kaufpreis genannt."

Frau Delprat machte eine kleine schmollende Bewegung des Mundes, wie eine Frau, die sich klar macht, daß ihre Launen doch ein bischen kostspielig sind.

Sie schob das Collier zu 25 000 mit der Hand beiseite und besah burch ihre Lorgnette ein anderes.

Ter Juwelier begann wieder:

Dieses Halsband ist wunderbar!"

Es war immer dieselbe Redensart, nur die Betonung, in der sie gesprochen wurde, machte den Unterschied aus.

Ich nehme doch das erste", 'erklärte Frau Delprat; können Sie es mir bringen lassen?"

Aber selbstverständlich, gnädige Frau!"

Ich möchte es meinem Manne zeigen. Wollen Sie es einem Ihrer Herren übergeben, der dann mit mir kom­men kann? Vielleicht können Sie sogar das zu 25 000 mit den beiden anderen zu 18 000 und 12000 in eine Kassette legen lassen; die gefielen mir auch, und mein Mann kann bann selbst wählen und bestimmen."

Aber selbstverständlich, gnädige Frau!"

Mein Wagen wartet vor der Thür, wir können gleich fahren."

Es geschah, wie Frau Delprat es gewünscht hatte, und einer der Verkäufer stieg mit ihr in den Wagen. Auf seinen Knieen hielt er die kleine Kassette mit den Schmncksachen.

II.

Die Anstalt des Doktors Delprat befindet sich in Passh. Von der Straße aus sieht man durch das Gitter in einen großen, schattigen Garten, nnd im Hintergrund erblickt man ein Gartenhaus. Dieses Gartenhaus bewohnt der Arzt; zu ebener Erde liegt ein elegantes Arbeitszimmer, das nur kostbaren Teppichen dekoriert ist. Das Gartenhaus steht durch einen langen, verdeckten Gang mit dem Gebäude trt Verbindung, wo die unglücklichen Pflegebefohlenen deA Arztes Mtergebracht sind..'