Savage Island" liegt 1000 Meilen nordnordöstlich von Neuseeland und 300 Meilen südsüdöstltch von Samoa im Stillen Ozean. Seine felsige Küste lockt die Schiffe nicht zum Anlegen. Selten kommen große Viermaster auf boher See vorbei, noch seltener Schooner, um den Händlern neuen Vorrat zu bringen. Die Bedeutung von Niue wurde erst erkannt, als Deutschland seine Pflanzungen in Samoa begann. Die polynesischen Rassen sind leichtsinnige und bequeme Leute, die ihre Heimat zu sehr lieben, um zu reisen, und die zu indolent sind, um stetig zu arbeiten. Die Bewohner von Niuä zeigen dagegen einen etwas anderen Charakter. Sie allein widersetzten sich der Landung der Europäer, sie gehen gern als Arbeiter weit von der Heimat fort, und arbeiten auch zu Hause und in der Fremde gern. Keine andere Jnsulanerrasse hat einen so entwickelten Instinkt für den Handel. Bei einem Ritt durch die Insel bemerkte Thomson, daß auf der Seeseite der Weg mit Gräbern bedeckt war. Da gab es längliche Steingrabhügel mit einem weißen Grabstein aus Steinmörtel und gewölbte, mit der Kelle aufgeworfene Gräber, mit dem Namen des Verstorbenen in unregelmäßig geformten, sechs Zoll langen Buchstaben in Basrelief. Die Sitte, die Toten zu begraben, ist von den Missionaren eingeführt, denn früher legten die Niusaner entweder ihre Toten in Kanoes und ließen sie ins Meer treiben, oder sie legten den Leich- nanr im Busch auf eine Plattform von Steinen, bedeckten ihn mit Hiapo (Stoff aus Feigenbaumbast) und legten später die Knochen in eine Höhle. Während der Leichnam dort lag, wurde am neunten Tage eine Art Wache gehalten und in Zwischenräumen bis zum hundertsten Tage wiederholt, und der Leichnam häufig gewaschen. Der König und die Königin von Nius sind in der Kunst der Diplomatie und in der Beobachtung gewisser Regeln der Konvention noch durchaus nicht bewandert. Dies zeigt die folgende hübsche Geschichte, die Thomson erzählt. Einst besuchten sie das englische Kriegsschiff Porpoise. Sie trafen pünktlich ein, aber als das Boot sich dem Schiff näherte, begann die Königin nach einer geflüsterten Unterhaltung mit ihrem Gemahl, sich die Stiefel auszuziehen. Damit war sie noch beschäftigt, als das Boot schon lange längsseits des Fallreeps lag und neugierige Blicke aus dem Schiff sich auf das exottsche Königspaar richteten; aber der Matrose am Fuß der Leiter wahrte eine bewunderungswürdige Haltung. Dann ging die Königin in Strümpfen die Stufen hinauf, und der Matrose folgte ernst mit den königlichen Stiefeln, als wenn sie Ehrenabzeichen wären, unter der unterdrückten Heiterkeit der Schiffsinsassen, die zum Empfang der königlichen Gesellschaft aufgestellt waren. Nichts schien bei der Besichtigung des Schiffes Eindruck auf den König zu machen, weder die großen Sechszöller, noch die kleinen Dreipfünder, nur der Navigationsraum begeisterte ihn. Ec erklärte, das wäre die schönste „Küche" (!), die er je gesehen, und ließ sich auch vom Dolmetscher keines Besseren belehren. Beim Abschied wollte er dem Kapitän einen Dollar als Trinkgeld g eben, und es gelang dem Dolmetscher nur mit größter Mühe, ihn davon abzubringen. Ein Dollar nämlich war in des Königs Augen schon ein ungeheuer kostbarer Gegenstand, und daß ein Weißer ein so fürstliches Trinkgeld ablehnte, wollte ihm gar nicht in den Kopf. . . Die Bewohner von Nius haben eine Schöpfungssage, die der der Maori ähnelt. Im Anfang lag Langi, der Himmel, in den Umarmungen seiner Gattin, der Erde. Die Sprößlinge, die ihnen geboren waren, lagen in ewiger Nacht, weil Langi ihre Mutter nicht verlassen wollte. So berieten sie dann, wie dem abgeholfen werden könnte. Einige wollten beide Eltern töten, andere wollten sie nur gewaltsam trennen, aber der Vater sollte zum Schutz über ihnen bleiben und die Mutter sie nähren. So geschah es- Mit aller Macht rissen sie das Elternpaar auseinander und ließen nicht ab, bis der Himmel weit über sie gesetzt war, und Licht und Luft sich ergoß Seit der Zeit fallen die Thränen Langis auf seine Braut, und im Sommer erschreckt seine laute Klage die Ohren der Menschen. . . . Die Bewohner der Tonga-Inseln zeichnen sich durch ein merkwürdiges Schönheitsideal aus, das von dem unfern recht verschieden ist. Nur die korpulenten Frauen nämlich gelten als schön; der Hals muß kurz sein, und eine Taille ist gar der Gipfel der Geschmacklosigkeit. Hat die Natur die Frauen doch mit diesem Mangel bedacht, so müssen sie
Redaktion: LV.: R.Dittmann. —
ihn mit Stoffen verkleiden oder werden in den Straßen Nukualofos beschimpft. Büste, Hüsten und Oberschenkel müssen kolossal sein. Die Frau, die alle diese Vollkommen« heiten besitzt, wird für ladhlike und elegant gehalten, und auf ihre Nase kommt es nicht an.
Gemeinnütziges.
Wirklich rationelle Düngung unserer O b st b ä u m e. Die wirklich richtige Düngung unserer Obst< bäume liegt noch sehr im Argen. Ist es da zu verwundern, wenn wir noch immer nicht mit den Ernten zufrieden sind? Wer die richtige Düngung wirkt nicht allein auf die Fruchtbarkeit unserer Obstbäume. Sie wirkt ebenso sehr auf die Gesundheit und auf die Widerstandsfähigkeit derselben gegen Pilz und Ungeziefer. Jeder Obstbaumbesitzer muh deshalb wissen, wie er richtig zu düngen hat. In einem Artikel: „Ein Signal für den ganzen Obstbau" betitelt, finden wir in Nr. 4 des „Erfurter Führer im Gartenbau" die richtige Düngung der Obstbäume auf das eingehendste beschrieben. Da wir voraussetzen, daß dieser Artikel jeden Obstfreund interessiert, teilen wir mit, daß unseren Abonnenten die Nummer kostenfrei zugeschickt wird, sobald sie dieselbe mittels Postkarte vom Geschäftsamt des „Erfurter Führers", Erfurt, verlangen.
Ist der Anbau des Rhabarbers rentabel? Die Frage, schreibt der „Praktische Wegweiser", Wüchburg^ kann sowohl mit „Ja" als mit „Nein" beantwortet werden. Maßgebend sind die Wsatzverhältnisse nud die Marktpreise. Wer Rhabarber zu bauen beabsichtigt und dabei auf deni Verkauf rechnet ,muß sich vor allem über das Angebot, die Nachfrage, den Marktpreis, die Transportverhältnissck und Unkosten unterrichten und damit rechnen. Der Glaube, daß gerdae die Großstädte sichere Abnehmer sind, ist ein sehr irriger. Hier ist manchmal das Angebot so groß, daß Nebenfluß vorhanden ist und der Marktpreis unaufhaltsam unter die Produktionskosten sinkt. Man muß mit den Händlerpreisen rechnen und nicht mit dem Verkaufspreis der Verkaufsstellen, die an die Privatkundschaft verkaufen. Das gilt für alle Gemüsearten. Die Rentabilität des Gemüsebaues läßt sich am besten mit folgender Anweisung bestimmen: ,Komme mit Deinem Gemüse auf den Markt, wenn andere es noch nicht oder nicht mehr haben, dann kannst Du den Preis bestimmen!" S.
In der rationellen Küche ist man längst davon abgekommen, das Suppenfleisch stark auszukochen, um eine gute Fleischbrühe zu erzielen. Durch das Auskochen wird dem Fleisch der toertvollste Bestandteil, das Eiweiß, entzogen. Jetzt legt man das Fleischstück nicht mehr in kaltes!, sondern gleich in kochendes Wasser; dadurch wird die Auslaugung des Fleisches verhindert, und das Stück bleibt saftig. In die Fleischbrühe gelangt so allerdings nur ein Teil der geschmackgebendeu Stoffe des Fleisches; erstere fällt deshalb naturgemäß etwas schwächer aus. Eine geringe — nach dem Anrichten beigefügte — Menge der altbewährten Maggi-Würze macht die Brühe augenblicklich überraschend gut und kräftig im Geschmack. So erhält man nicht nur eine vorzügliche Suppe, sondern auch eine nahrhafte Genuß-Platte.
Charade.
(Nachdruck verboten.)
Die ersten zwei, vom Licht geboren, Sind doch dem Lichte abgeneigt; Das Dritte stört ein Ganzes immer, Ob es sich nun im Kleide zeigt, Ob im Papier, das wir benützen. Ob in den Mauern, die nns schützen. Im Ganzen, das mir wohlgefällt, Sah ch mein Liebchen dargestcllt.
Auflösung des Festrätsels in vor. Nr.: Pfingsten (Pfeile, Ganges, lassen).
Auflösung des Abstrichrätsels in vor. Nr.r Frohe P fing st en.
(Nitz, Band, Stern, Essen, Gier, Osten, Eile, Bleche, Mai, Abel, Ei, Saar, gering, Rad.)
Auflösung des Ergänzungsrätsels in vor. Nr.: Pfait, Wind, Singst, Treu Wein, Rose.
Pfingstreise.
Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schcn Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


