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Blick sich! traf mit dem jammervollen des tapfer« Junkers! und daß in ihren beiden Herzen die Liebe schnell angezündet wurde, also, daß sie plötzlich errötete bis fast hinter die Ohren, worüber der Mtgesell einen ernsthaften Witz machte, welchem sie jedoch kecklich antwortete; denn dem weiblichen Geschlecht ist gegeben, immer seines Geistes gegenwärtig zu sein.
Derart ward der Junker in ein fest Gefängnis gebracht, und man gab ihm nichts zu essen, denn des Morgens eine Mehlsuppe und zu Mittag ein Stiick schieres Brot, und zu trinken einen Becher säuern Weins, welches ihm freilich nicht ungewohnt !var, denn er war bei karger Kost gesund und kräftig aufgewachsen, wo die reichen Stadtherren bei Braten und Gemüs, und Süßigkeiten aufgeblasen werden und tveißes Fleische kriegen, das schlapp ist. Mer alsbald traten die gottlosen Bürger zum Gericht zusammen, und indem er nicht leugnen konnte, daß er auf der Landstraße gelegen hatte mit seinen Kumpanen, so verurteilten sie ihn zum Strang, und sollte das Gericht gleich den andern Tag vollzogen werden.
Als die fromme Ursula, denn so hieß die Tochter des Färbermeisters, das vernommen hatte, weil ihr Vater nach Hause kam, und viele lästerliche Reden führte wider den Adel, ward sie herzlich betrübt, ging zu ihrer Muhme, weinte und sprach: „Liebe Muhme, wenn sie den Junker- Heinz zu Tode führen, so will ich ins Wasser gehen und mich ersäufen, denn ich babe ihn lieb, und- wenn er am Leben bliebe, so wollte ich ihm wohl nachlaufen, wenn ich ihn nicht anders kriegen könnte, denn er ist ein Junker Und ich eines Färbermeisters Tochter. Mer lieber wäre es mir, ivenn ich! ihn heiraten könnte, und wir lebten ehrbar zusammen und zögen unsere Kinder rechtlich auf zum Handwerk." Ueber drese Rede war die Muhme herzlich erschrocken, und strafte sie erst über solche leichtfertigen Morte, aber nachher Hub sie auch an zu weinen, und saßen die beiden Weiblein im Oberstübchen auf einer Truhe, in welcher Aepfel lagen noch vom vorigen Jahre her, welche schön rochen, sie lagen aber zwischen der Wäsche, und es M ihnen die Thränen über die Backen, daß ihre Kleider naß wurden. Und die Muhme wollte die gutherzige Jungfrau trösten und gab ihr einen Apfel, welcher so frisch war, als wie eben vom Baum genommen, und die Jungfrau aß. Und dann redete die Muhme folgendermaßen: „Es ist eine alte Sitte hier, wenn ein armer Sünder hier zum Richtplatz geführt wird und steht unter dem Galgen, und eine reine Jungfrau, eines ehrlichen Bürgers Tochter, tritt vor und spricht: diesen will ich ehelichen, so ist der Mann seiner Schuld ledig und kann ihm nichts fürder geschehen, wenn er die Jungfrau ehelicht; aber es bedenkt sich wohl manche, Galgenfleisch zu kaufen, unb ich weiß auch nicht, ob es gut thut."
Ueber dieses wurde die Jungfrau recht froh, und sie beschloß bei sich-, also zu handeln; denn sie dachte, wenn er and} adeliger Herkunft wäre, so möchte er doch lieber ein wohlgewachsenes und nicht unbemitteltes Jungfräulein heiraten, auch wenn sie nicht seines Standes wäre, wie mit des Seilers Töchterlein den Tanz wagen, zu dem der Wind aufspielt. Und bann überlegte sie, wenn er auch später von ihr als einer Unebenbürtigen wegliefe, so hätte sie ihn doch von einem schimpflichen Tod gerettet, und er werde auch dann gewiß immer ein dankbares Herz für sie haben, womit sie sich begnügen wollte; aber sie hoffte bet sich, sie wollte ihn schon so lieb haben, daß er immer bei ihr bliebe, aus freien Stücken, weil es ihm so gut bei ihr gefiele.
Und so zogen nun am andern Morgen in der Frühe die Gewappneten aus nach dem Galgenberge, und hatten den jungen Herrn zwischen sich-, welchem sie die Hände kreuzweise gebunden hatten, und ein Priester tröstete ihn Und sprach: „Kurzer Tod, seliger Tod" und folgte viel Volkes hinterher. Und als sie unter dem Galgen standen, legte der Meister ihm den Strick um den Hals, zog seine Kappe ab bat ihn, er möchte ihm verzeihen, weil er nur thue, was seines Amtes Schuldigkeit setz und der Knabe antwortete: „Möchte ich doch lieber der Henker sein und mich meines lieben Lebens freuen, wie so jung sterben, da mir nichts fehlet, und ich alle Glieder wohl gewachsen habe; aber wenn es denn so ist, so befehle ich Gott meine arme Seele und hoffe, er werde in Barm
herzigkeit fahren mit mir." Und als er dW gesagt hatte und alle Leute still schwiegen und ihre Kappen abnahmen und beteten für den unschuldigen Jüngling, daß Gott seiner Seele gnädig sein möge, trat die Jungfrau hervor; und wiewohl sie ganz blaß war, und ihre Aeuglein vor Scham niederschlug, sprach sie doch mit fester Stimme: „Lieben Mitbürger, ihr kennt mich-, daß ich eines ehrlichen Bürgers Tochter bin, und eine ehrbare Jungfrau, und weil es ein altes Recht ist, daß eine solche einen armen Sünder vom Tode frei machen kann, wenn sie ihn ehelichen tvill, so frage ich hiermit den Junker Heinz, ob! er mich als sein rechtmäßiges Eh-egemahl erkennen will."
Dem Jüngling war nicht anders; als habe ein Engel vom Himmel geredet, und er hätte wohl auch einer Alten und Häßlichen erwidert: „Ja", und wiewohl er in seiner großen Angst zuerst gar nicht das Mägdlein erkannte,! welches ihn so liebreich angeblickt hatte auf seinem bösen Wege und hatte ihm damals der Liebesgott seinen Pseil ins Herz geschossen, so sah er doch nunmehr, wer sie war und freute sich über sein ganzes Gesicht und sagte aus vollem Herzen, er wolle Wohl, wenn das wirklich- altes! Recht sei, und die G. und G. Herren vom Ratregiment wollten es ihm lassen zu gute kommen.
Es entstand nun ein großes Rumoren in dem umsteh enden Volk, denn der Vater des tap-fern Maidleins war recht ungehalten, welch-er gedacht hatte, sie solle den Altgesellen h-eiraten, welcher guter Leute Kind war, ein Leipziger, und geschickter Manu m seinem Fach, wiewohl ein wenig gnatzig und trug auch eine Perrücken, tu eit er fein gewachsenes Haar verloren hatte in einem bösen Fieber, und am Sonntag eine kohlschwarze, aber an bett' Werkeltagen eine fuchsige, weil ihr bie Farbe austzegcmgett. war. Gab also der Vater dem Maidlein einen Backeu- treich und verwies ihr zornig ihr Vorhaben. Kamen aber >ie andern Ratsherren, welche ihm lange neideten, weil ie vornehm waren, und er war von den Handwerksmeistern abgeordnet, und redete viel gegen sie in der Ratsversammlung; diese freuten sich über den Vorfall, denn sie hielten es für einen guten Schabernack, daß er solchen Schwiegersohn bekäme, der ihm nichts nützen konnte in: seiner Hantierung, meinten auch, dann würde er sich fürder nicht so viel nms gemeine Wesen kümmern; sprachen also viel auf ihn ein und bewiesen ihm aus den alten Gesetzen, daß er das Maidlein nicht hindern dürfe an solcher Gutthat, und kam der Priester hinzu und fagte,: daß er sie gleich einander geben müßte unter dem Galgen^ und müßte das Maidlein den Strick halten, der um des Junkers Hals gelegt war; und das Jungfräulein meinte wohl klare Thränen über den Backenstreich-, und weil es sich- arg schämte, denn die Herren lachten und- ihr Vater machte ein böses Gesicht, blieb! aber fest bei seinem Vor-, haben. Also gab ihm der Bürgermeister, welcher ein gut alt Mann war, den Strick in bie Hand und der Priester traute bie b eiben unter dem Galgen, und der Bürger-: meister zog feine Börse und reichte dem Mägdlein eine schöne alte Goldmünze zur Verehrung, und streichelte ihm den Kops und lobte es sehr, den Junker aber vermahnte er auss Ernstlichste, daß er solche Frau Hochhalten und lieben solle; welches nicht wäre nötig geweseii, denn schon hatten Liebe und Dankbarkeit ihre Hütten ausgeschlagen in dem ebeltt Herzen dieses Knaben
(Schluß folgt.)
Fiillriitsel. (Nachdruck verboten.)
1. Blume.
2. Tropische Pflanze.
3. Jüdischer Titel.
4. Altes Heldengedicht.
5. Schlingpflanze.
In die Felder vorstehender Figur stnd die Buchstaben AAAAA, BB, EEE, JJJJ, LLL, M, N, P, BR, 88, T derart einzutragen, daß die wagerechten Reihen Wörter von der beigefügten Bedeutung bilden, und die durch schwarze Felder bezeichnete erste und letzte senkrechte Reihe einen Teil des Jahres und ein Verkehrsmittel bezeichnen.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Redaktion: I. B.: R. Dittmann. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Uuiversttäts-Buch« und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


