Ausgabe 
21.4.1902
 
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ihr das Blut

Döie erzählte in verlegen scherzhaftem Ton, daß er ferne Braut mit Sturm erobert, dasFräulein" verdrängt und Helene" an deren Stelle gesetzt habe.

Tas ist recht! Ja, Helene ist glücklicherweise aber da ist doch kein Grund vorhanden, rot zu werden ich

Er saß einige Sekunden schweigend da und sah ste an, dann legte er ihr die Hand auf den Arm. , .

Helene, was bedrückt Sie so sehr? Sagen Sie es mit - Wir sind ja allein, und Sie können sich auf mrch verlassen! Mcht wahr?"

Ich will alles thun, was in meiner Macht steht, UM Ihnen zu helfen, wenn es etwas ist, wober rch ^hnen helfen

waren"

Sie zuckte plötzlich zusammen. Auf dem Tische wurde eine Schachfigur hart niedergesetzt, und nun richtete sich ihr Vater mit einem Siegeslächeln auf und schaute voller Stolz auf den Gegner herab, der sich hülflos zwischen toten Pferoen und gefallenen Türmen wand.

Ein harter Kampf!" murmelte er vor sich hin. End­lich erhob er sich und humpelte in den Garten hinter dem Hause, wo einige durstige Astern seiner grünen Gießkanne harrten.

Tag für Tag erschlafft das' allgemeine Sittlichkerts- aefühl, die altenidiotischen Vorurteils, die ftüher mit dem Band der Verlobung und der Ehe verknüpft waren, werden verhöhnt und zerrissen, Wortbruch und Unzucht gehören zur Tages"

Er ergriff ihre Hand und fühlte, wie ihr das Blut rni den Adern pochte.

Sagen Sie es mir l" '

Plötzlich beugte er sich zu ihr hinüber. ,

Liebe Helene, haben Sie kein Vertrauen M mir? Wenn Sie wüßten, wie von Herzen gern ich alles, alles für Sie! ebnen möchte!"

Weiß und starr sah sie zur Seite, nicht im staube, sich zu rühren. Das Herz schlug ihr mit dumpfen Schlägen gegen die Brustwand, und die Angst preßte ihr die Kehle zusammen!.

ich würde Nutzen schaffen, sowohl im Walde als auch bei den Leuten. Und dann würden Sie mich mcht los, Helene l Ich käme dann zu Ihnen und machte mich wichtig mit meinen Vorlesungen."

Sie lächelte gezwungen. . ± r

Ich habe mich in den letzten Tagen im Garten be- sckäftigt, mit den Rosen und den Bäumen. Es ist rm Grunde eine schöne Beschäftigung, Ranken aufzubinden und.junge Bäume mit liebender Sorgfalt zu pflegen, baßsieindie Höhe schießen und mit erhobenen Kopsen die Welt über­schauen können." t. ,,, ,,, ,,, ,

Wer es giebt Ranken, die sich Nicht aufbinden lassen,-

Von draußen her erschallten rasche Fußtritte und trieben das Blut in die Wangen.

Cie sitzen hier ganz allein?"

Ja, Vater ging soeben hinaus."

Wie warnl Sie sind! Es ist aber auch eine entsetze wollte gerade sagen,"Tu seiest glücklicherweise keine spröde I liche Hitze einundzwanzig Grad im Schatten!" Schöne' Offen gestanden, finde ich, ihr solltet noch einen I Er fächelte ihr mit einem großen Klettenblatt er> Schritt weiter gehen und gleich Brüderschaft machen." frischende Kühlung zu.

Helene verlieh das Zinimer. IWunderbar ist es aber", fuhr er fort, auf einem Stuhl

Als Böje am Abend in seine Kammer hinaufkam, ging nehme,! ihr Platz nehmend,wie ich Mich von Tag zu Tag er lange auf und nieder und sagte mehrmals laut vor I erhole. Wie herrlich ist es doch hier in Holmstrup!" sich hin:Helene, liebe Helene", wie um zu hören, wie j eie sah ihn warm an, senkte aber den Blick sofort Das klingen würde, wenn er sich morgen neben sie setzte | wieder und fing eifrig an zu nähen.

und seine Unterhaltung mit ihr über das Thema:Die 1Sie müssen auch fröhlich und heiter sein, Helene! Töne in der Natur" fortsetzte. I Sehen Sie mich nun einmal an und hören Sie einmal^

Eines Nachmittags im August saß der alte Redakteur I was ich Ihnen zu sagen habe."

Rabe auf seinem harten Sofa und grübelte mit zusammen-Ja, aber ich muß fleißig fein!"

gezogenen Brauen über seinem Schachbrett. IAch was! Legen Sre Ihre Arbeit einen Augenblick

Ueber eine Stunde hatte er mit einem fingierten I hin! Sie werden schon fertig werden!" Gegner gekämpft, der sich ihm mit einer Schneidigkeit ohne-INun, was war's denn?"

gleichen jedesmal entwand, wenn er ihm alle Ausgänge IIch wollte Ihnen nur sagen', fuhr Böje fort,daß,:

versperrt zu haben glaubte. Tie Runzeln, die seine Augen I er rückte näher zu Helene heran,daß Sie zu jung umgaben, waren unter dem Druck wilder Kampfeslust I und zu gut und zu tüchtig sind; Sie müßen lebensfroh! gleichsam ineinander geschoben. Die Finger der mageren I und glücklich sein, es giebt doch so viel Schönes hier ,m Hand standen über dem Brett gespreizt und waren bereit, I Leben!" c , . Qr

dreinzufahren, sobald der Augenblick gekommen wäre. IEs ist nicht lange her, daß Sie ganz anderer Ansicht Sie fa?7nLffinT^ * <W TL anderer, ja. So geht es mit uns Stimmimgs-

6ie Kch, ßeit steckte sie die Nabel fest und schaute Menschen: das Leben ist ganz so wie wir, es entleiht unserer mit etoem ae^nlenttonfn & ÄUtt? fleimneten Fenster Stimmung die Färbung; Sie aber haben Mich gelehrt daß Kinrnta geoamenvouen ^ncr zum geossneien pengm nicht durch seine Stimmungen beherrschen lassen

Von dem Felde hinter dem Garten drangen Rufe und darf man muß zeigen, daß man einen Willen hat. War es Lachen zu ihr herein, vermischt mit dem singenden Klang | nicht so i des Sensenwetzens. Die Wärme wogte durchs Fenster, einen IAi t

Tust von Spiräen und frisch gemähtem Roggen mit sich I dc entlieh selber nicht

führend. Eine große metallisch schimmernde Schmeißfliege I bin so erfüllt von tch w ß ,6-usdrana von so schwirrte duräjS Zimmer mit einer Musik, die sich wie I wovon von JoI^n «ufüm flfa m» ha mir ein übermütiger Hohn in das schweigsame Grübeln des | A»len Planen, J h Eeat und auf mich

Redakteurs hineindrängte. Hin und wieder unternahm sie Plötzliches viel erschloßen, das vor mir liegt und aus miq einen Ausflug nach dem Schachbrett und ließ sich sogar wartet. w 3 f H f-uMen Aua en.

einmal mit dummdreister Neckerei zwischen die schlanken Sie blickte zu ihm M, diesmal Mit feuchten Aug.n, Elfenbeinfiguren nieder, entdeckte aber im selben Augenblick ! werden schon glücklich / & werden

ein Paar großer funkelnder Augen und fuhr mit wildem _ »Das werde ich mit Gottes Hilfe, und das veroen

Entsetzen aus dem Gewühl heraus, freilich mit einer ge- ^e auch ein jeder der sich ernstlich' durchkampst, muß wissen schadenfrohen Befriedigung, weil es ihr gelungen Ä^cklich^werdem Jch h b b^z

war, eine weiße Königin, deren Schraubengang ein wenig Eder an w E Aucher z g ) stiften kann. Wer

S«'Redakteur, mit dem Fuße auf Jnn fcÄÄ

dem Boden stampfend,jage das abscheuliche Tier fort!" | Forst eine Anstellung erhalt n; (KlnTSoTS nllrfl, Tld Sie erhob sich und schlug mehrmals mit der Näharbeit

nach der Missethäterin, worauf sie sich wieder setzte.

Mit zusammengepreßten Lippen und tiefen Furchen zwischen den Augenbrauen saß sie da und starrte auf einen Jasminbusch, ihre Arbeit, die auf ihren Knieen lag, schein­bar völlig vergessend. Ihre Gedanken waren mit dem Artikel über die Unsittlichkeit beschäftigt, den ihr Vater an jenem Herbsttage geschrieben hatte, als Thomas kam und sie über­raschte, und den sie am Vormittage ganz zufällig in einem der großen Bücher wiedergefunden hatte, das ausgeschlagen auf dem Tische lag.

--Die Unsittlichkeit ist der Krebsschaden der Zeit.

/Cie wußte ganze Bruchstücke auswendig.) Die in der Menschheit glimmende, stets mehr und mehr um sich greifende Genußsucht, erzeugt durch schlüpfrige Romane und Schauspiele, hat sich all unserer Verhältnisse bemächtigt, die srüher durch Moral und Rechtschaffenheit geschirmt