Ausgabe 
21.4.1902
 
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Montag den LI. April.

1902. Nr. 59.

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laubt ihr, man könne kosten vom Gemeinen?

Man muß eS Haffen oder ihm sich einen.

Grillparzer.

Die Nacht.

Auf dunkeln Schwingen naht die Nacht, Und allen Freuden

Und allen Leiden,

Und dem Gram, den der Tag gebracht, Flüstert sie zu: Nun geh zur Ruh !"

Und müde senken die Lider

Auf träumende Augen sich, nieder.

Doch aus des Dunkels dichtem Flor

Steigt leise, leise Nach Geisterweise

Ter Sorgen düstre Schar empor, Won Nacyt umivallt.

Mit finstrer Gewalt

Zerstört sie den friedlichen Schlummer Durch nagenden, zehrenden Kummer

Und um die tiefste Mitternacht, Wenn alles schweiget Und ruht, da steiget

Der Zweifel empor aus tiefem .Schacht, Sein Eishauch zieht Wie Tod. durchs Gemüt

Und will den kindlichen Glauben

Ter ringenden Seele rauben.i

Auf dunklen Schwingen flieht die Nacht, Bor Sonnenstrahlen Schwinden die Qualen,

Schwindet des Zweifels finstre Macht?, Des Frühlichtes Schein Weicht die Sorgenpein,

Hell klingt's in den flutenden Schimmer: >,Jch glaube, nun last ich Dich nimmer!"

(Fortsetzung.)

Während der Jasminduft durch seine Fenster strömte und die Fledermäuse sich an dem Hellen Nachthrmmel i tummelten, lag er in stillen, schlaflosen Stunden da und sann darüber nach, was er am nächsten Tage mit thr besprechen solle, wo sie sitzen würden rc.

Merkwürdig war es, daß ihn jedesmal, wenn er an ihre bevorstehende Hochzeit dachte, eine unklare Mtststtm- mung befiel, ein dumpfer Schmerz, der mit kleinen Klauen.

Fräulein Therese Köstlin, die Tochter des Geh. Rrchenrats K ö st l i n, der bekanntlich, seit seiner Pensionier­ung in Darmstadt lebt, veröffentlicht in der letzten Nummer desHessenland" folgendes schöne Gedicht:

I Eines Morgens, als er an den Strand ging, hörte er einen KnabenLene" hinter einem kleinen Mädchen!

I herrufen. Ein eigenartig klangvoller Tonfall. Ein wunder­lich liebesberauschendes Gefühl erfüllte sein Herz. Wie gern

I hätte er dem Knaben in die Augen gesehen und chm mit ! der Hand übers Haar gestrichen!

An jenem Morgen saß er lange am Meere, lieber der weiten Fläche zuckte ein Spiel goldenroter Sonnenblche | und weißer Schaumstrahlen, die zwischen den grünen Furchen kamen Und schwanden. Junge Morgenwinde übten ihre Schlittschuhkünste auf dem endlosen Spiegel, wo sich kein Hindernis ihren kühnen Wendungen entgegenstellte. Draußen in der Ferne lagen zwei schaukelnde Möwen und I leuchteten tote ein paar weiße Knöpfe auf dein dunkel- ' .grünen Atlas, und über seinem Haupte hrntveg zog ein Flug Brachvögel in keilförmiger Ordnung, lange,, klang­volle Flöteutöne ausstoßend. Tas Ganze erweckte tn thm einen dämmernden Drang, der auf gehetmntsvolle Werfe von dem Rufen des Knaben seine Färbung erhrelt etwas, I Has sich mit Unruhe, Leiden, Entbehrung und Jubel auf I ciitiTtciI ntdbctc.

| Als er nach Hause kam, sah er sich nach Helene um,, fand sie aber nicht. Er wollte mit rhr über den Gerst tu

I der Natur reden, über diese tiefen Töne, die vom Meer und aus der Luft zu uns dringen, diese wunderbaren

I Sprachen, die den Geist auffordern, in dem Uebertrdtschen des Daseins zu verweilen. , .

Erst am Abend kam er dazu, mtt thr über seme Etn- I drücke zu reden, aber es war fast, als empftnde sie eine I Ach", sagte er, seine Hand auf ihren Arm legend, ich "habe Sie schon mehrmals um etwas bitten wollen^, darf ich Sie nicht in Zukunft Helene nennen? Wir kennen I einander nachgerade ja so gut!"

I Ja, das könne er natürlich gern thun.

| Thomas, kam im selben Augenblick tns Zimmer, und

(Nachdruck verboten.^ >

Die Möve.

Roman in zwei Bänden von Zacharias Nielsen« Autorisierte Uebersetzung aus dem Dänischen von Mathilde Mann.