Ausgabe 
21.3.1902
 
Einzelbild herunterladen

171

ttn ik kann em nich Behüben Ml nich behüben. He süht mi jo nich mal icutt. Wat schall ik dohn?"

Niklas kniff ein Ange zu und sprach davon, wie sie's mit der Hochzeit halten wollten, und Tobias machte Witze dazu, über die ein wohlerzogenes Mädchen erröten oder sich erzürnen mußte. Ebba that beides nicht! Sie saß wie aus Stein gehauen.

Mutter Marinka zupfte sie endlich am Kleid.©egg doch ook wat."

Jo, Moder, jo, ik segg wat. Ik glöw et gift to'r Nacht en Unwedder.--Höör bloß, wo he Wind Brunst"

In diesem Augenblick brach Wilm mit gellendem Mißton ab, warf die Harmonika auf den Tisch und sprang von seinem erhöhten Sitz.

Pause!" schrie der Wirt.

(Fortsetzung folgt.)

Zu Rad durch Korsika.

Nach einem Vortrage in der Sektion Gießen des

< Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins.

(Nachdruck verboten.)

Mit der Abenddämmerung des 6. April 1901 , war das französische Messagerieboot, das unsere vierköpsige Reisegesellschaft von Nizza nach Korsika bringen sollte, in See gegangen, und schon um 4 ,Uhr morgens verriet das Gepolter über uns, daß der kleine Dampfer eben in Ile Roufse landete. Noch herrschte Finsternis, sodaß man vom Lande nichts zu erkennen vermochte; doch verließen wir der Kajüte drangvolle Enge, um unsere Räder zu schützen vor der Rotte von Leuten, die auf Deck stürmten, um "auszuladen, jedoch wenig rücksichtsvoll umgingen mit allem, was ihnen in den Weg kam. In der Dunkelheit nahmen wir noch an Bord unseren Kaffee, aber sobald es tagte, schulterten wir die Räder und stiegen die Schifss- treppe hinab. Da standen wir denn auf dem Boden von Korsika! Vorläufig sah es hier genau so aus, wie irgend­wo anders: etwas Wasser, etwas Sand, ringsum dichter Nebel. Wir stiegen auf, und nach wenigen Minuten tauchte aus dem Nebel der kleine Ort Ile Ronsse. Kaum einen Menschen gewahrte man auf der Straße; dazu war es noch zu früh am Morgen, und dann hatten wir heute Ostersonntag, an dem man auch in Korsika gerne ruht und sich etwas Gutes gönnt, wie wir noch genugsam im Laufe des Tages erfahren sollten.

Die Straße läuft von Ile Rousse in westlicher Richtung nach Calvi, von der Eisenbahn begleitet. Allgemach ver­zog sich der Nebel, es wurde hell und warm. Tie Gegend bot anfangs nichts Besonderes: links Hügelland mit cin- zelnen Dltoenbäimteit, rechts das Meer und der flache, mit zerstreuten Felsblöcken besäte- Strand. Doch die Szenerie änderte sich bald. Schneebedeckte Gipfel ragten über die Hügelreihe, schroffe niedere Bergketten mit scharfen Profilen schlossen sich daran, ein prächtiges Höch- gebirgspanorama that sich im Süden auf, die Gegend des Monte Rosso, wie ein des Weges kommender Ein­geborener uns belehrt. Die Hänge am Wege waren bedeckt mit der berühmten Macchia, dem für Korsika charakte­ristischen Buschwald, der hier meist bestand aus dem immer­grünen Strauche einer Lorbeerart, baumartigem, weiß- blühendem Heidekraut, Myrten, immergrünen Eichen und der Cistrose, einem ebenfalls immergrünen Strauche mit weißen, der Heckenrose ähnlichen Blüten. Dieses Strauchwerk, das übrigens ein vorzügliches Versteck bietet, sowie die großen Rosmarinbüsche hauchten einen so starren Duft aus, daß er uns förmlich einen schweren Kopf verursachte, und wir uns erst nach einigen Tagen daran gewöhnten.

In flotter Fahrt ging es zwischen Meer und Bergen entlang. Die Eigenart der korsischen Landschaft trat immer mehr in die Erscheinnng. Aus dem Meere steigt schroff das Gebirge empor, oft ist die Straße eingesprengt oder von Klippe zu Klippe aufgemauert; Buchten schneiden ins Land, fast stets wo aus einem Gebirgsthal ein Bach zum Meere rauscht. Hin und wieder zeigt sich ein Fischer­fahrzeug in einer Bucht, sonst aber kaum eine Spur von Leben auf Straße und See.

In etwa 11/2 Stunden waren die 24 Kilometer bis Calvi zurückgelegt. Die kleine Hafenstadt bezeichnen die Bewohner als den Geburtsort von Christoph Kolumbus, und ihr Stolz ist ein Denkmal des Seefahrers. Ebenfalls dem großen Manne zu Ehren, aber auch weil der Touring-Club.

de Avance es bevorzugt, wandten wir uns in das Hotel Christophe Colomb. Madame hatte schon den Federhut auf, um zur Messe zu wandeln, empfahl uns jedoch der Für­sorge des Gemahls, der sich denn auch angelegentlich unserer annahm und ein recht gutes Frühstück herrichtete, dazu einige. Siphons und Wein herbeiholte. Der erste korsische Wein, den wir probten, schmeckte fast, wie der Buschwald roch, ungemein schwer und voll; infolgedessen mußte er, als fürs Rad nicht geeignet, gestrichen werden, und wir griffen zu leichterem Landwein, der sich als recht gut erwies.

Die Besichtigung der Stadt nahm wenig Zeit in An­spruch: hohe, schmucklose Häuser, ganz in italienischem Stil, am Hafen einige Kneipen, ein paar Soldaten vom Fort am Wasser, die angelten oder mit Wäsche beschäftigt waren. Spionenfurcht herrscht hier nicht; wir stiegen zu dem Fort hinauf und wandelten um die Mauern herum, ohne irgend­wie gestört zu werden. Der Fels, auf dem die Befestig­ungen thronen, war bis zum Meer mit mächtigen stacheligen Opuntien bewachsen, für Glacis gewiß eine empfehlenswerte Bepflanzung! Auf den Straßen Calvis begegneten uns auch gravitätisch mit Turban und Burnus einige Araber, ge­fangene Rebellen aus Algier, wie sie an verschiedenen Orten Korsikas interniert sind und beschaulich als Staatspensionäre leben.

Die Rast in Calvi war uns recht nötig, denn hier sollte die Fahrt in das Gebirge ihren Anfang nehmen. Bald hinter dem Orte begann das Schieben der Räder, woran wir zum Glück durch unsere Fahrten' im Schwarzwald alle gewöhnt waren.

Auf dem Col de la Rocca bassa am Cap Ca­vallo steht ein Seezeichen und erfreulicherweise auch ein Wirtshaus, in dem man wenigstens Brot und Wein haben konnte. Hätten wir gewußt, was folgte, wir hätten uns hier tüchtig vorgesehen; so aber saßen wir, der Schnelligkeit unserer Maschinen vertrauend, bald auf, und bergab ging es zum Thale des Fango hinunter. Der Kern des korsischen Gebirges mit seinen höchsten Häuptern breitete sich vor unseren Blicken aus. Kurz hinter der Fangobrücke erschien noch ein Bergwerk mit einigen Gebäuden, dann wurde es immer einsamer und wilder; der Weg hatte sich gewandt, und wir fuhren dem Innern des Landes zu. Zwei Cols (Paßhöhen) von nicht unbeträchtlicher Erhebung waren nach unserem Reiseplan noch zu überwinden, ehe wir den ersten bewohnten Ort Osani erreichen würden; doch am Wege sollten ja einige Cantinieras liegen, Wohnungen der Straßenwärter, welche gleichzeitig auch Wirtschaft betreiben. Vorhanden waren diese Cantinieras freilich, allein keine Menschenseele ließ sich blicken; sämtliche Bewohner benutzten den Osterfeiertag, um ihrer Einsamkeit zu entrinnen und wieder einmal unter Menschen zu weilen.

An langen, steilen Berglehnen windet sich die Straße übrigens wie alle korsischen Staatsstraßen in vorzüglichem Zustande zur Höhe, die Berge bis hinauf mit dem dichten Buschwerk besetzt, tief unten rauscht der Bach durch fein Felsenbett. Kein Dorf, kein Haus liegt auf der Straßen­seite, nur jenseits der Schlucht, drüben am Hang zwischen Busch und Felsen, steigt hin und wieder Rauch! auf, schein­bar aus Steinhaufen; doch es sind kleine Dörfchen, die da am Berge kleben, zwischen Felsen eingeklemmt und nur aus eilt paar Häusern bestehend, soweit man überhaupt von Häusern reden darf. Denn jene viereckigen,- kaum mannshohsn, roh aus Steinbrocken geschichteten Kasten, bereit plattes Dach mit Erde zugestampft ist, die als einzige Oeffnung die Thüre zeigen, oder höchstens noch ein Loch als Fenster, machen kaum den Eindruck menschlicher Wohnungen. Jetzt erkennen wir diese Ansiedelungen ganz deutlich, und auch wir werden bemerkt; die Bewohner kommen aus ihren Höhlen, man sieht, daß die ungewohnte Erscheinung von 4 Radlern ihre Aufmerksamkeit erregt. Hinüber zu ge­langen aber wäre unmöglich, das Thal mit steilen Wänden trennt uns.

Mittag war vorüber. Die Seeluft hatte Appetit ge­macht, unser Frühstück von Calvi war längst verarbeitet, das Stück Brot auf Rocca bassa war kaum zu rechnen. Die erste Cantiniera hatte sich als geschlossen erwiesen. Eifrig trat der Gummibecher in Thätigkeit, denn am Wege standen, so oft eine Quelle sprudelte, schöne, in hohem Bogen auf- gemauerte Brunnen. Wie haben wir diese am ersten öfter* tag schätzen gelernt! . , ..

Hinauf geht's zum Col de Parma; schon zeigt sich der Kamm des Berges, und am Paß eine Canttniera. Also