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1902. — M. 43.
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fit guten Zeiten — wo sind sie?"
„Die biedern Leute — wer find't sie?"
So klagt ein alter Spruch.
Mir deucht, es gibt wohl noch immer genug
Bon beiden —
Man muß sich nur bescheiden.
R. Waldmüllcr-Duboc.
(Nachdruck verboten.)
Tobias Breeden.
Von Luise Westkirch.
(Fortsetzung.)
Ter schritt weit aus, hielt die Hände in die Taschen und pfiff. Er wollt's dem Begleiter zeigen, daß er für ihn nicht vorhanden war. Wilm ging schweigend neben ihm und hielt Schritt, was für Bogenlinien jener auf dem weichen Wiesengrund auch beschreiben mochte. So oft Ebba auf ihrem Weg durch die Dünen sich angstvoll zurück- wandte, sah sie die zwei schwarzen Gestalten in dem flimmernden Nebel wandern, schweigsam, eilig, dunkel wie zwei Schatten. Endlich bogen sie um den Fuß der vorspringenden Düne. Des Mädchens Blick erreichte sie nicht mehr.
Ta stellte Wilm plötzlich, unerwartet seinen Begleiter.
Nu mang us twee! Wahr' dine Ohren, du Schelm!" „Ti jökt wol de Puckel? — Musikante, wat wuttst?" „Ja, du hest't höllschen inn Munne! Ich prahl' un gröhl nich vor Fruenslüe, man up'r Ms' herüm danzen laut ik mich nich!"
Mit raschem Griff faßte er den andern um den Leib. Jan Jürgens war ein Bär an Stärke, aber Wilm besaß die Geschmeidigkeit einer Pantherkatze, und auf einen so jähen Angriff war der Schiffer nicht vorbereitet gewesen, er hatte ihn dem verachteten Gegner nicht zugetraut. Er konnte keinen festen Fuß wieder gewinnen. Er taumelte, er glitt; fluchend stürzte er. Wilm faßte ihn bei den Ohren," drückte sein Gesicht ins feuchte Gras und bearbeitete mit kräftiger Faust seinen Schädel.
„So! To heft bu de Quittung sor dien „Landratt"! Mark di't".
Und mit einem letzten kräftigen Schlag ließ er der. Zerdroschenen los, und sprang in raschen Sätzen dem Dom zu. Brüllend rieb jener feinen Kopf. Die Lust zur Verfolgung war ihm vergangen. Mer er ballte knirschend oie Fäuste.
„Tat will ik di ankrei'en! Dat schallst du mi betalen!" Seine Augen schillerten grünlich. Auf seinen Lippen stand Schaum.
Ter andre hatte schon die Ortschaft erreicht. Fröhlich
hallte,: seine Schritte auf den Backstemstergen, bte sich durch den tiefen Sand der Straße zogen. Im letzten Häuschen hatte die Witwe Mahren dem Burschen em Kammerchen abaelassen, ein kleines Gelaß mit weißgetünchten Wanden, das nichts enthielt, als ein sauberes Bett und den nötigsten Hausrat. Aber Wilm Jansen hatte seiner Kahlhert einen Anstrich von Persönlichem, Wohnlichem gegeben. Vor bette Fenster standet: Blumen und ein Bauer mit einem Kanarnn- vogel. Tie Ziehharmonika hing an der Wand neben der treuen Flinte und dem Briefbeutel.
Wilm zündete ein winziges Lämpchen an, und zog eine Kerbschnitzerei aus einer Lade. Seine Wangen hatten s:ch gerötet, und er lachte fröhlich auf in der Erinnerung an d:e ausgeteilte Züchtigung. Dann setzte er sich an die Arbeit.
„En fein Präsent für Ebba! Paß auf, Deern! 'n Tämelak bin ich nich. Hätt' ich zu sagen bei Marinkamoh, sie müßte mir das Haus mit Gästen vollstopfen b:s unters Tach, ttnd Ebba sollte für sie kochen. Wenn eine ein Haus hat und Gärten, und 'ne Kaffeewirtschaft und kömmt auf keinen grünen Zweig! — 's is doll! Halt' ich man zwer- hundert Mark! Ich wollt' 'nen Laden aufthun, an Sommergäste verkaufen, was sonst auf'm Eiland nich zu kriegen:s. Hier sind die Leut' all wie eingefchlafen! ,Antje, bet'" heißt's, ,'t Speck ward us stöhle::." Wer ich bin mch von der Sorte. Töw, Ebba, töw! Ter Anfang ist gemacht. Fünfzig Mark stehen auf der Kasse in Norden. Weun's erst zweihundert sind —" , m ,
Er sprang auf, nahn: sein Instrument von der Wand und sich auf die Fensterbank mitten zwischen die blühenden Blume,: in den Mondschein setzend, spielte er ein feunges
Inzwischen trat Ebba in ihr Haus. D:e Mutter inckte am Küchenherd über einem schwarze,: Strickzeug.
„Büst da, Wicht? Ik meen', du knmmst vundage n:ch töebbet !z/
„Moder, mit Jan is dat nich to't: Uthollen!"
„Wat deiht he di denn?"
„He frijet na mi. So'n riven Patron! Ick hew em min Lewdag nich tieben könnt!"
„Frijen? — Dat Helt all ’n attner besorgt."
„En anner!?"
„Tobias Breeden."
„So."
„Vor Niklas."
So "
"<£>o, so! — Is bi be Mund to wussen, Deern?"-
"v/Moder!" .
„Jo, jo, ich seh't all kamen. Hest n:x in'« Koppe as die,: mojen Jong, dien Wilm Jansen! Dat ik br an de ©trat in be Bredouille siite, bat mkommodeert bt W Tweemal hett de Gerichtsbot' nafraat un to Ostern mutt wi ut'n Huus. Di is't gltekveel. Aber:k! - Ach, wenn miet: Sühn Jörk noch leevde, to-eer ik mch so n arm ver- laaten Wif!"


