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einer unregelmäßig gestalteten Landschaft, auf Bergspitzen, Kirchturm-Mastspitzen ic. dicht übereinander, und sind überhaupt vielfachen Unregelmäßigkeiten unterworfen, welche sich als Hemmnisse den sich ausbreitenden elektrischen Wellen entgegenstellen, und diese dämpfen, zersplittern, auffangen und reflektieren. .Höhere Luftschichten haben nun auch im allgemeinen ein höheres Potential, und es ist deswegen ohne weiteres verständlich, daß zwischen zwei hochgelegenen funkten zu beiden Seiten einer Meeresfläche ungleich viel essere Vorbedingungen' für eine Telegraphie ohne Draht herrschen, als im Binnenlande. Eine von den hohen Getreidefelsen der englischen Steilküste abgesandte elektrische Welle eilt sonach nicht in gerader Linie oder Ebene, sondern in der Krümmung derjenigen Kugelschale fort, welche der Höhe des Absendeapparates über dem Erdboden entspricht, und zwar ist die Entladungsgeschwindigkeit und das Lei- tungsvermögen um so größer, in je größerer Höhe sich der Sender befindet.
Allen diesen Vorbedingungen war bei den jüngsten Mar- conischen Versuchen aufs beste Genüge geleistet. Es müssen aber außerdem noch besonders empfindliche Empfangs- apparate in Thätigkeit gewesen sein; und daß ausnahmsweise günstige atmosphärische Verhältnisse dem Gelingen gewaltigen Vorschub leisteten, geht schon daraus hervor, daß Marconi seine Versuche nicht nur, um in Cornwallis eine neue und stärkere Station zu bauen, sondern auch wegen des Eintritts von schlechtem Wetter abbrach.
Jedenfalls steht so viel fest, daß, als an dem von Marconi vor seiner Abreise von Europa vereinbarten Tage die englische Station zu sprechen anfing, jenseits des Ozeans tn Canada der verabredete Buchstabe S sehr deutlich vom Empfänger in Morsezeichen ausgeschrieben wurde, ein Versuch, der auch an den nächsten Tagen mit Erfolg wiederholt wurde. Eine internationale Kabelgesellschaft, die sich begreiflicherweise durch Marconis Erfolge aufs höchste beunruhigt fühlt, setzt auch bereits alle gesetzlichen Handhaben in Bewegung, um dem Erfinder die Fortsetzung der Versuche auf canadischem Boden zu verbieten, was natürlich nur die Folge haben kann, daß diese auf anderem Boden wiederholt werden, wo der Eigennutz der Gesellschaft ohnmächtig ist.
Mag bis znr praktischen Verwertung der Erfindung für den transozeanischen telegraphischen Verkehr auch immerhin ziemliche Zeit vergehen, so kann man doch ihre Tragweite kaum überschätzen, und Marconi hat Recht, wenn er sich in berechtigtem Stolze dahin äußerte, daß seine Errungenschaft für die ganze Menschheit ein hohes Weihnachtsgeschenk bedeute.
Inzwischen hat auch die Indienststellung der Telegraphie ohne Draht für den öffentlichen Verkehr erfreuliche Fortschritte gemacht. In den Sumpfgegenden des Peiho, die irrt vergangenen Jahre der Schauplatz der chinesischen Unruhen waren, waltet sie als Zwischenglied der Telegraphenstrecke Tientsin-Peking. Eine bedeutende Anzahl Stationen befindet sich im Gebiete des Kongostaates, und im Sandwicharchipel sind Hilo, Honolulu und Lanai in dieser Weise mit einander verbunden. Die eigentliche Domäne der Erfindung sind jedoch die Schiffsmeldestationen, wie Borkum, ferner Leuchttürme und Marinesignalstationen. So ist z. B. der Roter- sandtnrm an der Wesermündung mit dem Kaiserdock in Bremerhaven, Cuxhafen mit den Feuerschiffen der Elbmün- dung und mit Helgoland auf diese Werse in Verbindung gesetzt. Sturmwarnungsstationen an den Meeresküsten werden in steigender Anzahl mit den notwendigen Apparaten zur ununterbrochenen Abgabe von Wetterwarnungen an die außer Sehweite oder bei nebligem Wetter vorbeifahrenden Schiffe eingerichtet, und ebenso ist bereits ein großer Teil der Kriegsschiffe unserer deutschen und fremder Marinen entsprechend ausgestaltet. Die längste im Betrieb befindliche Linie funktioniert zur Zeit aus der Strecke von Kap Lizard in Cornwallis nach St. Chatarine's Point, auf der Insel Wight, wo eine Wasserstrecke von 300 Kilometer zu überwinden ist. Am originellsten ist aber die Einrichtung von Marconistationen auf den zwischen Ostende und Dover verkehrenden Postdampfern, welche dadurch in dauernder Verbindung mit ihren Ausgangshäfen bleiben. Es liegt nicht außerhalb des Bereiches der Möglichkeit, daß durch Schaffung besonders kräftiger Stationen auf den überseeischen Schnelldampfern auch diese auf
ihrer langen Fahrt über den Atlantischen Ozean in di« Lage gesetzt werden können, mit dem Festlande zu sprechen. Tie vieltägige Abgeschlossenheit von den Weltereignissen, welche in unserer anspruchsvollen Gegenwart von den Schiffspassagieren unangenehm empfunden wird, dürft« damtt ihr Ende erreichen, und der Reifende auch mitten aus dem Ozean Fühlung mit der übrigen Menschheit behalten.
Unabsehbar sind endlich die Folgen für einen Zukunftskrieg zur See. Während früher manche , stolz« Flotte vernichtet worden ist, weil man sie vom Heimats- lande aus nicht vor dem Herannahen eines übermächtigen Feindes warnen konnte, eröffnet sich jetzt die Möglichkeit, das heimische Geschwader, auch wenn man dessen Aufenthaltsort nicht genau kennt, mit allen wünschenswerten Nachrichten zu versehen, so daß es entweder Zeit zur eigenen Rettung gewinnen oder an einen wichtigen Punkt entsandt werden kann, wo es zurzeit von unberechenbarem Nutzen ist. ______________
Die Lampe und ihre Behandlung.
„Ich weiß nicht, woran es liegt, daß Ihre Lampen stets hell brennen, während meine Lampen stets Anlaß zu Klagen geben; wir haben doch das gleiche Fabrikat und brennen dasselbe Petroleum." So redete eine Nachbarm zur andern. Letztere war gleich bereit, das Geheimnis zu lüsten. Sie wußte sehr wohl, schreibt der „Praktrsche Wegweiser", Würzburg, daß ihre bequeme Nachbarin sich herzncp wenig um ihre eigensten Angelegenheiten kümmerte, sondern alles vertrauensselig ihrer Magd überließ. Deshalb setzte sie ihr auseinander, wie sie sich die Besorgung und Rernrgung der Lampe sehr angelegen sein lasse; denn die beste Lampe kann nicht hell brennen, wenn sie nicht sorgfältig rem gehalten wird .Das Reinigen darf aber nicht abends kurz vor dem Anzünden geschehen, sondern am Hellen Tage, um die Unreinheiten besser sehen zu können. Die Zuglöcher müssen vollständig frei sein, damrt dte Luft ungehindert zur Flamme kommt. Cylrnder und Glocke müssen recht klar geputzt sein; der Docht muß in gleicher Höhe über dem Rande stehen. Von Zeit zu Zeit muß auch das Petroleumbassin gereinigt werden. J®tc Lampe, in dieser Weise behandelt, wird Helltgkeit verbrerten. Ein gutes, helles Licht ist aber nicht bloß wichtig für alle Arbeiten, es ist auch heilsam für die Augen und macht das Zimmer freundlich und anheimelnd. A. B.
Zimmcrgiirtnerei.
Eine sehr leichte Methode, Topfgewächse zu vermehren, ist diejenige durch Ableger. Selbstredend fehlt es tm Zimmer an Platz, ganze Zweige niederzulegrer, und unter die Erde zu bringen, deshalb bringen wir bre Erde an bie Zweige, indem wir dieselben dort, wo wer durch euren kleinen Einschnitt Wurzeln hervorbringen wollen, mit ent re starken Papp-, Staniol- oder Blechdüte umgeben und drese mit der stets feucht zu haltenden Erde, Moos re. füllen. Ist dieses Erdbällchen von Wurzeln durchzogen, ,o schnreden wir das Zweigstück unter dem Tütchen einfach vollends durch, und pflanzen es nach Ablösung des Tütchens mit dem Ballen in einen Blumentopf. Auf drese Wrese können wir die widerspenstigen Pflanzen zur Vermehrung bringen. Tie Haupterfordernisse sind aber Geduld, Beobachtung des Lebens der Pflanzen und Liebe zu denselben.
Zahlenpyramide.
(Nachdruck verboten.)
1
1 2
3 12
12 3 4
3 12 4 5
Vokal.
Ausruf.
Werk.
Fluß in Frankreich. Stand,
6 5 1 2 3 4 Frucht.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Buchstabenrätsels in vor. Nr.r Moder — Mode.
Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckcrci (Pietsch Erben) in Gießen.


