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Wer weiß, ob sie diese nicht vor meinem Erscheinen ge­stohlen und sie irgendwo für sich selbst versteckt hat.> Gut, ich will jetzt, daß sie geht, aber sie soll mit leeren Händen gehen."

Untersuchen Sie mich!" rief Julie.Ich habe nichts genommen."

Tas iss nicht unsere Sache", entgegnete die Gräfin. -Meine Leute werden das übernehmen. Mein lieber Herr Rakenius, thun Sie mir den Gefallen, mir meinen ver­trauten Kammerdiener heraufzusenden. Sie kennen ihn ja, den Joses. Er hält sich immer unten im ersten Stock­werk auf. Ihm werde ich dann dies Mädchen anvertrauen, um somit dem Geschwätz der Dienstboten auszuweichen. Teshalb auch habe ich nicht geklingelt. O, gehen Sie nur! Haben Sie keine Angst, mich mit diesem Frauen­zimmer allein zu lassen. Ich fürchte nichts!"

! , 73. Kapitel. < :

Einige Minuten verstrichen. Gegen die Teppiche lehnend, die die Eingangsthür verdeckten, aufrecht stehend, verhin­derte die Gräfin Julie am Entwischen. Tiefe, in einem Winkel des Ateliers gekauert, wild und rachsüchtig, wie sie war, warf lange, bedeutungsvolle Blicke auf ihren Kerker­meister. Eine bizarre Idee schoß ihr selbst einen Augen­blick imrcEj das Gehirn: warum sollte sie sich nicht auf die Gräfin stürzen, mit ihren Händen, Nägeln, Zähnen den Schlafrock und auch jene selbst in Stücke zerfetzen? Gräfin Liga, nur in diesen Schlafrock gehüllt, der sie vor fremden Blicken schützte, müßte dann, wenn man eintreten würde, die Thür, die fie jetzt verteidigte, verlassen, ihren Posten aufgeben und sich hinter einem Schirm des Ateliers ver­bergen. Tann wäre ihre Flucht möglich.

Mer wozu denn jetzt entfliehen? Man dachte ja nicht mehr daran, sie zu verhaften; man wollte sie nur unter» e. Und was lag ihr daran? Tie Million schlummerte

: noch an ihrem Platze; sie hatte sie ja nicht an sich Nehmen können.

Tie Blicke aber, die die Gräfin auf Julie warf, waren Nicht von Haß erfüllt. Sie studierte mit Neugierde und einem gewissen Interesse, vom künstlerischen Standpunkte aus, dieses waghalsige, verdorbene, lasterhafte Geschöpf, diese Verbrecherin von zwanzig Jahren. Tie große Dame fand ihre Situation originell. Sie in einem Tete-a-tete mit einer gewesenen Zuchthäuslerin! Ihre noch etwas ver­wirrten Gedanken gefielen sich in dieser Zusammenstellung. Juliens Laster und Verbrechen ließen sie ihr größer er­scheinen; sie sah in ihr nicht mehr das Kammermädchen. Hatte Olga Doroukoff aus diesem Verbrechen nicht nur ihren Vorteil gezogen? War die Tötung der Frau von Sanden nicht Veranlassung zu ihren Beziehungen mit Georg Rakenius gewesen? Wenn sie nun nach jahrelangem Suchen und Erträumen eine wahre, tiefe Liebe endlich gefunden hatte wem verdankte sie das alles? Ter, die vor ihr stand, die in diesem Zimmer vor ihr war. In einigen Augenblicken wird sie sie der Polizei aushän- drgen. Tas war ihre Pflicht. Aber ein Gefühl des Haffes gegen jene fühlte sie absolut nicht.

(Fortsetzung folgt.)

Gefährliche Jagdabenteuer.

(Nachdruck verboten.)

Es dürfte bekannt sein, daß das Nashorn ein träges, gutmütiges Tier ist, das keinem Menschen etwas zu Leide thut, wenn man es ungeschoren läßt. Wird das Rhiuo- zeros aber gereizt, dann wird es sehr wild, greift mit Horn fumb Hufen feinen Gegner an, und es ist sicher, daß dieser dann sehr wenig Aussicht hat, mit dem Leben davon- Wkommen. Es dürste daher als ein großes Wunder er­scheinen, daß Oswell, ein Freund Livingstones, sogar Mveimal in seinem Leben ans dem Kampfe mit einem Rhinozeros mit knapper Not davongekommen ist. Er hatte einigen Elefanten erfolglos nachgespürt, und auf dem Heimwege zum Lager erblickte er ein weißes Rhinozeros, e dicht am Wege. Tas Fleisch int Lager war gerade st, feuerte er und verwundete das Tier, welches eiligst in bas Gebüsch floh. Tarum feuerte er schnell ob" zweiten Schuß ab, denn seine Erfahrung hatte ihm gelehrt, daß das weiße Rhinozeros gewöhnlich schnell das

Weite sucht, wenn es verwundet iss. Er war deshalb int höchsten Grade überrascht, als das Tier stehen blieb, um sich plötzlich gegen ihn zu wenden. Er wartete noch immer, weil er jeden Augenblick dachte, das Tier würde zusammen­brechen. Er wartete aber zu lange, und als er endlich, die Gefahr in ihrem vollen Umfange erkennend, fein Pferd zu wenden suchte, gehorchte dieses weder Zügel noch Sporen. Tas verwundete Rhinozeros kam heran, bohrte sein Horn unter die Flanke des Pferdes und schlenderte Roß und Reiter in drehendem Wirbel in die Luft. Beim Fallen riß die Kante des eisernen Steigbügels ein großes Stück der Kopfhaut des Pferdes mit hinweg. Ter Reiter machte sich von dem Körper des Pferdes los und sah auch schon das Rhinozeros über sich stehen, dessen Horn sich ihm am Knie« ins Bein gebohrt hatte. Mer irgend etwas mußte die Aufmerksamkeit der Bestie ablenken; es drehte sich plötzlich um und kehrte in' das Gebüsch zurück. Jetzt kamen auch die Gefährten Oswells heran; er lieh sich von einem derselben eine Flinte, bestieg trotz seiner Ver­letzungen ein kleines Pferd, verfolgte und erlegte das Rhinozeros und nahm das Horn desselben als wertvolle Trophäe mit nach seiner Heimat. Major Vardou fand seinen Freund bald nachher, .unter einem Busch sitzend, seinen Kops mit den Händen haltend", wie er später seinem Freunde Livingstone berichtete.

Oswells zweite Erfahrung auf diesem Gebiete kam ihm bedeutend teurer zu stehen. Er war dieses Mal zu Fuß, als das Rhinozeros ihn angriff und ihn wieder wie das erste Mal auf das Horn nahm. Er fühlte im ersten Moment, daß er von dem Tier fortgeschleudert war, daß er durch die Luft flog, und dann vergingen ihm die Sinne. Als er wieder zu sich kam, saß er aus seinem Pferde, welche! von einem Eingeborenen geführt wurde, während ein anderer feine Flinte trug. Er ritt langsam wie im Traum weiter und begegnete einigen Leuten, die eine Art Trag­bahre mit sich führten, welche ihm auf der Reise als Bett gedient hatte. Auf seine Frage, warum sie ihm entgegen­kämen, antworteten fie, fie hätten gehört, daß er von einem Rhinozeros getötet worden sei und wären gekommen, seine Leiche zu holen. Tann legte er seine Hand mechanisch auf den Schenkel und fühlte, daß seine Kleider naß waren; er blickte auf seine Hand und sah, daß sie mit Blut bedeckt war; aber die Hand zeigte sich unverletzt. Er untersuchte sein Bein durch einen Riß in seinen Beinkleidern, und dieses war so empfindungslos, wie er später selbst erzählte, daß er bis auf den Knochen in eine tiefe, acht Zoll lange Wunde faßte, ohne den geringsten Schmerz dabei zu fühlen. Ter verwundete Nimrod mußte einen ganzen Monat lang das Bett hüten. Tie chirurgische Behandlung war aber sehr einfach, und die Heilung erfolgte schnell und voll­kommen.

Im Jahre 1895 wurde Peel mit einer kleinen Jagd­gesellschaft in Somaliland von einem von ihm verwun­deten Rhinozeros angegriffen. Die Jäger retteten sich indem sie seitwärts ins Gebüsch sprangen, bis auf einer Shikari (Ob erjag er), den man den Berg hinunterrafen sah, verfolgt von dem wütenden Tiere, das ihm dicht au* den Fersen war. Peel eilte ihnen nach und schrie dem Mann zu, er solle einen Seitensprung machen. Der Rat wurde befolgt, aber der Mann stolperte, während er zur Seite sprang, die Bestie holte ihn ein und nahm ihn mit dem Horn auf und führte, als er fiel, eine Anzahl furcht­barer Stöße gegen feinen Kopf und seine Seiten. Peel getraute sich nicht, auf das Rhinozerus zu schießen, weil er fürchtete, den Mann dabei zu töte«. So warf er nu: mit Steinen nach dem Tier, bis es endlich aufhörte, den Jäger zu maltraitieren; es lief plötzlich davon. Peel folgte dem Rhinozerus, erlegte es und kehrte dann zu dem Verwundeten zurück. In einer Schilderung, welche er später veröffentlichte, schrieb er wörtlich:Ich nähte seine Wunden zu und verband alle Tage seinen Kops von neuem,, und so erreichte ich, daß er endlich wieder Aehnlichkeit mit feinem früheren Selbst gewann; aber er war Zeit seines Lebens nach diesem Unfall nicht mehr viel wert." Daß er überhaupt mit dem Leben davonkam, verdankt«» der Shikari nur dem Umstande, daß das Horn des Rhi nozeros kurz und abgerundet und nicht lang und juger spitzt war.